Co-Working Spaces für Linz

L 3 · Fraktionsantrag · 9. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Berichterstatter:

Ergebnis:ausschuss verwiesen

Zusammenfassung

KI Generiert

Geprüft werden soll die Erfassung geeigneter Flächen und möglicher Kooperationen für Co-Working-Spaces in Linz sowie die übersichtliche Darstellung und Buchbarkeit der Angebote auf einer Plattform. Begründet wird das Vorhaben mit veränderten Arbeitsformen, Homeoffice und dem Bedarf an flexiblen Arbeitsorten außerhalb der eigenen Wohnung. In der Debatte wurden fehlende Daten zum tatsächlichen Bedarf, die Rolle privater Anbieter und die Frage diskutiert, ob die Stadt selbst Räume bereitstellen oder vor allem vorhandene Angebote bündeln soll. Ein Abänderungsantrag zu einer Co-Working-Infrastruktur in Containerbauweise für junge Menschen sowie zu stadteigenen Standorten für professionelle Anbieter wurde nicht übernommen. Das Thema wurde an den Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Verfassung verwiesen.

Schlagwörter (10):coworking spacesnew workhomeofficearbeitsweltleerstandsnutzungplattformwirtschaftinnovationstadtentwicklungbuchungssystem
AntragstextEinblendenAusblenden
Gemeinderat Rosenmayr berichtet über den von der ÖVP-Gemeinderatsfraktion eingebrachten Antrag ## L 3 Co-Working Spaces für Linz und führt aus: „Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher im Live-Stream und auf der Galerie, liebe Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat, der folgende Antrag greift eigentlich die Realität einer kollaborativen Arbeitswelt, die uns die letzten Jahre selber auch ein Stück zur Normalität geworden ist, auf. Nicht nur im Start-Up Bereich ist Flexibilität notwendig, sondern natürlich auch in der Arbeitswelt hat New Work Einzug gehalten. Die Pandemie war vielleicht Initialzündung für viele Menschen, die Verteilung und auch Nachteile kennengelernt haben und nun wissen, wie Homeoffice ablaufen kann oder auch nicht ablaufen kann. Das war nicht immer das reine Vergnügen, nehme ich an, aber inzwischen hat sich vieles eingependelt. Die Arbeitsleistung hat jedenfalls nicht darunter gelitten, das ist nicht nur gefühlt so, sondern auch durch Studien belegt. Firmen legen daher auch ihre vorsichtige Distanz dazu ab, die hauseigene IKT z. B. hat das Konzept Shared Desk und Homeoffice eingeführt, um den Mitarbeitern bestmögliche Voraussetzungen bieten zu können. 601 Die eigene Wohnung ist aber aus verschiedenen Grünen nicht immer für alle ein geeignetes Arbeitsumfeld. Zum einen hat nicht jeder oder jede einen Arbeitsplatz, ein abgetrenntes Arbeitszimmer zuhause, zum anderen können aber auch andere Umstände einer produktiven Arbeit entgegenstehen. Wenn es aber im Home-Umfeld beispielsweise in der Nähe von Schulen Räume gibt, wo Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, also auch Eltern unterkommen können, müssen sie vielleicht nicht, hoffentlich öffentlich, durch die halbe Stadt fahren, um doch an den eigenen Arbeitsplatz zu gelangen. Sie können sich dann dort einige Stunden einbuchen und auch vielleicht wieder gemeinsam mit dem Kind nach der Schule nach Hause gehen. Wir regen in diesem Antrag eigentlich drei Dinge an, nämlich Räumlichkeiten zu identifizieren, die nicht durchgehend genutzt werden, vorausschauend auch im eigenen Umfeld gleich einmal, die vielleicht auch geheizt werden müssen und uns sowieso ökologisch durchgehend auf der Tasche liegen, aber nicht genutzt werden. Zweitens geht es darum potentielle Kooperationen im Blick zu behalten und drittens eine Buchungsplattform mitzudenken. Solche Systeme gibt es, aber man kann natürlich auch schauen, was für einen größeren Verbund gescheit wäre. Wir bringen daher folgenden Antrag ein: Der Gemeinderat beschließe: „Das zuständige Stadtsenatsmitglied wird beauftragt, Flächen sowie potentielle Kooperationen für mögliche Co-Working-Spaces zu eruieren und die gewonnenen Möglichkeiten zum Co-Working auf einer Plattform übersichtlich darzustellen, um über diese auch die Buchung zu ermöglichen.“ Etwaige Kosten können durch Umschichtungen im Budget gedeckt werden. Dieser initiale Antrag umfasst also quasi drei Teilbereiche und unsere Intention war, ihn möglichst weit zu halten und breite Zustimmung zu bekommen, um die ich hiermit auch ersuche.“
BeschlussformelEinblendenAusblenden
„Das zuständige Stadtsenatsmitglied wird beauftragt, Flächen sowie potentielle Kooperationen für mögliche Co-Working-Spaces zu eruieren und die gewonnenen Möglichkeiten zum Co-Working auf einer Plattform übersichtlich darzustellen, um über diese auch die Buchung zu ermöglichen.“
Wortmeldungen (7)EinblendenAusblenden

