Fanmärsche - Stadt Linz und Allgemeinheit schadlos halten - Resolution und Antrag

G 9 · Fraktionsantrag · 28. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird eine gerechtere Kostenverteilung bei Fanmärschen und Hochrisikospielen, damit Veranstalter und Verbände stärker für Polizeieinsätze, Reinigung und Schäden im öffentlichen Raum aufkommen. Begründet wird dies mit hohen Belastungen für Linz durch Straßensperren, Straßenbahnausfälle, Lärm, Müll, Sachschäden und ein sinkendes Sicherheitsgefühl. Als Vorbild dient das deutsche Verursacherprinzip, das seit Jänner 2025 bei Hochrisikospielen Gebühren für den polizeilichen Mehraufwand ermöglicht. Zusätzlich soll die Stadtreinigung unmittelbar nach Fanmärschen gründlich reinigen und prüfen, ob die Kosten weiterverrechnet werden können. Der zuständige Stadtrat soll gemeinsam mit der Landespolizeidirektion Maßnahmen entwickeln, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen; der Gemeinderat lehnte den Vorstoß mehrheitlich ab.

Schlagwörter (10):fanfmärschefußballhochrisikospieleverursacherprinzippolizeieinsätzestadtreinigungsicherheitsgefühlöffentlicher raumverkehrsbehinderungenkostenverteilung
AntragstextEinblendenAusblenden
Berichterstattung Gemeinderätin Piovesan Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Kolleg*innen, kommen wir nun zu meinem letzten Antrag, zu einer ‚heißen Kartoffel‘, die offenbar viele bewegt. Dass das Thema polarisiert, habe ich bereits im Vorfeld gespürt. Sogar meine Söhne wurden in der Schule darauf angesprochen. Meine Jungs und ich sind selbst Fußballfans und gehen auch regelmäßig in die Stadien. Aber das, was sich bei Fanmärschen und insbesondere bei Hochrisikospielen und Derbys in Linz abspielt, ist für die Stadt und ihre Bürger*innen oft unzumutbar. Polizeieinsätze, Straßensperren, stundenlange Betriebsausfälle der Straßenbahn, Lärm, Müll und Sachschäden im öffentlichen Raum verursachen immense Kosten, die größtenteils von der öffentlichen Hand getragen werden. Gleichzeitig leiden das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und das öffentliche Leben darunter. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass die Gewaltbereitschaft zunimmt. Ich habe dazu einige Zeitungsartikel mit. Das passiert nicht nur in Linz, wo zuletzt eine Schlägerei an einer Tankstelle mit einem Verletzten endete, der im Krankenhaus gelandet ist, sondern auch in anderen Städten wie Graz. In Hartberg gab es beim Spiel Rapid gegen Hartberg einen Vorfall, bei dem acht bis zehn Polizisten verletzt wurden. Andere Länder haben bereits auf die hohen Kosten für die öffentliche Hand reagiert. In Deutschland müssen Vereine für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen mitzahlen. Das ist eine faire Lösung, denn es kann nicht sein, dass Vereine von den Spielen finanziell profitieren während die Allgemeinheit für die Folgekosten aufkommt. Deshalb fordern wir dieses Verursacherprinzip auch in Österreich. Veranstalter*innen und Verbände sollen sich an den Kosten für Polizeieinsätze, Reinigung und Schäden im öffentlichen Raum beteiligen. Ich bin überzeugt, dass diese Debatte geführt werden muss, denn die zentrale Frage ist, wer hier die Regeln bestimmt. Sind das die radikalen Fangruppen oder wir als Gesellschaft? Es geht um Kostenwahrheit, Fairness und darum, ein klares Signal zu setzen. Ich