DRINGLICHKEITSANTRAG betreffend „Ein klares Zeichen gegen Extremismus und Antisemitismus setzen“

L · Dringlichkeitsantrag · 17. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

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Beschlossen wurde ein klares Bekenntnis gegen Extremismus und Antisemitismus in Linz. Die Stadt verurteilt Hass, Gewalt und Diskriminierung aufgrund von Religion oder Herkunft und will damit auf antisemitische Vorfälle und gesellschaftliche Polarisierung reagieren. Dafür sollen die Kommunikationsabteilung und das Integrationsbüro eine Bewusstseinskampagne mit besonderem Fokus auf soziale Medien entwickeln und umsetzen. Zusätzlich soll der Bürgermeister auf Landesebene verstärkte präventive Maßnahmen gegen Radikalisierungstendenzen bei Kindern und Jugendlichen anstoßen. Die allfälligen Kosten sind durch Umschichtungen im laufenden Budget zu bedecken; der Beschluss erfolgte einstimmig.

Schlagwörter (10):antisemitismusextremismushasskriminalitätbewusstseinsbildungsoziale medienradikalisierungpräventionintegrationdiskriminierungjugendschutz
AntragstextEinblendenAusblenden
Gemeinderat Hofer berichtet über den von den Gemeinderatsfraktionen der SPÖ, ÖVP, Die Grünen, FPÖ, NEOS, MFG und LinzPlus eingebrachten L DRINGLICHKEITSANTRAG betreffend „Ein klares Zeichen gegen Extremismus und Antisemitismus setzen“ und führt aus: „Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, der Nahost-Konflikt lässt niemanden kalt und auch der schreckliche Angriff der Hamas auf die Zivilbevölkerung und auf Israel ist in aller Munde und wir sehen die Auswirkungen nicht nur dort im Nahen Osten. Wir sehen sie auch bei uns auf unseren Straßen, wir sehen sie auf Social Media, wir sehen einen Antisemitismus, der vielleicht bisher im Verborgenen war und der jetzt mit einer brachialen Gewalt hervorbricht, von London über Paris, bis hin nach Wien und auch hier in den Linzer Klassenzimmern. Eine israelische Fahne wurde geschändet, mehrmals aufgehängt und wieder heruntergerissen. Das zeigt, dass wir ein Problem haben. Das ist ein Antisemitismus der - und das muss man auch ganz klar benennen - nicht nur auch von Inländern kommt, sondern der zu einem großen Teil von migrantischen Gruppen kommt. Das zeigt natürlich die Auswirkungen der Zuwanderung, der Massenzuwanderung, hier nach Europa. Es gibt eine Verherrlichung der Hamas, es gibt eine Verherrlichung des Terrors und es gibt auch in vielen Kreisen eine Verdrehung der tatsächlichen Fakten, wer woran schuld ist. Das ist ein sehr gefährlicher Mix, der sich auch teilweise in Europa entlädt. Für uns als ÖVP ist klar, wer bei uns lebt, unseren Rechtsstaat genießt, der muss mit uns und darf nicht gegen uns leben. Wer die Vorzüge des liberalen Rechtsstaates zum Beispiel in Form von Demonstrationen nutzt, um diesen Rechtsstaat zu untergraben, der hat bei uns keinen Platz. Es gibt keinen Platz für Hass, Radikalisierung und Antisemitismus. Darum ist es uns wichtig, auch hier als Gemeinderat ein Zeichen zu setzen. Ich darf mich auch ganz herzlich bei den Fraktionen bedanken. Es wurde schon angesprochen, dass sich eine Fraktion enthalten hat, diesen Antrag zu unterstützen. Nichtsdestotrotz ist eine breite Mehrheit der Fraktionen und auch der Parteien für diesen Antrag, dafür ein herzliches Dankeschön. Inhaltlich geht es darum, dass wir uns als Linzer Gemeinderat dazu bekennen wollen, dass jegliche Form von Extremismus und Antisemitismus in unserer Stadt inakzeptabel ist. Wir verurteilen Hass, Gewalt und jegliche Form von Diskriminierung auf Grund von Religion oder Herkunft. Wir fordern auch den für Medien und Kommunikation zuständigen Bürgermeister Klaus Luger sowie das für Integration zuständige Stadtsenatsmitglied Vizebürgermeisterin Tina Blöchl auf, einen gemeinsamen Prozess zu starten, um hier eine Kampagne zu entwickeln, die diesen Maßnahmen entgegentritt, speziell in den Social Media, die oftmals ein Multiplikator für Polarisierung sind. Wir appellieren auch an die zuständigen Landesratsmitglieder des Landes Oberösterreich, denn wir wissen natürlich, dass die Stadt Linz dieses Problem nicht alleine lösen kann, es braucht immer auch die Partner auf Landesebene, um hier gemeinsam auch präventive Maßnahmen zu entwickeln. Es wurde schon erwähnt, dass sich heute in dieser Nacht auch das traurige Novemberpogrom zum 85. Mal jährt. Speziell deswegen ist dieser Antrag ein wichtiges Zeichen, dass das viel Beschworene „nie wieder“ auch tatsächlich ein „nie wieder“ bleibt. Vielen Dank."
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: 1. Der Linzer Gemeinderat bekennt sich ausdrücklich dazu, dass jegliche Form des Extremismus und des Antisemitismus in unserer Stadt inakzeptabel ist. Wir verurteilen Hass, Gewalt und jegliche Form von Diskriminierung auf Grund von Religion oder Herkunft. 2. Das für Medien und Kommunikationsangelegenheit zuständige Stadtensamtsmitglied, Bürgermeister Luger, sowie das für Integrationsangelegenheiten zuständige Stadtsenatsmitglied, Vizebürgermeisterin Tina Blöchl, werden ersucht, einen gemeinsamen Prozess unter Zusammenarbeit der Kommunikationsabteilung und des Integrationsbüros der Stadt Linz einzuleiten, um entsprechende Kampagnen zur Bewusstseinsbildung (mit besonderen Fokus auf die Sozialen Medien) zu entwickeln und umzusetzen. 3. Der Bürgermeister wird ersucht, bei den zuständigen Landesratsmitglieder des Landes Oberösterreich dafür einzutreten, dass verstärkte landesweite präventive Maßnahmen gegen Radikalisierungstendenzen unter Kindern und Jugendlichen entwickelt werden. Die Bedeckung allenfalls entstehender Kosten soll durch Umschichtungen im laufenden Budget erfolgen.
Wortmeldungen (3)EinblendenAusblenden

