Gedenkkonzept zu den Linzer Luftschutzstollen aus der Zeit des Nationalsozialismus
K 2 · Fraktionsantrag · 31. Sitzung
Zusammenfassung
KI GeneriertGeprüft werden soll ein umfassendes Gedenkkonzept für die Linzer Luftschutzstollen aus der Zeit des Nationalsozialismus, darunter etwa der Limonistollen und der Rudolfstollen. Die Orte gelten als Zeugnisse von Krieg, NS-Terror sowie der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiterinnen und sollen dauerhaft sichtbar und vermittelbar gemacht werden. Vorgesehen sind unterschiedliche Formen der Erinnerungskultur wie öffentliche Veranstaltungen, pädagogische Programme, künstlerische Projekte und Installationen sowie die Einbindung von Stadtarchiv, Schulen, Universitäten, Opferverbänden, Historikerinnen und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Zunächst soll die Zugänglichkeit der Stollen geprüft und danach ein umsetzbares Konzept mit Formaten, Finanzierung, Eigentumsfragen und Wartung erarbeitet werden. Ziel ist eine langfristige Sicherung des Gedenkens; die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget bedeckt werden.
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Als direkt Angesprochener darf ich mich als Erster zu Wort melden und grundsätzlich Danke für diese Initiative sagen, die ich inhaltlich durchaus teile. Wir haben eine große Verantwortung und diese haben wir auch historisch als Stadt Linz immer wieder dargelegt. Ich sehe es auch so, dass wir auch eine Verantwortung als Miteigentümerin diverser Stollen sowie eine historische und moralische Verantwortung haben. Man kann sich überlegen, was man dort machen kann und inwieweit man das mit einem sehr sensiblen Zugang für die interessierte Bevölkerung öffnen kann. Wir haben im Jahr 2012 bereits eine enge Kooperation mit dem Tourismusverband, mit der Abteilung Linz Kultur, mit dem Gebäudemanagement und auch mit dem Archiv zur Öffnung des Limonistollens gehabt. Es gab kuratierte Führungen, für die wir die Führerinnen und Führer der Austrian Guides speziell darauf geschult haben, einen sensationshungrigen Charakter durch Entdeckungstouren – in Form von ‚Lost Places‘ – durch diese Stollen zu verhindern. So etwas sollten wir jedenfalls unterbinden und sehr behutsam und sensibel damit umgehen. Gleichzeitig haben wir auch Haftungs- und Eigentumsfragen zu klären, was bei den verschiedenen Stollen gar nicht so einfach ist. Manche sind teilweise gar nicht zugänglich und versperrt, weil sie gefährlich und einbruchsgefährdet sind. Auch die Machbarkeit und die Koordination mit den zuständigen Landes- und Bundesstellen – die teilweise auch Eigentümerschaften haben – sind zu klären. Als letzten Punkt möchte ich noch sagen, dass im Antrag steht, dass ihr bis spätestens Ende 2025 ein umfassendes Konzept vorlegen wollt. Das halte ich für sehr ambitioniert, vielleicht auch für gar nicht machbar. Deswegen ersuche ich hiermit um Zuweisung zu meinem Ausschuss, wo wir das dann detailliert diskutieren können.
Danke, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, die Luftschutzstollen in Linz, wie der Limoni-, Schlossberg- und Rudolfstollen, sollen als Orte der Erinnerung an die NS-Zeit und den Terror des Nationalsozialismus dienen. Sie sind ein wichtiges Zeugnis der Geschichte, besonders jener während des Zweiten Weltkriegs. Es ist wichtig, sich an die Leiden der Menschen zu erinnern, die in diesen Stollen Schutz suchten und gleichzeitig die Ausbeutung der Zwangsarbeiter, die sie bauten, zu reflektieren. Die Luftschutzstollen sind ein konkretes Denkmal, das uns an die Schrecken des Krieges erinnert und die Not der Menschen während dieser Zeit verdeutlicht. Dadurch wird die Geschichte lebendig gehalten und die Vergangenheit vor dem Vergessen bewahrt. Gleichzeitig wird Bewusstsein für die Notwendigkeit von Frieden und die Gefahren von Krieg geschaffen. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stollen kann auch ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der Vergangenheit sein. Ich werde diesem Antrag zustimmen. Danke.
