DRINGLICHKEITSANTRAG DER GRÜNEN-GEMEINDERATSFRAKTION BETREFFEND „RESOLUTION: GEPLANTEN FINANZIELLEN KAHLSCHLAG BEI INTEGRATIONSVEREINEN STOPPEN“

O · Dringlichkeitsantrag · 34. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

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Gefordert wird, die angekündigten Kürzungen im Integrations- und Sozialbereich des Landes Oberösterreich nicht umzusetzen und Förderungen zumindest auf dem Niveau des heurigen Jahres zu sichern. Im Mittelpunkt stehen Integrationsvereine und Projekte wie „Nachbarinnen“, „mamastark“ und „Rückenwind“, die Frauen, Kinder und migrantische Familien bei Integration, Bildung und Deutschlernen unterstützen. Begründet wird die Forderung mit den negativen Folgen von Förderausfällen für Beratungseinrichtungen, Beschäftigte und die Integrationsarbeit in Linz sowie mit drohenden höheren Folgekosten. Die Stadt Linz soll nach dem Beschluss ein klares Signal an die Landesregierung senden; die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget oder in künftigen Voranschlägen berücksichtigt werden. Der erste Teil der getrennten Abstimmung wurde angenommen, der zweite Teil über die dauerhafte Förderhöhe abgelehnt.

Schlagwörter (10):integrationintegrationsvereineförderkürzungensozialbereichmigrationsarbeitfrauenförderungbildungsprojektedeutschkurselandesregierunglinz
AntragstextEinblendenAusblenden
Dankeschön, sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleg*innen, liebe Zusehende, in Oberösterreich predigt Schwarz/Blau ständig, dass sich Menschen, die aus dem Ausland hierherziehen, integrieren müssen. Sie gehen aber her und streichen genau die Projekte, die diese Integrationsprozesse unterstützen, vor allem so deutlich, dass bei gewissen Vereinen sogar bis zu 40 Prozent der Förderungen gestrichen werden. Es geht darum, dass Schwarz/Blau die Finanzierung von erfolgreichen Vereinen zum Teil komplett einstellen will. Das sind zum Beispiel das frauenspezifische Integrationsprojekt ‚Nachbarinnen‘ – das übrigens von der Stadt Linz preisgekrönt worden ist – oder ‚mama_stark‘, ein Projekt von migrare – Zentrum für Migrant*innen OÖ, das insbesondere Müttern mit Migrationsbiografien Werkzeuge gibt, um sich im Bildungssystem zurechtzufinden. Ein weiteres ist das Bildungsprojekt ‚Rückenwind‘ von der Caritas, wo mehrsprachige Bildungslots*innen migrantische Eltern und Kinder unterstützen. Das sind also alles super sinnvolle Projekte, die genau das tun, was Schwarz/Blau ständig verlangen, nämlich Integration fördern. Jetzt bei diesen Projekten anzusetzen und zu kürzen, hat so schwerwiegende negative Auswirkungen auf Frauen, auf Kinder, auf die Beratungseinrichtungen, auf die Mitarbeitenden – die jetzt um ihren Job bangen – und auch auf uns als Gesellschaft. Wir zahlen später höhere Folgekosten, als es uns jetzt kosten würde, wenn wir die Projekte weiterfinanzieren würden. Das heißt auch, dass es weniger Deutschkurse gibt. Man kann nicht ständig von den Menschen verlangen, Deutsch zu sprechen, ihnen aber keine Angebote bieten, wo sie es erlernen können. Diese massiven Kürzungen haben auch ärgste Auswirkungen auf uns als Stadt Linz, weil ganz viele dieser Projekte in Linz angesiedelt sind. Ganz viele der Klient*innen dieser Projekte sind Linzerinnen und Linzer. Somit hat es auch für uns als Stadt Linz ärgste Auswirkungen auf unsere Integrationsprozesse. Wie kommen wir als Stadt Linz dazu, dass wir Budgetausfälle des Landes Oberösterreich zahlen? Erstens können wir das nicht stemmen und zweitens ist es keine Kernaufgabe der Stadt Linz. Deswegen ist es so wichtig, dass wir heute im Gemeinderat ein klares Signal an Schwarz/Blau im Landtag senden, dass das so nicht geht. Ich bitte um Zustimmung. Danke.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Linz fordert die Oberösterreichische Landesregierung auf, die angekündigten finanziellen Kürzungen im Integrations- und Sozialbereich nicht in die Tat umzusetzen und auch in Zukunft Förderungen in jener Höhe vorzusehen, die zumindest dem Niveau des heurigen Jahres entsprechen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen beziehungsweise in kommenden Voranschlägen berücksichtigt werden.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Danke Herr Bürgermeister, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, wir können der Grundintention dieses Antrags durchaus etwas abgewinnen. Gerade auch deshalb, weil bei uns einige Personen aufschlagen, die jetzt, wo sie kein oder weniger Geld beim Land Oberösterreich bekommen, hoffen oder denken, dass wir das als Stadt ausgleichen können. Das ist logischerweise unrealistisch. Wir möchten aber eine getrennte Abstimmung der beiden im Antrag genannten Punkte beantragen. Als Teil 1 möchten wir über folgende Passage abstimmen lassen: ‚Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Linz fordert die Oberösterreichische Landesregierung auf, die angekündigten finanziellen Kürzungen im Integrations- und Sozialbereich nicht in die Tat umzusetzen.‘ Teil 2 der getrennten Abstimmung betrifft dann ‚und auch in Zukunft Förderungen in jener Höhe vorzusehen, die zumindest dem Niveau des heurigen Jahres entsprechen.‘ Dem ersten Teil können wir unsere Zustimmung, aus den bereits von dir, Kollegin Carty-Pinner genannten Gründen, avisieren. Beim zweiten Teil werden wir uns enthalten. Wir glauben, dass das in dieser generalisierten Formulierung nicht sinnvoll oder durchzuhalten ist, weil man Förderungen schon auch immer wieder überprüfen dürfen soll und auch entsprechend anpassen soll. Man sollte sich da nicht in ein starres Korsett begeben. Danke.

