Let’s go – Zufußgehen Schritt für Schritt stärker ins Bewusstsein rücken
L 5 · Fraktionsantrag · 9. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz
Zusammenfassung
KI GeneriertDas Zufußgehen im öffentlichen Raum soll stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Vorgesehen ist ein Konzept, das fußläufige Distanzen und die besten Wege in den Stadtteilen übersichtlich und niederschwellig darstellt und dafür gegebenenfalls bestehende Hinweisschilder adaptiert oder ausbaut. Als Begründung werden die Bedeutung des Fußverkehrs als unkompliziertes und umweltfreundliches Alltagsverkehrsmittel sowie die Initiative „Linz zu Fuß“ und Fußverkehrs-Checks mit Bürgerbeteiligung genannt. Als Vorbild dient das Londoner Leitsystem „Legible London“ mit „walking circles“, zugleich wurde auf die aus heutiger Sicht fehlende Zeitgemäßheit rein analoger Lösungen hingewiesen. Der Gemeinderat lehnte den Vorschlag mit Stimmenmehrheit ab; die SPÖ, ÖVP, FPÖ und MFG enthielten sich.
AntragstextEinblendenAusblenden
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Wortmeldungen (3)EinblendenAusblenden
Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, werte Kolleginnen und Kollegen, einleitend muss ich noch kurz darauf hinweisen, dass ich für meine Argumentation zu diesem Antrag, damit also meine Gedankengänge nachvollziehbar werden, doch etwas weiter ausholen muss. Deshalb wird diese eine Wortmeldung von mir ausnahmsweise ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen, als üblich. Ich fange zuerst einmal positiv an: An und für sich ist die Essenz dieses Antrages bzw. die Idee dahinter eigentlich eine gute, keine Frage. Es spricht tatsächlich nichts dagegen weitere Ambitionen zu schaffen, die das Zurücklegen kurzer Strecken zu Fuß in den Vordergrund rückt bzw. das Bewusstsein dafür schafft, schärft und stärkt. Wir sind jedoch der Meinung, dass das gewählte Format in diesem Antrag nicht das richtige ist. Es hapert, so scheint es, hier ein wenig am Verständnis der heutigen Zeit, in der wir leben. Im Antrag wird das Referenzbeispiel des Verkehrsleitsystems ‚Legible London‘ genannt. Das ist prinzipiell nichts Schlechtes und zugegeben, dieses Projekt hat in den Folgejahren nach der Einführung auch Preise gewonnen. Jedoch – und richtigerweise – muss man feststellen und festhalten, dass das Projekt, aus dem Jahr 2005 stammt. Nun kann man meinen, dass 2005 noch gar nicht so lange her ist, das ist aber relativ. In der menschlichen Wahrnehmung der Zeit mag das unter Umständen auch stimmen, technologisch betrachtet, ist seit 2005 eine Epoche vergangen. Erinnern wir uns an das Jahr 2005, visualisieren wir dieses Jahr. Damals hatten die meistens von uns vermutlich einmal ein Nokia-Gerät in der Hand, Verzeihung in der Tasche, denn wir benutzten es nur um zu telefonieren und wenn wir es nicht gebraucht haben, war es in der Tasche. Big Player waren Motorola, LG und Sony Ericsson, Samsung war damals auch am Markt, aber hauptsächlich im Haushalt vorzufinden in Form von Küchengeräten, Waschmaschinen und so weiter. Allen Herstellern gemeinsam waren haptische Tastaturen, wow! Fast unzerstörbar, mega! Utopische Akkulaufzeit, yeah! Das Highlight aber waren integrierte Antennen und die Klappfunktion: aufklappen, zuklappen, umklappen, alle möglichen Klappfunktionen. Goolge-Maps? Das hat es damals noch gar nicht gegeben. So! In diesem Umfeld entstand also das Verkehrsleitsystem ‚Legible London‘, verständlicher- und notwendigerweise, es gab ja damals nichts Besseres. Zurück in das Jahr 2022: Das Leben ist digital geworden, wir nehmen – instinktiv – wenn wir nicht mehr weiterwissen, das Smartphone zur Hand. Wir nehmen es sogar her, wenn uns schlichtweg langweilig ist oder um uns vom Smalltalk abzulenken. Es gibt im Prinzip zwei Extreme: Entweder wir wissen den Weg bereits oder aber wir googeln ihn, wir recherchieren, suchen, fahren und lassen uns teilweise blind und mechanisch zum nächstgelegenen Lokal, zu einer Station oder zu einer Sehenswürdigkeit