Beitrag gegen Periodenarmut: Stadt soll gratis Menstruationsartikel zur Verfügung stellen

T 3 · Fraktionsantrag · 32. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:ausschuss verwiesen

Zusammenfassung

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Kostenlose Menstruationsartikel in städtischen Einrichtungen sollen den Zugang zu Periodenprodukten erleichtern und Betroffene finanziell entlasten. Begründet wird das Vorhaben mit den laufenden Kosten für Tampons und Binden, die besonders für Frauen mit geringem Einkommen eine Belastung darstellen, sowie mit gesundheitlichen Risiken bei fehlender Versorgung. Als Vorbild werden Angebote in Salzburg und anderen Städten genannt; ein Pilotprojekt im Neuen Rathaus und im Frauenbüro wird als unproblematisch beschrieben. Vorgesehen ist die Ausstattung öffentlicher Gebäude wie Rathäuser, Volkshäuser, Wissensturm und öffentlicher WC-Anlagen sowie die Information über die städtischen Kanäle. Die Zuweisung an den Ausschuss für Liegenschaften und Schulen wurde mehrheitlich angenommen.

Schlagwörter (10):periodenarmutmenstruationsproduktefrauenarmutgesundheitsoziale entlastungöffentliche toilettenstädtische einrichtungenbildungseinrichtungenbudgetumschichtungtabuisierung
AntragstextEinblendenAusblenden
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Mitglieder des Stadtsenats, liebe Merima Zukan, ich gratuliere dir zu deiner neuen Aufgabe als Vizebürgermeisterin. Du bist ja hier im Antrag auch als Stadtsenatsmitglied für Liegenschaften adressiert. Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats, sehr geehrte Zuschauer*innen hier im Rathaus und auch vor den Bildschirmen, bis zu 2.640 Euro geben Frauen auf 40 Jahre gesehen für Periodenprodukte aus. Das hat eine Erhebung der Arbeiterkammer ergeben. Vor allem für Frauen mit wenig Einkommen stellen diese Ausgaben, die nicht einfach eingespart werden können, eine finanzielle Belastung dar. Um einen Beitrag gegen die sogenannte Periodenarmut zu leisten, bieten andere Städte kostenlose Menstruationsartikel in verschiedenen Einrichtungen an. Die Stadt Linz kann hier unkompliziert helfen, indem sie öffentliche Toiletten mit Tampons und Binden ausstattet, wie es zum Beispiel in Salzburg schon geschieht. Die Stadt Salzburg hat eine eigene Periodenservicestelle ins Leben gerufen, dank der unter anderem in 19 Frauen- und Jugendeinrichtungen sowie in den Stadtteilzentren kostenlos Tampons und Binden zur Verfügung gestellt werden. Auch eine Ausweitung des Projekts auf städtische Mittelschulen wurde bereits angekündigt. Ein entsprechendes flächendeckendes Angebot in städtischen Einrichtungen fehlt in Linz aber nach wie vor. Warum? Ich gebe Ihnen einen kleinen Rückblick. Bisherige Bemühungen, entsprechende Hygieneartikel flächendeckend zur Verfügung zu stellen, sind mit zum Teil absurden Argumenten abgeschmettert worden. Ich darf daran erinnern, dass unter anderem von der NEOS-Fraktion die Befürchtung von ‚Tampontourismus‘ bei meinem letzten Antrag in der Gemeinderatssitzung im September 2022 geäußert wurde. Diese Angst kann ich Ihnen nehmen. Erfahrungen mit einem von unserer Frauenstadträtin Eva Schobesberger initiierten Pilotprojekt im Neuen Rathaus, sowie vom städtischen Frauenbüro im Alten Rathaus zeigen, dass sich derartige Befürchtungen als unbegründet erwiesen. Dass in einem reichen Land wie Österreich Menschen von Periodenarmut betroffen sind, ist beschämend. Wenn das Auswechseln von Hygieneartikeln aus Kostengründen hinausgezögert wird, kann das auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Binden und Tampons in öffentlichen Gebäuden der Stadt kostenlos bereitzustellen, ist auch ein gesundheitspolitisches Thema. Mit unserem heutigen Antrag wollen wir dafür Sorge tragen, dass der Zugang zu Periodenprodukten erleichtert wird und diese in städtischen Gebäuden, wie den Volkshäusern, den Rathäusern, im Wissensturm, sowie in öffentlichen WC-Anlagen kostenlos erhältlich sind. Dadurch möchten wir einen wichtigen Schritt zur finanziellen Entlastung von Betroffenen und zugleich zur Enttabuisierung der Monatsblutung setzen. Vielen Dank.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Das für Liegenschaften zuständige Stadtsenatsmitglied wird ersucht, kostenlosen Zugang zu Periodenprodukten in städtischen Einrichtungen zu ermöglichen. Diese sollen in öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel in den Rathäusern, den Volkshäusern, im Wissensturm sowie in öffentlichen WC-Anlagen et cetera verfügbar sein. An welchen Orten Frauen Menstruationsartikel kostenlos erhalten können, soll über die städtischen Informationskanäle kommuniziert werden. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen beziehungsweise in kommenden Voranschlägen berücksichtigt werden.
Wortmeldungen (6)EinblendenAusblenden

