Ausweitung des Angebots kostenloser Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen
K 9 · Fraktionsantrag · 17. Sitzung
Zusammenfassung
KI GeneriertDie Ausweitung kostenloser Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen in Linz soll dem gestiegenen Bedarf und den bereits ausgebuchten Terminen Rechnung tragen. Das bestehende Angebot umfasste 2023 vier Kurse, die als wichtig für Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Sicherheit von Linzerinnen beschrieben wurden. Begründet wird die Erweiterung mit der stark gestiegenen Nachfrage und der allgemeinen Gewaltproblematik gegen Frauen, wobei auch auf die Notwendigkeit frühzeitig fixierter und gut beworbener Termine hingewiesen wurde. Vorgesehen ist eine Verdoppelung der Kurszahlen für 2024 und folgende, finanziert durch Budgetumschichtungen. Der Gemeinderat hat die Erweiterung einstimmig angenommen.
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterinnen, wer ter Kollege Burgstaller, vielen Dank für diesen Antrag, dem wir auch selbstverständlich zustimmen werden, denn solange diese Welt ist wie sie ist, sind diese Kurse ein ganz wichtiges Instrument der Ermächtigung. Du hast es schon erwähnt, sie bilden das Selbstbewusstsein und machen Mädchen wehrhaft. So können sie sich auch schützen. Ganz klar muss aber auch sein, dass damit nur eine Seite des Problems behandelt wird. Es ist nur eine Symptombekämpfung. Frauen begegnen gewalttätigen Übergriffen, sexueller, physischer oder psychischer Art in der Schule, bei der Arbeit, beim Sport, durch den besten Freund, Onkel oder Ehemann. Von Institutionen auf politischer Ebene gibt es mal mehr, mal weniger ernsthafte Bemühungen um Schutz und Unterstützung für betroffene Frauen. Es gibt aber relativ wenig Täterarbeit und kaum präventives Angebot. Sensibilisierung für dieses Thema ist aber ganz, ganz wichtig. Da möchte ich ganz kurz bei der Frage ‚Was kann jeder und jede von uns tun?‘ ansetzen. Wie wir wissen, beginnt Gewalt vor allem in Partnerschaft und Familie mit Abwertung. Dazu gehören ebenso blöde Witze, ‚depperte‘ Anmerkungen, Kontrolle, also besitzergreifende Beziehungen und krankhafte Eifersucht und Grenzüberschreitung. Deshalb schauen wir hin und hören wir hin, nennen wir das was es ist, so wie es ist, denn Frauen und Mädchen haben ein Recht auf Leben frei von körperlicher und psychischer Gewalt. Danke.
Danke schön Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Grundsätzlich finden wir den Antrag auch in Ordnung und werden ihn auch unterstützen und ich möchte ein bisschen unterstreichen, was die Kollegin zuvor gesagt hat. Es ist nämlich ganz wichtig anzumerken, dass dieser Antrag den Diskurs nicht in die Richtung lenken soll, dass Frauen in der Bringschuld wären, dass ihnen im öffentlichen oder im privaten Raum nichts passiert. Es soll nicht so sein, wie mir vor kurzem eine Linzer Schülerin erzählt hat, dass die Burschen Fußball gespielt haben, während sie in der Schule einen Selbstverteidigungskurs gemacht hat. Es gibt einen richtig guten Ausdruck dafür im Englischen: „It’s not about protect your daughters, it’s about educate your sons.“. Wenn Buben und Männer in unserer Gesellschaft dazu erzogen werden, stramm zu stehen, die Ellbogen hinauszustrecken und sich anfangen in jungen Jahren schon durchkämpfen zu müssen, bietet das Potential, aggressives und gewalttätiges Verhalten zu entwickeln. Das gilt im Übrigen nicht nur für Männer gegenüber Frauen, sondern auch für Männer gegenüber Männern untereinander. Kein Mann ist von Natur aus gewalttätig und auch nicht jeder Gewalttäter ist ein Mann, aber die überwiegende Mehrheit der Gewalttäter ist männlich. Aber das muss nicht so sein. Deswegen ist es umso wichtiger, wenn man dieses Problem nachhaltig angehen möchte, auf Buben-, Männer- und Väterarbeit zu setzen, wie vorher schon erwähnt wurde. Die Erwartung ist auch, das Commitment, das vom Sicherheitsstadtrat in diese Richtung schon ausgedrückt wurde, auch mit weiteren Taten zu bekräftigen. Wir stimmen trotzdem zu. Danke schön.