Danke, sehr geehrter Herr Kollege Rosenmayr, sehr geehrte Damen und Herren, ich sehe in dieser Angelegenheit absolut keine Aufgabe der Stadt Linz, wir werden uns enthalten.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Zuseher*innen hier und vor dem Bildschirm zu Hause, oder wo auch immer vor dem Bildschirm, Co-Working ist ein riesiges Thema, das sehe ich, das sehen wir genauso. Die Frage ist allerdings, was könnte der Beitrag der Stadt sein? Ich möchte mich darauf aber in erster Linie gar nicht fokussieren, weil der Bedarf tatsächlich gegeben ist. Der Bedarf ist nicht nur laut Studie vorhanden, sondern wie ich gehört habe, bekommt auch der Innovationshauptplatz immer wieder Anfragen zu Leerstandsnutzungen in diesem Bereich. Co-Working Spaces bedeuten allerdings ein bisschen mehr, als nur das zur Verfügung stellen eines Raumes. Damit diese Räume funktionieren und Menschen sie auch nützen können, braucht es mehr als die Infrastruktur alleine. Es braucht Menschen, die sich darum kümmern, dass die Menschen hier auch strukturiert zusammenkommen, dass ein Programm passiert und dass die Menschen auch beginnen miteinander zu kommunizieren. Das heißt, es braucht mehr als das, was aus meiner Sicht, die Stadt an sich leisten könnte. Es ist zwar jetzt im Antrag nicht gefordert, dass die Stadt das betreibt, aber das muss man mitbedenken. Wenn wir einen Aufwand betreiben um eine Kooperation zu machen oder Leerstände zu eruieren, dann sollte man auch daran denken, wie das Konzept erfolgreich sein kann? Es gibt viele Beispiele, die gibt es in Linz z. B. mit dem Hauptplatz 23, das ist aus meiner Sicht ein sehr erfolgreiches Beispiel. Der 2kanter in Engerwitzdorf ist auch ein sehr erfolgreiches neues Beispiel, wie man so eine Initiative umsetzen kann. Es gibt Menschen, die sich sehr intensiv mit der Frage der Co-Working Spaces beschäftigen. Ich darf eine Dame erwähnen, Frau Lucia Schramm, die das Axis Linz – Coworking Loft betrieben hat und jetzt auch initiativ ist mit Co-Working Spaces. Ich würde daher empfehlen, dass wir dieses Thema im Ausschuss noch einmal diskutieren und dass wir Expert*innen einladen, die uns noch einmal erklären, was es aus ihrer Sicht braucht, damit so etwas funktioniert. Wenn es der Wirtschaftsausschuss ist, dann wäre der Innovationshauptplatz ohnehin auch dabei, dann könnte man auch diese Perspektive mit einbringen und einmal schauen, was der Beitrag der Stadt Linz sein könnte, um Initiativen Richtung Co-Working zu forcieren. In der vorliegenden Form würden wir dem Antrag nicht zustimmen und uns enthalten, aber wir schlagen vor, in den Ausschuss zu gehen, dass wir vielleicht dort weiter diskutieren.

