Anfrage von Stadtrat Mag. Dr. Raml an Vizebürgermeisterin Blöchl betreffend 'Finanzlage der Stadt Linz' von der Gemeinderatssitzung am 26. September 2024

11 · Anfrage · 24. Sitzung

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Status:Beantwortet

Zusammenfassung

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Im Mittelpunkt steht die Finanzlage der Stadt Linz mit Blick auf das Doppelbudget 2024/2025, die Ertragsanteile und mögliche Auswirkungen der Konjunkturschwäche. Für 2024 werden trotz eines budgetierten Mehrbedarfs von elf Millionen Euro bei den laufenden Aufwendungen und eines voraussichtlichen Minus von 4,4 Millionen Euro bei den Ertragsanteilen insgesamt Verbesserungen gegenüber den Planzahlen beschrieben, die durch Mehreinnahmen aus Transfers und sonstigen Einzahlungen ausgeglichen werden sollen. Für 2025 werden die Folgen der wirtschaftlichen Entwicklung noch als offen dargestellt; zugleich wird auf erwartbare Mehreinnahmen, insbesondere aus dem Finanzausgleich, verwiesen. Externe Finanzexperten sind nicht vorgesehen, da Budgetvollzug, Rechnungsprüfung und mittelfristige Finanzplanung bereits als laufende Instrumente genannt werden. Als größtes Einsparungspotenzial wird eine Korrektur der Schieflage im inneroberösterreichischen Transfergefüge bezeichnet, während bei künftigen Ausgaben auf Kernaufgaben, Infrastruktur, Mobilitätslösungen sowie Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen verwiesen wird.

