Traditionen für unsere Kinder in den Linzer Kinderbetreuungseinrichtungen sichern und bewahren

N 3 · Fraktionsantrag · 26. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

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Beschlossen werden sollte ein Bekenntnis zu christlichen Traditionen und regionalem Brauchtum in den Linzer Kinderbetreuungseinrichtungen. Gefordert wurde, dass dort künftig Martinsfest, Advent, Nikolaus, Weihnachten, Fasching und Ostern gefeiert und vermittelt werden. Außerdem sollte die zuständige Vizebürgermeisterin sicherstellen, dass für diese Feiertage keine alternativen Bezeichnungen wie Lichter- oder Laternenfest verwendet werden. Als Begründung wurde die Weitergabe von Werten und Traditionen an Kinder genannt; die Kosten sollten durch Umschichtung im Budget gedeckt werden. Der Gemeinderat lehnte das Vorhaben mehrheitlich ab.

Schlagwörter (10):kinderbetreuungbrauchtumchristliche traditionenwertevermittlungmartinsfestadventosternkulturreligionbudgetumschichtung
AntragstextEinblendenAusblenden
Liebe Gemeinderatskolleginnen und -kollegen, wir sagen euch an den lieben Advent und bringen einen Antrag ein, der zur Abwechslung nichts kostet, zumindest kein Geld. Es geht um ein Bekenntnis, nämlich zu unseren christlichen Traditionen, Feiern und zur Vermittlung von regionalem Brauchtum in den Linzer Kinderbetreuungseinrichtungen. Wir fordern in unserem Antrag Vizebürgermeisterin Karin Hörzing auf, in allen Kinderbetreuungseinrichtungen in Linz die christlichen Traditionen und Feiern zu forcieren. Darunter fällt beispielsweise das Martinsfest, Advent, Nikolaus, Weihnachten, Fasching oder auch Ostern. Für diese Feiertage soll es aus unserer Sicht auch keine anderen Bezeichnungen geben. In diesem Sinne: Nun trägt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließt: 1. Der Gemeinderat bekennt sich klar zu den christlichen Traditionen und Feiern sowie zu der Vermittlung von regionalem Brauchtum in den Linzer Kinderbetreuungseinrichtungen. 2. Die für die Angelegenheiten der Unternehmungen Kinder- und Jugend Services Linz zuständige Vizebürgermeisterin Karin Hörzing wird aufgefordert sicherzustellen, dass künftig in allen Kinderbetreuungseinrichtungen in Linz die christlichen Traditionen und Feiern gefeiert werden sowie regionales Brauchtum vermittelt wird. So soll beispielsweise das Martinsfest, der Advent, der Nikolaus, Weihnachten, Fasching und Ostern in allen Kinderbetreuungseinrichtungen in Linz gefeiert werden. 3. Die für die Angelegenheiten der Unternehmungen Kinder- und Jugend Services Linz zuständige Vizebürgermeisterin Karin Hörzing wird aufgefordert sicherzustellen, dass in allen Kinderbetreuungseinrichtungen in Linz keine alternativen Bezeichnungen für die christlichen Feiertage, wie etwa Lichter- oder Laternenfest anstelle von Martinsfest, verwendet werden. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (6)EinblendenAusblenden
Vera Schachnerehem. MFG-Mitgl.

Danke, sehr geehrter Herr Vizebürgermeister, meine Damen und Herren, Traditionen und Brauchtum sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Kultur, egal wie modern der Alltag mittlerweile ist. Die Verbundenheit zu hunderttausend Jahr alten Traditionen prägt das Land Österreich noch immer. Österreich feiert eine Vielzahl von Festen, Bräuchen oder traditionellen Veranstaltungen. Sie prägen die Bindungen innerhalb von Familien, Gemeinschaften und Gesellschaften, indem sie ein Gefühl von Verbundenheit und des Zusammenhalts fördern. Durch diese Ideen werden Feiertage im Kindergarten thematisiert und umgesetzt. Die Kinder erfahren so, welche Rolle alte Traditionen spielen und auch, welche Hintergründe hinter den Festen stecken. Gleichzeitig verbinden die Mädchen und Jungen die Anlässe vor allem mit Spaß und einer großen Portion Vorfreude. Ich werde dem Antrag zustimmen. Danke.

Werte Kolleg*innen, ich sehe das ein bisschen anders, wir sehen das anders. Es entsteht der Eindruck, als hätte sich die ÖVP vor dieser Sitzung zusammengesetzt, um zu überlegen, wie sie kurz vor der Bürgermeister*innenwahl die Wählerinnen und Wähler der FPÖ für sich gewinnen kann. Als ich diesen Antrag gelesen habe, dachte ich zuerst, er käme von der FPÖ. So einseitig ist der Ton. Unsere Kindergärten sollten Orte der Vielfalt und des Miteinanders sein, nicht Schauplätze für bevormundende Vorschriften. Wollen wir jetzt wirklich den Kindergartenpädagog*innen vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben? Sie wissen doch am besten, wie sie den Kindern Werte, Traditionen und Gemeinschaft vermitteln können. Von oben herab festzulegen, wie sie das Martinsfest nennen oder welche Feste gefeiert werden sollen und welche nicht, ist nicht nur Geringschätzung gegenüber ihrer Professionalität, sondern auch unnötig spaltend. Dieser Antrag polarisiert und hat in einer weltoffenen Stadt wie Linz nichts verloren. Wir stimmen nicht zu. Danke schön.

