Hans-Hörlsberger-Hain

L 13 · Fraktionsantrag · 30. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Geprüft wurde die Benennung der kleinen Grünfläche an der Ecke Volksgartenstraße/Figulystraße als „Hans-Hörlsberger-Hain“. Gewürdigt werden sollte damit Hans Hörlsberger, der sich jahrzehntelang ehrenamtlich für eine menschenfreundlichere Verkehrsplanung, die Fußgängerinnenzone Landstraße und Baumpflanzungen in Linz eingesetzt hat. Die Fläche umfasst drei von ihm 1976 initiierte und finanzierte Säuleneichen, die seit 1977 dort wachsen. Zusätzlich waren zur Aufwertung Sitzsteine vorgesehen. Die Benennung wurde mehrheitlich abgelehnt; die Kosten sollten durch Umschichtung im Budget gedeckt werden.

Schlagwörter (10):namensgebunggedenkengrünflächebaumpflanzungverkehrsplanungfußgängerzoneöffentlicher raumstadtentwicklungehrenamtbudget
AntragstextEinblendenAusblenden
Danke, das ist der letzte Antrag heute von meiner Seite. Wussten Sie, wer es in den Siebzigerjahren vorangetrieben hat, dass die Landstraße heute eine Fußgänger*innenzone ist? Das hat Hans Hörlsberger gepusht. Durch diesen Antrag wissen Sie es schon, aber davor war das ein bisschen ein Geheimnis. Hans Hörlsberger hat sich jahrzehntelang auf verschiedensten Ebenen für Linz eingesetzt, für die Landstraße und auch für Bäume. Unter anderem - weil wir das heute schon besprochen haben - auch fürs Zu-Fuß-Gehen. Das war eines seiner Steckenpferde. Diese stille Persönlichkeit, die vor einigen Monaten gestorben ist, würde ich gerne ehren, beziehungsweise sollte die Stadt Linz diese Persönlichkeit ehren. Am 20. November letzten Jahres ist der Linzer Hans Hörlsberger im Alter von 84 Jahren gestorben. Aus einer Kaufmannsfamilie stammend, hat er zwar das Geschäft seiner Eltern übernommen, doch seine Leidenschaft galt schon sehr früh der Verkehrsplanung. So hat er sich als Autodidakt ab Mitte der Sechzigerjahre und bis zu seinem Tod für eine menschenfreundlichere Gestaltung des öffentlichen Raums in Linz eingesetzt. Sein Fokus lag auf den Fußgänger*innen und dem öffentlichen Verkehr. Ähnlich wie der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl aus Kopenhagen war er ein echter Praktiker und hat sich auf intensive Beobachtungen, Messungen sowie Feldforschungen vor Ort in Linz, aber auch in anderen Städten wie Zürich und Karlsruhe, verlassen. Seine so erlangte Expertise hat er überall energisch und hartnäckig eingebracht. In Diskussionen, bei der Stadtpolitik, in Leserbriefen, im Rahmen des von ihm mitgegründeten City Rings genauso wie bei Bürger*inneninitiativen und Selbstmach-Aktionen in Linz. Auf ihn sowie auf Theo Estermann, Willibald Egger und Oskar Winkler gehen auch die Ende der Siebzigerjahre entstandene Fußgänger*innenzone in Linz, dutzende Baumpflanzungen in der Innenstadt sowie zahlreiche Ideen, zum Beispiel die des „Boulevard Dametzstraße - Road Diet Linz“ zurück. Anerkennung für seinen jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz und seine visionären Ideen hat er kaum bekommen. Dafür war er wohl zu unbequem und zu kritisch. Posthum wäre es aber sehr schön, Hans Hörlsberger als Idealisten und besonders engagierten Bürger der Stadt Linz zu ehren. Eine Möglichkeit dafür wäre, die von ihm 1976 initiierte und finanzierte Baumgruppe in der Volksgartenstraße nach ihm zu benennen. Er hat die drei Stieleichen damals um 5.000 Schilling selbst gekauft. Sie erfreuen sich guter Gesundheit und entspringen der Idee, überall Bäume zu pflanzen, wo dies leicht möglich ist. Er hat Baumpflanzungen angeregt und initiiert, Jahrzehnte bevor dies ein großes Thema wurde. Die kleine Grünfläche könnte in Zukunft - mit einem kleinen Augenzwinkern - „Hans-Hörlsberger-Hain“ heißen. Eine Bank, um weitere Verkehrsbeobachtungen und Feldforschungen betreiben zu können, würde gut passen. Ich habe extra ein Bild beigefügt, damit jeder weiß, welche Baumgruppe ich meine, weil sie noch keinen Namen hat. Ich bitte hier um Zustimmung.