Friedenserklärung der Stadt Linz 2025
N 2 · Stadtsenatsantrag · 32. Sitzung
Zusammenfassung
KI GeneriertVerabschiedet wurde die Friedenserklärung der Stadt Linz 2025 als Bekenntnis zur Friedensstadt, zur immerwährenden Neutralität Österreichs und zur Unterstützung von Frieden, Dialog und diplomatischer Konfliktlösung. Der Text verweist auf die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und im Iran sowie auf historische Gedenkjahre wie 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs, 80 Jahre Befreiung von Mauthausen, 70 Jahre Staatsvertrag und 30 Jahre EU-Beitritt. Inhaltlich betont die Erklärung Menschenrechte, Gewaltfreiheit, Integration, Demokratie, politische Bildung, Frauenförderung, Medienkompetenz und den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Sie hebt die Friedensinitiative, die Linzer Friedensgespräche, das Netzwerk Mayors for Peace und die Unterstützung freier Medien hervor. Die Friedenserklärung wurde mehrheitlich angenommen; einzelne Wortmeldungen kritisierten den Prozess und forderten klarere Aussagen sowie eine Erneuerung der Erklärung.
AntragstextEinblendenAusblenden
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Wortmeldungen (3)EinblendenAusblenden
Danke Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren - vor allem auch aus der Friedensinitiative -, sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleg*innen, das wird jetzt ein bisschen länger. Wir können heute einfach zustimmen und dann auf die nächste Friedenserklärung in einem Jahr im September 2026, und noch einmal ein Jahr später im Jahr 2027, warten und immer wieder zustimmen. Das Ritual ist gut eingespielt, die Fraktionen werden abgefragt und ein bisschen etwas fließt ein. Es entsteht ein zwei- bis dreiseitiges Papier, das der Bürgermeister - so wie jetzt gerade - vorliest und fertig. Fast alle scheinen zufrieden damit, wir nicht. Das genügt uns schon länger nicht mehr, denn die Zeiten der Symbole, der Zeichen und Deklarationen sind vorbei. In Europa tobt seit Ende Februar 2022 ein blutiger Krieg. Die Ukraine wurde vor drei Jahren von Russland brutal angegriffen. Millionen von Menschen sind auf der Flucht, zehntausende Menschen wurden verschleppt und rund 300.000 Menschen auf ukrainischer Seite getötet. Estland, Rumänien, Moldau und Polen müssen ebenso einen Angriff fürchten und laufend droht Russland mit Attacken von Berlin, London und anderen Städten, und gar mit der Atombombe. Die europäische Friedensordnung ist durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine fundamental erschüttert worden. Ich glaube, das spüren wir hier alle im Raum. Die Idee eines stabilen, regelbasierten, friedlichen Europas steht unter Druck. Auch Österreich ist betroffen, ob als Mitglied der Europäischen Union oder als Nachbarstaat im Herzen Europas. Frieden ist heute kein abstraktes Ziel, sondern eine Aufgabe, die politischen Mut, wirtschaftliche Priorisierung und sicherheitspolitische Klarheit verlangt. Es braucht Zusammenhalt der demokratischen europäischen Länder. Österreich ist Teil davon. Wir wollen, dass die Ukraine ihren erfolgreichen Weg zu einem souveränen demokratischen Staat weitergehen kann und wir wollen nicht, dass sie sich einer de-facto-Diktatur unterwerfen muss. Ein Frieden, der eine Unterwerfung der Ukraine beinhaltet, ist kein Frieden, sondern kurzsichtig und naiv. Der mörderische und niederträchtige Angriff und Terror Russlands gegen die Ukraine und die ukrainische Zivilbevölkerung findet aber nicht nur tausende Kilometer entfernt statt, sondern zieht sich bis zu uns und mitten in die europäischen Staaten und Demokratien hinein. Ich meine damit die hybriden Angriffe Russlands, die Propaganda, die endlosen Lügen und Täter-Opfer-Umkehrungen. Dieser Krieg hat in Europa alles verändert. Für all das findet diese Friedenserklärung keine klaren Worte. Ist es der Wunsch, niemanden zu beleidigen? Ist es der Glaube, mit vagen Beschreibungen Frieden zu stiften? Ist es die Hoffnung, mit Zurückhaltung etwas zu erreichen? Wir wissen es nicht. Wir hätten diese klaren Worte im Gespräch erbeten, aber offenbar sind die Zugänge anders. Wir erwarten von einer Linzer Friedenserklärung auf jeden Fall ganz klare Worte und eine Benennung der Fakten. Zur Neutralität haben wir ebenfalls einen anderen Zugang. Die neue Situation und die neuen imperialen Gelüste Russlands zwingen uns, diese zu überdenken. So wie sie uns auch zwingen, uns militärisch neu aufzustellen und gemeinsam mit