Einführung eines Fütterungsverbotes für Stadttauben im Linzer Stadtgebiet
H 1 · Fraktionsantrag · 38. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz
Ausschuss:Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit
Ergebnis:ausschuss verwiesen
Zusammenfassung
KI GeneriertGeprüft werden soll ein Fütterungsverbot für Stadttauben im Linzer Stadtgebiet, das das Auslegen von Futter und Nahrungsmitteln untersagt. Begründet wird der Vorschlag mit der wachsenden Taubenpopulation, Verschmutzungen durch Kot, Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sowie gesundheitlichen Risiken und hohen Reinigungs- und Instandhaltungskosten. Als wirksam und rasch umsetzbar wird das Verbot als Maßnahme zur Bestandsregulierung dargestellt, zugleich wurden aber auch Einwände vorgebracht, die auf begleitende Lösungen wie Taubenhäuser, Populationssteuerung und Ausnahmen für sachkundige Fütterung verweisen. Beschlossen wurde die Zuweisung an den Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit; die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget bedeckt werden.
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Wortmeldungen (6)EinblendenAusblenden
Danke, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, das Thema Stadttauben in Linz betrifft Sauberkeit und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sowie den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren, die stark vom Menschen beeinflusst sind. Eine hohe Taubendichte führt zu Verschmutzungen und wird von der Bevölkerung zu Recht als Belastung wahrgenommen. 51 Ein Fütterungsverbot allein wird das Problem jedoch nicht nachhaltig lösen. Ohne begleitende Maßnahmen besteht die Gefahr, dass sich die Situation lediglich verlagert und keine strukturelle Verbesserung eintritt. Erfolgreiche Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass nachhaltige Lösungen meist auf kombinierten Konzepten beruhen, etwa durch betreute Taubenschläge und aktive Populationssteuerung. In Städten wie Wien, München und Zürich haben solche Ansätze bereits zu spürbaren Verbesserungen geführt. Ein Fütterungsverbot kann Teil eines Gesamtkonzepts sein, darf aber nicht die einzige Antwort bleiben. Wer glaubt, mit einem Verbot allein das Problem zu lösen, macht es sich zu einfach. Unsere Aufgabe ist es nicht, Symptome zu verwalten, sondern Ursachen zu beheben. Danke.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Kolleg*innen, liebe Taubenpfleger*innen in Linz, ich hole jetzt ein bisschen aus. Tauben sind hochsoziale Lebewesen und verwilderte Haustiere. Das kann man nicht oft genug sagen. Sie ziehen ihre Jungen gemeinsam auf, produzieren mit der sogenannten Kropfmilch eine einzigartige Nahrung für ihre Küken und bleiben ein Leben lang ihren Partner*innen treu. Sie können ultraviolettes Licht sehen, über weite Strecken navigieren und sogar nur mit einer Gehirnhälfte schlafen, um sich zu schützen. Sie sind stark an den Menschen gebunden, darum müssen wir uns um sie kümmern. Tauben waren bis ins späte 19. Jahrhundert eine Fleischquelle. Sie waren so wichtig, dass mitten in Linz ein Platz danach benannt ist. Bis 1880 fand am Taubenmarkt regelmäßig ein Geflügelmarkt statt. Auch anderweitig waren diese klugen Tiere immer in Verwendung, zum Beispiel als Brieftauben. Der Brieftaubendienst der Schweizer Armee wurde beispielsweise erst 1995 offiziell abgeschafft. Kurz gesagt, Tauben sind intelligente, soziale, ortstreue Haustiere, die nicht einfach verschwinden, nur weil man das Füttern verbietet oder ihnen die Brutstätten schließt. Das passiert leider auch gerade bei der Tabakfabrik, wo Brutstätten geschlossen wurden. Die Population dehnt sich ins ganze Viertel aus, weil die Tauben auf der Suche nach Brutstätten und einem Zuhause sind. Erst in der ernsten Auseinandersetzung mit diesen besonderen Tieren wird sichtbar, wie fundiert das Wissen über sie ist und dass es längst erprobte, erfolgreiche Modelle für ein gutes Zusammenleben mit ihnen gibt. Linz hat mehrere große ortsgebundene Taubenpopulationen, etwa bei der Johannes Kepler Universität (JKU). Dort zeigt ein betreutes Taubenhaus, wie es funktioniert. Durch artgerechte Fütterung bleiben die Tiere gesund, der Bestand wird reguliert und die Kosten bleiben überschaubar. Die Tauben brüten gezielt im Taubenhaus. Ihre Eier werden durch Attrappen ersetzt und andere Nistplätze unzugänglich gemacht. So bleiben die Tiere an einem Ort, statt sich auf Balkone oder andere Plätze zu verteilen. Die Population wird stabil und kontrolliert gehalten. 