Vielen Dank, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich darf unsere Enthaltung sowie mein nochmals gesteigertes Interesse an der morgigen Debatte rund um die Förderungen zu Linzer Integrationsvereinen ankündigen. Das kann ziemlich spannend werden, denn ihr kritisiert heute die zurückgehenden Förderungen und Integrationsförderungen beim Land, morgen stimmen wir aber selbst über die Integrationsförderungen der Stadt ab. Ich bin gespannt, wie ihr und alle anderen Befürworter*innen dieser Resolution abstimmen werdet. Wir haben es ausgehoben und ich habe es schwarz auf weiß vor mir, dass dem Linzer Integrationsbüro deutliche Kürzungen bevorstehen. Wir reden über Förderungen von minus 120.000 Euro, das sind minus 30 Prozent. Wir reden bei den Honoraren von minus 55.500 Euro, das sind minus 64 Prozent. Bei den sonstigen Entgelten sind es 24.500 Euro, das sind minus 76 Prozent. Die Personalkosten bleiben in etwa gleich. Insofern bin ich gespannt, ob wir morgen auch wieder einen rot-grünen Gleichschritt erleben oder ob wir ein differenziertes Stimmverhalten beobachten werden. Ich bin auch auf die Roten gespannt, wie sie die eigenen Kürzungen hinnehmen werden. Danke.

Herr Gemeinderat Obrovsky, ich kann dir sagen, was die Roten machen. Ich bin ein Roter, ich bin stolz drauf, auch wenn das andere Fraktionen nicht so sehen. Natürlich werden wir Kürzungen vornehmen, so wie wir in vielen Bereichen Kürzungen vornehmen werden. Wir werden aber bei unseren eigenen Veranstaltungen kürzen und nicht bei den Vereinen. Das ist der Hintergrund. Aber du hättest fragen können, dann hätten wir das erklären können. Das war die Mitteilung eines Roten.

Dankeschön, Kollege Obrovsky, das war jetzt ein bisschen ‚Whataboutism‘, denn wir reden heute über die Resolution ans Land. Morgen haben wir den ganzen Tag Zeit, über das Thema zu reden, das Sie angesprochen haben. Ich vermisse ein bisschen Verantwortungsübernahme Ihrerseits, denn es geht nämlich genau darum, was Ihre Kollegen und Kolleginnen auf Landesebene machen. Auch Sie hier im Raum fordern ständig Integration, aber tun wollen Sie dafür genau gar nichts. Aber von nichts kommt eben nichts. Wenn wir Integration fordern, müssen wir dem Ganzen auch einen Rahmen bieten. Deswegen bitte ich noch einmal darum – wenn Sie es ernst meinen, stimmen Sie der Resolution zu. Dankeschön.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: angenommen

Der Antrag auf getrennte Abstimmung wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: ÖVP (9). Teil 1 des Antrages wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: ÖVP (9). Gegenstimme: FPÖ (8). Teil 2 des Antrages wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (20), ÖVP (9), ehem. MFG (1), LinzPlus (2). Gegenstimme: FPÖ (8).