Kopfverbot für Mitglieder des Stadtsenats - Sachinformation statt politischer Imagepflege

H 13 · Fraktionsantrag · 38. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird ein Kopfverbot für Mitglieder des Linzer Stadtsenats bei entgeltlichen Inseraten. Begründet wird dies mit dem Ziel, öffentliche Werbemittel auf sachliche Information zu beschränken und persönliche Selbstdarstellung oder politische Imagepflege zu verhindern. Als problematisch werden Inserate im CITY! Magazin dargestellt, in denen Stadtsenatsmitglieder mit Bild und Namen auftreten und damit aus Sicht der Einbringenden Steuergeld für politische Sichtbarkeit statt für Informationswert verwendet wird. Als Vorbilder werden die bereits geltenden Regelungen auf Bundes- und Landesebene sowie in Graz genannt; die Umsetzung soll über die Leitlinien für Öffentlichkeitsarbeit erfolgen. Der Gemeinderat lehnte den Vorstoß mehrheitlich ab.

Schlagwörter (10):kopfverbotentgeltliche inserateöffentlichkeitsarbeitsteuergeldpolitische imagepflegemedientransparenzstadtsenatsachinformationparteinahe medienlinz
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„Sehr geehrte Damen und Herren, werte Mitglieder des Stadtsenats, wir sprechen über ein Thema, über das wir heute noch nicht gesprochen haben. Es geht um ein sogenanntes ‚Kopfverbot‘ bei entgeltlichen Inseraten. Werte Mitglieder des Stadtsenats, fürchtet euch nicht vor dem ‚Kopfverbot‘. Denn auf Bundesebene, Landesebene und auch kommunaler Ebene, zum Beispiel in Graz, gibt es schon längst eines bei entgeltlichen Inseraten. Dort funktioniert das gut. Worum geht es im Kern bei einem ‚Kopfverbot‘? Diese gesetzliche Regelung bedeutet im Wesentlichen, dass Politiker oder Politikerinnen, die ein Ministerium oder ein Landesressort verantworten und entsprechend über Geldmittel verfügen, nicht mit Bild und namentlich in Inseraten erscheinen dürfen. Das betrifft Inserate, die in einem Medium gebucht werden, um zum Beispiel die Bevölkerung sachlich über eine Thematik zu informieren. Das Ziel dieser Regelung ist, Steuergeld für sachliche Information der Bevölkerung zu verwenden und nicht für persönliche Selbstdarstellung und/oder politische Imagepflege zu missbrauchen. Was auf Bundes- und Landesebene sowie in Graz zu Recht verboten ist, sollte auch in Linz nicht erlaubt sein. Ich erlaube mir, ein paar Beispiele zu zeigen, um auch der Bevölkerung zu zeigen, was die Linzer Stadtsenatsmitglieder mit ihrem Steuergeld machen. Das erste in Rot gehaltene Beispiel ist aus dem CITY! Magazin. Das ist ein sehr schönes Rot, es erinnert ein bisschen an das sozialdemokratische Rot und gefällt mir sehr gut. Hier steht ‚Linz. Wo Ideen durchstarten! Ob Tech, Industrie oder Kreativwirtschaft - hier entsteht Zukunft!‘ Das ist sicher richtig. Jetzt stellt sich die Frage, wieso nicht zum Beispiel die Tabakfabrik gezeigt wird oder ein Link zum Gründer*innenstipendium gesetzt wurde. Dafür ist ein wirklich sehr sympathisch wirkender Mann mittleren Alters abgebildet. Als Freund der differenzierten Sichtweise möchte ich ein zweites Beispiel zeigen. Wir haben hier ein Sujet, das ein Positivbeispiel ist, weil der Frauenpreis der Stadt Linz angekündigt wird. Die Bevölkerung wird informiert, wo man sich bewerben kann, wie er dotiert ist, welche Rahmenbedingungen, welche Ziele es gibt, und so weiter und so fort. Das ist genau das, was ein öffentliches Inserat machen sollte, nämlich eine relevante Zielgruppe über einen relevanten Sachverhalt zu informieren. In diesem Fall könnte man sich wiederum fragen, wieso genau dieses Bild abgebildet ist und nicht zum Beispiel die Preisträgerin des Vorjahres. Das wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Ich zeige Ihnen jetzt das dritte Beispiel, das sehr schön in blau gehalten ist und auch aus dem CITY! Magazin kommt. Blau ist eine schöne Farbe. In diesem Fall ist auch ein sehr sympathisch wirkender junger Mann abgebildet (Heiterkeit), der keine Krawatte und das Hemd locker, ein bisschen offen, trägt. Mir stellt sich aber die Frage, was uns dieses Inserat mit ‚Für eure Sicherheit!‘ eigentlich sagen soll. Falls mich jemand aufklären kann, was hier der sachliche Mehrwert für die Bevölkerung ist - gerne. Auch das vierte Beispiel ist sehr nett. Während sich in den anderen Beispielen nur ein kleines Bild im Eck befindet, ist dieses Inserat im Wesentlichen schon fast ein Porträt. Klein daneben befindet sich so etwas wie eine Sprechblase. Wir werden mit ‚Weihnachtszauber in Linz – Genuss trifft Handwerkskunst!‘ aufgeklärt. Falls ihr es noch nicht gewusst habt, jetzt wisst ihr es. Dieses Inserat ist ebenso im CITY! Magazin veröffentlicht worden. So wie ein*e Indianer*in die Spuren liest, lese ich sehr gerne das CITY! Magazin, denn da kommt man drauf, was in Linz und Oberösterreich los ist. Wenn man diesen Spuren folgt, weiß man, dass die CITY Media Zeitschriften GmbH der Oberösterreichischen Volkspartei gehört. Insofern wissen wir, dass hier eigentlich eine ‚Inseratenschaukel‘ passiert. Ich nenne das einfach einmal so. Dieser sehr freundlich wirkende Herr mittleren Alters (Heiterkeit) ist ja ÖVP-Politiker, der das Ressort des Marktwesens verantwortet. Er schaltet also in seiner Verantwortung mit öffentlichem Steuergeld in einem Medium - das wiederum der Partei gehört, in der er auch Mitglied ist - ein Inserat, um uns diese wichtige Nachricht mitzuteilen. Das, was die Linzer Bevölkerung mit diesem Inserat bekommt, wirkt auf mich eher wie persönliche Selbstdarstellung, denn informativer Mehrwert. Das passiert vor dem Hintergrund, dass wir einerseits politische Parteien und Klubs gut fördern. Durch diese Mittel gäbe es genug Gelder für die Förderung des eigenen politischen Personals. Andererseits gab es vor Kurzem eine Gebührenerhöhung bei den Märkten, die von den meisten hier im Gemeinderat beschlossen wurde. Da stellt sich mir schon die Frage, ob es wirklich Sinn und Zweck ist, dass wir immer wieder solche sehr mäßig informativen Inserate schalten und regelmäßig öffentliches Steuergeld dafür ausgeben. Ich verstehe nicht ganz, warum FPÖ und SPÖ bei dieser ‚Inseratenschaukel‘ mitmachen. Ich persönlich halte das für eine Grenzüberschreitung. Ich halte es für moralisch nicht vertretbar und finde es auch unfair gegenüber den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Mit nur einem Mandat in diesem Haus kann man leider dieser ‚Inseratenpraxis‘ den Hahn nicht abdrehen. Im Sinne einer sauberen Stadtdemokratie können wir aber ein sogenanntes ‚Kopfverbot‘ fordern, wie das auch im Bund, im Land und in Graz schon umgesetzt wird. Wir können das mittels einer Festlegung in den Leitlinien für die Öffentlichkeitsarbeit, durch den zuständigen Bürgermeister, umsetzen. Ich möchte an dieser Stelle auch noch betonen, dass dieser Antrag der Stadt Linz kein Geld kostet. Ich darf mich bei meinem Kollegen und Sitznachbarn Stefan Burgstaller für die Unterschrift bedanken. Ich bin schon gespannt auf die Diskussion.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: „Bürgermeister Dietmar Prammer wird beauftragt, analog zu den Regelungen in § 3a Abs. 4 MedKF-TG ein „Kopfverbot“ für Mitglieder des Stadtsenats in entgeltlichen Werbeleistungen mittels Festlegung in den Leitlinien für Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.“
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeister, die Stadt Linz hält sich an alle für sie gültigen gesetzlichen Normen, die die Information der Linzer Bürger betreffen. Dabei wollen wir es auch belassen. Daher wird sich unsere Fraktion bei diesem Antrag enthalten. Dankeschön.

