Städtisches Zwangsarbeitslager Dornach-Auhof - Wie daran erinnern?

T 11 · Fraktionsantrag · 32. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:ausschuss verwiesen

Zusammenfassung

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Die Erinnerung an das städtische Zwangsarbeitslager Dornach-Auhof soll angesichts neu aufgetauchter Fundamente und Artefakte neu entwickelt werden. Eine historische Untersuchung kommt zum Schluss, dass das Lager mit tausenden Zwangsarbeiterinnen und Sklavinnen ein bedeutender Ort der NS-Zwangsarbeit war und auch die Stadt Linz davon profitierte. Gefordert wird eine zeitgemäße, über eine einfache Tafel hinausgehende Form des Gedenkens, die die Funde einbezieht und den Gegenwartsbezug im öffentlichen Raum stärkt. Dafür sollen Stadtarchiv, Bundesdenkmalamt, Stadtplanung und externe Expertinnen eingebunden werden. Die Behandlung wurde an den Ausschuss für Kultur und Tourismus verwiesen; die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget gedeckt werden.

Schlagwörter (10):zwangsarbeitgedenkkulturdornach-auhofns-geschichteerinnerungsortstadtgeschichtekulturpolitikdenkmalpflegestadtplanungbudgetumschichtung
AntragstextEinblendenAusblenden
Danke Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Doris Lang-Mayrhofer, ich habe im April auf einer meiner Streifzüge durch Linz vorbereitende Maßnahmen für die Baustelle bei der Mengerstraße entdeckt. Dort wurde bänderartig, wie die Archäologen das machen, der Humus abgezogen und dadurch waren dann Fundamente zu sehen. Ich bin dieser Sache nachgegangen und habe recherchiert. Man findet auch im Netz einiges. Dann habe ich mich mit zwei Historikern getroffen, mit Herrn Dr. Hermann Rafetseder und mit a. Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael John. In mir ist sozusagen langsam die Gewissheit gereift, dass es etwas Besonderes ist, wenn solche Fundamente von einem ehemaligen Zwangsarbeitslager auftauchen. Um Gewissheit zu bekommen, haben wir Michael John - der in diesem Gebiet renommiert und anerkannt ist - beauftragt, eine Untersuchung zu machen und zu schauen, welche Relevanz das hat und was man tun könnte. Das heißt, es stellte sich in erster Linie die Frage, ob die Parzellen und Überreste, Fundamente und Artefakte, die dort noch sind, von zeit-, kultur-, wirtschafts- und sozialhistorischem sowie erinnerungspolitischem Wert sind. Michael John hat vor ein bis zwei Wochen rechtzeitig für diese Gemeinderatssitzung die Studie fertig gemacht, welche ziemlich eindeutig ausfällt. Ich werde das jetzt nicht vorlesen, das würde den Rahmen sprengen. Im Antrag selbst ist das Fazit enthalten. Ein paar wichtige Punkte möchte ich allerdings aufzählen. Neben Linz war Urfahr ein Hotspot für Zwangsarbeitslager. In unmittelbarer Nähe der Straße im Schlantenfeld bei der heutigen Johannes Kepler Universität lag das „Städtische Arbeitslager Dornach“ mit de facto insgesamt circa 10.000 Zwangsarbeiter*innen und Sklav*innen. Das hat also eine riesige Dimension. Weiters stellt John fest, dass dieses Thema in der Wahrnehmung und der Sichtbarkeit in Österreich deutlich unterbelichtet ist. Es ist aber nicht so, dass es nicht erforscht wurde, denn das Wissen gibt es. John stellt auch fest, dass nicht nur die Schutzstaffel (SS), sondern auch unmittelbar die Stadt Linz selbst Hauptprofiteurin war. Das Lager war nicht umsonst von der Stadt geführt, mit einer Maximalbesetzung von 2.500 Menschen, die dort malocht und geschuftet haben. Diese Arbeit hat sich zum Beispiel in den immer noch sogenannten „Hitlerbauten“ niedergeschlagen, aber auch im Straßenbau und natürlich in der voestalpine. Das heißt, tausende Menschen haben zum Aufbau von Linz beigetragen. Das ist etwas Bedeutendes. Die Quintessenz und auch mein Eindruck aus der Untersuchung von Michael John ist, dass wir diese besonderen Funde als Chance sehen sollten, auf die Arbeitslager - die in Linz sehr verbreitet waren - aufmerksam zu machen. Es steckt ein riesiges Potenzial dahinter und die Sichtbarmachung sollte nicht mit einer Tafel, sondern in irgendeiner zeitgenössischen, adäquaten Art und Weise erfolgen. Wesentlich scheint mir ganz persönlich, diese Artefakte und Fundamente nicht zuzuschütten oder zu überbauen, sondern wirklich etwas Interessantes und Raumgreifendes zu machen, das weit über eine Gedenktafel oder eine kleine Infotafel hinausgeht. Ich bitte um Zustimmung.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Die für Kultur zuständige Referentin Doris Lang-Mayrhofer wird gebeten, sich der heiklen und komplexen Aufgabe eines Gedenkens an tausende Zwangsarbeiter*innen in Dornach-Auhof insbesondere dem „Städtischen Arbeitslager Dornach“, von dem kürzlich Fundamente und Artefakte aufgetaucht sind, anzunehmen. Dazu sollen die nötigen Stellen wie das Stadtarchiv, das Bundesdenkmalamt, die Stadtplanung oder externe Expert*innen für Gedenkkultur und Zeitgeschichte zugezogen werden. Ein Ergebnis dieser Untersuchung und Überlegungen soll zügig dem Ausschuss für Kultur präsentiert werden. Diese Untersuchung soll möglichst konkrete Ideen zur Erinnerung an die Zwangsarbeit im „Städtischen Arbeitslager Dornach“ liefern und die aufgetauchten Fundamente miteinbeziehen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (2)EinblendenAusblenden