Es liegt eigentlich ein Abänderungsantrag von uns vor, ich hoffe, alle Fraktionen haben ihn bekommen. Wir finden, dass der Antrag der ÖVP grundsätzlich richtig gedacht ist aber, so wie es Kollege Seeber gesagt hat, nicht wirklich durchdacht ist. Neben der im Antrag erwähnten Factory 300 gibt es viele weitere Anbieter (Regus, Daxbau) und Hotels, die solche Leistungen anbieten. Die Auslastung dieser Orte ist aber nicht gegeben. Die Co-Working Spaces könnten ein durchaus lukratives Geschäftsmodell sein. Co-Working Spaces werden vor allem von Kleinunternehmen, Einzelunternehmen oder auch Gästen benutzt, die beruflich nach Linz kommen. Daher ist es auch zu begrüßen, Premium Locations der Stadt dafür anzubieten. Das in Ihrem Antrag erwähnte Bergschlössl ist eine gute Idee, lassen wir hier den Markt arbeiten. Aber benötigtes Highspeed Internet, Büroinfrastruktur, Gemeinschaftsräume, Snackautomaten etc. eignen sich nicht für Hop-on Hop-off Locations. Freie Plätze kurzfristig als Co-Working Spaces anzubieten, geht an der Realität vorbei. Daher schlagen wir vor, das Thema Co-Working Spaces jungen Menschen anzubieten und eine Infrastruktur zu ermöglichen, die nicht in der Stadt verteilt ist und nur auf Leerstände baut. Wir schlagen vor, im Projekt Neuland eine Struktur als coole, nennen wir es Box City mit Containern zu ermöglichen, die als Co-Working Spaces für junge Studierende, aber auch Lehrlinge oder innovative Junge bis 30 angeboten werden soll. Eine entsprechend hippe Infrastruktur, eine kleine Bühne und Innovationsgeist soll entstehen. Damit erreichen wir auch einen Push-Effekt für junge Menschen für das neue Hafenviertel. Daher stellen wir folgenden Änderungsantrag: Der Gemeinderat beschließt folgenden Abänderungsantrag: „Das zuständige Stadtsenatsmitglied wird beauftragt, an einem Ort in Linz, (Vorschlag Projekt Neuland) eine Co-Working Space Infrastruktur, z. B. in Containerbauweise für junge Menschen, für private Betreiber zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen stadteigene attraktive Standorte für professionelle Anbieter (Bergschlössl z. B.) aktiv definiert und Anbietern zur längerfristigen Verwertung oder Nutzung angeboten werden.“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, werte Zu- seher*innen im Online-Live-Stream und natürlich hier im Saal, ich glaube, es ist einmal klar, dass wir Einigkeit haben, dass dieses Thema wichtig ist. Neue Formen des Arbeitens, Co- Working passt zu einer Innovationsstadt Linz, da können wir jetzt mal ein Häkchen machen. Wenn wir aber in den Antragstext gehen, dann fällt es uns schwer, hier zuzustimmen, da müssen wir uns enthalten. Ich glaube, um das Argument noch einmal auszuführen, einfach vorzuschlagen, Schulen oder Musikschulen temporär zu nützen, geht alleine schon wegen der Möbel ergonomisch nicht. Ich bin zwei Meter, setzen Sie mich an einen Schultisch, das wird nicht funktionieren. Generell sind die Möbel nicht darauf ausgerichtet und daneben kommen noch anderen Probleme, wie natürlich die Frage von Buchungssystemen und anderen Impulsen dazu. Ich glaube wir sollten uns wirklich noch gut überlegen, was es schon in anderen Systemen gibt. In Deutschland gibt es das Co-Work-Land, diese Genossenschaft hat ein gutes Netzwerk aufgebaut. Das war ein Projekt der Heinrich-Böll-Stiftung, das dort ausgerollt wurde, wo private und öffentliche Hand gemeinsam gemacht haben. Es gibt sicher Vorbilder, die man sich anschauen kann. Das bringt mich jetzt zu einem Punkt bei diesem und auch bei dem anderen Antrag: Wir wissen noch gar nicht wirklich was der Bedarf ist. Auf der einen Seite höre ich, die jetzigen Plätze sind noch nicht ausgenutzt, auf der anderen Seite heißt es, wir haben Bedarf. Ich habe mir erlaubt, selber eine kleine Datenerhebung durchzuführen, wie viele Co-Working Spaces es in Oberösterreich und wie viele es in Linz gibt. Ich werde nachher den Link auch online stellen. Was auf Basis dieser Erhebung herauskommt, können wir, ehrlich gesagt, noch nicht sagen. Wir wissen also noch gar nicht, ob ein Problem besteht und was wir in so einem Bereich überhaupt tun müssen. Es sollte ja die Grundlage evidenzbasierter Politik sein, dass wir schauen, was die Daten und Fakten sind und was die Bedürfnisse sind. Dann kann man sich die Frage stellen, ob die öffentliche Hand noch etwas dazu beitragen kann oder nicht. Herr Redlhammer hat gesagt, wir können den Markt arbeiten lassen. Wir sehen nicht, dass wir eingreifen müssen, noch ist kein Marktversagen gegeben. Es gibt eine lebendige Co-Working Szene, insofern können wir es einmal dabei belassen, aber behalten wir das Thema weiterhin im Auge. Dem Abänderungsantrag stimmen wir in der Form nicht zu.

