Car-Sharing Offensive - Flächendeckende, preiswerte und vielseitige Mobilität für Linz

T 13 · Fraktionsantrag · 32. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird ein Aktionsplan für eine Carsharing-Offensive in Linz, um das bestehende tim-Angebot flächendeckender, preiswerter und vielseitiger zu machen. Begründet wird das mit der Rolle von Carsharing in der Mobilitätswende und der Klimaneutralitätsstrategie der Stadt sowie mit dem Ziel, den Autobestand und den Parkplatzdruck zu verringern. Vorgesehen sind eine Standortoffensive, eine Evaluierung des Preismodells und ein klares politisches Bekenntnis, damit neue Standorte, verschiedene Fahrzeugtypen und eine bessere Einbindung in bestehende Mobilitätskonzepte entstehen. Die Umsetzung soll gemeinsam mit relevanten Stakeholderinnen bis Mai 2026 in einem Aktionsplan erarbeitet werden. Die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget bedeckt werden; der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

Schlagwörter (10):carsharingmobilitätswendetimklimaneutralitätparkplatzdruckautobestandpreismodellstandortoffensiveverkehrstadtentwicklung
AntragstextEinblendenAusblenden
Sehr geehrte Damen und Herren, seit 2019 gibt es in Linz mit tim (täglich, intelligent, mobil.) ein Carsharing-Angebot in der öffentlichen Daseinsvorsorge. Das ist grundsätzlich gut, allerdings muss meiner Ansicht nach das Angebot von tim besser werden, damit es auch von mehr Linzer*innen angenommen wird. Carsharing ist ein wichtiger Baustein in der Mobilitätswende. Auch in der Klimaneutralitätsstrategie der Stadt Linz ist der Ausbau des Carsharing-Angebots als konkrete Maßnahme gelistet. Unsere Zielvision ist ein flächendeckendes, preiswertes und vielseitiges Carsharing-Angebot, das verschiedene Fahrzeugtypen umfasst, komfortabel und flexibel nutzbar ist, spontane Buchungen ermöglicht und mit Angeboten anderer Städte und Regionen im Idealfall kompatibel ist. Tim bietet dafür eine Grundlage, muss aber besser werden. Carsharing spricht unterschiedliche Zielgruppen an, die gelegentlich ein Auto nutzen möchten, ohne selbst einen privaten PKW zu besitzen. Es ergänzt das Mobilitätsangebot für jene, die in ihren Alltagswegen auf öffentlichen Verkehr und sanfte Mobilität setzen. Dabei bietet Carsharing nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche und ökologische Vorteile. Untersuchungen des Verkehrsclub Österreich (VCO) zeigen, dass insbesondere stationsbasiertes Carsharing ein wirksames Instrument zur Reduktion des Autobestands ist. Es verringert den Parkplatzdruck und kommt gerade jenen zugute, die auf Auto oder Stellplatz angewiesen sind. Zudem kann öffentlicher Raum, der nicht mehr durch ruhenden Verkehr blockiert wird, für Verbesserungen im öffentlichen Verkehr, für den Ausbau der Radinfrastruktur, für Begrünungsmaßnahmen oder andere Projekte zur Steigerung der Aufenthaltsqualität genutzt werden. Das betrifft besonders dicht besiedelte Stadtteile. Wichtig ist auch zu betonen, dass der Carsharing-Markt starken Netzwerkeffekten unterliegt und damit typische Merkmale der Plattformökonomie aufweist. Ein wesentliches Merkmal ist, dass Pionier*innen in solchen Märkten strukturelle Vorteile haben. Ein weiteres ist, dass ab einer gewissen Angebotsdichte sowohl für Nutzer*innen als auch Betreiber*innen Skaleneffekte wirksam werden. Wir sollten uns dieser Dynamik bewusst sein und die Strukturen bestmöglich nutzen. Nicht nur, aber gerade auch aus diesem Grund halte ich es für strategisch klug, wenn sich die Stadt Linz proaktiv in eine Carsharing-Offensive einbringt, um tim als dominantes Angebot im oberösterreichischen Zentralraum zu positionieren. Somit kann man die ökologischen, gesellschaftlichen und finanziellen Vorteile langfristig sichern und diese in Form von fairen Preisen an die Linzerinnen und Linzer weitergeben. Um in diese Offensive zu kommen und das Carsharing-Angebot in Linz zu verbessern, braucht es aus unserer Sicht drei Dinge – erstens eine Standortoffensive, zweitens eine Evaluierung des Preismodells und drittens vor allem ein klares Bekenntnis der Politik. Der Blick nach Bremen zeigt, dass der Ausbau gut funktioniert, wenn alle relevanten Akteur*innen gemeinsam an einem Strang ziehen. Natürlich ist eine Carsharing-Offensive am Ende auch eine Frage der finanziellen Mittel, aber eben nicht nur. Entscheidend ist auch das Zusammenspiel. Der Ausbau ist eine klassische Querschnittsmaterie, die am besten im Zusammenwirken der LINZ LINIEN mit tim, Stadt Linz, überregionalen Verkehrsanbieter*innen, Wohnbauträger*innen, Unternehmen und auch den Umlandgemeinden erfolgreich und schneller umgesetzt werden kann. Daher schlagen wir vor, im Rahmen eines Aktionsplans koordiniert und zielgerichtet eine Carsharing-Offensive für Linz voranzutreiben. Ich möchte mich an dieser Stelle recht herzlich bei Helge Langer für das gemeinsame Einbringen bedanken und bitte um Zustimmung.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der zuständige Mobilitätsreferent Vizebürgermeister Mag. Martin Hajart wird beauftragt, in Bezug auf bestehende Mobilitätskonzepte sowie das Klimaneutralitätskonzept, gemeinsam mit relevanten Stakeholder*innen bis Mai 2026 einen „Aktionsplan Carsharing“ zu erarbeiten. Dieser Aktionsplan sollte Maßnahmen, Pläne und Zeitleisten für eine kontinuierliche Carsharing-Offensive beinhalten. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (5)EinblendenAusblenden

