Linzer Studie zum Potential von Quartiersgaragen

L 8 · Fraktionsantrag · 25. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Geprüft werden sollte eine Linzer Studie zum Potenzial von Quartiersgaragen als Sammelgaragen für ganze Stadtviertel. Im Mittelpunkt standen mögliche Standorte, Machbarkeit, Partnerschaften, Finanzierungsformen und der Bedarf, um ruhenden Verkehr anders zu organisieren und den öffentlichen Raum zu entlasten. Als Vorteile wurden weniger bodenverbrauchende Tiefgaragen, geringere Versiegelung, mehr Platz für Rad- und Fußwege sowie stadtklimatische und städtebauliche Verbesserungen genannt. Die Studie sollte idealerweise zu Pilotprojekten führen und die Ergebnisse in den Ausschüssen präsentieren. Der Vorstoß wurde mehrheitlich abgelehnt; die Kosten wären durch Umschichtung im Budget bedeckt worden.

Schlagwörter (10):quartiersgaragenstadtentwicklungmobilitätruhender verkehrparkraumbewirtschaftungstadtplanungwohnbauklimaöffentlicher raumbudget
AntragstextEinblendenAusblenden
Berichterstattung Gemeinderat Potocnik „Diesmal geht es wieder um Stadtentwicklung. Der Begriff der Quartiersgarage ist heute schon gefallen. Michael Raml hat ihn heute im Zusammenhang mit fehlenden Parkplätzen bereits einmal verwendet. Das ist in Wirklichkeit die Stoßrichtung. Es fallen Parkplätze weg, weil wir die Verkehrswende versuchen und weil wir den öffentlichen Raum besser gestalten wollen. Es stellt sich immer die Frage, ob die Parkplätze komplett wegfallen oder ob wir das anders organisieren? Ein großer Schlüssel und ein Baustein in der Entwicklung von Städten, ihren Straßenräumen, einer klimafreundlichen Mobilität und eines klimafreundlicheren Wohnbaus sind Quartiersgaragen. Sie ermöglichen eine andere, weitreichende Art, den ruhenden Verkehr zu organisieren. Sie bietet im Vergleich zu normalen, objektbezogenen Tiefgaragen und dem zu reformierenden Stellplatzschlüssel viele Vorteile. Ich will jetzt nicht alle vorlesen, sondern ich bitte, den Erläuterungstext ins Protokoll zu übernehmen. • Nicht jeder Neubau oder jede Nachverdichtung braucht eine eigene, kostenintensive und bodenverbrauchende Tiefgarage. • Auch die vielen, stadtbildunverträglichen und platzraubenden Einfahrten für Tiefgaragen entfallen. • Bewohner fahren nicht direkt in die eigene Garage, sondern gehen zu Fuß ein paar hundert Meter zur gemeinsamen Quartiersgarage, dadurch werden mehr Wege mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt. • Quartiersgaragen sind perfekte Mobilitätspunkte. • Quartiersgaragen können so errichtet werden, dass sie später einmal anders genutzt werden können. • Enge Gassen und der wertvolle Straßenraum in Altbauvierteln (Beispiel Domviertel) können vom ruhenden Verkehr im wertvollen Straßenraum entlastet werden. • Häuser können leichter erhalten bleiben, wenn das Stellplatzproblem größer gedacht und geplant wird. • Gewachsener Boden (und bestehende, stadtklimatisch wirksamer große Bäume) kann geschont werden. • Die Errichtung von größeren Garagen ist viel billiger als viele, oft kleine Tiefgaragen - das kommt auch der Leistbarkeit des Wohnraums zugute. • Versiegelte Parkplätze könnten dadurch entsiegelt und begrünt oder für Rad- und Fußwege genutzt werden. Städtebaulich und stadtklimatisch sind solche Sammel- oder Quartiersgaragen daher ein großer Gewinn gegenüber einzelnen, objektbezogenen Garagen. Dazu wird im deutschen Sprachraum bereits geforscht und debattiert: https://gruene-stadt-der-zukunft.de/steckbrief-quartiersgaragen-und-umgenutzte-stellflaechen/ www.ils-forschung.de/wissenstransfer/ils-publikationen/ils-working-paper/?id=766 https://www.magazin-quartier.de/article/im-gespraech-mit-ivan-kosarev-quartiersgaragen/ Die Herausforderung bei Quartiersgaragen – das ist die Quintessenz dieses Antrags - ist, dass so eine große gemeinschaftliche Garage nicht einfach so gebaut werden kann. Das ist ein komplexes Finanzierungsthema, Querfinanzierungsthema, Eigentumsthema und so weiter. Stadt und Private müssen zusammenarbeiten. Man muss den Bedarf eines ganzen Viertels analysieren. Es ist eine komplexe Aufgabe, die aber gelingen kann, das zeigen viele internationale Beispiele und das zeigt auch die internationale Debatte in der Stadtentwicklung, die diese Quartiersgaragen schön langsam entstehen lässt. Höchstwahrscheinlich braucht es im Vorfeld eine Studie, die wahrscheinlich an ein externes Planungs- und Mobilitätsbüro oder eine Arbeitsgemeinschaft aus verschiedenen Disziplinen vergeben werden muss. Denn, ich denke, das übersteigt die Ressourcen in der Stadt selbst. So eine Studie - das Ziel des Antrags - würde das Ressort der Stadtplanung und der Mobilität betreffen. In diesem Zusammenhang stellt die LinzPlus-Gemeinderatsfraktion folgenden Antrag."
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: Die zuständigen Stadträte für Mobilität und Stadtplanung mögen eine Linzer Studie zum Potential von Quartiersgaragen in Auftrag geben. Diese Studie soll die Vorteile von solchen Sammelgaragen, mögliche Standorte, Machbarkeiten, Partnerschaften und Kooperationen, Finanzierungsformen und den Bedarf klären. Im Idealfall resultieren daraus ein oder mehrere mögliche Pilotprojekte. Das Ergebnis möge in den jeweiligen Ausschüssen präsentiert werden. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Wir werden uns bei diesem Antrag enthalten. Wenn man nicht andauernd Parkplätze streichen würde, bräuchte man gar keine Quartiersgaragen. Danke.

