Technische Universität für Digitale Transformation; Zukunftsorientierte Weiterentwicklung des JKU-Campus – Bekenntnis zu einer uneingeschränkten Wissenschaftsfreiheit, zur Gleichbehandlung der Studierenden und zu vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten – Antrag und Resolution
D 1 · Ausschussantrag · 7. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz
Ausschuss:Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Verfassung
Ergebnis:angenommen
Zusammenfassung
KI GeneriertBeschlossen wurde ein Standort-Entwicklungskonzept für den JKU-Campus in Auhof, das die räumliche Weiterentwicklung des Universitätsstandorts gemeinsam mit Land Oberösterreich, Johannes-Kepler-Universität und Stadtplanung vorbereiten soll. Anlass ist die geplante Universität für Digitale Transformation, deren Ansiedlung als Chance für Linz gesehen wird, zugleich aber Fragen zur künftigen Flächennutzung und zu zusätzlichen Gebäuden, Instituten und Forschungskooperationen aufwirft. In der Resolution an den Bundesminister werden uneingeschränkte Wissenschaftsfreiheit, die Gleichbehandlung österreichischer und ausländischer Studierender sowie klare Regeln für Kooperationen mit anderen Universitäten eingefordert. Außerdem sollen nationale und internationale Kooperationsmöglichkeiten durch Letters of Intent abgesichert werden. Der Beschluss wurde mit Stimmenmehrheit angenommen; FPÖ, LinzPlus, ein weiterer Mandatar und WANDEL enthielten sich, die KPÖ stimmte dagegen.
AntragstextEinblendenAusblenden
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Wortmeldungen (8)EinblendenAusblenden
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, auf der Parlamentshomepage findet man knapp 50 Stellungnahmen zur Technischen Universität Linz. Wie bereits erwähnt, sind die – davor darf man die Augen nicht verschließen – für mich 320 zum großen Teil kritisch. Ich möchte aber dazu erwähnen, dass sich die Stellungnahmen in der Sache meistens auf das konkrete Gesetz, also die Organisation usw. beziehen und nicht auf das Projekt Technische Universität (TU) Linz konkret. Darum finden wir es als ÖVP-Fraktion richtig und wichtig, dass wir als Gemeinderat ein klares Bekenntnis zur TU Linz abgeben. Es gäbe wahnsinnig viele Städte in Österreich, wo man so eine Technische Universität errichten könnte, die ebenfalls attraktiv wären. Man hat sich für Linz entschieden und damit sind wir, aus unserer Sicht, in der Pflicht einerseits in der Sache des Bekenntnisses zur TU Linz und andererseits bezüglich des raumordnerischen Konzepts entsprechend voranzugehen. Wir möchten aber noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass zu den Stakeholdern die dazu gehören, - wenn es ein Raumordnungskonzept gibt - auch die Bevölkerung vor Ort dazu gehört. Ich bin selbst aus dem Stadtteil Auhof und orte eine massive Verunsicherung darüber, wie dieses Projekt TU Linz aufgezogen wird. Es braucht eine transparente Vorgehensweise, nicht wie beispielsweise beim Grundstück in der Mengerstraße, da hat man gesehen, wie es nicht geht und wir hoffen, dass das hier besser wird. Kurz zusammengefasst: Wir sehen, ähnlich wie der Tenor des Antrages auch, in der TU eine große Chance. Organisationsprobleme die es gibt, müssen rasch bereinigt werden. Da ist das Bundesministerium am Zug und wir sagen, geben wir dem Projekt eine Chance. Wir stimmen bei diesem Antrag gerne mit.
Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir glauben, dass der Antrag zwar das Problem erkennt, im besten Fall aber nur mildert. Wir sehen in der Grundkonstruktion eine große Kritik. Wir haben die Ausrichtung und die Organisation dieser Uni - die durch ein eigenes Gesetz bestimmt wird – immer als unwissenschaftlich und undemokratisch kritisiert. Für uns ergibt sich nämlich folgendes Bild: Die sogenannte TU Oberösterreich ist als Idee des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz im Zusammenspiel mit dem oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer geboren. Eigentlich spiegelt das geradezu vorbildhaft das System-Kurz wieder. Es wird völlig undemokratisch und intransparent viel Geld der Allgemeinheit hergenommen und für private Konzerninteressen – viel etwas Anderes ist nämlich diese Universität nicht – verwendet oder verschwendet. Wir haben den Vorschlag gemacht, dass man diese neue TU, wenn sie so kommt, gleich nach dem Initiator Sebastian-Kurz-Universität taufen könnte. Danke, wir stimmen natürlich dagegen.
