Kampagne "Mann spricht's an. #sagwas und verhindere Gewalt." für den Zeitraum vom 11. Dezember 2025 bis zum 31. Januar 2026; Grundsatzgenehmigung; insgesamt maximal 3.900 Euro
I 1 · Ausschussantrag · 34. Sitzung
Ausschuss:Ausschuss für Sicherheit und Gesundheit
Ergebnis:angenommen
Zusammenfassung
KI GeneriertBeschlossen wurde die Durchführung der Kampagne „Mann spricht's an. #sagwas und verhindere Gewalt.“ in Linz als Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahme gegen Gewalt. Die Stadt übernimmt dafür die bundesweite Initiative des Gesundheitsministeriums und setzt sie vom 11. Dezember 2025 bis 31. Januar 2026 mit Medienarbeit, Online-Präsenz, Social-Media-Bewerbung, Digitalscreens, Intranet, Infoscreens in öffentlichen Verkehrsmitteln und City-Lights um. Begründet wird die Maßnahme mit der Wirkung eines starken Signals und der Nutzung bereits vorhandener Sujets bei gleichzeitigem Ressourcenschonungseffekt. Die Kosten von insgesamt maximal 3.900 Euro inklusive USt werden für das Rechnungsjahr 2025 zu gleichen Teilen auf Mittel des Frauenbüros, allgemeine Angelegenheiten und Repräsentationen aufgeteilt. Der Beschluss wurde mehrheitlich angenommen, bei einer Gegenstimme.
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Vielen Dank für das Wort, sehr geehrte Damen und Herren, die Frage ist, ob sich jemand aus psychologischer Sicht darüber Gedanken gemacht hat, was mit Sujets wie ‚Merkst du nicht, dass sie kein Interesse an dir hat?‘ oder ‚Hey, es stresst so, wie du Frauen anmachst.‘ erreicht wird? Ich frage mich schon, welchen psychologischen Wert und welchen psychologischen Sinn diese Kampagne hat. Sie enthält keine Lösung, sondern führt wiederum nur zu einer Verhärtung der jeweiligen Situation. Ich glaube, dass es wesentlich bessere und präventive Lösungen gibt. Diese Kampagne zeigt etwas auf, was durchaus richtig ist, aber sie enthält keine Lösung. Ich kann dem nichts abgewinnen. Danke.
Ich übernehme jetzt gerne die Aufgabe, unter anderem Herrn Dr. Obermayr zu erklären, was hinter der Kampagne steckt. Aus meiner Sicht ist die Kampagne ein wirkliches Positivbeispiel. Sie macht nämlich eines. Sie adressiert das Problem, ich wiederhole mich. Wir haben in unserer Gesellschaft ein massives Problem mit Männergewalt. Mindestens jede dritte Frau ist davon betroffen. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch einmal bedeutend höher ist als das, was die Statistik Austria erhoben hat. Wir haben also ein massives Problem mit Gewalt, die von Männern gegen Frauen ausgeübt wird. Im heurigen Jahr hat diese Form von Männergewalt die schlimmste Ausprägung erreicht und bereits 15 Frauen das Leben gekostet. 15 Frauen wurden von einem Mann ermordet. Das waren Männer aus dem engsten Umfeld, überwiegend der Partner oder Ex-Partner, der Vater, der Sohn oder ein anderer naher Bekannter. Dieses massive Problem ist also Ausdruck dessen, dass wir eine massive Schieflage in den Geschlechterverhältnissen haben. Herr Dr. Obermayr, Männer sind nach wie vor nicht bereit, Verantwortung für das Phänomen Männergewalt zu übernehmen. Genau da setzt die Kampagne an und sagt: Wenn es dir ernst ist und du als Mann tatsächlich etwas an dieser Ungerechtigkeit verändern willst und gerechte Geschlechterverhältnisse haben willst, musst du aktiv etwas tun. Beispielsweise Zivilcourage haben und einschreiten – beispielsweise dem Kollegen sagen, ‚Merkst du nicht, dass die nichts von dir will, lass sie in Ruhe.‘ Die Kampagne macht genau das, was aus meiner Sicht wichtig ist. Sie adressiert Männer und die Tatsache, dass Männer Verantwortung für das Phänomen Männergewalt übernehmen müssen. Ich halte die Kampagne wirklich für äußerst gelungen und bedanke mich daher auch noch einmal beim früheren Minister Johannes Rauch, der uns diese Kampagne zur Verfügung gestellt hat und bei Ministerin Korinna Schumann, die sie uns jetzt schlussendlich übergeben hat. Ich bedanke mich auch für die Zusammenarbeit über die Ressortgrenzen hinweg bei Kollege Raml, Herrn Bürgermeister, Tina Blöchl - die vorher auch noch beteiligt war -, dass wir diese Kampagne jetzt für Linz umsetzen können. Ich glaube, dass sie tatsächlich ein wichtiger Beitrag sein kann. Dankeschön.