Vielen Dank liebe Julia Mandlmayr, dass du dieses wichtige Thema wieder ins Spiel bringst. Damit wir uns die Finanzierung et cetera genauer anschauen können, beantragen wir eine Zuweisung in den Ausschuss für Liegenschaften und Schulen und freuen uns dort auf konstruktive Beiträge. Danke.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Julia Mandlmayr, dieser Antrag ist ein wichtiger Beitrag zur Debatte. Er trägt zu einem offenen Umgang und zum entspannten, offenen Gespräch bei. Das ist auch uns wichtig, auch wenn uns das Wort ‚Periodenarmut‘ selbst etwas befremdet und es womöglich am eigentlichen Ziel vorbeigeht. Im Antrag kommt leider nicht vor, dass viele Frauen während der Periode unter massiven gesundheitlichen Beschwerden leiden und ihren Alltag oft nur mit Medikamenten bewältigen können. Auch das könnte Teil dieses Projekts und der damit einhergehenden Aufklärung sein. Aus unserer Erfahrung sollten die Schulen ausgerüstet werden. Gerade junge Mädchen mit unregelmäßigem Zyklus oder in finanziell angespannten Situationen brauchen eine einfache und niederschwellige Versorgung. Am besten dort, wo sie sowieso mit ihren Freundinnen sind, nämlich in der Schule. Deutsche Städte wie Tübingen, Heidelberg oder Karlsruhe machen das schon vor. Hier könnte auch Linz über eine Resolution in diese Richtung aktiv werden. Unseres Erachtens ist eine Ausrüstung in den Rathäusern nicht praktikabel und wirksam. Dort halten sich Bürgerinnen selten und meist nur kurz auf und der Zugang ist zudem durch die Sicherheitskontrollen erschwert. Wir möchten auch noch einen Hygieneaspekt anmerken. Die Produkte sollten nicht frei herumliegen, sondern es wäre sinnvoll, dass Automaten aufgestellt werden, wie sie bei Kaugummis oder Kondomen üblich sind. Wenn wir wirklich zielgerichtet helfen wollen, dann braucht es ein Verteilsystem, das jene erreicht, die es am dringendsten brauchen – in Frauenhäusern, Obdachloseneinrichtungen, Jugendzentren, Schulen und Universitäten, Sozialmärkten und Beratungsstellen. Dort ist die Not groß. Auch wir möchten eine Zuweisung beantragen, allerdings haben wir an den Ausschuss für Frauen und Bildung gedacht, wo man das Projekt dann in Ruhe entwickeln könnte.

