Änderungspläne Nr. 239 zum Flächenwidmungsplan Linz Nr. 4 und zum Örtlichen Entwicklungskonzept Linz Nr. 2, KG Kleinmünchen (südlich Dallingerstraße)

I 1 · Ausschussantrag · 21. Sitzung

Berichterstatter:

Ausschuss:Ausschuss für Planung und Liegenschaften

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Beschlossen werden sollte die Umwidmung einer 13 Hektar großen Ackerfläche südlich der Dallingerstraße in Kleinmünchen von Grünland-Grünzug in Grünland mit Sonderausweisung für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage. Das Projekt wurde als Beitrag zur Energiewende und zur klimaneutralen Industriestadt Linz 2040 begründet; zugleich sollte die Fläche als Agri-PV weiterhin landwirtschaftlich nutzbar bleiben und ohne Bodenversiegelung auskommen. Gegen die Widmung standen vor allem die Vorrangigkeit von Dach- und versiegelten Flächen, die Lage in der Luftleitbahn Traun sowie negative fachliche Einschätzungen zu Landschaftsbild und Stadtklima. Auch fehlende Detailangaben zum Betreiber und zur konkreten Ausgestaltung wurden kritisiert. Die Verordnung wurde mehrstimmig abgelehnt.

Schlagwörter (10):photovoltaikfreiflächenanlageagri-pvumwidmungflächenwidmungsplanklimaschutzenergiewendestadtklimalandschaftsschutzlandwirtschaft
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werter Linzer Gemeinderat, erlauben Sie mir bei der Berichterstattung zu I 1 mit einer kleinen Reiseanekdote zu beginnen. 2022 besuchten wir unsere südkoreanische Partnerstadt Gwangyang im Süden von Südkorea. Gwangyang ist - so wie Linz - eine traditionelle, stolze Industriestadt mit einer großen Stahlindustrie und ist auch sehr bemüht im Bereich der Wasserstofftechnologie zu reüssieren. Den Kolleg*innen aus unserer Partnerstadt ist noch eine weitere Ähnlichkeit aufgefallen: Sie bezeichnen sich nämlich – das war auch in den Unterlagen und auf den Plakaten und Banner, mit denen Sie uns begrüßt haben, zu sehen - als ‚Sunshine City‘. Wir waren höchst amüsiert, dass sie Linz als ‚Solar City‘ bezeichnet haben. Offensichtlich - das hat damals bei uns für Erheiterung gesorgt - haben südkoreanische Suchmaschinen ein Bild gezeichnet, wo ein kleiner Stadtteil im Süden von Linz quasi sinnbildlich für die gesamte Stadt herhalten sollte. Das sollte meines Erachtens auch Ansporn dafür sein, dass wir in Österreich Vorreiter bei der Nutzung der Sonnenenergie werden. Bei der notwendigen Energiewende, bei der Abkehr von fossilen Energieträgern, bei unserem gemeinsamen Kraftakt bis 2040 eine klimaneutrale Industriestadt zu werden, kann und muss natürlich der Ausbau der Photovoltaik (PV) eine wesentliche Rolle spielen. Linz ist, glaube ich, schon auf sehr gutem Weg. Wir versuchen alle Möglichkeiten, die uns der Gesetzgeber in die Hand gibt, auszuschöpfen. Wir errichten auf 100 städtischen Gebäuden PV-Anlagen im Rahmen unserer PV-Offensive. Bis 2027 wollen wir 40 Prozent unseres eigenen Strombedarfs dadurch decken. Die LINZ AG ist sehr erfolgreich mit ihren Contracting-Modellen, mit denen sie Bürgerinnen und Bürgern, aber natürlich auch Gewerbetreibenden die Möglichkeit einräumen, auf ihren Dächern PV-Anlagen einzurichten. Die gemeinnützigen Wohnbauträger - und davon gibt es in Linz überdurchschnittlich viele - arbeiten an verschiedensten Modellen, dass auch ihre Mieterinnen und Mieter - genauso wie Private auf ihren Eigentumshäusern - von der Sonnenenergie profitieren können. Der Solarkataster - wenn ich Private anspreche - macht es Eigentümerinnen und Eigentümern relativ leicht zu überprüfen, ob eine PV-Anlage auch auf ihrem Dach sinnvoll ist. Wir arbeiten derzeit intensiv an einer neuen Ediktalverordnung, im Rahmen der wir vorschreiben, dass bei Neubauten - sowohl auf Wohngebäuden