Dankeschön, Clemens Brandstetter, wir haben dir die Unterschrift gegeben, weil wir das Thema sehr, sehr wichtig finden. Wir haben es in den vergangenen Jahren immer wieder auf den Tisch gebracht, immer wieder gefordert. Wir sind aber immer gegen eine Wand aus Schwarz, Rot und Blau gelaufen. Es ist kein Wille da, das zu verändern. Das ist eine ‚Schaukel‘, wie du bereits gesagt hast. Das Geld wird von der rechten in die linke Tasche gesteckt. Nicht nur im CITY! Magazin, sondern auch im ALLES LINZ Stadtmagazin, im Volksblatt, kommt und kam es durch die Bank immer wieder vor. Mit Steuergeld soll informiert und nicht inszeniert werden. Genau darum geht es. Niemand hat etwas davon, wenn eine bezahlte Einschaltung der Stadt das Gesicht eines Stadtsenatsmitglieds zeigt, obwohl es informativ völlig egal ist. Das macht die Information nicht besser, verständlicher oder nützlicher. Es erhöht nur die Sichtbarkeit der handelnden Personen. Genau das ist der Punkt. Öffentliche Mittel sind nicht dazu da, um politische Wiedererkennbarkeit aufzubauen. Dafür gibt es Parteien, Klubs und Wahlkämpfe. Wenn die Stadt etwas kommuniziert, soll der Inhalt im Vordergrund stehen und nicht die Person. Wir haben das Thema sicher schon sechs, sieben Mal aufgebracht. Es wurde immer wieder mit einer überwältigenden Mehrheit in diesem Haus abgelehnt. Genau deswegen stimmen wir dem Antrag zu und unterstützen so etwas immer wieder gerne. Dankeschön.