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich zuerst bei der ÖVP für die Initiative und die Koordinierung dieses All-Parteien-Antrags bedanken. Ich denke, das alleine ist schon ein wichtiges Zeichen, dass wir hier parteienübergreifend eine Haltung demonstrieren, auch wenn die Zugänge der verschiedenen Fraktionen teilweise sehr unterschiedliche sind und ich auch explizit sagen muss, dass ich den Zugang des Vorredners über weite Strecken nicht teile. Ich glaube immerhin, dass wir uns auf einen gemeinsamen Zugang einigen können der heißt: „Nie wieder ist jetzt.“ Antisemitismus ist ein Phänomen mit einer langen und sehr schmerzhaften Geschichte, die in unserer Stadt, wie in unserer Gesellschaft insgesamt, nie wieder Platz haben darf. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Gemeinderat auch jetzt ein klares, gemeinsames Zeichen für eine offene, tolerante und gerechte Gesellschaft setzt. Ich erlaube mir, bei dem Ganzen aber noch zwei Aspekte herauszugreifen, die unseren Zugang verdeutlichen. Einerseits ist Antisemitismus nicht bloß eine Angelegenheit irgendeines extremen Randes. Problematische Anschauungen und Narrative wie auch Verschwörungserzählungen sind – wie wir wissen – in weiten Teilen der Gesellschaft zu finden. Daher ist es auch ein Gebot der Stunde, Antisemitismus ernster zu nehmen als bisher. Es ist daher bei weitem nicht nur Aufgabe der Integrationsreferent*innen in Kommunen oder Ländern, Maßnahmen gegen religiös motivierten Antisemitismus zu entwickeln - das ist nur ein Teilaspekt. Wir machen uns auch Sorgen vor einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft durch die stark wahrnehmbare Verrohung des Diskurses, die wir heute auch schon wahrnehmen haben können. Neben dem besorgniserregenden Anstieg antisemitischer Vorfälle verzeichnen wir in Österreich nämlich auch einen signifikanten Anstieg rassistischer Übergriffe gegen muslimische Personen und Einrichtungen. Wir lehnen es daher ab, den Schmerz und das Unverständnis über die aktuellen globalen Ereignisse politisch zu instrumentalisieren, das erzeugt nämlich lediglich Angst, Hass und weitere gesellschaftliche Spaltung. Das wäre im Übrigen genau das, was der Terrorismus will und von dem er sich ernährt. Nehmen wir den Kampf gegen Antisemitismus ernst, nämlich als Verpflichtung, jüdisches Leben zu schützen und uns auf den antifaschistischen Grundkonsens zu fokussieren. Das bedeutet, bei Terrorangriffen auf Israel, antisemitischen Übergriffen auf Jüdinnen und Juden sowie auf jüdische Institutionen nicht zu schweigen, sondern sich klar zu positionieren und es sich als demokratischer Rechtsstaat und Gesellschaft zur Aufgabe zu machen, in allen Bereichen dagegen zu arbeiten. Es wird als Stadt womöglich nicht ausreichen, und auch nicht als Land Oberösterreich, was wir hier beschließen, es ist aber ein wichtiger Anfang. Deshalb stimmen wir diesem Antrag zu. Danke schön.

