Frauen Bauen Linz - Bekenntnis zur Frauenstadt Linz

P 1 · Fraktionsantrag · 22. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

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Beschlossen wurde ein Bekenntnis zu einer Stadtgestaltung, in der sich alle Geschlechter gleichermaßen wohlfühlen und Frauen stärker berücksichtigt werden. Dafür soll ein Prozess mit Befragung von Linzerinnen und einem Workshopformat gestartet werden, um Handlungsempfehlungen für die künftige Stadtentwicklung abzuleiten. Die Stadtforschung, das Frauenbüro, der Geschäftsbereich Planung, Technik, Umwelt und der Innovationshauptplatz werden mit Entwicklung und Durchführung der Befragung und des Workshops beauftragt. Zur Teilnahme sollen betroffene Geschäftsbereiche, Linzer Frauenorganisationen und alle im Gemeinderat vertretenen Parteien eingeladen werden. Die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget bedeckt werden; der Beschluss wurde einstimmig angenommen.

Schlagwörter (10):frauenstadtstadtgestaltungfrauenperspektivenstadtplanungbeteiligungbefragungworkshopformatgleichstellungfrauenbürobudgetumschichtung
AntragstextEinblendenAusblenden
Sehr geehrte Vizebürgermeister*innen, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Linzer*innen im Livestream, wir sind uns sicher alle einig, dass Städte Orte sein sollen, in denen sich alle Bewohner*innen und Nutzer*innen wohl und sicher fühlen. Wie dies besonders aus der weiblichen Perspektive aussehen kann, wird immer im Frauenmonat März intensiv diskutiert. Im heurigen Jahr hat das Architekturforum Oberösterreich (afo) dazu die Wanderausstellung „Frauen Bauen Stadt“ nach Linz geholt. Einige der weiblichen Mitglieder des Gemeinderates haben diese Gelegenheit ergriffen und fraktionsübergreifend die Ausstellung besucht. Nach den Erkenntnissen und Gesprächen dort waren wir uns einig, dass der weibliche Blickwinkel auch in der Weiterentwicklung der Stadt Linz verankert werden soll. In Linz sollen Frauen sicher und selbstbestimmt leben. Damit dies möglich ist, müssen ihre Bedürfnisse ganz bewusst mitgeplant und nicht nur mitgemeint sein. Ich persönlich finde diesen Antrag aber auch deshalb ganz besonders schön, weil er zeigt, dass Frauensolidarität nicht an Parteigrenzen endet. Die systemischen Probleme in unserer Gesellschaft sind Probleme jeder Frau, egal welche Entscheidungen sie im Einzelnen trifft oder welcher Partei sie angehört. Wir sind uns einig, dass wir in Linz eine Umgebung gestalten wollen, die diesem Problem bewusst entgegenwirkt und Rücksicht auf die Lebensrealität von Frauen nimmt. Mit diesem Beschluss setzen wir ein starkes Zeichen der weiblichen Einheit. Deshalb werden jetzt die Co-Autorinnen dieses Antrages die Inhalte näher vorstellen und sich alle drei zu Wort melden. Danke, dass ihr das tut und dass ihr mitgemacht habt. Ich ersuche, den Antragstext ins Protokoll zu übernehmen und bedanke mich schon im Vorhinein für die avisierte große Zustimmung.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: 1. Der Gemeinderat der Stadt Linz bekannt sich dazu, dass unsere Stadt so gestaltet sein muss, dass sich alle Geschlechter darin gleichermaßen wohlfühlen. Um die Wünsche und Bedürfnisse von Frauen stärker in der Stadtgestaltung zu verankern, soll daher ein Prozess in Gang gesetzt werden, der eine Befragung der Linzerinnen sowie ein Workshopformat zur Ableitung von Handlungsempfehlungen für die künftige Stadtgestaltung beinhaltet. 2. Die Stadtforschung, das Frauenbüro sowie der Geschäftsbereich Planung, Technik, Umwelt (PTU) werden daher beauftragt, mit Unterstützung des Innovationshauptplatzes, eine Befragung dazu zu entwickeln und durchzuführen. 3. Der Geschäftsbereich Planung, Technik und Umwelt, das Frauenbüro sowie der Innovationshauptplatz werden beauftragt, zur Ableitung von Handlungsempfehlungen ein Workshopformat zu entwickeln und durchzuführen. Hierzu sind zum Beispiel die betroffenen Geschäftsbereiche, die Linzer Frauenorganisationen und auch alle im Gemeinderat vertretenen Parteien zur Teilnahme einzuladen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (3)EinblendenAusblenden