als auch auf Gewerbebetrieben - verpflichtend PV-Anlagen zu installieren sind. Zusätzlich - und da komme ich zum heutigen Tagesordnungspunkt - wollen wir natürlich auch PV-Freiflächenanlagen im Rahmen der Flächenwidmung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ermöglichen. Heute ist das erste Projekt im Gemeinderat. Es handelt sich um eine Ackerfläche mit einer Größe von 13 Hektar an der Dallingerstraße in der Neuen Heimat südlich des Gewerbegebiets Franzosenhausweg. Es befindet sich keine Wohnbauwidmung in unmittelbarer Nähe. Der Antrag sieht eine Umwidmung von Grünland-Grünzug in Grünland mit Sonderausweisung PV-Anlage vor. Ich möchte klarstellen, dass das Projekt in den letzten paar Wochen in den Printmedien aber auch in den sozialen Medien sehr missverständlich argumentiert und interpretiert wurde. Das ist Grünland und es soll durch die Umwandlung auch Grünland bleiben. Es findet keine Bodenversiegelung statt. Diese Fläche kann auch weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, wenn wir es schaffen, diese Anlagen im Rahmen einer Agri-Photovoltaik (Agri-PV), wie sie bezeichnet werden, zu errichten. Auch die Spazierwege, die rundherum führen, sollen weiterhin erhalten bleiben. Wir haben uns den Standort sehr konkret und genau angesehen und geprüft. Das ist nicht die allerbeste Ackerfläche, sie befindet sich in der Nähe der Stadtautobahn. Außerdem befindet sie sich unterhalb einer Vielzahl von Hochspannungsleitungen, die über das Gelände führen und sie ist in der Nähe eines Umspannwerkes. Es ist keine Hanglage, das heißt, die Anlage wäre nicht von weitem einsehbar. Das Areal befindet sich weder in der roten noch in der gelben Ausschlussfläche nach der DORIS interMAP des Landes Oberösterreichs und die Prüfkriterien des Landes - da gibt es mehrere - wurden alle erfüllt. Da ich die PV-Strategie des Landes angesprochen habe, gehe ich darauf ein, dass die Priorisierung, die das Land Oberösterreich vorsieht, nicht erfüllt ist. Ich möchte auf diesen Punkt im Detail eingehen, denn das wird nachher sicher von einigen Fraktionen als Gegenargumentation verwendet. Die Priorisierungsliste des Landes Oberösterreich sieht vor, dass man, bevor man PV-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ermöglicht, Anlagen auf Dächern genehmigen soll. Man soll Anlagen auf Deponien errichten, auf Parkplätzen, auf Verkehrsrandflächen, auf Straßen- und Schienenverkehrsanlagen, sowie auf Industrie und Gewerbeflächen. Erst wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann man an landwirtschaftlich genutzte Flächen denken. Das ist auch der Grund, warum das Land Oberösterreich in diesem Bereich einfach nicht vom Fleck kommt. Wenn Landes- und Bundesgesetzgeber den Städten und Gemeinden nicht die rechtlichen Möglichkeiten in die Hand geben, um hier tätig zu werden, zum Beispiel PV-Anlagen auf Parkplätzen vorzuschreiben, dann können wir diese Priorisierungsliste auch nicht erfüllen. So geht es allen Gemeinden in Oberösterreich. Auch das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz - ein sehr interessanter Name und eine Bezeichnung für etwas, was nicht sehr schnell unterwegs ist - kommt nicht vom Fleck. Es liegt derzeit offenbar in irgendeinem ÖVP-geführten Ministerium und harrt der Dinge. Ich bin auch nicht zuversichtlich, dass sich das bis zum Ende der Legislaturperiode noch ausgeht. Dieses Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz sieht angeblich eine Verpflichtung vor auf Parkplätzen PV-Anlagen zu errichten bzw. auch zu verpflichten bei bestehenden Parkplätzen, in einer Übergangszeit von 10 Jahren, PV-Anlagen errichten zu müssen. Ich möchte den Linzer Univ.