Danke Lorenz Potocnik für den Antrag. Ich finde das Thema sehr wichtig, es ist essenziell für einen Stadtumbau, so wie wir uns die Stadt eigentlich vorstellen. Der motorisierte Individualverkehr kann zurückgedrängt werden und es steht mehr Platz für die Menschen, Kinder, Ältere zur Verfügung. Da es eine schwierige Aufgabe ist geeignete Plätze zu finden, ist eine derartige Studie unumgänglich. Ich glaube auch, dass man das wahrscheinlich auslagern muss, weil es die Stadtplanung im Alltagsgeschäft selbst nicht bewältigen kann. Quartiersgaragen würden viele Vorteile bringen. Sie reduzieren den motorisierten Verkehr stark, das sieht man anhand von internationalen Beispielen wie z.B. dem Rieselfeld in Freiburg. In diesem Stadtteil von Freiburg gibt es nur Quartiersgarage, sie liegen in gleicher Entfernung wie der öffentliche Verkehr. Dort nutzen die Leute das Rad stärker oder gehen zu Fuß, weil es unbequem ist, wenn man hundert, zweihundert Meter zur Garage gehen muss. Das lässt die Stadt völlig anders erscheinen und es gibt mehr Möglichkeiten. Ich glaube daher, dass es ganz wichtig ist eine solche Studie durchzuführen. Ich würde wirklich dafür plädieren, dass alle noch einmal in sich gehen und diesen Antrag unterstützen.