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. Herr Gemeinderat Burgstaller danke, dass Sie auch Augenmerk auf dieses wichtige und leider mittlerweile notwendige Thema legen. Das Sicherheitsressort bietet diese Kurse seit sehr, sehr vielen Jahren an und ich möchte noch ergänzen, nicht nur für Mädchen und Frauen, sondern auch für Seniorinnen, für Senioren und auch für junge Burschen und für Männer. Es ist leider mittlerweile so, dass wir gerade im letzten Jahr sehen haben müssen, dass der Bedarf gewaltig gestiegen ist. Ich finde es daher schade, dass wir heute nicht noch etwas näher auch über einen Teil der Ursachen dafür diskutiert haben und entsprechende Maßnahmen eingeleitet haben, denn leider wurden, mit einer falschen Willkommenskultur, noch zusätzlich völlig fatale Frauenbilder in unser Land importiert. Ich will aber auch nicht unter den Teppich kehren, dass es sehr wohl auch österreichische Staatsbürger gibt, bei denen ein falsches Frauenbild vorherrscht. Es wäre aber falsch, die Augen vor der Realität zu verschließen. Um es, wie in einem aktuellen Leitartikel in den Oberösterreichischen Nachrichten zu formulieren, das sind auch die „Spätfolgen der Willkommenskultur“. Zurück zum konkreten Antrag. Bei den Budgetverhandlungen mit Kollegin Blöchl habe ich bereits einen Vorstoß in diese Richtung gemacht. Es ist mir nämlich ein großes Anliegen, diese Selbstverteidigungskurse deutlich auszubauen. Wir haben in diesem Jahr auch schon organisatorische Anstrengungen dafür erledigt, weil es mir auch darum geht, dass wir mit Seminarleitern und Seminarleiterinnen zusammenarbeiten, die wirklich wissen, was sie da unterrichten. Wir haben hier sehr, sehr gute Rückmeldungen bekommen. Wir arbeiten aktuell schon mit mehreren Anbietern zusammen, weil das Angebot so groß war. Kollegin Blöchl hat mir auch schon in den Vorgesprächen ihre Unterstützung zugesichert, gemeinsam mit mir, ein entsprechendes Budget dafür aufzustellen. Dieses wird dann im Budgetgemeinderat, hoffentlich mit Ihrer Zustimmung auch so beschlossen. Dann können wir nächstes Jahr deutlich mehr Selbstverteidigungskurse anbieten. In diesem Sinne unterstütze ich diesen Antrag selbstverständlich.
Inhaltlich ist bereits sehr viel Richtiges gesagt worden, aber es ist mir jetzt ein Bedürfnis noch einmal zurechtzurücken, was der Kollege gerade gesagt hat. Auch er hat vieles Richtige gesagt, aber Gewalt gegen Frauen hat nichts mit einer vermeintlichen Willkommenskultur zu tun und ist auch nicht importiert. Gewalt gegen Frauen ist ein Auswuchs patriarchaler Gesellschaftsstrukturen, in denen wir leben. Gewalttäter haben ein Merkmal gemeinsam, wenn wir über Femizide und Gewalt gegen Frauen reden – das hat aber nichts mit einer Herkunft zu tun, weder mit einer örtlichen, noch mit einer sozialen – es ist das Merkmal, dass es Männer sind. Wir haben ein Problem mit Männergewalt. Das hat aber auch nichts damit zu tun, dass Männer per se schlechtere Menschen sind, sondern mit der Gesellschaftsstruktur, in der wir leben. Wir leben in einer Gesellschaft, die geprägt ist von einer Schieflage zwischen den Geschlechterstrukturen. Wenn man es verkürzt darstellt, sind überall dort, wo es um Macht und Geld geht, die Männer daheim, und überall dort, wo es um Sorgearbeit geht, die oft auch unbedankt und meistens unbezahlt ist, sind die Frauen. Das ist eine Schieflage, die sich einfach in den Verhältnissen zwischen den Geschlechtern ausdrückt. Der schlimmste Ausdruck dieser Schieflage ist Gewalt gegen Frauen, die von Männern verübt wird. Das Allerschlimmste, was daraus resultiert, ist das Ausmaß der Gewalt. Wir sprechen heuer bereits von 25 ermordeten Frauen. Frauen, die ermordet, getötet, worden sind, weil ein Mann entschieden hat, diese Leben auszulöschen. Das ist ein massives Problem, das wir als Gesamtgesellschaft in den Griff bekommen müssen und wo wir an allen Ecken und Enden etwas dagegen tun müssen, diese Schieflage zu beenden. Das darf man nicht kleinreden und beschönigen, indem man sagt, das sei ein importiertes Problem. Wir haben ein Strukturproblem, welches in einer Schieflage zu verorten ist, die es zu beseitigen gilt. Jetzt bin ich bei der Kollegin Wessela: Alle sind wir gefordert, dies zu unternehmen und zwar mit allen Anstrengungen. Wir dürfen es nicht irgendwie beschönigen oder kleinreden oder relativieren, indem wir sagen, es ist ein importiertes Problem. Danke.