-Professor Gernot Wallner zitieren, der kürzlich auch in den Medien zu lesen war, er meint ‚Wir brauchen Freiflächenanlagen‘, mit privaten Dach-PVs allein werde man die Energiewende nicht schaffen.' Wie es bei so einer Umwidmung üblich ist, haben wir natürlich verschiedenste Stellungnahmen eingeholt, es waren sehr positive Stellungnahmen dabei, aber es hat natürlich auch kritische und negative Stellungnahmen gegeben. Der Natur- und Landschaftsschutz - auf den ich speziell eingehen möchte - hat unterschiedliche Einschätzungen geliefert. Der Amtssachverständige des Landes Oberösterreich hat die Auswirkungen auf das benachbarte Europaschutzgebiet geprüft und keine negativen Auswirkungen festgestellt. Dagegen hält die Amtssachverständige der Stadt Linz die Flächen für nicht geeignet. Sie ist gleichzeitig auch Sachverständige des Landes Oberösterreich, danke für die Richtigstellung. Ihre Begründung: Eine PV-Anlage in dieser Größe hätte negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Dieses Kriterium sollte zukünftig - sollte es nach den Grünen auf Bundesebene bzw. nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz gehen - für die Bewilligung oder für die Verhinderung von PV-Anlagen nicht mehr relevant sein, um PV-Anlagen schneller errichten zu können. Auch die stadtklimatologischen Stellungnahmen unterscheiden sich. Der Klimatologe der Stadt Linz hält das Areal nicht für eine Freiflächenanlage geeignet, weil es sich in der Luftleitbahn Traun befindet - dort werde Kaltluft gebildet bzw. Kaltluft über das Areal transportiert. Vor allem aber wiederholt er auch die Priorisierung von versiegelten Flächen vor PV-Anlagen auf Grünflächen, ebenso wie das Land Oberösterreich. Etwas differenzierter beurteilte der Sachverständige des Landes die Situation, er sieht die PV-Anlage im Hinblick auf die Belüftung in den Abend- und Nachtstunden, also bei der Entstehung von Kaltluft unproblematisch, allerdings erwartet auch er an heißen Sommertagen einen Temperaturanstieg, wenn auch nur geringfügig. Zitat: ‚...in unmittelbarer Nähe der Anlage...‘ Er meint aber, dass diese Temperaturanstiege durch breitere Abstände zwischen den Paneelen abgemildert werden könnten. Genau diese Punkte - zum Beispiel die Abstände zwischen den Paneelen, die Errichtung von Agri-PV’s, bei denen die Flächen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können, die Wildkorridore um auch den Wildwechsel weiterhin gewährleisten zu können, die Höhe der Zäune, wo man möglichweise die Zäune so errichtet, dass auch kleinere Tiere sich noch darunter bewegen können, Begrünungen, usw. – all das - kann man im Rahmen eines naturschutzrechtlichen Verfahrens, das für die Errichtung solcher Anlagen vorgeschrieben ist, klären. Soweit dürften wir aber - den Medienberichten zu urteilen - höchstwahrscheinlich nicht kommen. Wir haben hier fachliche Stellungnahmen eingeholt und diese auch bewertet. Mir ist klar, dass die Abwägung der verschiedenen Interessen keine fachliche und sicher auch keine leichte Aufgabe ist, dessen bin ich mir bewusst. Das ist eine politische Aufgabe, die wir hier heute im Gemeinderat zu treffen haben. Heute hat der Gemeinderat die Möglichkeit, hier eine Weichenstellung vorzunehmen. Wollen wir den Ausbau von erneuerbarer Energie vorantreiben? Wollen wir der Bevölkerung und der Wirtschaft Alternativen zu fossilen Energieträgern anbieten? Wollen wir heute einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Wenn Sie diese Fragen alle mit ‚ja‘ beantworten, dann ersuche ich Sie, diesem Antrag zuzustimmen.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Die beiliegende Verordnung betreffend Änderungspläne Nr. 239 zum Flächenwidmungsplan Linz Nr. 4 und zum Örtlichen Entwicklungskonzept Linz Nr. 2, südlich Dallingerstraße, wird erlassen.
