Friedenserklärung der Stadt Linz 2022
D 1 · Stadtsenatsantrag · 9. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz
Zusammenfassung
KI GeneriertBeschlossen wurde die Friedenserklärung der Stadt Linz 2022 als jährliches Bekenntnis zur Friedensstadt. Der Text würdigt zivilgesellschaftliches Engagement, die Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus und die städtische Klimastrategie mit Klimafonds, Klimaneutralität bis 2040, Stadtklimaanalyse und Anpassung an Extremwetter. Er verurteilt den Angriff Russlands auf die Ukraine, fordert Waffenstillstand, Rückzug der russischen Armee sowie Schutz und Gleichbehandlung von Flüchtenden. Außerdem thematisiert er die Folgen der Corona-Pandemie, die Ablehnung von NS-Verharmlosung, Antisemitismus und Rassismus sowie die Verantwortung der Stadt für ein friedliches Zusammenleben. Die Erklärung wurde mit Stimmenmehrheit angenommen; die FPÖ enthielt sich, Gemeinderat Brandstetter stimmte dagegen.
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Sehr geehrte Damen und Herren, werte Zuseher*innen am Live-Stream, erlauben Sie mir, dass ich kurz ein paar Worte zu diesem neuen Livezeitalter verliere, in das wir uns jetzt katapultiert haben. Nach jahrelangem Betonieren und Blockieren von Seiten der SPÖ, wird der Linzer Gemeinderat jetzt live gestreamt. Das freut uns sehr, weil damit eine der Forderungen, die wir in unserem Wahlprogramm gehabt haben, umgesetzt wird, zumindest zur Hälfte. Wieso nur zur Hälfte? Weil wir der Meinung sind, dass auch die Stadtratssitzungen live gestreamt werden sollten. Nun aber zur Friedenserklärung: Ich möchte meinen größten Respekt vor der Arbeit jener, die sich hier engagieren, aussprechen und finde es großartig, dass die Stadt Linz eine Friedensstadt ist. Mit dem Blick von jemanden, der diesen Prozess zur Erstellung der Friedenserklärung zum ersten Mal durchgemacht hat, erlaube ich mir aber zu fragen, ob er in seiner Form noch zeitgemäß ist. Gerade wenn etwas in der Sache gut ist und von guten Intentionen getragen wird, muss man manchmal über Dinge neu nachdenken und eine neue Form finden. Unser Abstimmungsverhalten leitet sich aber nicht aus der Form ab, sondern aus dem Inhalt. Angesichts der Erderhitzung und der zunehmenden Extremwettersituationen ist es eine zentrale Aufgabe der Stadt Linz und ihrer Bevölkerung sich gegenüber den klimatischen Notständen möglichst resilient zu machen. Dies bedeutet, sich unter anderem gegenüber Wasserknappheit, Extremwettersituationen, Ernteausfälle und Ausfälle in Versorgungsketten und einer generell zunehmend kriegerischen Welt zu wappnen. Wer ernsthaft für Frieden ist, muss das Klima an erste Stelle stellen. Wenn wir nur Symptombekämpfung betreiben und das Problem nicht an der Wurzel packen, werden wir als Menschheit mit existenziell bedrohlichen Szenarien zu tun bekommen. Auch wenn im Rahmen des Klimafonds, der Klimastabsstelle und der Klimawandelanpassungsstrategie erste Schritte in die richtige Richtung gemacht werden, passieren gerade in den klimapolitisch wichtigen und budgetstarken Bereichen der Verkehrspolitik und 552 der Baupolitik immer noch große schwerwiegende Fehler mit langwierigen Konsequenzen in dieser Stadt, etwa Millioneninvestitionen in veraltete Automobilinfrastrukturprojekte oder die Versiegelung von wertvollem Grünland, um nur zwei Bereiche zu nennen. Es ist ein moralischer Imperativ gegenüber den jungen Menschen und den zukünftigen Generationen, dass sich die Stadt Linz jetzt darauf fokussiert, alte Fehler bleiben zu lassen und mit voller Kraft beginnt, an einer resilienten und auch in Zukunft lebbaren Stadt zu arbeiten. Die vorliegende Erklärung im Bereich des Klimas tut so, als wäre Linz hier eine Musterstadt, das entspricht nicht der Realität. Aus diesem Grund werden wir diese Erklärung ablehnen. Danke schön.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, jedes Jahr beschließt der Linzer Gemeinderat die Friedenserklärung der Friedensinitiative Linz. Dies wurde in der Vergangenheit meist einstimmig gemacht. Um die Einstimmigkeit zu erzielen, haben wir öfter Kompromisse bei diversen Formulierungen akzeptiert, denn wenn auch die Friedens Erklärung nur einen deklarativen Charakter hat, ist es für uns Freiheitliche wichtig, den Frieden als höchstes menschliches Gut zu erklären. Umso bedauerlicher ist es, dass diesmal das beharrliche Festhalten der Initiatoren auf Punkt 8 der Friedenserklärung, in dem die Friedensinitiative der Stadt Linz und den Linzern strukturellen Rassismus unterstellt, geschehen ist. Wir verwehren uns entschlossen dagegen, der Stadt Linz, ihren Unternehmen und den Linzern pauschalen strukturellen Rassismus zu unterstellen. Zudem erwarten wir uns in der heutigen Gemeinderatssitzung auch, dass von anderen Parteien eine klare Absage zu diesem Vorwurf gemacht wird. Unser Versuch, die Friedensinitiative davon zu überzeugen, diesen Punkt zu streichen, führte leider zu keinem Erfolg. Den Linzern werden pauschal und ohne jegliche Grundlage schwere Vorwürfe gemacht und ich bediene mich hier der berühmten Aussage des amtierenden Bundespräsidenten: ‚So sind wir nicht.‘ Wir werden uns daher der Stimme enthalten.“},{
Meine sehr geehrten Damen und Herren, es tut mir sehr leid, dass diese Friedenserklärung den Gemeinderat diesmal offensichtlich nicht einstimmig passieren kann. Ich möchte die Argumente des Herrn Gemeinderat Brandstetter, der glaube ich, hier nicht sehr anlassbezogene einleitende Worte gefunden hat, zu dieser Friedenserklärung nicht weiter kommentieren. Gegenüber Herrn Gemeinderat Grabmayr, möchte ich aber eines schon ganz dezidiert klarstellen, niemand unterstellt in diesem Papier, dass wir in Linz eine rassistische Stadt seien. Es ist jedoch leider so, dass es auch in unserer Stadt rassistisch motivierte Gewalt und Untergriffe gegeben hat. Das ist auch den Verfassungsschutzberichten zu entnehmen und davor wollen wir als Menschen, die diese Stadt realistisch sehen, nicht die Augen verschließen und sprechen uns gegen solche Dinge aus. Das ist hier angesprochen und das ist auch richtig. Bei allen anderen bedanke ich mich für die Zustimmung.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der FPÖ-Fraktion (7) sowie der Gegenstimme von Gemeinderat Brandstetter, WANDEL, mit Stimmenmehrheit angenommen.