Entgegen der FPÖ wollen wir mehr Parkplätze für Autos, nämlich in Sammelgaragen. Lieber Lorenz Potocnik, danke für deine Ausführungen und den Antrag. Es ist nur so, dass schon ein Projekt läuft. Das ist ein sehr umfassender Projektsteckbrief zur Potenzialstudie für Stadtteilgaragen. Ich kann dir das auch zeigen, ich mache kein Geheimnis daraus, es passiert schon etwas. Auch wenn sich in diese Richtung schon etwas tut, stimmen wir diesem Antrag aus zweierlei Gründen trotzdem zu. Erstens, weil für mich die Idee zählt und wenn sie gut ist, dann stimmt man zu. Mir geht es ehrlicherweise ziemlich auf den Geist, dass man sich enthält, weil man schon etwas tut, Beispiel Bewegungslinien vor den Schulen. Man will den anderen nichts gönnen, das ist ein negativer Zugang. Ich pflege einen positiven und stimme dem Antrag zu, auch wenn wir in diese Richtung bereits arbeiten. Zweitens stimmen wir dem Antrag zu, weil er an den Mobilitätsreferenten und den Stadtplanungsreferenten ergeht. Wenn solche Flächen benötigt werden, ist das natürlich nicht ausschließlich eine Verkehrsfrage, sondern auch eine Stadtplanungs- und eine Liegenschaftsfrage. Wir müssen prüfen, ob wir vielleicht städtische Liegenschaften haben, die man für Quartiersgaragen nutzen kann. Insofern ist das ein guter Ansatz, wir gehen in die Richtung, gemeinsam sind wir stärker. Arbeiten wir - Stadtplanung und Mobilität - gemeinsam daran. Zustimmung der ÖVP.

Danke - Gemeinderat Matsche, ich bereue es, dass ich die Argumente für die Quartiersgarage nicht doch vorgelesen habe. Da steht alles drin, warum so eine Garage sinnvoll ist. Das ist schon sehr kurz und sehr einfach gedacht, wenn man sagt: ‚Wenn wir keine Parkplätze streichen würden, dann bräuchte man keine Sammelgaragen‘. Quartiersgaragen schützen bestehende Häuser, denn eine Triebfeder für den Abriss ist oft, dass eine Tiefgarage gebaut werden soll. Das ist dann häufig der Grund, warum man abreißt und neu baut. Das Argument würde dadurch zum Beispiel wegfallen. Quartiersgaragen helfen, den öffentlichen Raum besser zu gestalten. So eine Quartiersgarage ist eigentlich eine eierlegende Wollmilchsau. Es geht bei Weitem nicht nur um das Wegnehmen von Parkplätzen, sondern insgesamt um die Mobilität, zum Beispiel auch in Neustadtvierteln. Wenn wir ein neues Quartier - sagen wir in Ebelsberg - bauen, hoffe ich doch, dass wir dort keine normalen Tiefgaragen bauen werden, sondern dort Quartiersgaragen errichten werden. Damit würde man die Mobilität in diesem Quartier verändern. Die Leute sollen aus städtebaulicher Sicht nicht mehr einfach mit dem Lift hinunter zum Auto fahren, einsteigen und gleich losfahren, sondern sollen ein paar hundert Meter - eben die gleiche Distanz wie zu einer Straßenbahnstation – gehen. Das öffentliche Interesse erfordert das. Wenn du den Antrag gut gelesen hättest, dann hättest du ihn nicht auf eine doch sehr simple Rechnung ‚zusammengebrannt‘. Martin Hajart, danke für die Zustimmung und den Zuspruch. Ich hoffe, dass wir, wenn es heute nicht zustande kommt, in Zukunft in diese Richtung arbeiten werden. Es braucht die Führung vonseiten der Stadt. Wir müssen als Stadt in Vorleistung gehen, weil das von den Privaten allein gar nicht zu bewerkstelligen ist.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (20), FPÖ (9)