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Lorenz Potocnik, die Stadt Linz stellt sich natürlich ihrer Vergangenheit und arbeitet ihre Geschichte auch sehr gewissenhaft auf. Ich möchte dazu einige Beispiele nennen, bevor ich auf deinen Antrag eingehe, lieber Lorenz. Im Bereich der Zeitgeschichte sind zum Beispiel verschiedenste Kooperationsprojekte mit der Abteilung Kultur und Bildung, mit dem Tourismusverband Linz sowie dem Archiv der Stadt Linz umgesetzt worden. Es wurden beispielsweise Schulungen für die austriaguides zur zeitgeschichtlichen Führung im Luftschutzstollen Limonistollen umgesetzt. Dieses wichtige Format wurde mit speziellen Ausbildungsmodulen realisiert. Ein weiteres Beispiel sind die zuletzt errichteten Erinnerungsstelen im öffentlichen Raum, wo es ja auch um das Erinnern an unsere jüdischen Opfer des Nationalsozialismus (NS) geht. Ich möchte auch empfehlen, sich unbedingt die aktuelle Ausstellung im Nordico Stadtmuseum zum Thema ‚80 Jahre Kriegsende in Linz - 1945/2025‘ anzusehen. In der Stadt Linz widmet sich aber auch das ZeitgeschichteMUSEUM der voestalpine den NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Auch da kann man sich mit unserer Geschichte und unserer Vergangenheit auseinandersetzen. Natürlich könnte ich jetzt noch viele weitere Beispiele nennen, aber ich komme jetzt zum Antrag. Lieber Lorenz, das Projekt in Linz-Dornach ist das eines privaten Bauträgers. Ich möchte auch erwähnen, dass sich bereits verschiedenste Gremien in der Stadt Linz - zum Beispiel der Gestaltungsbeirat - damit beschäftigt und auseinandergesetzt haben. Ich biete natürlich sehr gerne an, dass im Kulturausschuss darüber ausführlicher diskutiert wird. Es ist ja doch ein komplexes Thema und gerade dafür ist der Kulturausschuss ein Forum, in dem man das ausführlicher und wirklich angemessen ausdiskutieren kann. Diese angemessene Erinnerung an die NS-Zwangsarbeiter*innen soll daher auch unbedingt ermöglicht werden. Ich biete an, am besten dort zu bereden, wie und in welcher Form das genau in Umsetzung gehen kann. Somit stelle ich den Antrag zur Ausschusszuweisung. Vielen Dank.

Die Zuweisung ist genau das, was der Antrag wünscht. Wie wir das machen können, weiß ich auch nicht. Deswegen gibt es den Antrag. Es stimmt, das ist das Projekt einer Bauträgerin, der Breuerhof Privatstiftung, die gerade verkauft wurde. Insofern gibt es vielleicht eine Chance, in irgendeiner Form das Gespräch zu suchen. Die Baustelle selbst hat noch nicht begonnen, es ist also nicht zu spät. Ich war schon bei der Eröffnung der Ausstellung, die du angesprochen hast, Doris Lang-Mayerhofer. Du hast diesbezüglich zwei wichtige Dinge gesagt. Das eine war, mit der Geschichte den Gegenwartsbezug herzustellen, insbesondere im öffentlichen Raum und für die Jugend. Ich denke, das könnte so eine Art Motto für diesen Anlass sein. Ich freue mich auf die Diskussion.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: ausschuss verwiesen

Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Kultur und Tourismus wird einstimmig angenommen.