Ich stimme in vielen Bereichen überein. Eine Bedarfserhebung ist sicherlich notwendig und ich möchte noch einmal bekräftigen: Wenn wir das Thema weiter verfolgen wollen, wäre es gescheit, wenn wir das im Ausschuss machen. Das bestätigt eigentlich die Richtung. Ich möchte aber auch noch auf den Änderungsantrag, sollte es ein Änderungsantrag sein, eingehen. Ich muss ganz ehrlich sagen, du drückst dich immer so pointiert aus. Ich denke auch dein Antrag ist nicht besonders gut durchdacht. Ich sehe keinen Bedarf, etwas aus öffentlicher Hand zu schaffen, was dann ein Privater betreibt, wenn es keine Notlage gibt. Aber wenn wir dieses Thema im Ausschuss besprechen, dann kommt das sicher noch einmal und dann können wir noch einmal genauer erörtern, was du damit meinst und welchen Sinn das machen würde. Ich glaube, wir sind ganz woanders, wir müssen einmal schauen, was es wirklich braucht und wie wir so etwas machen könnten. Ich würde mir wünschen, dass wir das im Ausschuss machen, danke.

Vielen Dank Bernhard, ich stimme dir mit deiner pointierten Aussage zu. Ich würde meine pointierten Ideen sehr gerne auch in einem Ausschuss einbringen, das heißt, auch ich würde die Zuweisung des Themas Co-Working Spaces zum Ausschuss sehr begrüßen. Vielen Dank.

Vielen Dank für die Beiträge. Wenn ich mir die lebhafte Diskussion noch einmal vergegenwärtige und Revue passieren lasse, ist es ja offensichtlich doch etwas, was alle bewegt und nicht von vornherein abgelehnt wird. Egal ob man jetzt der Meinung ist, dass die Stadt einen Beitrag leisten soll, ob es keine städtische Aufgabe wäre oder unter Umständen noch zu früh ist, weil wir noch keine evidenzbasierte Herangehensweise festgelegt haben, ist es unter Umständen etwas, womit wir uns im Ausschuss beschäftigen sollten, dem kann ich auch viel abgewinnen. Der Abänderungsantrag ist für uns fast ein bisschen weitgehend, er widerspricht eigentlich unserer Intention, er ist zugelassen, daher keine Geschäftsordnungsdiskussion. Im Endeffekt geht es uns hier definitiv nicht darum irgendwo neue Räumlichkeiten zu schaffen, egal ob aus öffentlichen Geldern oder sonst irgendwie. Container aufzustellen, die Attraktivierung von Neuland, alles in Ordnung, aber hier geht es eigentlich darum, etwas Bestehendes zusammenzufassen und darstellbar zu machen. Eine Zuweisung ist also wunderbar, ich bitte noch einmal alle dem vielleicht auch beizutreten.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: ausschuss verwiesen

Die Zuweisung des Antrags an den Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Verfassung wird bei Stimmenthaltung der Fraktionen von SPÖ (21), MFG (2), KPÖ (2) und Gemeinderat Brandstetter, WANDEL mit Stimmenmehrheit angenommen.