schließe jetzt mit einem aktuellen Zitat von SK Rapid Wien Geschäftsführer Steffen Hofmann im Zusammenhang mit dem Vorfall in Hartberg: „Langsam macht mir auch mein Rapid keinen Spaß mehr." Wenn selbst einer der bekanntesten Fußballfunktionäre Österreichs Alarm schlägt, zeigt das, wie dringend hier Handlungsbedarf besteht. Genau darum geht es in unserem Antrag. Wir müssen unsere rechtlichen Mittel schärfen um dieses Problem nicht zu einem Dauerbrenner werden zu lassen. In diesem Zusammenhang stellt die LinzPlus-Gemeinderatsfraktion folgenden Antrag. Ich bitte um Zustimmung. Fußball ist ein wichtiger Bestandteil der (österreichischen) Sportkultur, identitätsstiftend, voller Emotionen und nicht zuletzt ein Wirtschaftsfaktor. Doch das Phänomen Fußball hat auch Schattenseiten, die wir nicht ignorieren können: So beeinträchtigen Fanmärsche die Allgemeinheit. Insbesondere bei ‚Hochrisikospielen‘ und Derbys werden die Stadt Linz und ihre Bürger*innen teils unzumutbar belastet. Polizeieinsätze, Straßensperren, stundenlange Betriebspausen der Straßenbahn, Lärm, Müll und Sachschäden im öffentlichen Raum verursachen hohe Kosten, die größtenteils von der öffentlichen Hand getragen werden. Zudem mindern Gewaltausbrüche und Vandalismus das so entscheidende Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. In Deutschland gilt deshalb seit dem 14. Jänner 2025 das Verursacherprinzip: Fußballvereine und wirtschaftliche Profiteure solcher Veranstaltungen müssen nun entstehende Kosten selbst tragen. Grundlage dafür ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/01/rs20250114_1bvr054822.html?nn=68080 Auch in Österreich sollte nach diesem Verursacherprinzip gehandelt werden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Allgemeinheit für die Einschränkungen und erheblichen Kosten von Fanmärschen aufkommen soll, während die (durch verschiedene Förderungen bereits stark subventionierten) Vereine wirtschaftlichen Nutzen aus den Spielen und den dazugehörenden Veranstaltungen ziehen. In Zukunft sollen sich die Fußballclubs an entstehenden Kosten durch Fanmärsche, Polizeieinsätze und Schäden im öffentlichen Raum beteiligen müssen. Da dieses Ziel aber nicht mit einer einzelnen Maßnahme einfach so zu erreichen ist, viele Zuständigkeitsbereiche betrifft und über die städtischen Kompetenzen hinausgeht (u.a. Bund, Polizei, LINZ AG) haben wir drei Beschlusstexte formuliert. Diese richten sich an das Innenministerium, um die notwendige gesetzliche Grundlage (nach deutschem Vorbild) für eine gerechtere Kostenverteilung bei Polizeieinsätzen für Fußballspiele zu ermöglichen. Weiters wird die zuständige Stadträtin für Stadtreinigung ersucht, für ein schnelles und gründliches Saubermachen nach den Fanmärschen zu sorgen. Drittens wird der Stadtrat für Sicherheit ersucht, gemeinsam mit der Polizei dafür zu sorgen, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erhöht wird. Darüber hinaus wird es aber Bemühungen vieler Player bedürfen, um die Allgemeinheit und die Stadt möglichst schadlos zu halten. So wäre es zum Beispiel wichtig, Betriebspausen der Straßenbahn wegen Fanmärschen auf der Landstraße zu vermeiden, indem die Marschrouten anders gelegt werden. In diesem Sinne ersuchen wir auch den Linzer Bürgermeister, sich der Sache persönlich anzunehmen und für eine gute Zusammenarbeit und echte Lösungen zu sorgen, die durch einzelne Gemeinderatsanträge und Resolutionen nicht zu erreichen sind.