Danke Herr Bürgermeister, lieber Clemens Brandstetter, du weißt was jetzt kommt. Ich habe dir schon gesagt, dass ich einen Widerspruch gegen Carsharing probieren werde. ‚Raus aus der Bim, rein ins tim‘ war ein Werbeslogan und der sagt eigentlich ungewollt alles. Ich glaube, unser Problem in Linz ist nicht fehlende intelligente Mobilität – die wir jetzt erhöhen –, sondern schlicht und einfach, dass es zu viele Autos gibt. Mit noch mehr Carsharing lösen wir deshalb dieses Mengenproblem nicht. Tim ist für uns oder vor allem für mich ‚Greenwashing‘. Es lenkt davon ab, ernsthaft in die aktive Mobilität, den Rad- und Fußverkehr und in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu investieren. Tim ist außerdem teuer und ohne nachweisbaren Effekt. Zwischen 2019 und 2021 wurden allein seitens der Stadt mehr als 300.000 Euro investiert. Gleichzeitig ist die Zahl der PKW nur in den letzten zehn Jahren um weitere zehn Prozent – übrigens genauso wie die Bevölkerung – gestiegen. Carsharing hat diesen Trend also nicht gebremst. Es mag vielleicht ein kleiner Baustein sein, aber Carsharing bleibt ein autozentriertes System. Es ersetzt erfahrungsgemäß eher Fahrten mit dem Rad und im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als private Autofahrten. Von einer echten Verkehrswende kann somit keine Rede sein. Wir brauchen in der Verkehrspolitik nicht noch mehr Pull- sondern endlich Push-Maßnahmen. 13 tim-Standorte gibt es bereits und ich glaube, das ist genug. Wir enthalten uns.

