Abschluss von Sponsoringverträgen mit dem Linzer Athletik Sport Klub und der Blau-Weiß Linz Sport GmbH; insgesamt 400.000 Euro
G 1 · Ausschussantrag · 36. Sitzung
Ausschuss:Ausschuss für Generationen, Soziales und Sport
Ergebnis:angenommen
Zusammenfassung
KI GeneriertBeschlossen wurde der Abschluss von Sponsoring- und Kooperationsvereinbarungen mit dem FC Blau-Weiß Linz und dem Linzer Athletik Sport Klub. Die Stadt Linz leistet dafür im Rechnungsjahr 2026 je 200.000 Euro, insgesamt maximal 400.000 Euro inklusive Umsatzsteuer. Begründet wird die Vereinbarung mit dem erwarteten Werbewert, der Medienpräsenz und der stärkeren Identifikation mit der lokalen Sportkultur; zugleich sollen die Vereine Mittel für Infrastruktur und Talentförderung einsetzen. Gegen die Höhe und die Ausrichtung der Mittel gab es Kritik wegen der budgetären Lage, der Bevorzugung des Profifußballs und offener Fragen zu Kriterien, Transparenz und Wirkung. Der Gemeinderat nahm die Finanzierung mehrheitlich an.
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Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin Fußballfan, gehe gerne ins Stadion und freue mich über die Renaissance der Linzer Fußballkultur. Für viele Menschen ist Fußball Teil ihrer Identität, ein Stück Alltag, Leidenschaft und Gemeinschaft. Trotzdem - um es mit Goethe zu sagen - ‚Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust‘. 50 Denn so sehr ich Fußball mag, so klar muss ich auch sagen, diese Überforderung des LASK und Blau-Weiß hat jegliches Maß und Ziel verloren. Der LASK und Blau-Weiß erhalten im österreichweiten Vergleich zu anderen Fußballvereinen mit Abstand am meisten Geld aus der öffentlichen Hand. Entweder direkt durch die Stadt oder das Land oder indirekt durch Unternehmen im Besitz der öffentlichen Hand. Das ist unfair gegenüber anderen Fußballvereinen, das ist aber vor allem unfair gegenüber anderen Sportarten und unfair gegenüber jenen Bevölkerungsteilen, die nicht so viel mit König Fußball anfangen können. Wir stimmen heute über 200.000 Euro pro Verein ab. Das klingt nach viel Geld, ist aber im Vergleich zu dem, was LASK und Blau-Weiß aus öffentlichen Unternehmen erhalten, schlicht Peanuts. Im Herbst des vergangenen Jahres hat das Magazin „Ballesterer“ unter dem Titel „Linzer Branchenführer“ detailliert offengelegt, wie üppig diese sogenannten „Sponsorings“ tatsächlich sind. Wer es noch genauer wissen will, kann die Geldflüsse auch bei der Kommunikationsbehörde Austria detailliert nachlesen. Beim LASK sind das zum Beispiel 1,7 Millionen Euro von der Energie AG, Direktzahlungen des Landes Oberösterreich, Beteiligungen von Landestourismus, Eurothermen, Wirtschaftsagentur, Flughafen Linz, Hypo Landesbank, Oberösterreichische Versicherung und nicht zuletzt der LINZ AG. Bei Blau-Weiß fließen ebenfalls erhebliche Mittel unter anderem von der LINZ AG und vom Flughafen. Die LINZ AG ist mit fast 3 Millionen Euro für Blau-Weiß und mehr als 900.000 Euro für den LASK der größte Einzelsponsor der Bundesliga. Da darf man sich schon fragen, wie das zusammenpasst, wenn die hohen Energiepreise insbesondere für einkommensschwächere Haushalte ein beträchtliches Problem sind. Wir wissen auch, dass nicht nur der laufende Betrieb, sondern auch die Stadien mit massiver öffentlicher Unterstützung errichtet wurden. Im Fall des Donauparkstadions ist das ein städtisches Stadion. Diese Vereine profitieren dadurch massiv. Wenn man all das zusammennimmt, dann ist diese Verausgabung öffentlicher Mittel für diese zwei Vereine in einer Dimension angelangt, die jedes Maß und jede Relation sprengt. Ich glaube, das kann man auch schwierig ernsthaft bestreiten. Nun wird von den Pressestellen in den betroffenen öffentlichen Unternehmen sinngemäß argumentiert, es handelt sich hier um marktübliche Sponsoringverträge mit entsprechendem Werbewert. Um es klar zu sagen, ich halte dieses Argument für Humbug. Der behauptete Werbewert steht in keiner Relation zu den Summen, die an diese Vereine fließen. Ein