Wortmeldungen (8)EinblendenAusblenden

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, ich erachte die Umwidmung, die Verwendung von Grünland für PV-Anlagen, als einen komplett falschen Weg. Es ist aus meiner Sicht die Todsünde unserer Zeit, es entspricht dem Diktat der sogenannten grünen Energie. Auch wenn Herr Stadtrat Prammer glaubt, für den Klimaschutz müsse man zustimmen, ist das aus meiner Sicht genau diametral entgegengesetzt zum Tagesordnungspunkt E 2, den wir heute beschlossen haben. Es ist zu kurz gedacht. Wenn man auf der Autobahn von München Richtung Braunau fährt, sieht man wie viele PV-Anlagen dort bereits sind. Was man nicht berücksichtig hier in Linz ist, dass es wissenschaftliche Artikel gibt, die erklären, dass PV-Anlagen die Luft erwärmen und gegen den Klimaschutz wirken. Zudem ist noch ungeklärt, inwieweit Spiegelungen die gesamte Vogelwelt betreffen. Zudem ist dieses Gebiet unmittelbar neben einer Au. Ich halte diesen Vorschlag für gänzlich ungeeignet und werde diesem Antrag absolut nicht zustimmen. Nachdem ich mich mit den Punkten I 2 bis I 7 nicht wirklich auseinandersetzen konnte, melde ich bereits an, dass ich mich bei diesen Punkten enthalten werden. Danke.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin bei sehr vielem völlig d'accord mit Stadtrat Prammer. Ich bin - obwohl wir uns bei diesem Antrag enthalten werden - auch seiner Meinung, dass wir das mit den Dachflächen allein nicht schaffen werden. Photovoltaik ist einfach ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende, es wird nicht anders funktionieren. Allerdings sind auch wir dafür, zuerst PV-Anlagen auf Dächern und auf versiegelten Flächen zu errichten. Natürlich fehlt uns dafür die rechtliche Handhabe - wir können niemanden zwingen. PV-Freiflächenanlagen auf Grünland müssen aber wirklich der letzte Ausweg bleiben. Beim vorliegenden Projekt gibt es einige schwerwiegende Einwände, gerade im Hinblick auf die ökologische Verträglichkeit der geplanten Anlage. Mir stößt zudem sauer auf, dass Unterlagen zum Betreiber bzw. zum Projekt fehlen. Es stimmt, diese Agri-PV ist durchaus möglich, das ist keine Frage. Ich weiß aus der Praxis - ich habe mir einige Sachen angesehen - wie das funktionieren kann. Wenn einmal die Widmung da ist, gibt es sehr viele Möglichkeiten, wie man das gestaltet und wenn es ein*e nicht landwirtschaftliche*r Betreiber*in ist - die sehen das relativ schmerzbefreit - gibt es meistens eine sehr alibiartige landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Es wäre schon gut gewesen, wenn wir gewusst hätten, wer der*die Betreiber*in ist und wie genau er*sie sich die landwirtschaftliche Weiterbetreibung vorstellt. Es ist möglich, aber es wäre schon gut, wenn man das vorher weiß. Auf dieser Riesenfläche kann ich mir beispielsweise Tierhaltung nicht vorstellen. Meistens treibt man dann ein paar Schafe darunter und das ist dann Agri-PV, ich will niemandem etwas unterstellen. Es wäre aber gut gewesen, wenn man gewusst hätte, wie das Projekt im Endeffekt aussehen sollte. Man hätte sich damit in der Beurteilung wesentlich leichter getan. Wir werden uns bei diesem Antrag enthalten.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Dietmar Prammer. Eine große PV-Anlage, schnell errichtet auf der grünen Wiese, scheint attraktiv, das finden wir auch und auch der Boden dort ist nicht besonders gut, Michaela Sommer, du hast es gerade gesagt. Doch auch unseres Erachtens passt die Vorgehensweise nicht. Wir stolpern schon wieder in etwas hinein, weil ein privates Unternehmen, dessen Namen wir nicht kennen, dort aktiv wird. Dort ist aber ein ausgewiesener Grünzug und die stadteigenen Experten, das ist jetzt eine Wiederholung, sehen das konsequenterweise negativ. Gleichzeitig haben wir jedoch Unmengen an versiegelten Flächen, Dächer, Parkplätze usw., wo wir nicht, kaum oder nur sehr langsam in die Gänge kommen - und das seit Jahren. Das Donauparkstadion z. B., Kollege Michael Roth-Schmida fragt das immer wieder: Warum sind dort keine PV-Anlagen? Auch auf der Tabakfabrik wäre einiges vorstellbar und bei der GWG ist das Potenzial bei den ganzen Wohnbauten riesig und Luft nach oben. Doch - und das ist mir am wichtigsten zu sagen - wir sehen in diesem Präzedenzfall auch eine Chance. Was normalerweise wir als Opposition machen, nämlich Ideen auf den Tisch zu legen und die Debatten zu eröffnen, das macht jetzt dieses Projekt. Dieser Fall kann zum Anlass genommen werden, Grundprinzipien für PV-Anlagen oder Agri-PV auf Linzer Grünflächen zu erarbeiten. Abgesehen davon wissen wir auch nicht wie hoch der Bedarf von PV-Anlagen auf Grünflächen ist und ob wir das überhaupt brauchen. Das ist jetzt zwei Mal angesprochen worden, aber im Klimaneutralitätskonzept steht es z. B. nicht. Mir stellt sich die Frage, welche dieser Flächen wir als Stadt wollen und welche nicht, wo wir sie wollen und wo nicht. Michaela Sommer, du hast das auch gerade gesagt. Das heißt, man müsste eigentlich Parameter und gewisse Grundvoraussetzungen fixieren, dann könnten wir steuern und entsprechend bestellen. Das wäre nebenbei auch für die Investoren sehr praktisch, weil sie dann keine Leerläufe haben, so wie sie es vielleicht jetzt haben. Wir enthalten uns bei diesem Antrag.

