Geschäftsräumlichkeiten sicher vermieten - Erdgeschoßzonen beleben

R 8 · Fraktionsantrag · 33. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird ein Programm nach Vorarlberger Vorbild, das Eigentümerinnen leerstehender Geschäftsräumlichkeiten mit geringem Risiko zur Vermietung zu einem gedeckelten Mietzins unterhalb des Marktpreises motiviert. Im Mittelpunkt stehen Erdgeschoßzonen und Geschäftslagen in der Urfahraner Hauptstraße, der Wiener Straße sowie in historischen Stadtteilzentren wie Ebelsberg und Kleinmünchen. Begründet wird das Vorhaben mit verwaisten Schaufenstern, einem Eindruck von Niedergang und Trostlosigkeit sowie sinkendem subjektiven Sicherheitsgefühl; als Ursachen werden unter anderem fehlende Aufenthaltsqualität, hohe Verkehrsbelastung und der Strukturwandel im Handel genannt. Vorgesehen sind Leerstandsmonitoring, Leerstandsabgabe, aktives Leerstandsmanagement, Beratung und wirtschaftlich attraktive Sanierungsbedingungen, kombiniert mit einem Sicher-Vermieten-Modell für gemeinwohlorientierte Initiativen, Vereine und Kleinunternehmen. Der Vorschlag wurde mehrheitlich abgelehnt.