Danke Herr Bürgermeister, lieber Helge Langer, wir haben schon am Telefon über den Antrag gesprochen. Als ehemaliger Zivildiener, der seinen Gedenkdienst in Tel Aviv absolviert hat, habe ich mich wirklich sehr intensiv mit der NS-Zeit beschäftigt und begrüße dein Anliegen, auch wenn ich ein bisschen zwiegespalten bin. Linz hat einerseits schon viel geleistet, viel aufgearbeitet, viel dokumentiert, tolle Ausstellungen gemacht und so weiter. Andererseits sollte dieses Gedenken auch nie aufhören und immer lebendig gehalten werden. Dietmar Prammer hat schon gesagt, dass bei den Stollen die Herausforderung natürlich enorm ist, weil diese teilweise - zum Beispiel von einem Schießverein - genutzt werden und nicht so leicht zugänglich sind. Ich hätte auch eine Zuweisung beantragt. Ich möchte auch noch darauf hinweisen, dass Linz viele solcher Orte hat, die versteckt, zugebaut und kaum sichtbar sind. Es geht ja immer um Sichtbarkeit. Es gab zum Beispiel drei, vier sehr große Zwangsarbeitslager in Urfahr, wo zeitgleich mehr als 10.000 Menschen zur Arbeit gezwungen wurden. Das jetzt wieder in der Diskussion befindliche Biodiversitätszentrum - Biologiezentrum - war übrigens auch Teil dieser Zwangsarbeitslager. Es wurde im Zuge des Zwangsarbeitslagers Dornach nördlich der Mengerstraße errichtet und hat auch eine ähnlich dunkle Geschichte, die sich dann bis in die Achtzigerjahre gezogen hat. Das ist besonders und das könnte man auch erwähnen. Es gibt sehr viele solche Orte in Linz, die Sichtbarkeit oder in irgendeiner Form Gedenken verdienen. Uns als Fraktion und mir ist wichtig, dass es kein Museum oder klassischer Gedenkort wird, sondern dass in irgendeiner Form eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit Geschichte stattfinden kann. Das ist mein Punkt, den ich hier mit meiner Wortmeldung machen will. Mein Appell ist, machen wir kein Museum, sondern etwas Lebendiges, Zugängliches, Aufklärendes und kommen wir weg vom herkömmlichen Gedenken. Diese Zeit ist vorbei. So etwas braucht ganz sicher länger als dieses halbe Jahr. Ich glaube, das ist vollkommen unmöglich, denn dafür braucht es wahrscheinlich zwei Jahre, um sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Vielleicht kann man sogar einen Wettbewerb mit Künstler*innen, Kulturtreibenden und so weiter machen. Von uns gibt es die Zustimmung für die Zuweisung und einen Appell für Lebendigkeit.
Danke, sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie wissen, wenn es um Erinnerungskultur geht, rennen Sie bei mir offene Türen ein. Danke auch an Helge Langer für euren Antrag. Ich erinnere nur an den von mir koproduzierten Film ‚Kreis der Wahrheit‘ zur Erinnerungskultur oder an die Worte von Konstantin Wecker zur Linzer Friedenserklärung im vergangenen Jahr. Jede Aktivität in diesem Bereich ist wichtig und verdient unsere volle Unterstützung. Dass die Stollen zum Thema gemacht werden, ist richtig und wichtig. Erinnerung muss Raum bekommen, auch und gerade an Orten wie diesen. Besprechen wir das bitte sensibel und verantwortungsvoll im Ausschuss. Wir stimmen der Zuweisung natürlich zu.
Vielen Dank für die Wortmeldungen. Ja, mir ist bewusst, dass Linz schon sehr viel getan hat, was Erinnerungskultur betrifft, und ich bedanke mich auch ganz ausdrücklich dafür. Ich weiß auch, dass es rund um die Luftschutzstollen sehr viele offene Fragen gibt. Ich freue mich, wenn man sie klären kann. Lorenz Potocnik, genau das ist der Punkt. Es geht um Sichtbarmachung von Geschichte, um Vermittlung und um den Einsatz verschiedener Vermittlungstechniken. Der Ausschuss wird ein guter Ort sein, um darüber auf eine sensible Art und Weise zu diskutieren. Dankeschön.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Planung, Liegenschaften und Verfassung wird einstimmig angenommen.