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Stadtsenat möge zum Gedenken und zu Ehren des verstorbenen Hans Hörlsberger die kleine Grünfläche an der Ecke Volksgartenstraße/Figulystraße nach ihm benennen. Hier wachsen seit 1977 drei Säuleneichen. Initiert und bezahlt hat diese Hans Hörlsberger im Jahr 1976. Linz würdigt damit den beharrlichen Einsatz eines besonders engagierten Bürgers, dessen Visionen und Ideen (unter anderem die Fußgänger*innenzone Landstraße) seiner Zeit weit voraus waren und unsere Stadt nachhaltig verbessert haben. Zur Aufwertung des kleinen Hains wären zusätzlich ein oder mehrere Sitzsteine passend. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Danke Herr Bürgermeister, lieber Lorenz Potocnik, danke, dass du mit diesem Antrag die wichtige und leider von den Entscheidungsträger*innen viel zu wenig beachtete Arbeit von Hans Hörlsberger würdigen willst. Ihn mit einem ‚Hans-Hörlsberger-Hain‘ zu ehren und an ihn zu erinnern, ist ein starkes Zeichen. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob Hans darüber wirklich so froh gewesen wäre. Ich kannte ihn auch einigermaßen gut und über mehr als ein Jahrzehnt hinweg standen wir, vor allem zu Fragen der Verkehrs- und Stadtentwicklung, in regem Austausch. Er war ein unermüdlicher Kämpfer – du hast es auch gesagt – für eine lebenswerte Stadt, die in erster Linie den Menschen und nicht den Dingen gehört. Nicht dem Geld und den Autos. Selbst in den letzten Monaten seines Lebens, als es ihm gesundheitlich nicht mehr gut gegangen ist, ließ er es sich nicht nehmen, sich intensiv mit aktuellen Entwicklungen der Stadt auseinanderzusetzen. Er analysierte das sogenannte Innenstadtkonzept oder etwa die geplante und nun wieder teilweise aufgegebene Radwegführung auf der Nibelungenbrücke. Ich finde, er machte, wie so oft, klügere, menschlichere und vorausschauendere Gegenvorschläge. Im Juni des vergangenen Jahres, nach einem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt, schrieb er mir ein kurzes E-Mail. Er kündigte darin an, sich zurückzuziehen, was ihm aber – wie wir wissen – dann wieder nicht gelungen ist. In derselben E-Mail schickte er mir, wie er es nannte, eine ‚Hinterlassenschaft‘. Diese bestand aus einem PDF-Dokument mit einer für Hans typischen Planskizze, einer Karte mit den Hotspots in Linz, wo aus seiner Sicht dringend Verbesserungen beziehungsweise Neugestaltung oder Nichtverwirklichung nötig seien. Trotz später Stunde – das Dokument ist ja nicht so lang – möchte ich das jetzt im Gremium zitieren und vorlesen. - Gegen Einbahnen Humboldtstraße und Dinghoferstraße: breitere Gehsteige, ein Mehrzweckstreifen für das zügige Radfahren, schmälere Fahrbahnen, keine eigene Busspur, stattdessen eine bevorzugte Einfahrt für Linienbusse am Hessenplatz - Begegnungszone Südliche Landstraße: Führung des Fahrzeugverkehrs auf der Straßenbahntrasse durch die Haltestelle Bürgerstraße, analog zur Inneren Landstraße beim Taubenmarkt. Keine Parkplätze, eine Fußgänger*innenzone ist nicht nötig, der Vorschlag dazu ist nur ein Ablenkungsmanöver - Martin-Luther-Platz: der Platz soll bei der Neugestaltung unbedingt weitgehend