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: 1. Der Gemeinderat der Stadt Linz fordert das Bundesministerium für Inneres auf, das Sicherheitspolizeigesetz (§ 48a in Verbindung mit § 5a SPG) und die Sicherheitsgebühren-Verordnung so zu überarbeiten, dass eine gerechtere Kostenverteilung bei Polizeieinsätzen für Fußballspiele möglich ist. So sollen Veranstalter und Verbände stärker an den Kosten beteiligt werden, um die Allgemeinheit zu entlasten. Vorbild dafür kann das jüngst erfolgte Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts vom 14. Januar 2025 (Az. I BvR 548/22) sein. Dieses Urteil bestätigt die Rechtmäßigkeit, Gebühren für den Mehraufwand für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beim Veranstalter einzuheben. 2. Die für die Straßenreinigung zuständige Stadträtin Eva Schobesberger wird ersucht, sicherzustellen, dass unmittelbar nach Fanmärschen eine gründliche Reinigung der betroffenen Straßen erfolgt. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Linzer Bevölkerung durch Vermüllung bei Fanmärschen minimal beeinträchtigt wird. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die Kosten und der Aufwand den Veranstaltern und Verbänden verrechnet werden kann. 3. Der für Sicherheitsangelegenheiten zuständige Stadtrat Raml wird ersucht, im Einvernehmen mit der Landespolizeidirektion Oberösterreich (als Sicherheitsbehörde erster Instanz für das Gemeindegebiet) Maßnahmen zu entwickeln, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bei Fanmärschen zu erhöhen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.¹
Wortmeldungen (10)EinblendenAusblenden

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, Gemeinderätin Piovesan malt ein ziemlich bedrohliches Bild. Deshalb würde ich zuerst gerne zu den Fakten kommen. Fanmärsche finden in Linz nur bei wenigen Spielen statt und sind nicht die Regel. Unserer Erfahrung nach ist sind sie nicht so bedrohlich wie erwähnt. Dass sich Mitbürger*innen davor fürchten müssen, stimmt überhaupt nicht. Wenn die Fangruppen vorbeikommen, dann schauen die Leute zu, sie freuen sich auf die Fanmärsche. Zusätzlich werden bei durchorganisierten Märschen Fanggruppierungen verschiedener Teams vor Spielbeginn auseinandergehalten und mit Polizeibegleitung zum Stadion eskortiert. Somit verlaufen Fanmärsche in geordneten Bahnen, sind schnell vorüber und blockieren den Verkehr kürzer. Die Öffentlichkeit profitiert davon sehr. Liebe Kollegin, Sie haben mit dem Spiel Rapid gegen Hartberg ein sehr gutes Beispiel gegeben, aber dafür haben Sie etwas anderes verpasst. Alle Medien, wie beispielsweise der ORF, haben unsere Linzer Fangruppen gelobt. Die Presse hat öffentlich als Beispiel genannt, wie gut es in der Stadt Linz funktioniert. Wir können stolz darauf sein, dass wir zwei sehr große Fanclubs haben, die gut miteinander auskommen. Solche Derbys zeigen uns eine gute Kultur. Im Sinne der Sauberkeit wäre es wichtig, den Magistrat und die LINZ AG rechtzeitig zu informieren, wann diese Fanmärsche stattfinden. Dann kann man selbstverständlich Müllcontainer auf den Weg stellen und alles gut zusammen gestalten. Fanmärsche sind Teil der Sportkultur. Unsere Stadt ist progressiv ist und hat in dieser Sportart mit zwei fantastischen Klubs eine gewaltige Sportbewegung. Darüber sollten wir uns freuen, statt es kontrollieren zu wollen. Das geht sicher nicht. Wir finden es fraglich, den Vereinen die Kosten aufzubürden, da sie dafür überhaupt nicht verantwortlich sind. Die Fanclubs sind ehrenamtliche Organisationen, die von Mitbürger*innen organisiert werden. Wir können dieser finanziellen Bitte nicht nachkommen. Daher werden wir uns bei diesem Antrag der Stimme enthalten. Danke.