52 Das ist eine langfristige Lösung, die auch bereits in zig anderen Städten - wie Sie, Kollegin Schachner, gerade erwähnt haben - im deutschen Sprachraum erfolgreich praktiziert wird. Die Fachperson der JKU betreut diese Tauben seit fünf Jahren. Nahezu alle 120 Tiere vor Ort konnten ins Taubenhaus umgesiedelt werden, wodurch Verschmutzungen im öffentlichen Raum seit zwei Jahren kaum mehr auftreten. Das ist ein klarer Beleg für die Wirksamkeit dieses Modells. Pro 100 Tauben werden dort monatlich etwa 30 Kilogramm Kot gesammelt. Das entspricht nur 3,6 Kilogramm pro Jahr pro Taube im Taubenhaus. Das ist Kot, der nicht im öffentlichen Raum landet. Umso verwunderlicher ist es, dass unser Antrag auf Taubenhäuser von Juni 2022 abgelehnt wurde. Auch im heutigen Antrag wird erwähnt, dass Taubenhäuser mit hohem Aufwand und laufenden Kosten abzulehnen seien, während ein Fütterungsverbot als einfache, billige Lösung verkauft wird. Tatsächlich ist das Gegenteil richtig. Vergrämungsmaßnahmen in der ganzen Stadt und auf öffentlichen Gebäuden sind teuer und wenig nachhaltig, dazu zählt auch das Fütterungsverbot. In Netze und andere Vergrämungsmaßnahmen fließt sehr viel Geld. Das sind zum Beispiel rund 300.000 Euro bei der Eisenbahnbrücke. Jedes dort beschädigte Netz verursacht wieder laufende Kosten. Dagegen wären Taubenhäuser deutlich günstiger und böten von Grund auf eine Lösung. Dabei könnte die Stadt Orte, Dächer, Material und Taubenschläge bereitstellen. Die Betreuung könnten Ehrenamtliche mit finanzieller Unterstützung für Futter und Zeitaufwand übernehmen. Es gibt wirklich ausreichend viele tierliebende Menschen in Linz, die sich dieser Pflegearbeit gerne machen würden. Tatsächlich liegen die laufenden Futterkosten laut praktischer Erfahrung der JKU für rund 100 Tauben bei etwa 75 Euro pro Monat. Auch die Errichtungskosten eines Taubenhauses sind überschaubar. Selbst wenn man eine hochwertige Ausführung, sozusagen ein ‚Taubenhaus de luxe‘, bauen würde, wären das circa 20.000 Euro. Statt engagierte Tierschützer*innen zu unterstützen und ihr Engagement anzuerkennen, werden sie durch das Fütterungsverbot sogar in ihrer Arbeit behindert. Dabei geht es gar nicht um Füttern oder Nicht-Füttern, sondern um herumliegende Essensreste, Bioabfälle und anderes ungeeignetes Futter. Genau das verursacht Verschmutzungen, zieht weitere Tiere an und macht die Tauben krank. Ein generelles Fütterungsverbot greift daher zu kurz, weil es die eigentliche Ursache ignoriert. Wer die Situation wirklich verbessern will, muss beim Abfallmanagement und bei der Aufklärung ansetzen. Ein sinnvoller Kompromiss wäre daher ein generelles Fütterungsverbot, aber mit klar geregelten Ausnahmen. Also Ausnahmeregelungen oder Ausnahmegenehmigungen für geschulte, verantwortungsvolle und fachlich kompetente Personen, die artgerecht mit Körnern und Samen füttern, in Mengen, die innerhalb kürzester Zeit vollständig aufgenommen werden, sodass keine Futterreste zurückbleiben. Das empfiehlt unter anderem die naturkundliche Abteilung. 53 Man könnte solche Personen mit Ausweis oder Warnweste ausstatten, damit man sie erkennt. Sie übernehmen gleichzeitig Verantwortung für das Tierwohl, indem sie kranke und verletzte Tiere erkennen, entnehmen und versorgen sowie Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten. Das reduziert auch Konflikte nachhaltig. Um all das zu diskutieren und eine gute Lösung für die Linzer Tauben zu entwickeln, bitten wir um eine Zuweisung in den Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit.