Es ist sehr viel gesagt, darum versuche ich nur mehr zusammenzufassen, was für unsere Entscheidung ausschlaggebend war. Grundsätzlich befürworten wir PV-Anlagen. Ich glaube, dass wir, auch wie ich den anderen Wortmeldungen entnehme, einen sehr breiten Konsens haben. Wir befürworten PV-Anlagen grundsätzlich und sind grundsätzlich der Meinung, dass PV-Anlagen auf Dächern und bereits versiegelten Flächen Vorrang haben sollen. Ich sage nicht, dass man erst dann über etwas anderes nachdenken darf, es muss heißen: ‚Auch auf Freiflächen sind sie möglich‘. Aber aus meiner Sicht, aus unserer Sicht, eben nur dann, wenn die Flächen geeignet sind. Flächen sind sicher nicht geeignet, wenn die relevanten Fachleute in unserer Stadt zur Erkenntnis kommen, dass sie nicht geeignet sind. Dietmar Prammer, du hast schon viel über die Beurteilungen von Fachleuten des Landes und der Stadt gesagt. Vielleicht hast du es auch dazu gesagt und ich habe es überhört, aber ich möchte es noch einmal sagen: Die Stellungnahme des Landes ist in Summe negativ. Bei all dem, was relativiert wird, ist die Beurteilung dieser Fläche in Summe negativ. Ich lese die negative Beurteilung der Stadtklimatologie kurz vor. Die Zusammenfassung sind nur zwei Sätze, das Gutachten ist natürlich länger: ‚Aus stadtklimatologischer Sicht ist das Areal nicht für eine PV-Freiflächenanlage geeignet‘. Das ist also unmissverständlich und es wird auch erklärt, warum: ‚Im konkreten Fall liegt das Areal in der Luftleitbahn Traun. Es kommt zur Bildung von Kaltluft und andernorts gebildete Kaltluft wird durch Luftströmungen über das Areal transportiert. Das Areal ist aus stadtklimatologischer Sicht hochwertig und daher besonders zu schützen.' Ich glaube, dass man so eine klare, eindeutige Aussage auch entsprechend ernst nehmen muss. Warum glaube ich das? Wir haben in unserer Stadt im Sommer Tropennächte gemessen. Tropennächte sind die Nächte, wo die Temperatur nicht unter 20 Grad abkühlt. Das heißt, das sind die Nächte, wo man schlecht schläft und wo es bereits zu Gesundheitsbeeinträchtigungen kommt, weil es für den menschlichen Körper einfach zu warm ist. Diese Tropennächte sind unterschiedlich verteilt im Stadtgebiet. Im Süden und im Norden, wo es Kaltluftentstehungsgebiete gibt, wo Kaltluftdurchflussgebiete funktionieren, haben wir jeweils fünf Tropennächte gemessen. Das ist schon gar nicht so wenig für einen Sommer. Wir haben aber im Innenstadtgebiet, bei der Glöckel-Schule im Zentrum, wo das alles nicht mehr funktioniert, weil viel verbaut ist und es wenig Grün- und Ausgleichsraum gibt, 19 Tropennächte gemessen. Das macht ganze 14 Nächte, das sind zwei Wochen, weniger erholsamen Schlaf für die Innenstadtbevölkerung. Das ist genau der Punkt, warum ich davon überzeugt bin, dass wir die Ratschläge und die Stellungnahmen unserer Fachleute ernst nehmen müssen. Wir können uns schlichtweg nicht erlauben, dass wir diese Verschlechterungen auch in anderen Stadtteilen herbeiführen. Daher ist für uns klar, dass man nicht zustimmen darf, wenn so eine unmissverständliche Stellungnahme auf dem Tisch liegt. Ich mache jetzt schon noch einen Nachsatz. Ich sage - wie bereits erwähnt - nicht, dass wir gar nicht über Freiflächen nachdenken dürfen, so lange nicht alles zugepflastert ist in der Stadt. Aber davon sind wir ganz weit weg. Weder im Industriegebiet sind auf den Dächern durchgängig PV-Anlagen noch sonst wo in der Stadt und wir haben keinen einzigen Supermarktparkplatz mit PV-Anlagen zugepflastert. Ich glaube, wir sind uns einig, dass es gescheit ist PV-Anlagen zu errichten, aber dass wir auf keinen Fall dort anfangen sollten, wo die Fachleute sagen, dass es ein besonders schützenswertes Areal aus Sicht der Stadtklimatologie ist. Wir dürfen uns nicht erlauben, dass wir sehenden Auges Verschlechterungen herbeiführen, noch dazu, wenn es überhaupt keine Not dazu gibt. Meine Fraktion wird daher nicht zustimmen.