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Linzer Fußballkultur erlebt eine Renaissance und das ist gut so. Wie richtigerweise angesprochen wurde, bringt das die eine oder andere Herausforderung für die Stadt Linz und besonders für die Bewohner*innen des Froschbergs mit sich. Ich denke aber, diese lassen sich lösen. Wie schon gesagt wurde, versucht der vorliegende Antrag, die organisierten Fanmärsche als ein Problem zu konstruieren, das in dieser Form nicht existiert. Ich halte den Vergleich mit den deutschen Hochrisikospielen für nicht zielführend. Weder von der Größe noch von der Gewaltbereitschaft her, die sich dort zeigt. So etwas ist bei uns bisher eben nicht so, das ist auch gut so und sollte so bleiben. Ich glaube, man sollte die Kirche im Dorf lassen und eher darauf setzen, eine gute Gesprächsbasis mit der organisierten Fanszene herzustellen. Man sollte darauf schauen, dass man die Routen so legt, dass der öffentliche Verkehr möglichst wenig eingeschränkt wird und man sollte auch die Müllthematik behandeln. Jetzt gibt es dann bald das Becherpfand und bei Fußballspielen gibt es ja bekannterweise auch die Becherspende. Vielleicht kann man dieses System umwälzen und hätte somit einen Teil des Müllthemas bereits geklärt. Abgesehen davon ist die Anreiseproblematik auf der Gugl immer noch einer der wesentlichen Punkte. Man könnte sicher nach besseren Lösungen suchen. Ich möchte aber noch eine Sache ansprechen, die mir ein ganz besonderes Anliegen ist. Es geht um die Ticket-Preispolitik von Herrn Geschäftsführer Siegmund Gruber. Für den LASK ist sie familienfeindlich, betriebswirtschaftlich ineffizient und aus strategischer Sicht - aus Sicht der langfristigen Fanbindung - kurzsichtig. Ich muss dazusagen, dass ich kein LASK-Fan bin, erlaube mir aber dieses Urteil, da der LASK durch öffentliches Geld, sowohl vom Land als auch durch die Spitzensportförderung der Stadt Linz, gestützt wird. Meines Erachtens üben viele LASK-Fans berechtigte Kritik an der Preispolitik und der Abonnementgestaltung für Dauerkarten. Ein Verein, der durch die öffentliche Hand mitgetragen wird, sollte seiner Heimatstadt etwas zurückgeben. Darum finde ich, dass der LASK eine familienfreundliche und soziale Preispolitik machen sollte, um die Auslastung auf der Gugl zu verbessern. Beim vorliegenden Antrag werde ich mich enthalten.

Danke Herr Bürgermeister, Kollegin Piovesan, das ist leider ein Antrag von LinzPlus, dem wir nicht zustimmen können, da er sehr populistisch ist. Es ist heute schon von, ich glaube, Herrn Bürgermeister gesagt worden, dass solche Fanmärsche angemeldete Versammlungen in Form einer Demonstration sind. Man kann sich aber Folgendes fragen - ich mache das jetzt ein bisschen polemisch, es ist mir aber durchaus ernst: Müsste diesbezüglich nicht zum Beispiel die ‚Critical Mass‘ von der Radlobby, die Donnerstags-Demos von ‚Omas gegen Rechts‘ und