österreichweiter Vergleich zeigt klar, dass hier die mit Abstand höchsten Summen ausgegeben werden. Was wir sehen, ist keine Werbung, sondern eine politisch gesteuerte Dauerfinanzierung des laufenden Betriebs von zwei Profiklubs. Auch die Episode, über welche die Oberösterreichischen Nachrichten am 31. Oktober 2025 berichtet haben, spricht eine klare Sprache. Der Direktor des Flughafens hat laut einer vorliegenden Aktennotiz erklärt, dass er generell das Sponsoring aufgrund der aktuellen Finanzlage einstellen müsse. Es ging dabei laut Notiz um 467.000 Euro jährlich. Trotzdem wurde das sogenannte „Sponsoring“ fortgesetzt. Das, obwohl der Flughafen, wie wir wissen, in massiven finanziellen Turbulenzen ist. Alle, die so tun, als wäre das ein ganz normales Sponsoring, sollten meiner Ansicht nach hinterfragen, ob dies tatsächlich eine aufrichtige Behauptung ist. All jene, die politisch Verantwortung tragen, sollten den Anstand haben, diese Entscheidungen und die Verantwortungen nicht auf die Marketingabteilungen abzuschieben. Bekannt ist auch, dass sich laut einem Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten LASK-Chef Siegfried Gruber ein Monatsgehalt von 50.000 Euro auszahlt. Das ist eine Zahl, die ich nicht überprüfen kann, aber sie wurde auch nicht dementiert. Wenn man das mal 14 rechnet, ist man bei 700.000 Euro. Das wäre wesentlich mehr als der Bürgermeister verdient, mehr als der Bundeskanzler verdient. Es wäre im Vergleich in etwa so viel wie der Konzernchef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) verdient, der für 45.000 Mitarbeiter verantwortlich ist. Dass die ÖBB für das Funktionieren unserer Gesellschaft wesentlich wichtiger sind als der LASK, glaube ich, wird selbst der fanatischste LASK-Fan nicht bestreiten. Öffentliche Daseinsvorsorge muss primär der gesamten Bevölkerung dienen und ihre Kernaufgabe mit dem Anspruch der Exzellenz erfüllen. Ihre Marketingbudgets dürfen nicht als Vehikel für politische Imagepflege und private Profite missbraucht werden. Öffentliche Unternehmen sollten das tun, wofür sie da sind. Faire Preise, verlässliche Infrastruktur und gute Services für die Bevölkerung. Daher fordere ich einen Stopp dieser maßlosen Überforderung. Wir brauchen hier eine klare Kurskorrektur und eine Neuordnung der Prioritäten. Nicht, weil ich grundsätzlich gegen diese Form der strategischen Werbepartnerschaften bin, aber als Zeichen des kleinen Protests stimme ich heute an diesem Tag gegen diesen Antrag. Danke schön.
Danke, sehr geehrte Damen und Herren, unter dem Punkt L 1 wird eine Präsentation des Kontrollausschusses zum Rechnungsbericht 2024 gegeben. Der Kontrollamtsdirektor hat diesen Bericht als ‚katastrophal‘ benannt und befürchtet für 2025 ein noch schlechteres Ergebnis. Wenn man das Budget 2026 anschaut, dann ist es absolut katastrophal. Ich kann der Förderung von Blau-Weiß Linz und dem LASK dahingehend auch nichts abgewinnen, weil ich die Hauptbeweggründe, die genannt werden, für unbedeutend halte. Die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Stadt Linz wird durch einen LASK und durch Blau-Weiß Linz, die international keine Rolle spielen, aus meiner Sicht nicht gesteigert. Die wirtschaftlichen Vorteile einer Werbekooperation kann ich nicht beurteilen. Ich sehe aber in dieser keinen Nutzen. Die Investition in die Sportkultur von Linz würde ich sehr, sehr stark begrüßen, wenn diese auch die Basis und damit weite Teile der Bevölkerung einschließen würde und nicht auf 22 Fußballspieler mitsamt dem Verein beschränkt wäre. Diese Personen verdienen mehr im Monat als die meisten Arbeitnehmer im Jahr verdienen. Den gegenseitigen Nutzen 51 kann ich nicht erkennen, ich kann auch die transparente Partnerschaft nicht erkennen und schon gar keine Nachhaltigkeit. Ich glaube, dass es angesichts der Budgetsituation dringend angeraten ist diesen Antrag abzulehnen. Ich würde jeden hier herinnen im Gemeinderat bitten, ihn abzulehnen und Verantwortung für Linz zu übernehmen. Ich lehne auf jeden Fall ab.