Schlagwörter (10):leerstandgeschäftsräumlichkeitenerdgeschoßzoneninnenstadtbelebungmietzinsleerstandsmanagementstrukturwandelhandelstadtteilzentrenwirtschaftsförderung
AntragstextEinblendenAusblenden
Sehr geehrte Damen und Herren, wir bleiben beim Thema Leerstand, beschäftigen uns jetzt aber mit Geschäftsräumlichkeiten, hauptsächlich mit der Erdgeschoßzone. Die Linzer ÖVP hat vor Kurzem eine Werbebroschüre ausgeschickt, in der es heißt: ‚Linz steht leer‘. Es ist sehr gut, dass die ÖVP dieses Problem erkennt. Eine Lösung habe ich in der Broschüre noch keine gefunden, aber vielleicht reden wir dann im Ausschuss darüber. Mir geht es in diesem Antrag in erster Linie nicht um die Leerstände der Geschäftsräumlichkeiten auf der Landstraße. Der Fokus liegt auf der Urfahrnaner Hauptstraße, der Wiener Straße und den Zentren der historischen Stadtteile wie etwa Ebelsberg oder Kleinmünchen. Ich denke, dass es auf jeden Fall öffentliches Interesse daran gibt, dort etwas zu tun. Verwaiste Schaufenster und Leerstände in den Erdgeschoßzonen führen zu einem Eindruck des Niedergangs und der Trostlosigkeit sowie zu einem Schwinden des subjektiven Sicherheitsgefühls. Meines Erachtens gibt es daher den klaren öffentlichen Auftrag, dass wir diese Transformation aktiv begleiten. Für den Leerstand gibt es vielfältige Ursachen, manchmal hausgemachte Probleme, aber auch globale Trends. Hausgemacht sind zum Beispiel fehlende Aufenthaltsqualität oder hohe Verkehrsbelastung. Ein globaler Trend kann so etwas wie der Strukturwandel im Handel sein. Dann gibt es noch andere Gründe, wie zum Beispiel, dass es Aufwand und Risiko bedeutet, im Vermietungsgeschäft zu sein. Manche Eigentümer*innen haben auch einfach kein Bedürfnis nach diesen finanziellen Mitteln. Ähnlich wie im vorherigen Antrag braucht es auch hier ein Gesamtmodell. Eine Strategie, wie wir als öffentliche Hand diese Transformation der Erdgeschoße aktiv begleiten können. Etwa durch Leerstandsmonitoring, aber auch durch eine Leerstandsabgabe als negativen Sanktionsmechanismus. Dazu braucht es ein aktives Leerstandsmanagement, Beratungsangebote und wirtschaftlich attraktive Rahmenbedingungen für eine Sanierung. Wird das mit dem Sicher-Vermieten-Modell - adaptiert auf Geschäftsräumlichkeiten - kombiniert, können wir eine Belebung der Erdgeschoßzone vorantreiben. Das funktioniert nach demselben Prinzip. Es gibt öffentliche Stakeholder*innen, die den organisatorischen Aufwand und das Risiko übernehmen. Im Gegenzug gibt es einen gedeckelten Mietpreis, der - für diejenigen Initiativen, die das brauchen - unter dem Marktpreis liegt. Genau solche Modelle ermöglichen es uns, günstige Räume für gemeinwohlorientierte Initiativen, für Vereine, für Kleinunternehmen und viele verschiedene andere Funktionen zu schaffen. Dadurch können wir die Erdgeschoßzonen und auch die Stadtteile attraktivieren und diese Transformation begleiten. Es ist mir wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass dieser Strukturwandel, der im Handel passiert, unumkehrbar ist. Das ist ein Gedanke, den Lorenz Potocnik schon ausgeführt hat. In diesem Sinne bedanke ich mich bei LinzPlus für die Anregungen zum Antrag und für die Unterschrift. Ich denke, dass der Onlinehandel bleiben und sich nicht wieder zurückentwickeln wird. Genauso wenig wird das mit den Einkaufszentren passieren. Darum wird der stationäre Handel, wie es ihn vor zehn oder 20 Jahren gab, nicht mehr zurückkommen. Das bedeutet, dass wir neue Nutzungsformen der Erdgeschoßzone brauchen. Wir müssen uns überlegen, was wir da reinbringen. Umso schneller wir das erkennen, umso besser ist es. Im Frühjahr habe ich hier gesagt, ‚die Stärke von Linz ist Linz‘. Gemeint habe ich damit, dass wir das, was uns einzigartig macht und unsere Linzer Identität ausmacht, besser herausarbeiten müssen. Wir haben eine gewachsene und vielfältige Stadtstruktur. Wir haben historische Substanz und die historischen Zentren in den Stadtteilen und hätten dadurch Potenzial für urbanes Flair. Auch Ebelsberg ist eigentlich ein wunderschöner Stadtteil. Es ist wichtig, dieses Einzigartige und dieses Eigenständige herauszuarbeiten. Denn genau das ist es, was man weder online noch in einem Einkaufszentrum reproduzieren kann. In diesem Sinne glaube ich, dass dieser Antrag ein Weg ist, wie wir diese Transformation gehen können. Ich freue mich auf die Diskussion.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der für Wirtschaft und Finanzen zuständige Stadtrat Thomas Gegenhuber wird aufgefordert, nach Vorarlberger Vorbild ein Programm zu entwickeln, das es Eigentümer*innen ermöglicht, ihre leerstehenden Geschäftsräumlichkeiten mit geringem Risiko mit der Gegenleistung eines gedeckelten Mietzinses unterhalb des Marktpreises zu vermieten. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, werte Kolleg*innen, Danke für das Wort. Das Modell ‚Sicher Vermieten‘ aus Vorarlberg ist tatsächlich nicht uninteressant, wenngleich man dazusagen muss, dass es dort ausschließlich für Wohnungsvermittlungen genutzt wird. In einem Zwischenbericht steht, dass man bereits etwa 250 Wohnungen und 30 Häuser vermittelt hat. Das entspricht etwa 25 Kleinwohnanlagen, die nicht gebaut werden mussten. Wenn man sich den privaten Vermietungsbereich ansieht, dann weiß man auch, warum diese Gebäude nicht in Vermietung gekommen sind. Für jemanden, der nicht im Vermietungsgeschäft ist, sich im Markt nicht auskennt, keine Vertragsgestaltung und vielleicht auch gar nicht die rechtlichen Möglichkeiten hat, ist es unsicher. Diese Menschen haben sich eine Anlageimmobilie gekauft und wissen dann nicht, was sie damit tun sollen. Jetzt könnte man sagen ‚selber schuld‘. Man könnte das Problem aber aufnehmen und versuchen, die Immobilien durch Mietmanagement unter die Leute zu bringen. Das macht man in Vorarlberg seit knapp zehn Jahren sehr gut. Man hat dort aber mittlerweile mit diesen 250 Wohnungen den Plafond erreicht und es geht nicht mehr recht viel weiter. Das ist aber für ein gewisses Segment okay. Man wird damit nicht alle Probleme lösen können. Jetzt kommen wir zum gewerblichen Bereich, den ich schon ein bisschen differenzierter sehe. Denn jemand, der Geschäftslokale vermietet, macht das meistens aus einer etwas anderen Motivation und hat auch andere Möglichkeiten, als jemand, der sich eine Wohnung als Anlage gekauft hat. Ich glaube, dass das Modell ‚Sicher vermieten‘ hier ein bisschen am Bedürfnis vorbeigeht. Ich will nicht absprechen, dass es in Einzelfällen vorkommen kann. Ich glaube aber, dass wir da im Großen und Ganzen ein bisschen in einem anderen Segment unterwegs sind. Man wird das nicht so einfach umlegen können. Ich möchte auch zu bedenken geben, dass wir nicht das erste Mal darüber sprechen. Wenn es hier darum geht, dass jemand Serviceleistungen anbieten soll, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, machen wir das an und für sich im Rahmen des Innenstadtkonzepts schon. Wir haben schon oft über den ‚Kümmerer‘ gesprochen und gesagt, dass es in Linz so etwas brauchen wird. Soweit ich weiß, ist einiges im Laufen. Ich würde dieses Thema deswegen nicht vom Tisch schieben. Ich glaube, es kann tatsächlich im einen oder anderen Fall ein taugliches Mittel sein. Im Großen wird es uns nicht wirklich weiterbringen. Wir können uns jetzt aber austauschen darüber, was wir glauben und was wir nicht glauben. Ich glaube, es ist ganz sicher richtig, wenn wir das im Ausschuss weiter diskutieren. Ich würde aber in diesem Fall den Wirtschaftsausschuss nehmen. Vielen Dank.

