Anfrage von Gemeinderätin Tichler an Vizebürgermeisterin Hörzing betreffend „Zweifelhaftes Kosten-Nutzen-Verhältnis der Studie zur Sprachförderung“ von der Gemeinderatssitzung am 5. Juni 2025

5 · Anfrage · 31. Sitzung

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Status:Beantwortet

Zusammenfassung

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Im Mittelpunkt steht die Finanzierung und der Nutzen einer Studie zur Sprachförderung in Linzer Kindergärten mit einem Förderrahmen von maximal 196.600 Euro. Die Vergabe wurde nach dem Wechsel der federführenden Expertin von der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich an die Universität Flensburg an deren dortige Tätigkeit gekoppelt; auch regionale Bildungseinrichtungen wie die PH Oberösterreich wurden zuvor in Gesprächen berücksichtigt. Inhaltlich untersucht die Studie den Zusammenhang zwischen Qualifikation des Sprachpersonals, Qualität der Deutschförderung und Spracherwerb der Kinder sowie die Aussagekraft von BESK KOMPAKT und MIKA-D. Der Zwischenbericht wurde nicht veröffentlicht, weil die Endergebnisse abgewartet werden, und die vorläufigen Ergebnisse verweisen auf Verbesserungsbedarf bei Systematik, Differenzierung und aktiver Sprachproduktion sowie auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Volksschule. Die Projektlaufzeit wurde kostenneutral bis 31. August 2025 verlängert, weitere Leistungen sind derzeit nicht geplant; bisher wurden 37.400 Euro ausbezahlt.