Schlagwörter (10):finanzlagedoppelbudgetertragsanteilebudgetvollzugmittelfristige finanzplanungfinanzausgleichtransfergefügeeinsparungspotenzialstadtbudgetkonsolidierung
FragetextEinblendenAusblenden
„Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin Blöchl, die derzeitige wirtschaftliche Situation gibt Anlass zur Sorge, und insbesondere die Prognosen der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zeichnen ein düsteres Bild für die kommenden Jahre. Medienberichten zufolge steht das Land Oberösterreich im kommenden Jahr vor großen budgetären Herausforderungen. Auch für die Stadt Linz könnte die wirtschaftliche Entwicklung weitreichende Konsequenzen haben, da die schlechteren Wirtschaftsprognosen direkten Einfluss auf die Ertragsanteile der Gebietskörperschaften nehmen. Für das Jahr 2024 ist im Doppelbudget der Stadt Linz bereits ein Minus von 25 Millionen Euro vorgesehen, und angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung besteht die Gefahr, dass sich dieses Defizit noch weiter verschärfen wird. Gleichzeitig werden weiterhin Ausgaben in beträchtlicher Höhe getätigt, die hinterfragt werden müssen. Um einen klaren Überblick über die finanzielle Lage der Stadt Linz zu erhalten und die notwendigen Schritte zur Sicherung einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Budgetpolitik zu setzen, ersuche ich um Beantwortung folgender Anfrage: 1. Wie stellt sich die aktuelle Budgetsituation der Stadt Linz für das laufende Jahr dar, insbesondere im Hinblick auf die Ertragsanteile und die bisherigen Ausgaben? 2. Liegen bereits erste Prognosen vor, wie sich das Budget für das Jahr 2025 entwickeln könnte? Wie lauten diese und was leiten Sie daraus ab? 3. Wurde bereits in Erwägung gezogen, externe Finanzexperten hinzuzuziehen, um eine unabhängige Prüfung der städtischen Finanzen durchzuführen und Empfehlungen zur weiteren Budgetplanung abzugeben? 4. Plant die Stadt künftig eine stärkere Konzentration auf Kernaufgaben und eine effizientere Verwendung von Steuergeldern? 5. Ist beabsichtigt, die Einwohner der Stadt Linz durch höhere Gebühren oder Abgaben in Zukunft zusätzlich zu belasten? 6. Gibt es seitens der Finanzabteilung eine längerfristige Strategie, um die finanzielle Stabilität der Stadt Linz sicherzustellen und künftige Belastungen zu vermeiden? 7. Sofern die Prognosen einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung eintreten werden und die Stadt dadurch genötigt sein wird, Einsparungen vorzunehmen: In welchen konkreten Bereichen der Stadt sehen Sie am ehesten Einsparungspotential? Ich danke für die Beantwortung der Fragen!“
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Sehr geehrter geschäftsführender Vizebürgermeister, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Michael Raml hat an eine Anfrage zur Finanzlage der Stadt Linz an mich gestellt. Lieber Michael, ich darf diese wie folgt beantworten: Zu 1.: Die aktuellen Hochrechnungen 2024 auf Basis des beschlossenen Budgets zeigen insgesamt und auch in der operativen Gebarung gegenwärtig eine Verbesserung gegenüber den Planzahlen dar. Der im Voranschlag berücksichtigte operative Personal-, Transfer-, Sach- und auch Finanzaufwand in Höhe von 928 Millionen Euro wird aktuell mit einem budgetären Mehrbedarf von elf Millionen Euro eingeschätzt. Die Ertragsanteile, geplant in Höhe von 352,27 Millionen Euro, werden bis zum Jahresende voraussichtlich leicht unter dem Voranschlagsniveau von 347,87 Millionen Euro zu liegen kommen. Das ist ein Minus von 4,4 Millionen Euro. Diese gerade erwähnten Mindereinnahmen können jedoch voraussichtlich durch Mehreinnahmen aus Transfereinzahlungen, insbesondere durch den Finanzausgleich und durch sonstige Einzahlungen in Höhe von 25 Millionen Euro kompensiert werden. Zu 2.: Ob und inwieweit die vorliegenden Konjunktur- und Wirtschaftsdatenveränderungen bei den relevanten Budgetpositionen des Sach- und Personalaufwands sowie der beschäftigungsabhängigen Steuern zu Veränderungen führen und welche Konsequenzen sich daraus ableiten lassen, kann erst Gegenstand des Haushaltsvollzugs 2025 sein. Sollten sich jedoch die Prognosen für die Ertragsanteile für 2025 nicht verändern, wird sich 2025 ein ähnliches Bild wie dieses Jahr zeigen. Positive Effekte könnten wir jedoch durch erwartbare Mehreinnahmen, insbesondere aus dem Finanzausgleich, erwarten. Zu 3.: Es liegen Beschlüsse mit breiter politischer Zustimmung zum Doppelbudget 2024/2025 sowie auch zum mittelfristigen Finanzplan 2026 bis 2029 vor. Der Budgetvollzug 2024 ist aktuell stabil. Ich darf darauf hinweisen, dass das städtische Kontrollamt die Rechnungsabschlüsse der Stadt Linz regelmäßig analysiert, bewertet und im Gemeinderat auch darüber berichtet. Grundsätzlich darf ich natürlich daran erinnern, dass das Erarbeiten von Konsolidierungspotenzialen und auch der Vollzug ohnehin eine permanente Aufgabe eines jeden Stadtsenatsmitgliedes und der zuständigen Verwaltungseinheiten ist. Zu 4.: Durch die Beschlüsse zum aktuellen Doppelbudget und zum mittelfristigen Finanzplan wurde erst vor einigen Monaten das Leistungsportfolio der Stadt Linz hier im Gemeinderat politisch definiert. Eine sparsame wirtschaftliche und zweckmäßige Verwendung städtischer Mittel sollte eigentlich eine grundsätzliche Haltung aller politischen Verantwortungsträger sein und ich hoffe, davon ist auch finanzpolitisch auszugehen. Zu 5.: Die Entwicklung der Abgaben und Gebühren sind im Budget und in der Mittelfristplanung budgetiert und dürften bekannt sein. Zu 6.: Das durch den Gemeinderat beschlossene Budget und die mittelfristige Planung spiegeln die gewählten Schwerpunkte und auch die damit verbundenen finanzpolitischen Strategien wider. Die mittelfristige Finanzplanung zeigt - diese haben wir auch erst Ende des letzten Jahres beschlossen - die finanziellen Spielräume, die sich in der mittelfristigen Planung, mittelfristigen Perspektive, ergeben oder eben auch nicht. Zu 7.: Durch den Budgetbeschluss haben wir erst vor wenigen Monaten gemeinsam fraktionsübergreifend Projekte und Investitionen unter anderem zur Steigerung der Lebensqualität der Linzerinnen und Linzer sowie zur Steigerung, Stärkung und Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes festgelegt. Dabei haben wir für den Fortbestand unseres breiten kulturellen und sozialen Angebotes gesorgt, um einen Fokus auf Investitionen, unter anderem in die städtische Infrastruktur, in Mobilitätslösungen und auf Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen gelegt. Sofern unterjährige Aussteuerungen notwendig werden sollten und Konsolidierungsmaßnahmen getroffen werden müssten, gehe ich analog zum gemeinsamen Budgetbeschluss davon aus, dass wir hier gemeinsam Konsolidierungsmaßnahmen und Kompromissbereitschaft im Gemeinderat vorfinden. Dann wäre das ein politischer Schulterschluss von uns allen, auch in finanzpolitischen Angelegenheiten. Der Bereich, wo ich als Finanzreferentin den größten Hebel für Einsparungspotenziale finde, ist auch bekannt, nämlich eine Korrektur der dokumentierten Schieflage im inneroberösterreichischen Transfergefüge, der den Finanzhaushalt der Stadt Linz überproportional belastet. Aber ich darf auch hier auf die Beschlussfassung des Voranschlag- und Rechnungsabschlusses 2025 und auf die mittelfristige Planung hinweisen, die wir gemeinsam beschlossen haben.