Danke, sehr geehrter Herr Bürgermeister, ich habe im Ausschuss schon Stellung bezogen. Ich bin grundsätzlich für eine neue TU, allerdings halte ich sehr wenig davon, wenn diese TU sehr, sehr stark von der Industrie bestimmt wird. Das ist ein Weg, der in eine Einbahnstraße führt, in Richtung totalitäres System. Wir stimmen zu, aber unter der Einschränkung, dass nicht gedacht ist, dass es Stiftungsprofessoren und Stiftungsinstitute gibt, weil die Freiheit der Wissenschaft, wie es im ersten Punkt heißt, ein Recht auf uneingeschränkte Wissenschaftsfreiheit ist, die damit nicht gegeben ist, eindeutig nicht. Das halte ich für ganz, ganz wichtig, eine Universität braucht Freiheit in der Wissenschaft. Da geht es um Wissen schaffen, darum heißt es Wissenschaft und da haben private Institute, private Firmen usw. nichts verloren. Insofern stimme ich Kollegen Schmida zu, aber ich bin trotzdem dafür. Ich möchte aber eindeutig festhalten, dass das in einer Universität nicht sein darf. Wenn, dann macht man das in einer Fachhochschule, dort habe ich nichts dagegen. Danke.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, wir Freiheitliche halten die ganze Angelegenheit, seit sie vor nicht ganz einem Jahr in die Öffentlichkeit gekommen ist, aus politischen Gründen für etwas übereilt. Es sollte zuerst einmal eine klare Zielsetzung der Fachkreise geben, was man wirklich will. Wenn man die Meldungen und Stellungnahmen durchliest, zieht jeder für sich seine Vorteile aus einem Kessel Buntes. Wir möchten gerne, dass eine große Technische Universität nach Linz kommt, nur müssen zuerst die Formen und Inhalte klar definiert werden, bevor ein politisches Gremium, wie das unsere hier, seine Akzeptanz geben soll. Wir werden uns daher in dieser Frage der Stimme enthalten.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, grundsätzlich halten wir einen Vorstoß für richtig, wir stellen aber diese TU so massiv in Frage, dass wir diesem Vorstoß nicht zustimmen können. Wir freuen uns, dass diese Debatte vor zwei Wochen endlich losgegangen ist, weil sich die Kritiker, wie Sie gesagt haben, damit bisher zurückgehalten haben. Jetzt gibt es diese öffentliche Debatte endlich und leider, bestätigen uns alle Gespräche, die wir mit Experten und Expertinnen geführt haben darin, dass diese TU so wie sie jetzt geplant ist, nicht richtig ist. Wir sehen das als Altlast aus der Kurz-Ära und so gesehen, sollten wir uns dessen auch wieder entledigen. Das Ganze ist aus unserem Verständnis ein Wahlkampfprojekt für die Nationalratswahl 2024. Wir sollten, glaube ich, - da sehen wir weniger die Linzer Bürger sondern mehr die Bundesbürger - die bestehenden TU’s - es gibt einige, wie die Johannes-Kepler-Universität (JKU) - als solche auf ihrem gut eingeschlagenen Weg, stärken. Wir sollten jetzt nicht eine neue, sehr teure Struktur aufbauen, das klingt gut, aber es ist in Wirklichkeit nicht zielführend. Wir enthalten uns hier der Stimme.
Danke schön, die TU ist eine Chance für den Standort, das muss dem Bund und dem Land endlich klarwerden. Die Begutachtungen würden aber zeigen, dass das eine klassische Anlasspolitik im Hinterzimmer war, die bis heute intransparent bleibt und wesentliche ExpertInnen und Stakeholder bewusst ausgrenzt. Dabei bräuchte es eine transparente Einbindung einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit. Mit diesem provinziellen Getue gefährden die Bundesregierung und der Landeshauptmann den Erfolg des gesamten Projekts. Wir stimmen daher dem Antrag zu.
Wir werden uns hier der Stimme enthalten, aus ähnlichen Gründen wie Herr Schmida und Herr Potočnik geäußert haben. Ich denke, dass dieses Projekt insgesamt ein Grund zur Schande für die ÖVP ist. Ich glaube aber auch, dass die Resolution oder das Vorhaben von Seiten der Stadt grundsätzlich in seiner Intention nicht schlecht ist, wir enthalten uns aber trotzdem der Stimme.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich darf mich vorweg für die avisierten Zustimmungen bedanken. Ich habe nach wie vor, persönlich, wie politisch, Verständnis für ihre Ressentiments. Es dürfte tatsächlich einen politischen Hintergrund gegeben haben - aus meiner Sicht war der aber eher in der Landtagswahl zu sehen als in einer Nationalratswahl die erst in zwei Jahren stattfindet. Ich glaube, dass ich hier auch im Sinne der ÖVP spreche: Die Gefahr, dass es eine Sebastian-Kurz-Universität wird, scheint mir derzeit eher gering zu sein, sodass man gewisse Ängste eigentlich schon vorweg entkräften kann. Ich hoffe, dass das Projekt etwas wird, glaube aber, dass es noch einige ordentliche Klippen zu umfahren gibt, da teile ich die kritischen Positionen. Danke.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Fraktionen von FPÖ (6), LinzPlus (2) und Herrn Gemeinderat Brandstetter, WANDEL, sowie bei Gegenstimmen der KPÖ-Fraktion (2) mit Stimmenmehrheit angenommen.