Danke, ich möchte mich zuerst einmal bei dir, Paulina Wessela für die Initiative bedanken, dass wir diese Ausstellung gemeinsam besucht haben und auch diesen Antrag gemeinsam einbringen. Ich muss jetzt trotzdem ein bisschen ausholen, denn aus meiner Sicht braucht es noch einen kleinen Rahmen, ich versuche es aber kurz zu machen. Warum machen wir das? Wir leben immer noch in einer Gesellschaft, die von einer massiven Schieflage zwischen den Geschlechtern geprägt ist. Überall dort, wo es um Macht und Geld geht, sind tendenziell die Männer zu finden. Überall dort, wo das nicht der Fall ist, sondern wo es in erster Linie um Pflege, um Sorge und nicht bezahlte Tätigkeiten geht, sind Frauen und auch andere FLINTA*-Personen zu finden. Das macht natürlich vor keinem gesellschaftlichen Bereich halt, auch nicht vor der Städteplanung. Das heißt jetzt nicht, dass Frauen grundsätzlich bessere Planerinnen und Architektinnen sind, aber die Lebenswirklichkeit von Frauen schaut in dieser geschlechtersegregierten Gesellschaft einfach anders aus als die von Männern. Auch in der Stadt Linz ist es so, dass in erster Linie Männer federführend sind, wenn es um die Planung und Entwicklung der Stadt geht. Wir haben einen Planungsreferenten, wir haben einen Stadtentwicklungsdirektor, wir haben einen zuständigen Abteilungsleiter. Das heißt, dass auch da federführend Männer am Werk sind. Das heißt nicht, dass die ihre Arbeit schlecht machen, aber selbstverständlich können sie nicht den Blick haben, der die Lebenswirklichkeit von vielen Frauen und anderen FLINTA*-Personen abbildet. Das heißt, dass es dort eine Wissens- und Erfahrungslücke gibt. Daher freue ich mich wirklich besonders darüber, dass wir mit diesem Antrag diese Lücke zumindest so weit füllen können, dass wir auch die Linzerinnen selbst fragen, wie sie das sehen, was sie sich in ihrer Stadt wünschen und was sie im stadtplanerischen Bereich brauchen. Ich halte es auch für sehr wichtig, dass wir Stakeholder*innen, Vereine und Initiativen einbinden. Davon haben wir in der Stadt Linz sehr viele. Wir haben eine sehr breite feministische Szene, viele Vereine, Initiativen und Organisationen, die ein wirklich fundiertes Know-how und breites Wissen haben, das hier auch einfließen soll. Ich danke noch einmal für die Initiative und dafür, dass wir das miteinander machen. Ich freue mich schon auf die Ergebnisse. Danke schön.

Liebe Paulina Wessela, danke noch einmal für diesen Antrag, den wir alle gemeinsam machen. Wir begrüßen dieses gemeinsame Bekenntnis natürlich. Es ist ein wichtiges und richtiges Zeichen, dass wir auch auf den weiblichen Blickwinkel in der Stadtplanung, aber auch bei anderen Themen in Linz, schauen. Dieses Workshop-Format soll Frauenperspektiven einbinden. Das ist wichtig, denn oft verschwinden diese bei Berichterstattungen oder in anderen Bereichen. Vizebürgermeister Martin Hajart setzt zum Beispiel bereits einen Schwerpunkt auf Angsträume, wo wir uns unwohl fühlen. Das ist wichtig und deswegen ist es gut, dass wir Frauen uns zusammenschließen und mit Hilfe solcher Anträge die weiblichen Blickwinkel in die Politik bringen. Danke.

Auch von unserer Seite vielen lieben Dank, liebe Paulina Wessela, für die Ausarbeitung des Antrags. Uns ist dann in der Fraktion bei der genaueren Durchsicht aufgefallen, dass wir anlässlich des Weltfrauentags 2023 eine ziemlich idente Befragung gefordert haben. Leider scheint die Thematik bei uns in der Fraktion untergegangen zu sein, sonst hätten wir jetzt vielleicht sogar schon Ergebnisse von einem Workshop oder einer Befragung, aber nichtsdestotrotz, das ist jetzt umso schöner. Wir haben einen tollen Vier-Parteien-Antrag und ich bin schon ganz gespannt, was die Frauen im Bereich Sicherheit, Frauen, Kunst und Kultur sagen. Noch einmal vielen Dank, liebe Paulina.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: angenommen

Der Antrag wird einstimmig angenommen.