für flexible städtische Nutzungen freigehalten werden, ohne überflüssige Behübschungen - Begegnungszone Johann-Konrad-Vogel-Straße: eine ebene Begegnungszone von Hauswand zu Hauswand. Schanigärten sollen direkt an die Gebäude der Gastronomie heranrücken, eine Einbahnregelung aus der Tiefgarage ist möglich - Begegnungszone Hinsenkampplatz: der Platz zwischen Neuem Rathaus und Ars Electronica Center (AEC) soll neu gestaltet werden, ohne Fußgänger*innenunterführungen, dazu eine neu situierte Straßenbahnhaltestelle Rudolfstraße, nach den Vorschlägen der Firma ZIS+P aus dem Jahr 2009 - Neugestaltung Bulgariplatz: Priorität für die Fußgänger*innen, nicht nur auf dem Platz selbst und bei den Straßenbahnhaltestellen des Platzes, sondern auch rundherum in den Wohn- und Einkaufsgebieten im Viertel - Umsteigeknoten Bahnhof Linz-Urfahr: Verbesserung nach dem Vorschlag der Schweizer Firma Metron AG, bessere Koordination von Mühlkreisbahn und Buslinien (13, 25, 33 und 48) - Nahverkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof Linz: fahrgastfreundlicher gestalten, alle städtischen Busse sollen künftig an einer gemeinsamen Haltestelleninsel am Bahnhof halten. Die Straßenbahnen im Ersatzverkehr sollen in der Nähe des Bahnhofs oberirdisch wenden, Umstiege sollen ebenfalls oberirdisch erfolgen und kurz sein - Regionalstadtbahn und Umsteigeknoten Urfahr-Ost: keinesfalls Gestaltung so wie sie jetzt für die Regionalstadtbahn S6 und S7 vorgesehen ist. Die S6 ist ein zu teures Vorhaben ohne Effekt für den öffentlichen Verkehr, siehe derzeitiger Linienbestand. Die S7 ist bis zur Uni als Konkurrenz zur fast gleichen Geschwindigkeit der Straßenbahn geplant und bietet noch keine bewertete Verbindung zum Unteren Mühlviertel. Dieses ist auch weder von der Topografie noch von der Siedlungsstruktur des Mühlviertels von einer Bahnlinie zu erschließen, sondern durch Busse Hans' Vorschläge - es gab und gibt noch unzählige mehr - waren nie abstrakt und großspurig. Sie waren durchdacht, pragmatisch, menschenzentriert und getragen von dem tiefen Wunsch, die Stadt für alle lebenswerter zu machen. Ich bin überzeugt, es wäre vielleicht eine größere Ehre, die wir ihm erweisen könnten, wenn wir einige seiner Ideen tatsächlich umsetzen. Danke.

Vielen Dank für das Bekanntmachen von Hans Hörlsberger, der mir zugegebenermaßen nicht so bekannt war. Ich darf aber zum Ursprungsantrag zurückkommen. Die Frage, ob wir dieses Plätzchen dort umbenennen und es als ‚Hain‘ betiteln, auch wenn man es mit Augenzwinkern macht, lehnen wir ab. Diese Fläche entspricht in keinster Weise einem ‚Hain‘. Die vorgeschlagene Grünfläche weist keine zugeordneten Adressen auf und als Verkehrsinsel wird sie das wohl auch nie tun. Wir sind generell der Ansicht, dass man sehr zurückhaltend mit der Benennung von Verkehrsflächen sein sollte, wenn diese gar nicht benannt werden müssen. Die Übersicht über den Verlauf und die genaue Bezeichnung der aktuell immerhin 1.213 Straßenplätze zu behalten, stellt zum Beispiel auch für Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettung und Polizei eine Herausforderung dar. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen – das wird vielen in diesem Haus bekannt sein – zum Beispiel der Kolpingplatz nach Adolph Kolping, oder der Harald-Renner-Platz nach dem Musiker und Mitbegründer des Kulturzentrums KAPU. Und – das sage ich jetzt mit einem Augenzwinkern – wenn die letzten zwei Ausnahmen schon Männer waren, sollte die dritte Ausnahme eine Frau sein. Vielen Dank, wir werden uns der Stimme enthalten.