Werte Damen und Herren, normalerweise sollte es ja gar nicht so weit kommen, dass wir hier über solche Themen diskutieren. Es sollte selbstverständlich sein, dass wir unseren Kindern unsere Traditionen und Bräuche weitergeben wollen. Aber leider ist es wirklich immer wieder so in Linz, dass diese Themen aufpoppen und die Feste nicht mehr stattfinden oder eben umbenannt werden. Deshalb werden wir dem Antrag der ÖVP-Fraktion natürlich zustimmen. Wir sind für ein Bekenntnis zu unserem Brauchtum und zu den christlichen Werten. Wenn es nicht von selbst funktioniert, dann werden wir als Stadt Linz auch in der Pflicht sein, zu kontrollieren, dass diese Feste im traditionellen Jahreskreis umgesetzt werden und wieder in der originalen Art und Weise stattfinden. Ich bin dafür.

Sehr geehrte Damen und Herren, das ist ein wunderschöner Antrag. Er zeigt sehr gut, wie der Wahlkampf der ÖVP merklich in den Kopf steigt. Ich bin mittlerweile sehr froh, wenn der dann bald wieder vorbei ist. Ich möchte aber schon eine kleine geschichtliche Randbemerkung machen. Europa hat nicht nur eine christliche Tradition. Europa hat auch eine Tradition der Renaissance z.B. oder auch eine Tradition der Aufklärung und auch die Zurückdrängung der Kirche ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass Europa gut dasteht. Ich denke, dass wir die Trennung von Staat und Kirche auch durchaus weiterverfolgen sollten. Wenn die ÖVP der Meinung ist, dass Traditionen gestärkt werden sollten, dann geht doch einfach am Sonntag in die Kirche. Ich höre, dass der Kirche die Leute davonrennen. Vielleicht fangt ihr einfach an, es vorzuleben und vielleicht stärkt das dann die christlichen Werte. Aber ich bin auf jeden Fall stark der Meinung, dass wir die Trennung von Staat und Kirche aufrechterhalten sollten und werde diesen Antrag aus diesem Grund ablehnen.

Danke, sehr geehrter Herr Vizebürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte nur ganz kurz darauf aufmerksam machen, dass es nicht Kinderbetreuungseinrichtungen heißt, sondern Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen. Österreichweite Berichte umfassen offensichtlich nicht die korrekten Urheber von Zitaten. Das ist bestimmt dem geschuldet, dass dieses Zitat aus einem Bilderbuch mit einer Zusammenschau unterschiedlicher Festgestaltungen übernommen wurde: „Pädagogisches Handeln am Puls der Zeit: Im Fokus - Festgestaltung Martins-/Laternen-/Lichterfest“ der Bildungsdirektion für Oberösterreich. Das Zitat „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers", wie Sie im Antrag stehen haben, wird dem französischen Sozialisten Jean Jaurès zugeschrieben und nicht dem Komponisten Gustav Mahler. Das Fest rund um den Heiligen Martin, Nikolaus, Advent, Weihnachten und Ostern werden in unseren Bildungseinrichtungen sehr wohl gefeiert. So wie auch Feste aus anderen Kulturen, sofern Kinder mit diesem Religionsbekenntnis die Einrichtungen besuchen. In Bildungseinrichtungen geht es nicht um Feiern beziehungsweise Brauchtum an sich, sondern um die dahinterliegende Wertevermittlung. Beim Martinsfest wird den Kindern immer auch die Geschichte vom Heiligen Martin erzählt und die Botschaft auch über andere Geschichten vermittelt. Wichtig ist, dass die grundsätzliche Botschaft des Teilens für die Kinder klar und altersgerecht erkennbar ist. Wertebildung ist in den städtischen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen ein wichtiger Bestandteil. Deshalb wird sich die SPÖ enthalten.

Ich bedanke mich in erster Linie für den Zuspruch von einigen. Ich bin immer wieder verblüfft, wie schnell man mit einem Antrag, wo es um die Weitergabe von Werten und Traditionen an die in Linz lebenden Kinder geht, in ein Eck gedrängt wird. Es geht mir nicht um Religion in diesem Beitrag, aber die christlichen Werte sind bei uns verankert. Und ich finde es einfach schade, wenn viele Kinder, die bei uns leben, wissen oder merken, dass Weihnachten gefeiert wird, aber den Hintergrund nicht kennen oder mit 14 Jahren noch nie auf dem Christkindlmarkt waren, weil es ihnen fremd ist. Das war der Hintergrund dieses Antrages und ich würde trotzdem noch einmal appellieren, diesem Antrag zuzustimmen und unsere Werte und Traditionen hochzuhalten. Danke.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), Die Grünen (9), NEOS (2), LinzPlus (2). Gegenstimme: KPÖ (2), Gemeinderat Brandstetter.