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, vielen Dank, Kollege Brandstetter, du schreibst im Antrag selbst, Geschäftsleerstand funktioniert anders als Wohnungsleerstand. Deswegen geht unser Abstimmungsverhalten bei diesem Antrag auch in eine andere Richtung als beim vorherigen. Das Thema Leerstand von Geschäftsflächen ist uns nicht neu. Wir haben es im Gemeinderat und im Ausschuss oft diskutiert. Es gibt seitens unseres Wirtschaftsstadtrats Thomas Gegenhuber schon großartige Initiativen in diese Richtung. Erst im Mai haben wir den Personalposten ‚Sales Area Development Manager‘ ins Lesen beschlossen. Diejenige oder derjenige bekommt den Auftrag, Neues anzudenken und sicherlich auch außerhalb der Innenstadt zu denken. Das Modell kennen wir als SPÖ, weil es auch im Landtag schon Thema war. Ich kann mich meinem Vorredner anschließen, ich glaube auch, dass das Modell ausschließlich für Wohnungsvermietungen gemacht ist. Ich wage zu bezweifeln, dass es für Geschäftslokale gemacht ist. Deswegen werden wir uns hier der Stimme enthalten. Dankeschön.

Vielen Dank, wie vorangekündigt sind wir für eine Zuweisung zum Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Finanzen.

Danke für die Wortmeldungen. Ich würde mich auch über eine Zuweisung zum Ausschuss freuen, um weiter über dieses Thema zu sprechen. Ich denke, dass man das Wohnungsthema sicherlich differenziert betrachten muss. Aus diesem Grund sind diese zwei verschiedenen Anträge entstanden. Ich muss Kollege Seeber recht geben. Ich glaube auch nicht, dass es alle Leerstände in den Erdgeschoßzonen betreffen wird. Aber wenn wir es schaffen, dass wir einige beheben und in einige Leerstände langfristig eine Nutzung durch Vereine oder Ateliers hineinbringen, dann wäre es das wert. Das können auch Eigentümer*innen sein, die vielleicht kein Interesse daran haben, einen Riesenprofit zu machen, aber eine sichere Situation für ihre Immobilie haben wollen. Vielleicht kann die Stadt sozusagen als Maklerin oder Organisatorin dahinterstehen und die Eigentümer*innen zum Beispiel mit Vereinen oder Kleinunternehmen zusammenbringen. Daher würde ich mich über eine Zuweisung freuen. Wenn es nicht dazu kommt, dann ist es auch okay. Man braucht ja immer ein Thema, an dem man dranbleiben kann und bei dem ein bisschen daran arbeiten muss, bis die SPÖ dann sozusagen auf den Zug aufspringt. Dankeschön.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), ÖVP (11), Die Grünen (10), FPÖ (9), NEOS (2), KPÖ (2)