unsere Demo am 1. Mai von uns gezahlt werden? Bei der SPÖ kommt das übrigens sogar vor, die sagt ja zu ihrer Demo auch ‚Fanaufmarsch‘. In Wirklichkeit ist es ein Fanmarsch der Sozialdemokratie. Sollten das Frauenhaus die Demo am 8. März und der Papst die Fronleichnamsprozession bezahlen? Ich möchte schon noch darauf hinweisen, dass es bei diesem zitierten Gerichtsurteil aus Deutschland um Hochrisikospiele und um den Polizeieinsatz, den Vereine zahlen, geht. Nicht um die Fanmärsche. Des Weiteren verkennt der Antrag die Beziehung zwischen einem Verein und den Fans völlig. Die Fans veranstalten diese Märsche nicht, um in erster Linie dem juristischen Verein zu huldigen und diesen zu unterstützen. Sie machen das für sich selbst und für den ideellen Verein. Für sie ist dieser eigene Verein mehr eine Institution mit Geschäftsführung und Satzung. Er ist Identität, Leidenschaft und für viele zentraler Bestandteil ihres sozialen und kulturellen Lebens. Diese Märsche sind Ausdruck von Zusammenhalt, Tradition und verwurzelter Verbundenheit zur Vereinsgeschichte und -kultur. Das kann man jetzt richtig oder falsch finden, aber das ist eben so. Es ist eine falsche Vorstellung, dass solche Funktionen in erster Linie als Unterstützung des offiziellen Verein und der Vereinsführung gelten. Das entspricht nicht der Motivation der Anhänger*innen. Dann möchte ich noch betonen, dass die Fanszene und ihr Verhalten natürlich ein Abbild gesellschaftlicher Verhältnisse sind. Ich glaube, es ist schon zumutbar, dass es an zwei Tagen im Jahr zu gewissen sozialen und gesellschaftlichen Beeinträchtigungen kommt. Gegen eine Sensibilisierung, etwa in Bezug auf die Müllfrage, ist überhaupt nichts einzuwenden. Natürlich muss diesbezüglich der Dialog mit der Fanszene und mit den Fanverantwortlichen gesucht werden. Man kann sicher auf die Fans einwirken und schauen, dass bei zukünftigen Märschen weniger Müll hinterlassen wird, als von oben herab mit Strafen und Kosten zu drohen. Das wäre der angemessene Weg. Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass es, wie auch bei diesem Antrag, leider eine Tendenz bei LinzPlus gibt. Ich finde, es gibt eine deutliche Abneigung gegenüber Alltagskultur oder Kultur, die man nicht versteht oder teilen will oder die nicht der eigenen Lebensführung entspricht. Man könnte das auch als milieubezogene Abgehobenheit oder Distanz zu gelebten Ausdrucksformen und Verhaltensweisen anderer gesellschaftlicher Schichten beschreiben. Diese gibt es auch noch in einer Stadt, einer Gesellschaft. Anstatt sich auf einen offenen und sachlichen Dialog einzulassen, um überhaupt zu verstehen, was diese Menschen tun, anstatt sich mit der Fankultur auseinanderzusetzen, wird das von oben herab betrachtet und sehr überzeichnet und problematisiert dargestellt. Wir halten diesen Ansatz für überhaupt nicht angemessen, da er die Gräben nur vertieft. Deshalb werden wir uns enthalten.

Dieser Antrag ist wieder ein LinzPlus-Antrag, der mit falschen Fakten operiert, aber das ist man gewohnt. Gerade in Linz ist es bei den Fanmärschen anders, diese werden von der Polizei nicht mit dem Verein, sondern mit den Fangruppen koordiniert. Wie meine Vorredner*innen schon gesagt haben, ist das gar nicht so häufig. Die Öffentlichkeit wird das aushalten und daher wird sich auch meine Fraktion diesem Antrag enthalten.