Sehr geehrte Damen und Herren, grundsätzlich ist alles was gesagt worden ist, zu begrüßen. Jede Gewalt an Frauen, körperlich, seelisch, sprachlich, ist grundsätzlich und zutiefst abzulehnen. Mit fehlt aber ein Aspekt in dieser ganzen Diskussion. Das ist, warum bleiben Frauen so lange bei gewalttätigen Männern? Und da gibt es eine Frage für mich, nämlich die der Psychologie und der Persönlichkeitsbildung. Am letzten Samstag in Österreich 1 war um 09:05 Uhr eine Sendung über Frauen und Beziehungen. Das wäre vielleicht durchaus interessant, vielleicht kann man das nachher hören. Ich glaube, dass es sicherlich auch ein Aspekt ist, die Psychologie, die Persönlichkeitsbildung bei Frauen zu stärken.
Frau Kollegin Schobesberger, Sie blenden aus meiner Sicht einfach einen Teil einer traurigen Realität aus. Wir haben - ohne dass jemand etwas schönreden möchte - durchaus ein Problem, das bestreitet niemand. Aber natürlich haben wir - und das weiß glaube ich auch jeder - aus gewissen Kreisen dieser Welt ein völlig fatales Frauenbild importiert und mit dem kämpfen wir. Das sagen sehr viele Linzerinnen und Linzer und das sollte man auch nicht völlig ausblenden. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich zum Ausdruck bringen.
Auf Äußerungen, die in die Richtung gehen, dass Frauen selber schuld sind, weil sie zu lange bei Gewalttätern bleiben, gehe ich jetzt nicht weiter ein. Das ist jenseits von Gut und Böse. Herr Kollege Raml, mir geht es nur darum, das noch einmal darzustellen. Sie haben ja auch recht mit der Aussage, dass es in bestimmten Kreisen auf dieser Welt fatale Frauenbilder gibt, in Österreich zum Beispiel, auch hier haben wir fatale Frauenbilder. Wir haben das Problem - man darf das wirklich nicht kleinreden, dass wir eine patriarchale Gesellschaftsstruktur haben, die Schieflage zwischen den Geschlechterverhältnissen produziert. Auch hier bei uns in Österreich. Es ist ein Problem, wenn wir jetzt so tun, als würden wir sagen, ‚Na ja, jetzt schauen wir uns nur die bei den anderen Kulturen an, da ist es vielleicht noch ein wenig schlimmer und noch ein wenig anders. Das ändert nichts an dem Problem, das wir hier haben und mit aller Kraft angehen müssen. Wir müssen an dieser Schieflage zwischen den Geschlechterverhältnissen etwas unternehmen und zwar unabhängig davon, welche ethnische oder sonstige Herkunft Gewalttäter oder Opfer haben. Wir haben ein Problem in unseren patriarchalen Gesellschaftsstrukturen, das diese Schieflage produziert und das dazu führt, dass Männer gewalttätig gegenüber Frauen sind und das gehört geändert.
Zum Schluss bleibt mir nur mehr ‚danke‘ zu sagen für die avisierten Zustimmungen. Danke schön.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird einstimmig angenommen.