Vielen Dank Herr Bürgermeister, Kollegin Schobesberger hat schon viel Richtiges gesagt. Stadtrat Prammer hat gesagt, dass es politisch geklärt gehöre und wir zustimmen müssten, wenn wir den Ausbau der erneuerbaren Energie wollen. Ganz so einfach ist es leider nicht. Wir sind natürlich alle, das ist schon festgestellt worden, für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Es ist aber wichtig zu klären, wie das zu machen ist und das ist politisch zu klären. Wir für unsere Fraktion haben das auch geklärt, wir werden uns hier enthalten. Wir sind im Sinne der Priorisierung - auch wenn es schwierig ist - natürlich dafür, dass zuerst auf versiegelten Flächen PV-Anlagen kommen, insbesondere auf Einkaufszentren und großen Industrieanlagen. Warum? Weil dort auch die Infrastruktur gegeben ist, weil dort das Stromnetz schon vorhanden ist, weil dort die erforderlichen Trafos und Mittelspannungskabel vorhanden sind. In der Agri-PV sind die zusätzlichen Infrastrukturen nicht gegeben, sie müssten errichtet werden und verursachen Kosten. Da stellt sich auch gleich die Frage, wer diese Kosten trägt. In Summe trägt die nämlich wieder die Allgemeinheit. Ich möchte noch etwas Grundsätzliches zur Energiewende sagen, weil diese jetzt so betont wird. Für uns bedeutet Energiewende - so ist es eigentlich auch aus der Klimabewegung, aus der Umweltschutzbewegung gekommen - mehr als nur den Austausch einer Strom- oder Energieerzeugungsform. Ähnlich wie bei der Verkehrswende ist das mehr als der Austausch einer Antriebsform. Energiewende heißt in Wirklichkeit Veränderung im System und da stellt sich die Frage der Suffizienz. Suffizienz bedeutet, dass der verantwortliche und maßvolle Umgang mit Ressourcen an oberster Stelle steht. Das sehen wir nicht immer als gegeben. Oft wird einfach nur ausgetauscht und versucht, ein Projekt als ‚grün‘ zu verkaufen. Zusätzlich sehen wir bei der aktuellen Energiewende auch die Gefahr, dass nur einige wenige profitieren, wie zum Beispiel bei diesem Projekt und die Allgemeinheit die Kosten tragen muss. Deshalb werden wir uns enthalten.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Dachfläche vor Grünfläche, so muss die Devise lauten. Nach den Wortmeldungen meiner Vorrednerinnen und Vorredner sehen wir das hier großteils so. Deswegen ist es befremdlich, wenn gerade in unmittelbarer Nähe zu bereits versiegelten Flächen, erst recht Grünflächen für solche Projekte verwendet werden. Wir haben uns vor Ort ein eigenes Bild davon gemacht. Da ich nur Hobbygärtner auf meinem Balkon bin und kein Landwirt, ist es für mich schwierig zu beurteilen, inwiefern dort Agri-PV möglich ist. Ich habe daher auch mit langjährigen Landwirten vor Ort gesprochen. Ich weiß nicht, wer sich das angeschaut hat, aber das ist das Bild: Auf einer freien grünen und beackerten Fläche findet sich auch Wild. Da sind wir schon