Danke, meine Damen und Herren, die letzten Diskussionsbeiträge nehmen für mich ziemlich kuriose Züge an. Herr Schauberger sagt: ‚In Linz ist es anders.‘ Ich erinnere an eine Fanfahrt der Fans der SV Ried mit dem Schiff nach Linz. Das ist jetzt vier, fünf oder vielleicht schon sechs Jahre her. Die haben eine Fahrt zu einem Spiel nach Linz zum LASK gemacht. Die sogenannten LASK-Fans haben das Schiff mit Ketten und allem Möglichen abgepasst und die Fans der SV Ried haben sich nicht vom Schiff getraut. Erst als die Polizei gekommen ist und die Gruppen getrennt hat, konnte das Spiel nach einer oder zwei Stunden Verspätung beginnen. In einer Fernsehsendung auf ZDFinfo vor zwei oder drei Wochen wurde diese Problematik diskutiert. Vielleicht ist sie noch zum Nachsehen. Wenn man sich die Diskussionsbeiträge - vor allem vom Chef von Borussia Dortmund - anhört, dann ist das erschreckend. Ich kann nur sagen, wehret den Anfängen. Ich wehre mich gegen eine Verniedlichung dieser Problematik. Es geht nicht um friedliche Fanmärsche, sondern um jene, die ausarten. Es geht nicht um „Omas gegen Rechts“ oder den 1. Mai, denn dort finden diese Ausschreitungen nicht statt. Da es immer schlimmer wird, bin ich in diesem Fall absolut der Meinung von LinzPlus. Es ist dringend notwendig, entsprechende Veränderungen herbeizuführen. Vor zehn Jahren hat man über Ausschreitungen, über Fanmärsche et cetera überhaupt nicht gesprochen und heute ist es gang und gäbe. Wenn ich mir anschaue, wie das bei Hartberg gegen Rapid ausgegangen ist, möchte ich das nicht in Linz erleben. Danke.

Das Schlusswort hat die Berichterstatterin. Zuvor möchte ich aber trotzdem noch Folgendes klarstellen. Herr Dr. Obermayr, Sie sprechen gerade von Geschehnissen, die nicht in Linz stattgefunden haben. Es gibt einen Antrag, der die Fankultur in Linz behandelt. Deswegen möchte ich schon klar darlegen, dass es diese Ausschreitungen, die Sie im Kopf haben, in Linz nicht gegeben hat, jedenfalls nicht in den letzten Jahren. Sie können natürlich nach Deutschland oder nach Hartberg schauen. So etwas hat es auch in den letzten Jahren in Wien immer wieder gegeben. Wir können durchaus stolz darauf sein, wie gut die Zusammenarbeit für die Linzer Fankultur zwischen Vereinen, Fankulturen, Fanorganisationen und Polizei gelingt. Bevor ich das Schlusswort erteile, haben Sie noch eine zweite Wortmeldung, Herr Dr. Obermayr, bitte sehr.

Herr Bürgermeister, ich muss Ihnen absolut widersprechen. Es geht nicht darum, dass ich woanders hinschaue und dass es nicht in Linz passiert, sondern dass es in Linz sein kann. Damals, als Fans der SV Ried mit dem Schiff südlich von Passau die Donau heruntergefahren sind und die Polizei die beiden Fangruppen trennen musste, war das in Linz. Das ist vielleicht vier, fünf oder sechs Jahre her. Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber es würde sich eruieren lassen. Ich weise also diese Zurechtweisung zurück, danke.

Das war keine Zurechtweisung, sondern eine Feststellung von mir. Ein Fanmarsch ist ein Fanmarsch, da ist das Marschieren drinnen und nichts anderes, so wie Sie das dargelegt haben. Wir können das aber vielleicht nachher nach der Sitzung noch vertiefen.