den EU-Ländern und/oder der NATO eine neue Verteidigung aufzubauen. Vorbilder dafür sind Schweden und Finnland, die diese Debatte offen, demokratisch und fundiert geführt haben und sich in Folge neu positioniert haben. Dazu ist zu sagen, dass die beiden Länder sowieso militärisch immer schon sehr stark waren. Beide verfügen im Unterschied zu Österreich über äußerst gut ausgestattete Heere. Wir sehen Österreich als Teil eines europäischen Militärbündnisses und sind uns sicher, dass die Neutralität nicht mehr ausreicht. In dieser Realität muss auch Österreichs Neutralität neu verhandelt werden - ehrlich und nicht nostalgisch. Zusammenfassend ist ein städtischer Beitrag für Frieden unseres Erachtens: 1. Die Dinge beim Namen zu nennen und klar auszudrücken, was aktuell in Europa passiert und wer die Täter sind. 2. Die Neutralität, wenn sie denn ein Thema einer städtischen Deklaration sein soll - das muss ja nicht sein - zu debattieren und in Anbetracht der Realität infrage zu stellen. Wir hätten den Damen und Herren auch vorgeschlagen, das herauszunehmen, weil es so heikel ist, aber sie wollten es unbedingt drinnen haben. 3. Darüber nachzudenken, was wir ganz konkret als Stadt tun können, um eine lebendige Demokratie und Vertrauen in die Politik zu fördern und dadurch auch Frieden in Linz zu stiften. So wie wir das im November 2024 bereits mit unserem Antrag angeregt haben, sind wir der festen Überzeugung, dass die Linzer Friedenserklärung und der Prozess dazu neu aufgestellt werden sollte. Mit dem bisherigen Prozess und Ergebnis sind wir unzufrieden. Die Lage hat sich komplett geändert und deshalb sollte unseres Erachtens die Erklärung neu erarbeitet und wirksamer werden. Frieden ist mehr als eine symbolische Erklärung. Wer ihn will, muss bereit sein, ihn zu verteidigen - mit Haltung, mit Mitteln und mit Konsequenz. Die Stadt Linz hat als urbane Gemeinschaft Verantwortung, nach innen für ihre Bürgerinnen und Bürger und nach außen als Teil Europas. Nur eine ehrliche, realpolitisch verankerte Friedenserklärung verdient diesen Namen.
Sehr geehrte Damen und Herren, wie jedes Jahr melde ich mich auch dieses Jahr wieder zur Friedenserklärung zu Wort und möchte mich für den anregenden Austausch und das Engagement des Teams der Friedensinitiative bedanken. Ich halte die diesjährige Friedenserklärung für inhaltlich ganz gelungen, sie verdient Anerkennung und ich bekenne mich auch klar zur Friedensstadt Linz. Nichtsdestotrotz bleibt unsere Haltung, dass der Erstellungsprozess in seiner jetzigen Form eine anachronistische Tradition darstellt und einer Neubelebung bedarf. Aus unserer Sicht wäre eine Öffnung hin zur Bevölkerung sinnvoll. Bereits im Vorjahr - wie von Kollege Potocnik erwähnt - wurden bei einer Diskussion eines Antrags zur Erneuerung der Friedenserklärung unterschiedliche Sichtweisen der Fraktionen dargestellt. Kollegin Sommer hat damals angemerkt, dass es an der Zeit sei, neue Akzente zu setzen und vorgeschlagen, dass sich der neue Bürgermeister mit dem Thema befassen solle. Das war im November letzten Jahres. Der Bürgermeister ist mittlerweile einige Zeit im Amt und ich halte es für den richtigen Moment, diese neuen Akzente zu setzen. Mein persönlicher Vorschlag wäre, dass der Bürgermeister die relevanten Vertreter*innen zu einem Runden Tisch einlädt, um ergebnisoffen zu diskutieren, ob und wie man diesen Prozess verändern könnte. Das Ziel sollte sein, ihn einfacher und klarer zu gestalten. Ich werde mich, um dem Wunsch der Erneuerung des Erstellungsprozesses Nachdruck zu verleihen, auch dieses Jahr bei diesem Tagesordnungspunkt enthalten.
Vielen herzlichen Dank, anders als Kollege Potocnik bin ich der Meinung, dass solche Zeichen wie die Friedenserklärung der Stadt sehr wichtig sind. Warum? Weil es gerade in diesen Zeiten solche Zeichen braucht. Und im Gegensatz zu LinzPlus tun wir auch etwas dafür. Im vergangenen Jahr konnten wir Konstantin Wecker dafür gewinnen, die Friedenserklärung mit einer Videobotschaft zu unterstützen. Dieses Jahr haben wir Künstliche Intelligenz als Thema hineinreklamiert, denn KI kann und wird Demokratien gefährden. Daher müssen wir achtsam damit umgehen. Schlussendlich ist die von den NEOS initiierte Kampagne ‚Linz ist: nächstenLIEBE‘ auch ein wichtiger Beitrag zum respektvollen, friedvollen Umgang miteinander. Vielen Dank."
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: Gemeinderätin Schachner/ehem. MFG, LinzPlus (2), Gemeinderat Brandstetter