Sammlung Erwin Hauser - Dauerleihgabe, Schenkung sowie Anmietung eines Depots
C 1 · Stadtsenatsantrag · 18. Sitzung
Zusammenfassung
KI GeneriertBeschlossen wurde die Übernahme der Sammlung Erwin Hauser als Dauerleihgabe mit anschließender Schenkung an die Stadt Linz. Die Sammlung zeitgenössischer österreichischer Kunst umfasst Werke bedeutender Künstlerinnen und Künstler und wird mit einem geschätzten Wert von mehr als 16 Millionen Euro als wesentliche Aufwertung des Bestands des Lentos Kunstmuseums beschrieben. Gleichzeitig wurde die Anmietung eines rund 1.200 m² großen Depots samt Überbindung der Vertragsverpflichtungen an die Museen der Stadt Linz GmbH geregelt. Der Mietvertrag läuft auf 20 Jahre mit einmaliger Verlängerungsoption um fünf Jahre; die laufenden Miet- und Nebenkosten sowie die Rechtsgeschäftsgebühr werden ab 2024 budgetär im Museumsfonds verbucht. Der Beschluss wurde mehrheitlich angenommen, bei Gegenstimme von Gemeinderätin Schachner von MFG.
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Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrter Gemeinderat, beim Lesen des Antrags reiften in mir etliche Fragen, sowohl finanzieller als auch anderer Natur. Die Stadt Linz verpflichtet sich als künftige Eigentümerin, diese Sammlung weder komplett noch teilweise zu veräußern. Ich halte diese Selbstbeschränkung für bedenklich. Im Antrag werden unter Kosten 73.000 Euro sowohl einmalig als auch als Teilbetrag der geschätzten jährlichen Aufwendungen von 120.000 Euro angeführt, wie ist dies zu verstehen? Da die Museen der Stadt Linz nicht über ausreichend Depotraum für diese Sammlung verfügen, ist nach spätestens 25 Jahren, klugerweise früher, mit einer zusätzlichen Schaffung von Depotraum zu rechnen. Welche geschätzten zusätzlichen Kosten werden der Stadt Linz daraus erwachsen? Im Antrag wird Folgendes angeführt, ich zitiere: „Die Sammlung Erwin Hauser umfasst nahezu lückenlos überwiegend Gemälde, Skulpturen und Papierarbeiten der bedeutendsten österreichischen Künstler*innen des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, schwerpunktmäßig nach 1945.“ Bei der auszugsweisen Auflistung von Namen lassen sich nur vier bedeutende österreichische Künstler – wie Tina Blau, Carl Moll, Helene Funke sowie Johann Reiter – davon in ihren künstlerischen Werken dem 19. Jahrhundert zurechnen. Sollen wir jetzt glauben, es hätte nur so wenige Künstler im 19. Jahrhundert in Österreich gegeben? In dieser auszugsweisen Liste ist auch der Name Otto Mühl angeführt. Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich dabei um den Vertreter des Wiener Aktionismus handelt – einen anderen konnte ich nicht finden – welcher 1991 wegen Kindesmissbrauch und Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Wie will man denn dessen Werke präsentieren? Danke.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte jetzt gar nicht zu detailliert auf diese Wortmeldung eingehen, nur eines ganz kurz: Die Aufgabe eines Museums ist nicht Kunst zu verkaufen, soviel ganz grundsätzlich zur Richtigstellung einer Museumsarbeit. Es ist eine enorme Aufwertung unserer Sammlung, die mit dieser Schenkung einhergeht. Dies ist das Lebenswerk eines erfolgreichen Unternehmers und leidenschaftlichen Kunstsammlers, der sich beim Einkauf dieser Kunstgegenstände schon immer gerne, beispielsweise von Elisabeth Nowak-Thaller mit ihrer Kunstexpertise, beraten ließ. Er ist auch Vizepräsident der Lentos Freunde – unseres Vereins des Lentos Kunstmuseum – und es sind wirklich enorm hochwertige Kunstwerke, die uns hier übergeben und anvertraut werden. Das ist auch eine enorme Aufwertung für Linz als Kunst- und Kulturstandort und etwas ganz Einzigartiges, das kann ich dazu sagen. Vielen herzlichen Dank an Erwin Hauser, dass er uns sein Lebenswerk anvertraut. Danke.
Mir fehlen auch die Worte. Wenn jemand so etwas macht und sich einer Stadt gegenüber so großzügig verhält, ist es bemerkenswert, dass man etwas Schlechtes daran finden kann. Ich finde nichts Schlechtes daran, ganz im Gegenteil. Ich finde es sehr großzügig und wunderbar, dass jemand so etwas macht. Hinter dem Aufbau so einer umfassenden Kunstsammlung steckt sehr viel Herzblut und sehr viel von einem selbst drinnen. Wenn man so etwas dann der Stadt schenkt, der Stadt übergibt, ist das nicht nur eine wunderbare Geste, sondern eine wunderbare Tat. Dass man etwas, an dem so viel von einem Selbst und von seinem Herz hängt, der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, ist einfach eine großmütige Handlung wo man, außer ‚Danke‘, eigentlich gar nichts mehr dazu sagen kann. Eines sage ich trotzdem noch dazu, weil das angesprochen wurde: Meines Wissens gibt es sowieso ein Veräußerungsverbot für die Kunstwerke in unseren Museen. Ich glaube auch, dass es das Mindeste ist, dass man sich selbst bindet, wenn jemand solche Kunstwerke einer Stadt übergibt, um diese damit der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Dass man diese Kunstwerke nicht weiterveräußert, ist glaube ich, das Mindeste überhaupt. Ich kann dem ausschließlich Positives abgewinnen und schließe mich den Reihen der Dankbaren an und sage auch nur laut „Danke“ für meine Fraktion.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, auf der Tribüne sitzt er nicht, ich hoffe Herr Dr. Hauser hört uns auch nicht zu! Sollte er zugehört haben, dann möchte ich ihm versichern, dass die Aussagen von Frau Gemeinderätin Schachner tatsächlich eine extreme Minderheitenposition in diesem Gemeinderat darstellen. So wie ich Herrn Dr. Hauser kenne, wird er auch über diese Wortmeldung und über den Dingen stehen. Aber eines muss ich hier schon noch sagen: Wie funktioniert denn das? Da schenkt jemand der Stadt eine bedeutende Sammlung und dann frage ich: ‚Du, die Hälfte kann ich aber schon verkaufen, oder?‘ Sorry, das ist unvorstellbar. Mir fehlen selten die Worte, irgendetwas ist mir in diesem Haus immer noch eingefallen. Aber dazu fällt mir jetzt tatsächlich nichts mehr ein, Frau Gemeinderätin Schachner, das muss ich Ihnen schon sagen. Ich glaube, dass das vom Zugang her tatsächlich beschämend und auch verletzend gegenüber Herrn Dr. Hauser ist, und ich entschuldige mich dafür, dass diese Wortmeldung gefallen ist und bedanke mich noch einmal bei Ihnen und bitte Sie um Zustimmung.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird bei Gegenstimme von Gemeinderätin Schachner von MFG mehrheitlich angenommen.