Danke, sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Kolleginnen, LinzPlus als absolut unabhängige Bürgerliste lehnt diese Form der sogenannten Spitzensportförderung seit Jahren ab, auch seitdem sie als ‚Sponsoring‘ etikettiert wird. Unseres Erachtens geht es hier nicht um Gemeinwohl oder Breitensport, sondern um Klientelpolitik. 400.000 Euro Steuergeld für zwei privatwirtschaftlich geführte und gewinnorientierte Linzer Fußballklubs mit ein paar tausend Fans. Abgesehen davon stellen sich in Bezug auf das vermeintliche Sponsoring für uns sehr viele Fragen: Warum erhalten beide, doch sehr unterschiedliche Unternehmen, genau gleich viel, nämlich 200.000 Euro? Wie steht die Summe im Verhältnis zu deren Bilanzen? Nach welchen Kriterien werden diese Gelder vergeben? Nach Mitgliederzahl, nach Zuschauerzahl, nach Reichweite, nach Sichtkontakten? Warum sind all diese Entscheidungsgrundlagen nicht öffentlich einsehbar? Was erwartet man von diesem Sponsoring und wie wird der Erfolg des Sponsorings gemessen, also anschließend evaluiert? Im Antrag wird zwar von einer Steigerung des Bekanntheitsgrads der Stadt Linz gesprochen, doch in welcher Art, bei welcher Zielgruppe und mit welchem konkreten Ziel oder auch Ergebnis? Wie steht dieses Sponsoring in Bezug zu anderen erfolgreichen Sportvereinen, zum Beispiel den Steelvolleys Linz Steg? Sie, Herr Bürgermeister, haben beim Neujahrsempfang richtig gesagt, dass diese eigentlich der erfolgreichste Linzer Sportexport sind. Bekommen die dieses Geld dann auch? Bestätigt fühlen wir uns in unserer Kritik leider auch durch die zuletzt öffentlich gewordenen Missstände im Frauenfußball beim LASK. Der Artikel im ‚Profil‘ zeigt auf, dass Strukturen im Profifußball vielfach weder fair noch gesundheits- oder gleichstellungspolitisch verantwortbar sind und möglicherweise Spielerinnen in der Frauenmannschaft des LASK wiederholt und über längere Zeit nicht einmal medizinisch korrekt behandelt wurden. Also bevor wir weiter nur einen einzigen Euro Steuergeld hier reinfließen lassen, muss die Stadt Linz als Fördergeberin die Sache einmal untersuchen. Wir haben ganz hohe Standards. Förderungen und insbesondere das Sponsoring dürfen nur an einwandfreie Unternehmen gehen. Wenn das nicht gewährleistet ist, ist die Förderung auszusetzen. Unbedingt zu berücksichtigen sind dabei auch die Stellungnahmen der österreichischen Gebietskrankenkasse, des Amtes für Betrugsbekämpfung und des Finanzamts, bei denen die Spielergewerkschaft Vereinigung der Fußballer (VdF) Meldung erstattet hat. Das bekannt gewordene Verhalten des LASK passt nicht zu den Zielen der Stadt Linz. Wer hier mitstimmt, unterstützt und legitimiert Missstände, die wir ablehnen. Wir erwarten uns hier hohes Bewusstsein und auch Selbstbewusstsein als Stadt, weil wir bei Förderungen vorbildhaft agieren müssen. Abgesehen davon, das hat Herr Obermayr erwähnt, steht 52 uns finanziell das Wasser bis zum Hals. Diese Fußballförderung ist ganz sicher keine Kernaufgabe der Stadt Linz. Jetzt habe ich persönlich eine Verständnisfrage. Sollten die Grünen und Sie, Frau Schobesberger, als Frauenreferentin und Stadtregierungsmitglied, heute mitstimmen, verstehe ich das nicht. Sie müssten eigentlich ein Veto einlegen aus Solidarität mit den Sportlerinnen, die dort schlecht behandelt werden und Missstände aufdecken, was sehr mutig ist. Da erwartet man, dass auch die Grünen hier ablehnen. Wir lehnen diesen Antrag auf jeden Fall sehr strikt ab.