Danke, werte Frau Schobesberger, auch wenn ich in der vergangenen Gemeinderatssitzung nicht anwesend sein konnte, so habe ich doch die ganze Sitzung via Livestream mitverfolgt. Sie haben das Thema ‚Gewalt gegen Frauen‘ und auch ‚My body, my choice‘ angesprochen. Ich habe Ihnen daraufhin ein mehrseitiges E-Mail mit Lösungsansätzen geschickt. Sie haben nicht einmal darauf geantwortet. Ich bin gegen Gewalt, gegen Gewalt gegen Männer. Ich offenbar Ihnen jetzt etwas, das ich Ihnen auch geschrieben habe. Ich habe persönlich Gewalt erlebt, aber von einer Frau gegen mich. Es ist natürlich schlimm, dass so viele Männer nicht einsichtig sind. Man muss aber schauen, was die Gründe dafür sind. Man kann nicht Männer generell in einen Topf werfen und sagen, Männer sind alle gewalttätig. Man muss schauen, woher sie kommen und welchen Hintergrund sie haben. Man muss sich ansehen, welche Mädchen sich gewalttätigen Männern anschließen oder wie auch immer. Es gibt eine Lösung über die Jugendarbeit. Man muss bereits in Schulen beginnen. Man sollte keine Kampagnen machen, die nur eine psychologische Wirkung haben und für mich im Grunde genommen eine negative Wirkung haben. Ich bin absolut für eine konstruktive Lösung. Daran arbeite ich gerne, aber ich bin für Prävention von Gewalt und nicht für eine kurative Lösung. Danke.
Herr Dr. Obermayr, es tut mir natürlich von Herzen leid, wenn Sie in Ihrem Leben Gewalt erfahren haben. In unserer Gesellschaft sollte wirklich niemand Gewalt erfahren müssen. Wenn Sie jetzt aber sagen, man muss schauen, wer die Frauen sind, die von Gewalt betroffen sind, ist das eine Schuldumkehr. Dann wirft man den Opfern vor, sie hätten etwas falsch gemacht. Dagegen muss ich mich jetzt mit aller Deutlichkeit wehren. Das darf nicht passieren und das ist genau der Punkt, um den es geht. In unserer Gesellschaft passiert es leider sehr oft, dass sofort eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet. Auch vor Gericht wird dann die Frage gestellt, was hat sie denn angehabt, wie schaut sie denn aus, warum war sie mit diesem Typen unterwegs? Stattdessen sollte man sich Gedanken machen, sollte man schauen, wo das Problem in unserer Gesellschaft tatsächlich liegt. Es ist nicht in Ordnung, wenn man das auf die individuelle Ebene - wie Sie das jetzt gerade gemacht haben, Herr Dr. Obermayr - runterbricht und den Opfern eine Schuld zuschiebt. Wir haben ein Problem mit struktureller Gewalt. Das heißt nicht, Herr Dr. Obermayr, dass jeder Mann ein Problem ist. Aber es ist ein Problem, dass viele Männer in unserer Gesellschaft gewalttätig sind und dass Männer gegenüber Frauen Gewalt ausüben. Natürlich müssen wir auf der psychologischen Ebene mit Kampagnen ansetzen, damit Männer beginnen, Verantwortung zu übernehmen und endlich aufhören, Frauen die Schuld dafür zuzuschieben, dass sie Opfer von Gewalttaten werden. Das Problem ist nämlich auch, dass viele Frauen sich immer noch schämen und keine Hilfe holen. Von der Gesellschaft werden Betroffene nach wie vor stigmatisiert. Ich denke, wir hätten es von Gisèle Pelicot lernen sollen, die das sehr deutlich gesagt hat. Man kann diesen Satz nicht oft genug wiederholen: „Die Scham muss die Seite wechseln.“ Es ist immer der Täter schuld und niemals die Betroffene. Das kann man nicht oft genug betonen. Wir müssen bei Präventionsprojekten in den Schulen und in den Kindergärten ansetzen, was wir im Übrigen auch machen. Wir müssen an allen Hebeln ansetzen, die wir finden können, weil wir ein großes Problem haben. Jede dritte Frau ist davon betroffen. 15 Frauen sind heuer schon ermordet worden, weil wir ein strukturelles Problem mit Gewalt - mit Männergewalt - haben. Auch wenn man das nicht gerne hört, ist es trotzdem eine Tatsache. Ich wünsche mir schon - von Ihnen allen natürlich, nicht nur von Herrn Dr. Obermayr -, dass Sie für dieses strukturelle Problem auch Verantwortung übernehmen und mithelfen, es zu bekämpfen. Dankeschön.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird mehrheitlich angenommen. Gegenstimme: ehem. MFG (1)