Dankeschön, auch wir als SPÖ sind der Meinung, dass diese Thematik vertiefend diskutiert werden muss. Ich beantrage daher die Zuweisung an den Ausschuss Sicherheit und Gesundheit.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sehen heute wieder einmal, dass die hohe Taubenpopulation, die natürlich auch in Linz vorhanden ist, für viele Linzerinnen und Linzer ein sehr großes Ärgernis ist. Sie ist für viele sogar eine sehr große, erhebliche Belastung, gerade wenn wir an die heute schon geschilderten massiven Verunreinigungen denken, nicht nur auf öffentlichen Plätzen, sondern vor allem auch an Privateigentum. Wenn Balkone voller Kot sind, ist das nicht nur optisch unschön, sondern auch gesundheitlich bedenklich. Wir erleben heute auch wieder, dass das Thema Taubenpopulation bei vielen Personen Emotionen und ebenso viele unterschiedliche Lösungsvorschläge auslöst. Ich bin davon überzeugt, dass alle gut gemeint sind. Es darf aber bezweifelt werden, ob auch wirklich alle am Ende des Tages gut gemacht oder zielführend sind. Die Thematik, die hier diskutiert wird, ist ja keine neue in der Stadt Linz und für mich. Ich bin zu diesem Thema schon seit Längerem im Austausch mit dem zustehenden Geschäftsbereich Gesundheit und Sport. Es ist uns sehr wohl bewusst, dass wir diesem Ärgernis entgegentreten wollen. Wir waren und sind im Austausch mit der Stadt Graz, die unter anderem die von Ihnen beantragte Verordnung hat. Ich muss aber schon auch vorwegschicken, dass es an dieser Taubenfütterungsverordnung immer wieder Zweifel gibt, was die tatsächliche Wirksamkeit betrifft. Damit in Verbindung stehend gibt es natürlich auch Fragen des Vollzugs, ob man Ausnahmen davon schaffen sollte und so weiter. Daher finde ich es sehr, sehr sinnvoll, darüber in einem sachlichen Rahmen sowie über andere mögliche Maßnahmen im Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit zu beraten. Ich bin selbstverständlich auch für eine Zuweisung zum Ausschuss, damit wir gemeinsam alles daransetzen, zumindest eine Verbesserung der Situation herbeizuführen.
Danke, wir haben zu diesem Thema eine etwas ambivalente Position. Wir glauben, dass man tatsächlich zum Wohl der Tauben etwas machen muss. Was passiert aktuell? Ein großes Problem haben wir am Pfarrplatz, wo vermeintlich gut gemeint große Mengen Biomüll hingekippt werden. Das ist unglaublich grauslich und natürlich auch für die Tauben problematisch, weil das alles andere als artgerechtes Futter ist. Das fressen nicht nur die Tauben, sondern auch andere Tiere. 54 Auch im Schillerpark haben wir ein Problem. Dort wird phasenweise - schon fachlich kompetenter - sehr viel gefüttert, was aber dazu führt, dass die dortige Wiese massiv beeinträchtigt wird. Die Tauben halten sich dort natürlich verstärkt auf. Dadurch wird der Schillerpark in diesen Bereichen für die Menschen unbenutzbar. Darum glaube ich, dass man einen Kompromiss finden muss. Ich stehe einem Taubenfütterungsverbot grundsätzlich skeptisch gegenüber, denke aber, dass es schon Sinn hat, sich ein solches zu überlegen, aber mit einer großen Ausnahme. Ich habe mich bemüht, das in einem Abänderungsantrag zu formulieren. Ich bin natürlich mit einer Diskussion im Ausschuss einverstanden. Denn vielleicht gibt es noch eine bessere Idee, wie man das Thema noch konkreter und praxistauglicher formulieren kann. Ich versuche zu erklären, was wir zusammengefasst haben: Das beantragte Fütterungsverbot sollte aus unserer Sicht durch unseren Zusatzantrag ergänzt werden. Erstens sollte eine eng gefasste Ausnahmeregelung - damit sie überwachbar ist - für eine sachkundige, tiergerechte Fütterung durch fachkundige Personen an geeigneten und eigens