Danke Lorenz Potocnik für diesen Antrag. Ich glaube, dass es Hans Hörlsberger sehr verdient hat, dass man ihn mit der Benennung einer Verkehrsfläche ehrt. Vielleicht mache ich gleich einen anderen Vorschlag, wenn die SPÖ diesen ‚Hain‘ nicht nach ihm benennen will. Vielleicht finden wir eine Straße, die geeignet ist, dass wir sie nach Hans Hörlsberger benennen. Aus meiner Sicht hat er es sich, wie gesagt, sehr verdient. Er hat sich tatsächlich viele Jahre immer ehrenamtlich zum Wohl der Stadt engagiert und nie auf sich geschaut. Er hat immer nur überlegt, was das Beste für die Stadt und für die Linzerinnen und Linzer ist. Ich persönlich habe ihn als Mitarbeiterin des früheren Verkehrsreferenten Jürgen Himmelbauer – dem ersten Mobilitätsreferenten der Stadt – kennengelernt. Dieser hat damals einen Beirat für sanfte Mobilität eingerichtet, wo Hans Hörlsberger eine tragende Rolle hatte und unter anderem mit seinen Ideen und Inputs vieles angestoßen hat. Er hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass wir die ersten Begegnungszonen in unserer Stadt hatten. Er hat maßgeblich an der Begegnungszone Herrenstraße mitgearbeitet wie auch an der Klosterstraße. Beate Gotthartsleitner, tut mir leid, ich verstehe deine Argumentation nicht. Ich würde es verstehen, wenn man sagt, es ist kompliziert, dass man etwas umbenennt, das schon viele Adressen hat und nach jemand anderem benannt ist. Ich verstehe wirklich nicht, wo das Problem ist, einer unbenannten Fläche jemandem zu Ehren einen Namen zu geben. Gerade in Zeiten der Digitalisierung zu argumentieren, dass Karten unübersichtlich werden, ist hanebüchen. Als Feministin bin ich überzeugt davon, dass es selbstverständlich wichtig ist, dass wir dazu übergehen, Straßen nach Frauen zu benennen. Trotzdem glaube ich, dass es auch die Möglichkeit geben muss, dass man Menschen, die sich um unsere Stadt verdient gemacht haben, in der geeigneten Form würdigt. Ich halte es nicht nur für einen guten Vorschlag, sondern sehr angebracht, diese kleine Grünfläche jemandem zu widmen, der dafür gesorgt hat, dass es sie gibt. Ich ersuche, dass man dem Antrag von Lorenz Potocnik zustimmt und hoffe tatsächlich auf eine breite Mehrheit.

Danke für die Wortmeldungen. Eva Schobesberger, das war wichtig und gut, dass du noch einmal darauf hingewiesen hast, dass es Lösungen gibt und dass wir das lösungsorientiert angehen sollten. Danke auch Michael Roth-Schmida für deine Wortmeldung. Ich hätte gerne diese Liste. Ich habe sie nicht bekommen. Ich habe den Antrag übrigens nicht allein erfunden, sondern in Absprache mit der Familie. Nur, weil du ein bisschen in den Raum gestellt hast, ob er sich überhaupt freuen würde. Solche Sachen sind ja auch nicht für die Toten, sondern für die Lebenden. Ich sehe, dass es in Wirklichkeit technisch und materiell eine Kleinigkeit wäre, und einen stillen, großen Mann ehren würde, der viel für die Stadt getan hat. Ich denke, das sollten wir als Stadt honorieren. Wir sollten Idealisten und Leute honorieren, die sich für unsere Stadt, für unser ‚Linz ist Linz‘ engagieren. Das ist hier eine ganz kleine Gelegenheit und ich sehe eigentlich keinen Grund, warum das nicht passieren sollte. Ich bitte um Zustimmung.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (18), ÖVP (11), FPÖ (9), NEOS (2)