Das ist super interessant, welche Meldungen hier kommen. Es ging nie darum, Fanmärsche abzudrehen oder dergleichen. Für mich hat sich klar gezeigt, dass man den Dialog zwischen Fans, Vereinen, Stadt Linz und den Verantwortlichen auf jeden Fall intensivieren muss. Ich nehme aber auch zur Kenntnis, dass Fußball offenbar alles darf. Ich habe heute auch schon ganz zu Beginn eine Anfrage gestellt und Antworten bekommen. Es gibt scheinbar, je nach Sportart, eine Ungleichbehandlung. Ich habe mich im Vorfeld umgehört und festgestellt, dass zum Beispiel beim City Night Run, wo ungefähr 3.000 Menschen fünf Kilometer laufen, die Stadt Linz 7.000 Euro für die Reinigung verlangt. Ein Fanmarsch mit 2.000 bis 3.000 Teilnehmern, der über eine vergleichbare Distanz führt, kostet hingegen nur 2.500 Euro, wie wir gehört haben. Und das, obwohl der Veranstalter des City Night Run selbst für die Sauberkeit sorgt. Auf der Promenade liegt zum Beispiel nach Ende des Laufes keine einzige Bananenschale mehr. Dass man mit den Märschen die zum Teil aggressiven Gruppen besser kanalisieren und steuern kann und die Polizei das so besser im Griff hat, das ist auch klar. Darum geht es auch nicht. Es geht auch nicht darum, dass wir das Versammlungsrecht einschränken wollen oder Demos verbieten wollen. Fußball ist Teil unserer Kultur, das sehe ich genauso. Er ist voller Emotionen und das soll auch so bleiben. Frau Ekova-Stoyanova, wir müssen nur Lösungen finden, wie wir damit umgehen, dass sich meine Kinder - wenn Fanmärsche sind - nicht in die Stadt trauen oder einkaufen gehen trauen, weil sie sich vor diesen teilweise vermummten Menschen und vor bengalischen Feuern fürchten. Wir wissen von Frau Pühringer, dass sogar bei sensiblen Zonen, wie dem Krankenhaus, laut durchmarschiert wird. Es geht darum, dass wir die Stadt sauber halten, dass der öffentliche Verkehr normal funktioniert und dass sich niemand fürchten muss, der zu dieser Zeit in der Stadt unterwegs ist. Darüber hinaus frage ich mich, warum wir das Problem nur beim Fußball haben. Ob beim Volleyball, beim Eishockey, beim Tennis oder in der Leichtathletik - da funktioniert es und wir haben nie solche Aufmärsche und Gewaltexzesse. Ich bin vor kurzem angelobt worden, um im Interesse der Allgemeinheit zu arbeiten und nicht um Klientelpolitik für eine kleine Gruppe zu machen. Fakt ist, in Linz leben 211.000 Menschen. Fanmärsche ziehen 2.000 bis 3.000 Fans an, die größtenteils aus ganz Oberösterreich kommen. Warum müssen Veranstalter von Sportevents - wie dem City Night Run oder anderen Läufen - die der Stadt Linz einen echten Mehrwert und Umwegrentabilität bringen, die Reinigungskosten selbst tragen, während wir Fußballfanmärsche und deren Folgen, nämlich Lärm, Müll, Extrabusse und Vandalismus hinnehmen und das de facto auch noch subventionieren? Unser Ziel ist es, die Debatte anzustoßen. Ich habe das Gefühl, das ist ganz gut gelungen. Wir möchten eine rechtliche Lösung nach deutschem Vorbild finden, um uns in Zukunft handlungsfähig zu machen. Doch das ist offenbar nicht erwünscht. Ich muss feststellen, dass eine Mehrheit im Haus den Status quo erhalten will und keinen Handlungsbedarf sieht. Eine große Mehrheit bevorzugt es, sich für diese kleine Gruppe von 3.000 Fans aus ganz Oberösterreich einzusetzen. Danke sehr.

Ich möchte noch kurz berichtigen, Linz hat aktuell mehr als 214.000 Einwohner*innen. Sie haben mir zum Thema Fanmärsche heute eine Anfrage gestellt, die ich beantwortet habe. Ich wiederhole mich, ein Fanmarsch ist keine Sportveranstaltung, auch wenn zu Fuß gegangen wird. Manche Fans gehen vielleicht auch schneller, aber es gibt schon einen Unterschied zwischen einer Versammlung und einer angemeldeten Veranstaltung.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (22), ÖVP (10), Die Grünen (9), FPÖ (7), NEOS (2), Gemeinderätin Schachner/MFG, KPÖ (2), Gemeinderat Brandstetter