Vielen Dank Herr Bürgermeister, lieber Clemens Brandstetter, wir haben schon im Vorfeld über diesen Antrag gesprochen. Du weißt, ich teile deine Einschätzung. Ich kenne viele Leute, die das Angebot der LINZ LINIEN mit dem tim-Carsharing nutzen. Ich glaube auch, dass es schon einen kleinen Effekt hat, nämlich gerade für Leute, die sich nicht sicher sind, ob sie ein eigenes Auto brauchen oder nicht. Deshalb ist es ein sinnvolles Angebot, das es in der Stadt als zusätzliche Möglichkeit für temporäre individuelle Mobilität gibt. Auch der Stadtraum wird in Zukunft anders verteilt. Dadurch parken dann weniger Autos an der Oberfläche. Dann ist es schön, wenn ab und zu welche zum Ausborgen da sind. Ich habe von den LINZ LINIEN die Information bekommen, dass der tim-Ausbau weiter konsequent umgesetzt wird. Gerade dort, wo es Stadterweiterungsgebiete gibt, sind sie auch immer auf der Suche nach Möglichkeiten, neue Standorte zu setzen. Bedarf und Prüfung von Wirtschaftlichkeit stehen natürlich im Vordergrund, wenn im engen Austausch mit Firmen und Bauträgern verhandelt wird, wo neue Standorte hinkommen. Kurz gesagt, ich halte das Projekt bei den LINZ LINIEN für sehr gut angesiedelt. Deshalb glaube ich, dass eine weitere Befassung des Mobilitätsreferenten zum Thema nicht notwendig ist. Wir treten daher dem Antrag nicht näher. Vielen Dank.

Vielen herzlichen Dank Herr Bürgermeister, Clemens Brandstetter, erkläre es mir, ich kenne mich nicht ganz aus. Du vermischst zwei Dinge. Du willst, dass tim ausgebaut wird. Wir haben gerade gehört, die LINZ AG plant das. Dann sprichst du allgemein von Carsharing, das aber etwas anderes ist. Bereits vor zwei Jahren hatte ich die Idee, dem Beispiel Wien zu folgen, wo Carsharing gut funktioniert. Ich habe damals car2go - eine Tochter von Stellantis N.V. - angerufen. Die haben mir ganz klar gesagt, nach Linz kommen sie nicht, weil es nicht rentabel und zu klein ist. Das konnten wir also vergessen. Die LINZ AG arbeitet, wie gesagt, am weiteren Ausbau des Carsharing. Unter diesen Voraussetzungen macht ein Antrag keinen Sinn. Wir werden uns enthalten.

Dankeschön Herr Bürgermeister, ich möchte mich bei Clemens Brandstetter für die Initiative bedanken, die wir sehr gerne unterstützen. Ein Stück weit muss ich Michael Roth-Schmida widersprechen. Aus unserer Sicht ist Carsharing schon ein Ersatz für den privaten Autobesitz und weniger einer für die aktive Mobilität, da sich die Kombination daraus mit einem attraktiven ÖPNV und einer guten Radinfrastruktur positiv auswirken kann. In dicht besiedelten Gebieten ist Carsharing schon vernünftig zum Einsatz zu bringen. Hier würde sich das tim-Modell auch von anderen kommerziellen Modellen unterscheiden, die es in der Vergangenheit in Linz versucht haben. Unter bestimmten Bedingungen, welche man sich genau anschauen muss, und da, wo es intelligent ist, ist Carsharing sehr wohl gelebte Klima- als auch Sozialpolitik. Es spart Kosten und für die Stadtentwicklungspolitik schafft es Platz. Aus diesem Grund unterstützen wir diesen Antrag gerne.

Danke für die Beiträge. Helge Langer hat im Wesentlichen das entkräftet was Michael Roth-Schmida eingewandt hat. Insofern spare ich es mir, darauf einzugehen. Meines Erachtens ist es einfach so, dass tim zu langsam ausbaut und die Preismodelle nicht entsprechend gestaltet, damit es für die Linzer*innen attraktiv ist. Meines Erachtens gibt es keinen guten Einsteiger*innentarif und es ist auch nicht sehr attraktiv für Menschen, die zum Beispiel unter der Woche gerne ein Pauschalangebot hätten. Tim ist zum Beispiel auch sehr langsam darin, Transporter anzubieten und verschiedene Autovarianten einzubauen, was eigentlich das Qualitätsmerkmal von tim ist. Ich finde es schade, dass wir uns über dieses Thema nicht ausführlicher im Ausschuss unterhalten und überlegen, wie wir es unterstützen könnten. Ich glaube, das Wesentliche ist, dass es ein politisches Bekenntnis gibt und Carsharing stärker vorangetrieben wird. Graz ist darin zum Beispiel schneller. Ich hoffe, trotzdem ein bisschen zur öffentlichen Diskussion beigetragen zu haben und bedanke mich bei jenen, die zustimmen.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), ÖVP (11), FPÖ (9), NEOS (2), Gemeinderätin Schachner/ehem. MFG, KPÖ (2)