definierten Standorten in die ortspolizeiliche Verordnung einfließen. Was meine ich damit? Das geht in eine sehr ähnliche Richtung wie das, was Brita Piovesan schon ausformuliert hat. Wenn man Tauben füttert, ist es gescheit, dass sie artgerechtes Futter bekommen. Neben diesem grauslichen Beispiel am Pfarrplatz, ist es oft so, dass Leute - gut gemeint - ihre Käsekrainer mit den Tauben teilen oder sie beispielsweise mit Essensresten im Gastgarten füttern. Das sollte einfach nicht sein. Das ist für die Allgemeinheit nicht gut. Das ist für die Stadthygiene nicht gut. Das ist vor allem auch für die Tauben nicht gut. Daher glaube ich, dass wir das tatsächlich regulieren müssen, weil wir es anders nicht mehr steuern können. Zweitens halte ich Taubenhäuser für einen ganz zentralen Punkt. Da haben wir unsere Position verändert, denn wir hatten auch eine Grundskepsis diesen gegenüber. Es gibt aber mittlerweile, seit dem Antrag, den du angesprochen hast, Brita, in sehr vielen Städten und vor allem auch bei uns an der JKU ein sehr gut funktionierendes Beispiel. Ich wiederhole noch einmal kurz, wie diese Taubenschläge funktionieren. Die Tauben wohnen dort und werden artgerecht gefüttert, was ihre Aggressivität und die Ausformung des Kots verändert. Das führt dazu, dass sie nicht mehr in der Umgebung der Taubenschläge sind und dort auch nicht mehr nisten. Die Eier werden gegen Gipseier oder sonstige Eierattrappen ausgetauscht, was die Population der Tauben minimiert. Das halte ich für sehr zielführend. Ich glaube, dass es vernünftig ist, eine Kombination dieser beiden Maßnahmen so auszuformulieren, dass wir dieses unerwünschte Füttern mit Käsekrainern und Bioabfällen im großen Stil hintanhalten. Gleichzeitig führt das Tierwohl teilweise notwendige Fütterungen an. Das sollte man aber nur an extra ausgewiesenen Plätzen zulassen, damit es nicht dazu kommt, dass für Menschen Teile von Parkanlagen unbenutzbar werden. Wir sollten in der Stadt tatsächlich ein Pilotprojekt mit so einem Taubenhaus starten. Das muss ja fürs Erste nicht gleich eine Riesenanlage sein. Ich glaube, es ist gescheit, dass 55 wir das tatsächlich ausprobieren, vor allem, wo wir in Linz an der JKU schon ein funktionierendes Beispiel haben. Insbesondere haben wir auch Aktivistinnen und Aktivisten in unserer Stadt, die bereit sind, das ehrenamtlich zu unterstützen. Ich glaube, dass wir das machen sollten und auch zusammenbringen. Ich bin froh, wenn das im Ausschuss diskutiert wird, damit eine gemeinsame, konstruktive Lösung, die das in Summe abdeckt, gefunden wird. Wenn wir uns jetzt darauf verständigt haben, dass wir den Antrag dem Ausschuss zuweisen, werde ich unseren Zusatzantag dem Kollegen schicken, damit er ihn in die Diskussion mitnimmt. Daher brauchen wir ihn formal nicht mehr einzubringen. Dankeschön.
Vielen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen, danke für die wertvollen Beiträge. Man sieht, dass Tierwohl und Tierschutz unserer doch geliebten Tauben uns allen sehr, sehr wichtig sind. Wir möchten gesundheitlich gesehen sicherlich das Beste für die Tauben, aber auch für die Stadt, für die Anrainer*innen, für die Bewohner*innen und auch etwas fürs Budget. Darum freue ich mich auf die Zuweisung in den Ausschuss und bedanke mich recht herzlich. Vielen Dank.
Abstimmungsergebnis
Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit wird einstimmig angenommen.
Einzelstimmen anzeigen (55)
| Nicht anwesend · 6 | |
| Ute KlitschFPÖ | entschuldigt |
| Julia MandlmayrGRÜNE | entschuldigt |
| Lucia Straßer-Kreisel MA MEdGRÜNE | kam 17:54 |
| Mag.a Helena ZieglerÖVP | kam 17:25 |
| Andrea HeimbergerSPÖ | kam 17:28 |
| Florian KopplerSPÖ | entschuldigt |