Vielen herzlichen Dank, Frau Vizebürgermeisterin, meine Damen und Herren, herzlichen Dank an die ÖVP für diese Resolution. Diese gemeinsame Resolution ist mehr als nur ein Papier und auch mehr als nur ein Bekenntnis der Vertreter der Bürger und Bürgerinnen der Stadt, nämlich, dass wir aufpassen und uns klar gegen Antisemitismus und Hassparolen stellen. Es ist eine Aufforderung, etwas zu tun und wir werden etwas tun. Die unfassbare Aufhetzung der Fußballfans von Sturm Graz letzte Woche hat aufgeweckt und fast wie ein Mantra haben wir immer wieder gehört und hören: ‚Wehret dem Anfang.‘ Wir müssen aber realisieren: ‚Jetzt ist der Anfang.‘

Sehr geehrte Damen und Herren, wir werden diesem Antrag zustimmen. Ich möchte aber noch ganz kurz erläutern, warum wir diesen Antrag nicht mitgetragen haben. Im zweiten Punkt wird angeführt, dass man sich auf die sozialen Medien fokussieren soll und ich würde gar nicht dagegensprechen, dass es nicht ein Mittel ist, das man anwenden kann. Ich möchte nur anregen, dass die Sozialen Medien ein zentraler Schauplatz des Informationskrieges ist, der momentan in der Welt stattfindet, wo sich verschiedenste Akteure, die wesentlich profilierter sind als die Stadt Linz, quasi Schlachten liefern. Da gibt es viel Material, von hybrider Kriegsführung bis über die Strategien von Terrorismusorganisationen, das man nachschauen kann und genauso wirken die sozialen Medien sehr enthemmend. Insofern würde ich dafür plädieren, dass wir uns als Stadt Linz in unseren Bemühungen eher auf Bereiche fokussieren, wo eine entspannte Diskussionskultur erlernt und entwickelt werden kann, zum Beispiel in Form von Workshops in Schulen oder in Jugendzentren. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass dort die Friedensinitiative, die genau solche Dinge laut der Homepage der Stadt Linz anbietet, vielleicht Know-how liefern könnte. Danke schön.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: angenommen

Der Antrag wird einstimmig angenommen.