Schadensersatz Autobahnkreuz A26 - Ziegelei-Waldeggstraße

N 10 · Fraktionsantrag · 34. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

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Gefordert wird eine monetäre Bewertung des durch die A26 im Bereich Bergschlösslpark und Ziegeleipark verursachten Schadens an Bäumen, Boden und stadtklimatischer Kühlleistung. Begründet wird dies mit der Fällung von rund 240 Bäumen, dem Verlust von gewachsenem Boden, der Versiegelung sowie den langfristigen Folgen für Hitzeentwicklung, Grundwasser und Lebensqualität in den angrenzenden Stadtvierteln. Der Schaden wird anhand mehrerer Rechenbeispiele und Vergleichswerte aus der Stadtbaum- und Bodenbewertung auf eine Größenordnung von mehreren Millionen bis knapp 100 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt soll dafür ein geeignetes externes Forschungsinstitut beauftragen und auf dieser Grundlage Schadensersatz von der ASFINAG anstreben. Der Gemeinderat lehnte das Vorhaben mehrheitlich ab.

Schlagwörter (10):a26bergschlösslparkziegeleiparkbaumfällungstadtklimaversiegelungschadensersatzasfinagbodenverlustkühlleistung
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Berichterstattung Gemeinderat Potocnik „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Linzer*innen, liebe Kolleg*innen, die vergangene Woche war eine Holzfällerwoche. Eine Woche, die unser Stadtklima und unsere Bemühungen, Linz zu kühlen und lebenswerter zu machen, um viele Jahre zurückgeworfen hat. Denn für das Autobahnkreuz bei der Waldeggstraße wurden rund 240 Bäume gefällt, davon eine große Anzahl an echten Baumriesen, mehr als 100 Jahre alte Prachtexemplare, die praktisch nicht zu ersetzen sind. Dieses Stück Holz, das ich Ihnen präsentieren möchte, ist von so einem Prachtexemplar, von einer Buche aus dem Bergschlösslpark, die mehr als 100 Jahre alt ist. Ich glaube, das erkennt man am Ausmaß und an der Form. Diese Buche war eine Hochleistungsmaschine, eine natürliche Klimaanlage mit enormem Wert. Um denen, die sich das Massaker nicht selbst vor Ort angeschaut haben, ein Gefühl zu geben, habe ich dieses große Holzstück, das ich dort gefunden habe und gerade noch heben konnte, heute mitgebracht. Abgesehen von der starken Emotion, die mit der Zerstörung von so viel Natur einhergeht, habe ich mir bereits vor Monaten vorgenommen, den drohenden und nun tatsächlich erfolgten Schaden durch die rund 40.000 Quadratmeter große Autobahnkreuzung zu bemessen und entsprechenden Schadensersatz für Linz von der Verursacherin - der ASFI-NAG - zu fordern. Aktuell gibt es keinen Schadensersatz, im Gegenteil. Linz zahlt doppelt: Einmal monetär, das sind am Ende wohl rund 60 Millionen Euro wegen der ungedeckelten fünf Prozent. Und mit dem enormen stadtökologischen Schaden, dem offenbar niemand ernsthaft nachgeht, diesen berechnet oder entsprechend Ersatz einfordert. Es geht darum, dass es keine Schadensbemessung und keinen Schadensersatz gibt, der lokal und für die Stadt Linz wirksam wäre. Denn Nachpflanzungen in zehn Jahren oder ‚Ausgleichsmaßnahmen‘ am Stadtrand, im Umland oder irgendwo in Oberösterreich können den Schaden ökologisch, stadtklimatisch und gesellschaftlich nicht im geringsten ausgleichen. Ich kürze den Erläuterungstext jetzt stark ab, weil ich nicht alles bis ins Detail mündlich erklären will. Ich bitte deshalb aber darum, auch den gesamten Erklärungstext mit Grafiken, nicht nur den Beschlusstext, ins Protokoll zu übernehmen. Der enorme Schaden dieser Autobahnkreuzung mitten in der Stadt entsteht durch: - Verlust von gewachsenem, gesundem Boden - Versiegelung, neue Hitzeinsel - Verlust von Kühlleistung - Verlust von großen Bäumen - beschädigter Grundwasserspiegel durch Tunnelbau (führt zu einem langsamen Tod