Anfrage von Gemeinderätin Mag.a Grünn an Bürgermeister Luger betreffend ‚Erinnerungszeichen für NS-Opfer‘ von der Gemeinderatssitzung am 27. Juni 2024

2 · Anfrage · 23. Sitzung

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Status:Beantwortet

Zusammenfassung

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Die Erinnerungszeichen für NS-Opfer in Linz sollen 2025 um rund 20 weitere personalisierte Gedenkzeichen ergänzt werden, damit alle bislang bekannten 200 jüdischen Opfer und gegebenenfalls auch vertriebene Familienmitglieder erfasst werden. Grundlage sind frühere Beschlüsse, wissenschaftliche Recherchen und die bereits 2022 errichteten ersten Erinnerungszeichen; für jüdische Opfer gab es zuvor kein personalisiertes Gedenken im öffentlichen Raum. Für weitere Opfergruppen wie homosexuelle Menschen, Roma und Sinti, politisch Verfolgte oder Zwangsarbeiterinnen hängt die Planung laut Auskunft von der Quellenlage und der laufenden Auswertung von Archivmaterial ab. Die Erforschung der Verfolgung homosexueller Menschen läuft noch, und erst danach sollen die nächsten Schritte für weitere Opfergruppen beraten werden. Bestehende Mahnmale, Gedenktafeln und Denkmäler für andere NS-Verfolgte werden als bereits vorhandene öffentliche Gedenkorte genannt.

Schlagwörter (10):ns-opfererinnerungszeichengedenkpolitikholocaustjüdische opferhomosexuelle verfolgteroma und sintizwangsarbeitwiderstandstadtgeschichte
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„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, die Stadt Linz gedenkt mit Erinnerungszeichen in personalisierter Form den Opfern des Nationalsozialismus. Grundlage dafür ist eine Grundsatzgenehmigung des Linzer Gemeinderats vom Jänner 2019, der das Gedenken an alle Opfergruppen des Nationalsozialismus in die Wege leiten soll. Eine Jury kürte im November 2019 den Entwurf von Andreas Strauss zum Siegerprojekt der Ausschreibung. Im September 2022 wurde anlässlich des Internationalen Tages der Demokratie am Alten Markt stellvertretend eine Erinnerungsstelle eingeweiht. Rund 70 Nachkommen von jüdischen Holocaust- und Fluchtopfern nahmen an der bewegenden Zeremonie teil. Laut der Homepage der Stadt Linz wurden im Mai 2023 zuletzt Erinnerungszeichen, die insbesondere an verfolgte, vertriebene und ermordete jüdische Linzer*innen erinnern, errichtet. Ich stelle daher folgende Anfrage, laut Statut Linz § 12: Werden noch neue Erinnerungszeichen aufgestellt? Wenn ja - in welchem Zeitraum ist die Aufstellung von neuen Erinnerungszeichen geplant? Und wird es auch Erinnerungszeichen für Opfergruppen wie etwa Roma und Sinti, politisch Verfolgte, Zwangsarbeiter*innen, behinderte Menschen, Zeugen Jehovas oder Homosexuelle geben? Wie ist hier der Stand der Planung? Danke für die Beantwortung.“
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Nachdem die Fragen miteinander verwoben sind, schlage ich vor, dass ich alle Frage auf einmal vorlese und dann die gesamte Stellungnahme. Einverstanden? Danke. Für das, aus heutiger Sicht, kommende Gedenkjahr 2025 anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges ist geplant, noch weitere ca. 20 Erinnerungszeichen aufzustellen, um allen bislang bekannten 200 jüdischen Opfern ein Gedenken zu schaffen. Sofern vertriebene Familienmitglieder dieser Holocaust-Opfer auch recherchiert werden konnten, wird diesen ebenfalls auf den Erinnerungszeichen gedacht. Im Gegensatz zur Opfergruppe der politisch Verfolgten und zu den 403 namentlich bekannten Todesopfern aus Konzentrationslagern (Grabstätten am Stadtfriedhof St. Martin) gab es in Linz bis zur Errichtung der ersten Erinnerungszeichen 2022 kein einziges personalisiertes Gedenken im öffentlichen Raum für Opfer der Shoah. Andererseits existieren mit dem Mahnmal am Barbarafriedhof für die Widerstandsgruppe ‚Freies Österreich‘, der Gedenktafel für ‚Arbeiter der Linzer Tabakwerke im Widerstand gegen den Nationalsozialismus‘ sowie dem Denkmal für die ‚Opfer der Widerstandsgruppe Eisenbahn‘ bereits seit Jahrzehnten öffentliche Orte zum Gedenken dieser Widerstandskämpfer. Gedenktafeln würdigen die vom NS-Regime verfolgten Persönlichkeiten Johann Gruber, Franz Jägerstätter bzw. Franz Schückbauer. Sie wissen ja, dass wir, gedeckt durch viele Gemeinderatsbeschlüsse, die Basis für diese wissenschaftlichen Recherchen über Jahrzehnte geschaffen haben. Es sind vor allem auch die wissenschaftlichen Arbeiten von Frau Mag.a Verena Wagner gewesen, die es uns überhaupt erst ermöglicht haben, personalisiert zu gedenken. Im Sommer vergangenen Jahres hat der Stadtsenat beschlossen, die Erforschung der Verfolgung von homosexuellen Menschen in der Ära des Nationalsozialismus durchzuführen. Die Auswertung - es gibt ja einige Gerichtsakten im oberösterreichischen Landesarchiv - läuft jedoch noch und ich kann diesbezüglich keine aktuellen Informationen erteilen. Jedenfalls ist diese erste Etappe mit der Errichtung der Erinnerungszeichen für jüdische Opfer im nächsten Jahr abgeschlossen. Ich schlage vor, dass wir dann auf Basis der Analysen konkreter homosexueller Opfer die nächsten Schritte beraten werden. Das ist immer eine Frage des Quellenzugangs zur Dokumentation und nicht des Willens, die Opfergruppen zu erfassen. Deshalb mein Vorschlag: Wenn die Arbeit über Homosexuelle abgeschlossen ist, weiß man in etwa, wie die Aktenlage möglicherweise auch für Roma und Sinti ist. Das ist auch während der NS-Zeit nicht so dokumentiert worden, wie die brutale industrielle Vernichtung von Jüdinnen und Juden. Dann kann man entscheiden, ob wir das auch personalisiert schaffen. Wenn es möglich ist, werden Sie sicherlich meine Zustimmung dafür erhalten, wenn es nicht möglich ist, werden wir diskutieren, wie man das vielleicht auf andere Art und Weise noch würdevoller tun kann.