Vielen herzlichen Dank, in Linz muss man schon sehr mutig sein, den Fußball nicht fördern zu wollen, gerade auch im Gemeinderat, dem Linzer Mikrohabitat zwischen Blau und Weiß und Schwarz und Weiß. Mein Schal ist ja heute Blau-Grau, daher kein Statement. Aber wir sind nicht so mutig und ich halte es auch nicht für klug. Fußball gehört gefördert, weil er Identität stiftet und sehr wohl Reichweite hat. Die 400.000 Euro sind sehr leicht zu begründen mit einem Medienwert, das kann man leicht berechnen. Fußball erreicht viele Menschen. Trotzdem ist es nicht richtig, einfach 400.000 Euro durchzuwinken, ohne kritisch hinzusehen. Das ist viel Geld, gerade in einer Stadt, in der wir an vielen Stellen um jeden Euro ringen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass beide Vereine auch verpflichtet sind, den Frauenfußball aktiv zu fördern. Auch das ist wichtig bei dieser Förderung. Über die Höhe müssen wir reden. Diese Förderung muss daher im nächsten Budgetprozess wie alle Förderungen sauber evaluiert werden, ohne Denkverbote, weder beim LASK noch bei Blau-Weiß Linz. Wir stimmen dem Antrag unter dieser Prämisse zu.
Kurz zur Wortmeldung von Gemeinderat Brandstätter: Ja, dass diese beiden Vereine auch ein Sponsoring durch diverse Unternehmen haben, ist logisch, weil es sich um die beiden Fußball-Bundesligisten handelt und die natürlich einen entsprechenden Werbewert haben. Es wäre für beide Vereine wahrscheinlich gar nicht möglich, zu bestehen, wenn es kein Sponsoring von anderen Unternehmen gäbe. Wir liegen, wie Sie richtig gesagt haben, mit unserer Summe weit dahinter, was völlig klar ist. Weil es heißt, nur König Fußball wird gesponsert – das ist natürlich nicht so. Wir haben natürlich auch Sponsoringvereinbarungen mit anderen Linzer Vereinen, die nicht im Fußball tätig sind, weil diese auch angesprochen wurden. Wir haben die Steelvolleys, wir haben eine Vereinbarung mit dem HC Linz AG, mit den Steinbach Black Wings, mit dem Verein LINZ AG Froschberg – Tischtennis und noch mit einigen anderen. Es geht heute um diese beiden Fußballvereine. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass natürlich andere Sportarten auch bei uns einen wichtigen Stellenwert haben und wir sie natürlich auch entsprechend unterstützen. Das ist für uns völlig klar. Warum sich unterschiedliche Beträge ergeben, liegt natürlich an unterschiedlichen Kriterien, die ich auch sehr gerne näher in einem Sportausschuss ausführen kann, weil hier nicht die Zeit reicht, aber es richtet sich natürlich auch nach dem, wie weit sie aufsteigen 53 - nicht nur, aber auch. Denn natürlich sind mit dem Aufstieg in eine höhere Liga im Regelfall auch höhere Ausgaben verbunden, die in irgendeiner Form abgedeckt werden müssen. Zur Sache mit den LASK-Frauen: Hier ist es so, dass wir selbstverständlich hinsehen. Wir sind mit allen Vereinen, mit denen wir in einer Förder- oder Sponsoringbeziehung stehen, in einem engen Austausch und fragen selbstverständlich nach, wenn solche Dinge passieren und verfolgen genau, wie repliziert wird. Im Fall der LASK-Frauen war es so, dass sich der LASK sehr klar positioniert und auch dargelegt hat, dass der Verein, wie im Übrigen die meisten Profivereine, über eine eigene medizinische Einheit verfügt, die solche Dinge ganz genau abklärt und auch entsprechend mit den Spielerinnen bespricht. Warum es in diesem Fall zu Widersprüchen gekommen ist oder zu Problemen, kann ich natürlich nicht im Genauen sagen. Klar ist auch, dass man nach dieser Stellungnahme nichts mehr gehört hat. Ich sage jetzt einmal, wenn das ein Massenphänomen gewesen wäre, wäre das wahrscheinlich nicht der Fall gewesen. Zum Abschluss kann ich sagen, dass wir selbstverständlich unsere Förderrichtlinien evaluieren. Wir sind sogar dabei, das gerade durchzuführen. Wir sehen sie uns genauer an und schauen natürlich auf Transparenz. Auch darauf, dass sie immer auf einem aktuellen Stand bleiben, damit wir wirklich die Dinge fördern, die uns wichtig sind. Das sind natürlich vor allem der Nachwuchs, der Frauensport und andere Dinge, für die wir als Stadt Linz stehen. Herzlichen Dank.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird mehrheitlich angenommen. Gegenstimme: ehem. MFG (2), LinzPlus (2), Gemeinderat Brandstetter