vieler nicht sofort betroffener Bäume) - Verlust von Zeit in Zusammenhang mit stadtklimatischer Wirkung (lange nicht wirksame Jungbäume, die erst nach Fertigstellung gepflanzt werden können) - 10 Jahre Baustelle Eine monetäre Bewertung dieser Schäden ist nur annähernd und schätzungsweise möglich, aber unbedingt notwendig, um entsprechenden Schadensersatz durch die Verursacherin, die ASFINAG, zu erreichen. A) Annäherung an die Schäden durch Rechenbeispiele und Bewertungssysteme 1) Kosten-Nutzen-Analyse von Straßenbäumen Ein Factsheet zu einer Kosten-Nutzen-Analyse von Straßenbäumen in Bremen aus dem Jahr 2020 bewertet den monetären Nutzen von 1.400 neuen Straßenbäumen bis 2050 mit bis zu 107 Millionen Euro. Dies ergibt sich durch ihre positive Wirkung auf den Lebensraum, vermiedene Schäden durch den Klimawandel und vermiedene Gesundheitsschäden. Nach dieser Bewertung hat jeder 30-40 Jahre alter Baum mit gutem Boden einen Wert von 76 500 Euro. Demnach haben die 240 Bäume, die durch das Autobahnkreuz fallen, einen monetären Nutzen in Millionenhöhe, nämlich 18.360.000 Euro. 2) Ulrich Schuster, Landschaftsarchitekt aus Stuttgart (Plankontor Sl), hat die Leistung eines Baumes im Zuge einer Projektplanung für Schwäbisch Gmünd im Jahr 2022 folgend berechnet: 3. Rechnerische Leistungen eines Baumes: Die Redaktion der Taspo-Baumzeitung hat im Jahr 2007 eine Berechnung des Baumwertes veröffentlicht. Den Leistungen eines Baumes wird anhand einer detaillierten Aufstellung ein monetärer Wert zugeordnet, der einen volkswirtschaftlichen Wert wie folgt erbringt: Schattenspender: 40 Euro Förderung von Bodenlebewesen: 25 Euro Symbiose mit anderen Lebewesen: 25 Euro Aufenthaltsort für Menschen: 25 Euro Eventuell essbare Früchte: 15 Euro Filterung von Staub: 10 Euro Schaffung von Lebensraum: 10 Euro Windschutz: 5 Euro Organisches Material: 3 Euro Holzwertzuwachs: 1,50 Euro Bereitstellung von Sauerstoff: 500 Euro Summe volkswirtschaftlicher Wert / Baum/ Jahr: 659,50 Euro Vorausgesetzt, dass jeder der 240 der A26 zum Opfer fallenden Bäume im Schnitt 50 Jahre alt ist, ist ihr Wert 7.920.000 Euro. Dieser Wert beinhaltet „nur“ den Bestand und nicht die Zukunft. In Anbetracht des aktuell noch ausgezeichneten, gewachsenen Bodens steht all diesen Bäumen noch ein gesundes Wachstum bevor. Diese Zukunft mit 50 Baumjahren pro Baum miteingerechnet ergibt eine Summe von 15.840.000 Euro. 3) In derselben Bewertung hat Ulrich Schuster auch die Kühlleistung eines Baumes monetarisiert. Die wesentlich wirksamen Leistungen eines Stadtbaumes sind Kühlung, Frischluftproduktion und Wasserspeicherung. An den Spaltöffnungen der Blätter verdunstet durch Photosynthese Wasser, was zur Folge hat, dass der Umgebung Wärme entzogen wird. Dadurch entsteht innerhalb der Baumkrone ein Kühleffekt. Da kühle Luft schwerer ist, sinkt diese ab und bewirkt unter dem Baum eine Abkühlung. Die Kühlwirkung von Bäumen ist in der „Fachplanung Hitzeminderung“, publiziert 2020 von der Stadt Zürich, mit mehreren Simulationsberechnungen nachgewiesen. Die deutlichste Kühlleistung von maximal 8,7°C entstand dabei bei Bäumen, die in Rasenflächen stehen. Da die Bäume mit zunehmendem Alter größer werden und damit auch der Kronenumfang zunimmt, nehmen auch die jährlichen Leistungen hinsichtlich Kühlung, Frischluftproduktion und Wasserspeicherung zu. Daraus lässt sich ein monetärer Wert ableiten. Ende 2019 konnte im Forschungsprojekt „Klimaerlebnis Würzburg: Das Projekt" die Jahreskühlleistung eines jungen Baumes und die Jahreskühlleistung eines ausgewachsenen Baumes abgerufen werden. In 30 Jahren Baumwachstum erhöht sich dabei die jährliche Kühlleistung um 1.230 Kilowattstunden (kWh). Werden diese Kühlleistungen miteinander verglichen, ergibt sich folgende