Vera Schachnerehem. MFG-Mitgl.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren, rund die Hälfte der Weltbevölkerung ist von der Menstruation betroffen. Dennoch gilt sie nach wie vor als Tabuthema. Die Periode ist aber vor allem ein großer Kostenfaktor. Die Teuerungswelle in Österreich ist immer noch allgegenwärtig, auch in Linz. Gleichzeitig stellt der Mangel an sicheren Periodenprodukten ein Gesundheitsrisiko für Infektionen im Reproduktionstrakt und in den Harnwegen dar. In Österreich gibt es derzeit keine flächendeckende kostenlose Verfügbarkeit von Periodenartikeln. In Wien ist das Projekt „Rote Box“ angesiedelt, das Bedürftigen kostenlose Periodenprodukte in sozialen Einrichtungen zur Verfügung stellt. Auch im Burgenland, in Salzburg sowie in Vorarlberg stehen bereits kostenlose Periodenprodukte zur Verfügung. Es ist Zeit für ein Umdenken. Gesundheit soll an erster Stelle stehen, nicht die Kosten. Danke.

Danke Herr Bürgermeister, werte Damen und Herren, wir hatten das Thema schon einmal mit dem zugehörigen Antrag im Gemeinderat. Der Wunsch der Grünen wurde damals aus mehreren Gründen abgelehnt. Ich möchte heute etwas Grundsätzliches dazu loswerden. Was versteht man unter Periodenarmut? Bin ich armutsgefährdet, weil ich die Periode habe und ich somit Hygieneartikel dafür kaufen muss? Oder bin ich armutsgefährdet, weil ich die Periode habe, weil ich eine Frau bin? Wenn wir davon ausgehen, dass sich Frauen in Linz keine Großpackung Tampons um 2,65 Euro in der Drogerie kaufen können, dann müssen wir ganz woanders ansetzen. Dann sind wir nämlich beim Thema Kindererziehungszeiten anrechnen, Pflegezeiten anrechnen und noch ganz vielem mehr. Diesen Frauen hilft auch die Steuerabsenkung auf zehn Prozent herzlich wenig. Bei einem Kauf von vier besagten Packungen ist das nämlich etwa ein Euro weniger an Steuern. Genauso verhält es sich auch bei diesem Antrag. Wir haben heute die Linzer Friedenserklärung beschlossen, wo drinnen steht, dass wir uns aktiv gegen Frauenarmut einsetzen. Aber eins sage ich euch schon, mit diesem Antrag gelingt das eher weniger. Außerdem sprechen, so wie schon 2022, mehrere andere Gründe dagegen.

Vielen herzlichen Dank, liebe Kollegin, das Wort ‚Tampontourismus‘ bleibt, aber die Idee ist natürlich grundsätzlich sehr gut. Das Thema ist wichtig und als Vater von zwei Töchtern verstehe ich es wirklich nur zu gut. Ab Januar 2026 ist im Budgetbegleitgesetz zumindest vorgesehen, dass die Mehrwertsteuer auf Damenhygieneartikel vollkommen entfallen wird. Ich bleibe aber bei der Einschätzung, dass man bei der Verteilung wirklich durchdacht vorgehen muss. Einer Zuweisung stimmen wir natürlich sehr gerne zu.

Vielen Dank, ich möchte auf die Argumente von Frau Tichler eingehen. Wir werden Frauenarmut an sich mit diesem Antrag nicht abschaffen, aber er kann einen Teil etwas erleichtern. Das eine schließt ja das andere nicht aus. Ich möchte mich für den Zuweisungsvorschlag bedanken. Wir werden diesem auch nahetreten. Vielen Dank.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: ausschuss verwiesen

Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Liegenschaften und Schulen wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: FPÖ (9) Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Klima, Stadtgrün, Frauen und Bildung wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (22), ÖVP (11), Die Grünen (8), FPÖ (9), NEOS (2), KPÖ (2), Gemeinderat Brandstetter