bei der ersten Frage. Herr Stadtrat Prammer hat selbst erwähnt, dass viele Punkte offen sind. Aber es muss doch schon unser Anspruch als Gemeinderat sein, dass wir - wenn wir schon so ein Pilotprojekt haben und wissen, dass das einzigartig ist - sämtliche Details einfordern, bevor so eine Umwidmung geschieht. Leider liegen diese aber bis jetzt noch nicht vor. Es gibt auch noch kein konkretes Konzept, man weiß offenbar weder, ob man die Zäune höher oder niedriger, oder die PV-Module breiter oder enger usw. macht. Das muss vorher feststehen, um beurteilen zu können, ob das wirklich das richtige Projekt für diese Fläche ist. Was ist mit der Staubentwicklung, wenn die Fläche landwirtschaftlich genutzt wird? Sind die PV-Flächen dann effizient genug, funktioniert das dann überhaupt? Man muss sich genau Gedanken machen, ob das Projekt überhaupt einen Sinn macht. Es darf kein unüberlegter Ausverkauf unserer Naherholungsflächen angestoßen werden, nur um irgendwelche utopischen Klimaziele zu erreichen, die man sich selbst gelegt hat. In der E-Mobilität kriegt man schon langsam mit, dass in Wahrheit nicht alles erreichbar ist. In anderen Bereichen wird man vielleicht nachjustieren müssen und realistischere Ziele anpeilen müssen. Dubios ist auch, das möchte ich kurz für das Protokoll festhalten, dass bis jetzt noch immer kein Protokoll von der Sitzung vorliegt, normalerweise funktioniert das sehr gut. Das wäre auch wichtig gewesen, um sich abschließend ein Bild davon machen zu können. Kurz zum Stichwort ‚Zwang‘ und dass wir schauen müssen, wie wir ‚erzwingen‘ können, dass PV-Flächen auf Dächern errichtet werden. Ich wäre in diesen Bereichen für mehr Anreize und Freiwilligkeit und weniger Zwang. Insgesamt sehen wir das Projekt sehr kritisch und werden uns deshalb enthalten.

Dann schließe ich den Reigen jetzt. Es sind bereits sehr viele Aspekte erwähnt worden und ich kann Kollegen Danner in sehr vielen Punkten zustimmen, das passiert nicht so oft. Die fehlenden Details in diesem Fall, wie das Projekt präsentiert worden ist und wie es zur Umsetzung gebracht worden ist, all das ist meines Erachtens so nicht akzeptabel. Ich denke, dass wir in dieser großen Frage der Energiewende und der Transformation wie wir die Energie herstellen, ganz zentral die Bevölkerung mitnehmen müssen. Die hier gewählte Vorgehensweise, mit all diesen Konflikten, führt zu sehr viel Unverständnis in der Bevölkerung. Man sendet die falschen Signale an Investoren, an Unternehmer, an die Bevölkerung, an alle möglichen relevanten Akteure. Aus diesem Grund frage ich mich, was hier das politische Kalkül war, das so anzugehen. Vielleicht ist eine Möglichkeit, so wie Kollege Lorenz Potocnik meint, dass man die Chancen wahrnimmt und schaut, wo man sich verbessern muss. Ich werde das Projekt ablehnen, weil ich diese Vorgehensweise nicht akzeptabel finde.