Schlagwörter (10):sprachförderungkindergartendeutschförderungsprachentwicklungbildungsforschungbesk kompaktmika-dvolksschulefördervertragkosten-nutzen-verhältnis
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„Sehr geehrte Frau Vizebürgermeister! Die Stadt Linz hat rund 196.600 Euro für eine Studie zur Sprachförderung in Linzer Kindergärten aufgewendet. Durchgeführt wurde die Studie von einem Team der Universität Flensburg. Insbesondere aufgrund der dürftigen Handlungsempfehlungen des Zwischenergebnisses aber auch aufgrund der hohen Kosten, tun sich Fragen auf, um deren Beantwortung ich hiermit ersuche. 1. Aufgrund welcher konkreten Kriterien wurde die Universität Flensburg für diese Studie ausgewählt? 2. Welche alternativen Anbieter - insbesondere regionale Bildungseinrichtungen - wurden vor der Vergabe für die Durchführung der Studie in Betracht gezogen? 3. Wurde im Vorfeld eine Kosten-Nutzen-Abschätzung erstellt? 4. Welcher konkrete Leistungsumfang wurde vereinbart? 5. Wo wurde der kürzlich in den Oberösterreichischen Nachrichten erwähnte Zwischenbericht veröffentlicht beziehungsweise wo kann man Einsicht nehmen? 6. Wie beurteilen Sie die bisherigen Zwischenergebnisse im Hinblick auf deren Erkenntnisgewinn und praktischen Nutzen für die städtischen Kindergärten? 7. Warum wurden zentrale bisherige Erkenntnisse - wie die Förderung des kindlichen Redeanteils oder die stärkere Kooperation mit Volksschulen - nicht bereits früher umgesetzt, obwohl diese seit Jahren bildungspolitisch diskutiert werden? 8. Welche weiteren Leistungen dürfen wir wann und in welchem Umfang von den Auftragnehmern erwarten? 9. Sehen Sie Kosten und Nutzen der Studie in einem angemessenen Verhältnis? Wurden bereits partielle Rückforderungen überlegt beziehungsweise behalten Sie sich diese vor? Ich danke für die Beantwortung der Fragen!“
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Zu 1.: Ursprünglich war vorgesehen, die Förderung des Forschungsprojekts für die Erstellung der Studie ‚Sprachbildung und Förderung in Linzer Kindergärten‘ an die Pädagogische Hochschule (PH) OÖ zu vergeben, an der Frau Prof. Dr. phil. Marion Döll zu diesem Zeitpunkt forschte und tätig war. Während der Vorbereitung der Studie und des zugehörigen Antrags an den Gemeinderat wurde der Wechsel von Frau Professorin Döll an die Universität Flensburg bekannt. Die Konzeption und das Design der wissenschaftlichen Arbeit beziehungsweise der Studie wurden federführend von Frau Professorin Döll aufbereitet. Sie ist als Hochschulprofessorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt sprachliche Bildung und migrationsbedingte Mehrsprachigkeit in der Pädagoginnen- und Pädagogenausbildung eine ausgewiesene Expertin. Daher wurde der Fördervertrag mit der Universität Flensburg, an der Frau Professorin Döll nach wie vor tätig ist, abgeschlossen. Die Förderung für das Forschungsprojekt wurde an die Profession von Frau Professorin Döll und nicht an eine Universität gekoppelt. Zu 2.: Wie ich in Frage 1 bereits beantwortet habe, gab es insbesondere mit regionalen Bildungseinrichtungen wie der PH Oberösterreich Gespräche für die Förderung des Forschungsprojekts. Zu 3.: Die Fördermittel von maximal 196.600 Euro wurden per Vereinbarung festgelegt und werden erst nach Nachweislegung entstandener Kosten ausbezahlt. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Forschungsprojekte mit einer umfangreichen Datenerhebung qualitativer und quantitativer Analysen sowie breiter Beteiligung oft im Bereich zwischen 200.000 und 500.000 Euro liegen. Zu 4.: Das Ziel der Studie besteht darin, Zusammenhänge zwischen formaler Qualifikation der Sprachpädagoginnen und -pädagogen, der Qualität der Deutschsprachförderung in den Kindergärten sowie den Spracherwerbsfortschritten der Kinder zu untersuchen. Die Studie untersucht also, wie die Ausbildung der Sprachpädagoginnen und -pädagogen die Qualität der Deutschförderung im Kindergarten beeinflusst und wie sich das auf die Sprachentwicklung der Kinder auswirkt. Darüber hinaus sind folgende Aspekte Teil der Studie: Die Überprüfung der Validität der mittels Beobachtungsbogen zur Erfassung der Sprachkompetenz (BESK KOMPAKT) im Auftrag der Aufsichtsbehörde getätigten Beobachtungen zur Erfassung der Sprachkompetenz, die Exploration von Zusammenhängen zwischen BESK-Ergebnissen und standardisiert und objektiv gemessenen Deutschkompetenzen, sowie die Herausarbeitung der prognostischen Validität der Beobachtungen hinsichtlich der Feststellung des außerordentlichen Status im Rahmen der Schuleinschreibung. Zu 5.: Der Zwischenbericht wurde nicht veröffentlicht, weil die Endergebnisse abgewartet werden. Zu 6.: Die vorläufigen Handlungsempfehlungen deuten darauf hin, dass es in der Sprachförderung in Linz Optimierungsbedarf gibt. Dieses Phänomen ist in ganz Österreich zu beobachten. Insbesondere in Bezug auf Systematik, Differenzierung und aktive Sprachproduktion der Kinder erscheinen Nachbesserungen erforderlich. Die vorgeschlagene engere Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Volksschule könnte die Transition für Kinder erleichtern und somit die Effektivität der Sprachförderung steigern. Konkrete Handlungsanweisungen und Ergebnisse werden mit Abschluss der Forschungsarbeit im Herbst erwartet. Zu 7.: Der kindliche Redeanteil kann durch einen erweiterten Wortschatz erhöht werden. Das heißt, dass der kindliche Redeanteil erst im Einzel-, dann im Gruppensetting und auch in der Alltagssituation erhöht wird. Die Transition vom Kindergarten in die Schule ist ein großes Anliegen. Im Kindergarten wird das bundesweit standardisierte Verfahren BESK KOMPAKT beziehungsweise BESK-DAZ KOMPAKT - für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache - verwendet. Bei Schuleintritt aber erfolgt eine Testung mit dem MIKA-D-Verfahren, dem Messinstrument zur Kompetenzanalyse - Deutsch. Diese differenzierten Varianten können Hindernis einer durchgängigen Sprachförderung von Kindergarten bis Volksschule sein. 13 Zu 8.: Die kostenneutrale Verlängerung des Projekts bis zum endgültigen Abschluss wurde mit 31. August 2025 vereinbart. Belege zur Abrechnung erfolgen bis maximal 31. Oktober 2025. Weitere Leistungen oder Beauftragungen sind aus heutiger Sicht nicht geplant. Zu 9.: Ja, ich sehe die Kosten-Nutzen-Relevanz und halte sie für angemessen. Bisher erfolgte nur eine Teilzahlung in Höhe von 37.400 Euro. Wie im Gemeinderat beschlossen, beträgt der maximale Förderbetrag 196.600 Euro und ist anhand erfolgter Ausgaben nachzuweisen. 14