Vielen Dank Frau Vizebürgermeisterin, danke Clemens Brandstetter, danke Stefan Burgstaller, dass ihr den Antrag eingebracht habt. Wir haben diesen Aspekt bereits 2014 in einer Anfrage thematisiert. Ich finde schon, dass es hier um Chancengleichheit im politischen Wettbewerb geht, denn Stadtsenatsmitglieder sind sozusagen Regierungsmitglieder. Es gibt das Medientransparenzgesetz, weil der Gesetzgeber festgestellt hat, dass es unfair ist, wenn bestimmte Regierungsmitglieder aus Steuergeldern politische Werbung und Selbstdarstellung machen. Darum wurde das verboten. Du hast eindrucksvoll geschildert, Clemens, dass das in der Stadt Linz auch stark praktiziert wird. Noch dazu werden mit parteinahen Medien Geschäfte gemacht. Das gehört abgestellt und deshalb bitte ich um Annahme dieses Antrags.

Sehr geehrte Damen und Herren, es ist wieder einmal Zeit, das große Schweigen hier zu betonen. Zuerst möchte ich mich aber noch einmal für deine Unterstützung bedanken, lieber Stefan Burgstaller. Es geht darum, sachliche Information in den Vordergrund zu stellen, nicht politische Imagepflege. Lieber Michael Roth-Schmida, bei dir möchte ich mich auch bedanken und sagen, dass es sich nicht um Lappalien handelt. Das vorgezeigte Inserat kostet im CITY! Magazin, zumindest laut Listenpreis, 1.900 Euro. Was bedeutet das? Es gibt jemanden in der Kommunikationsabteilung, der dieses Foto gemacht hat. In diesem Fall sehe ich nicht wer, aber bei anderen Beispielen kann ich das gerne nachreichen. Es gibt also jemanden in der öffentlichen Verwaltung oder im Magistrat, der dieses Inserat bucht und dann eine Buchhaltung über diese 1.900 Euro Listenpreis macht. Das verursacht Aufwand für absolut keinen Mehrwert. Insofern danke, Michi, das ist keine Lappalie. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass die SPÖ meines Erachtens unverantwortlich handelt. Sie hätte alle Möglichkeiten, in dieser Thematik für eine gewisse Sauberkeit zu sorgen. Sie könnte ein bisschen vorangehen, im Sinne des Herrn Babler. Der hat bereits gesagt, dass man mit dieser Art von Inseraten-Korruption aufräumen sollte. Das wäre ein Punkt, wo wir in unserem Wirkungsbereich nachziehen könnten und das machen könnten, was in Graz, im Bund, im Land, zu Recht verboten ist. Aber ihr macht nichts. Liebe Grüne, ich bin nicht ganz sicher, wie ihr jetzt abstimmen werdet. Euer Salzburger Kollege hat letztens sehr eindrücklich argumentiert. Sigrid Maurer, die Klubvorsitzende der Grünen hat im Nationalrat einen Abänderungsantrag dahingehend eingebracht, dass auch Kammerpräsident*innen in diesem Kopfverbot inkludiert sein sollten. Wenn Kammerpräsident*innen, Bundesminister*innen, Landesrät*innen und Grazer Stadtsenatsmitglieder in dieses Verbot hineinkommen, dann hätte ich gerne eine Erklärung, wieso das nicht für Linzer Stadtsenatsmitglieder gelten sollte. Aber ich weiß noch nicht, wie ihr abstimmen werdet. Ich glaube dennoch, dass dieses Thema keine Mehrheit bekommt. Vielleicht macht man sich damit nicht nur Freunde. Ich denke aber, dass das im Sinne einer sauberen Stadtdemokratie manchmal wichtig ist. Dankeschön.

Abstimmungsergebnis

Beta
Ergebnis:abgelehnt· 57 von 61 anwesend

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (20), ÖVP (11), Die Grünen (9), FPÖ (8)

Einzelstimmen anzeigen (57)
Nicht anwesend · 4
Ute KlitschFPÖentschuldigt
Julia MandlmayrGRÜNEentschuldigt
Florian KopplerSPÖentschuldigt
Sarah StriglSPÖging 17:42