leiten. Punkt. So sind wir gedrillt und so funktionieren wir heute. Es ist nicht mehr so, dass die Menschen die Information aus der Umgebung nutzen, es sei denn, es ist irgendwo ein Schlussverkauf, ja, dann plakatiert so viel wie ihr wollt, meinetwegen. (Heiterkeit) 608 Die Informationen, die täglich benötigt werden, sind immer abrufbar und verfügbar, direkt proportional zum mobilen Datenpaket und der Akkulaufzeit. In diesem gerade beschriebenen Umfeld von heute, in einer technologischen Epoche Hinweisschilder und/oder Wegweiser nach dem Vorbild von London 05 vorzuschlagen, ist aus heutiger Perspektive Retro, Old-School, Vintage. (Heiterkeit) Versteht mich bitte nicht falsch, das hat auch seinen Charme, gewiss, allerdings ist es nicht mehr zeitgemäß. Da rede ich noch gar nicht von den Kosten, die damit verbunden sind und den vielen Nachteilen einer solchen Lösung, die gibt es nämlich auch. Es würde viel mehr Sinn machen, aber das ist leider nicht der Wortlaut des Antrages, die Essenz aus diesem Antrag zu extrahieren und in digitale Form zu pressen. In Anlehnung zur Resolution, die wir heute noch bei Tagesordnungspunkt L 20 hören, ist die Integration in bereits vorhandene Systeme und Plattformen, falls das nicht schon längst geschehen ist, die bessere Option. Das hätte tatsächlich einen Mehrwert für die Bevölkerung und für die Touristen, aber auch für die Stadt Linz. Es ist ressourcensparend, effizient und vor allem zeitgemäß. Last but not least wird sich die SPÖ-Fraktion bei diesem Antrag der Stimme enthalten. Ich hoffe, ich konnte diesen Schritt entsprechend rechtfertigen. Damit herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ihr ward ein großartiges Publikum.“
Lieber Kollege, danke für den Exkurs, es war interessant und ich bin auch ein bisschen nostalgisch geworden, als du die Nokia-Telefone erwähnt hast, ich denke dabei an mein 5110, das sicher noch immer irgendwo existiert und funktioniert. Ich möchte nur ein bisschen widersprechen, dass die technische Ablöse oder die Ablöse von Leitsystemen durch Digitales wirklich die 100-prozentige Lösung ist. Ich glaube – und das wird auch weiterhin der Fall sein –, dass es Schilder, Leitsysteme, Hinweise im öffentlichen Raum geben wird, die resistent sind im öffentlichen Raum, die auch ohne Akku zu nutzen sind, die, wenn man auf dein, ein bisschen konstruiertes, aber natürlich schon auch realistisches Beispiel eingeht, auch Drittstaatsangehörige nutzen können, die kein Roaming haben – aber das nur am Rande. Diese Systeme wird es immer geben und ich glaube der Vorteil dieser ‚walking circles‘, die sehr charmant sind, auch wenn sie schon ein paar Jahre am Buckel haben, ist der, dass man nichts dazu braucht. Man geht durch den öffentlichen Raum und sieht auf einmal, wie weit man in fünf Minuten kommt und dass man die Strecke öfter zu Fuß gehen sollte und vielleicht nicht einmal mit dem Fahrrad oder dem Auto fahren muss. Das ist eine Bewusstseinsmaßnahme. Ich glaube, wenn man das digital umsetzt, dann verkompliziert das die Sache eher. Man kann das sicher digital machen, das ist sicher kein Problem, ich bin ja wie du ein Softwareentwickler und durchaus technikaffin, wie du weißt. Aber im öffentlichen Raum etwas Resistentes zu haben, das der Orientierung und dem Bewusstsein dient, wird weiterhin Bestand haben, auch wenn es Old-School scheint. Ich denke, dass es sinnvoll ist und muss dazusagen, dass auch die eingangs erwähnte Initiative ‚Linz zu Fuß‘ sehr froh darüber wäre, so etwas zu haben. Daher würde ich an solchen Gedanken dranbleiben und wollte einen Impuls dazu setzen. Wenn es heute dafür keine Mehrheit gibt, ist das auch okay, aber das Zufußgehen im urbanen Raum ist eine wichtige Sache und wir sollten jedenfalls alle zusammen dranbleiben.“}],
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Abstimmungsergebnis
Ergebnis: abgelehnt
Der Antrag wird bei Stimmenhaltung der Fraktionen von SPÖ (21), ÖVP (11), FPÖ (8) und MFG (2) mit Stimmenmehrheit abgelehnt.