Das ist eine ganz normale Vorgangsweise, wie bei jeder Umwidmung. Man kann vielleicht sagen, dass das eine besondere Umwidmung ist, aber das Verfahren ist so, wie das Verfahren ist. Ich kann mir ja nicht aussuchen, wie ich eine Flächenwidmungsplanänderung mache, sondern diese muss selbstverständlich den gesetzlichen Grundlagen entsprechen. Zum Vorwurf, dass die Informationen unvollständig seien – kann ich mich nur an eine einzige Frage von Gemeinderat Potocnik erinnern - wer denn der*die Betreiber*in sei? Das war die einzige Frage inhaltlicher Art, sonst ist nichts gefragt worden, soweit ich mich erinnern kann. Oder war die Frage von Kollege Fuchshuber? Entschuldigung, die Frage war vom Kollegen Fuchshuber. Die Frage, wer der*die Betreiber*in sei, habe ich nicht beantworten können. Ich habe nur beantworten können, wer die Flächenwidmung beantragt hat, das war die Eigentümerfamilie. Natürlich kann ich bei so einem Projekt dem naturschutzrechtlichen Verfahren nicht vorgreifen. Ich könnte zwar sagen: ‚Bitte präsentieren Sie mir, was Sie vorhaben‘. Dann kriegen sie die Widmung und nachher machen sie dann vielleicht etwas anderes. Ich habe das naturschutzrechtliche Verfahren nicht, das kommt erst nach der Flächenwidmung, ich weiß auch nicht, ob es vielleicht noch ein anderes Verfahren gibt, das zur Genehmigung dieses Projektes notwendig ist. In den naturschutzrechtlichen Verfahren kann man alles festlegen, was sich die Naturschutzbehörde wünscht. Abstände, Höhe, Agri-PV oder Wildwechsel-Freiflächen, was auch immer. Kurz zum Wild: Ich wohne an der Pferdebahnpromenade, dort ist vor kurzem auch ein Hase vorbeigehoppelt. Das ist auch kein Naturschutzgebiet, auch wenn einmal Wild auf einer Ackerfläche ist. Das passiert selbst in der Innenstadt. Es ist auch keine Naherholungsfläche, Kollege Danner, ich hoffe nicht, dass du zu Fuß über die Ackerfläche gehst, vielleicht auch noch mit Hunden? Eine Ackerfläche sollte man nicht begehen, sondern sich rundherum bewegen, von wegen Naherholungsfläche! Noch zum Protokoll: Entschuldigung, wir haben vereinbart, dass es in meinen Ausschüssen kein Wortprotokoll gibt, sondern ein Beschlussprotokoll. Wenn ihr ein Wortprotokoll haben möchtet, dann müsst ihr es beantragen, man kann es auszugsweise für bestimme Tagesordnungspunkte verlangen. Ich kann das Ergebnis bekanntgeben, der Antrag wurde bei Stimmenthaltung von zwei Fraktionen und Gegenstimme von einer Fraktion mehrheitlich abgelehnt. Das war das Ergebnis im Protokoll, mehr gibt es nicht. Aber du wirst es vom Kollegen Pfeffer erhalten. Natürlich bin ich enttäuscht, dass die Mehrheit des Linzer Gemeinderats die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat und auch nicht den Mut findet, wirksame Maßnahmen zu setzen. Das wäre heute möglich. Es reicht nicht aus, in Sonntagsreden immer wieder die Energiewende auszurufen, aber keine Alternative zu fossilen Energieträgern anzubieten. Mir scheint auch, dass man es manchen in diesem Haus wirklich nicht recht machen kann, vor allem den Kolleginnen und Kollegen aus der letzten Reihe. Vor zwei Stunden wird bei Tagesordnungspunkt E 2 das Klimaneutralitätskonzept kritisiert und dass man nicht ins Tun kommt. Jetzt gibt es konkrete Maßnahmen, die der Gemeinderat in seiner Verantwortung beschließen kann und jetzt wird ein Konzept gefordert. Da soll man sich noch auskennen! Die Position der FPÖ war zu erwarten. Man hat auch in der Ablehnung des Klimaneutralitätskonzepts gesehen, dass sich die FPÖ noch immer der Realität verweigert und lieber weiterhin von russischem Gas und arabischem Öl abhängig sein möchte. Auf Bundes- und Landesebene mühen sich Klimaschutzministerin Gewessler und Klimalandesrat Kaineder vor allem bei der ÖVP ab, um die Energiewende voranzutreiben. Wenn es aber konkret und lokal wird, unterscheiden sich die Grünen wenig von der FPÖ und der ÖVP. Zur ÖVP Linz und ÖVP Oberösterreich, ich hätte nicht geglaubt, dass ich das einmal sagen oder die Bitte äußern würde: Bitte nehmt euch die niederösterreichische Volkspartei als Vorbild. Nicht nur, was den Machterhalt und die Machtausübung betreffen, sondern auch was den Ausbau der erneuerbaren Energien angeht. Im Nachbarbundesland geht, was den Ausbau der erneuerbaren Energien betrifft, wirklich etwas weiter. Ich bedanke mich für die Zustimmung meiner Fraktion, der SPÖ, und bedauere nochmal die Mutlosigkeit des Linzer Gemeinderats und dass wir heute eine große Chance vertan haben.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrstimmig abgelehnt. Enthaltung: ÖVP (11), FPÖ (9), NEOS (2), Gemeinderätin Schachner/MFG, KPÖ (2), LinzPlus (2) Gegenstimme: Die Grünen (7), Gemeinderat DI Dr. Obermayr/MFG, WANDEL