Aufstellung: Baum | Leistung/Jahr in kWh | Kosten/kWh | Wertleistung/Jahr 20 Jahre | 12.000 kWh | 0,323 € | 3.876 € 50 Jahre | 48.900 kWh | 0,323 € | 15.794,70 € 80 Jahre | 85.800 kWh | 0,323 € | 27.713,40 € Bei einem Baum mit einer Lebenserwartung von 80 Jahren wären dies: ... Nach dieser Bewertung haben die 240 Bäume eine jährliche Kühlleistung von 11.736.000 kWh. Das entspricht einem monetären Wert - wieder pro Jahr - von 3.790.560 Euro. Durch die Fällung, den Zeitverlust der zehnjährigen Baustelle und die lange stadtklimatisch fast wirkungslose Zeit der Nachpflanzungen ergeben sich mehrere Jahrzehnte des Verlusts von Kühlleistung. Bei 20 Jahren Verlust von Kühlleistung eines fünfzigjährigen Baumes entsteht ein Wert von 75.811.200 Euro. Dieser Wert wird noch deutlich höher, wenn die verlorene Kühlleistung der großen und älter werdenden Bestandsbäume beziehungsweise die neue Hitzeinsel/Versiegelung gewertet wird. 4) Bäume nach dem Schwammstadtprinzip Jährlich gibt Linz viel Geld aus, um neue Bäume im öffentlichen Raum zu pflanzen. Pro Stück kann für die Pflanzung eines Baumes nach dem „Schwammstadtprinzip“ mittlerweile zwischen 20.000 bis 30.000 Euro gerechnet werden. Dabei kosten der Baum und die Pflanzung selbst nur einen Bruchteil. Der größte Teil - circa 90 Prozent - geht auf den Untergrund, sprich die Aufbereitung des Bodens als „Schwammstadt", der es einem Baum in einer Straße überhaupt ermöglicht über Jahrzehnte zu wachsen und eine Lebenserwartung zu erreichen, die den Baum ab 20, besser 50 und mehr Jahren stadtklimatisch wirksam machen. Hier vernichten wir wertvolle Bäume und Böden, ein stadtklimatisch wirksamer Ersatz muss also voraussichtlich in schwierigem Umfeld erfolgen. Das ist entsprechend teuer. Nach diesen Überlegungen und städtischen Erfahrungen mit dem Schwammstadtprinzip ist daher mit hohen Kosten für angemessene Ersatzpflanzungen im lokalen Umfeld (Straßenraum) zu rechnen. 240 Bäume nach diesem Prinzip, zum Beispiel im Stockhofviertel, am Froschberg oder dem Bahnhofsviertel zu pflanzen erfordert rund 7.200.000 Euro. 5) Bodenverlust im städtischen Kontext: Das Autobahnkreuz nimmt rund 40.000 Quadratmeter Fläche in Anspruch. Im Vergleich zur Ist-Situation wird ein großer Teil der Fläche durch neue Straßen und technische Bauten versiegelt und untertunnelt. Insgesamt gehen so rund 24.000 Quadratmeter Boden (das ist so groß wie die Grünflächen des Volksgartens!) entweder komplett verloren oder verlieren ihren ökologischen, stadtklimatischen Wert, da die Überdeckung, der Untergrund beziehungsweise der abgesenkte Grundwasserspiegel ein gesundes Wachstum von großen, kühlenden Bäumen nicht mehr ermöglicht. Im Bergschlösslpark gehen rund 11.000 Quadratmeter, im Ziegeleipark rund 13.000 Quadratmeter gesunder Boden verloren. Dieser Verlust von wertvollem Boden und Ökosystemleistung im städtischen Kontext erzeugt langfristige Kosten, zum Beispiel durch Biodiversität, Verlust lokaler Kühlung, neue Hitzeinseln oder Versickerungsverluste und dadurch erhöhte Infrastrukturkosten. Die Kosten dafür variieren stark je nach Bei der Annahme von 300 Euro pro Quadratmeter entstehen daher Kosten in Höhe von 7.200.000 Euro. Quelle: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352009424001019?via%3Dihub B) Schaden in Millionenhöhe In Summe entsteht durch diese Autobahnkreuzung mitten in der Stadt enormer Schaden am gewachsenen und gesunden Boden, an großen Bäumen und durch Verlust von Kühlleistung. Monetär bewertet beläuft sich der unmittelbare Schaden für die Linzer*innen, die umliegenden Stadtviertel und die Öffentlichkeit daher auf 7.920.000 Euro Baumverlust 7.200.000 Euro Bodenverlust 15.120.000 Euro Durch den Verlust von Baum und Bodensubstanz in Hinblick auf die nächsten Jahrzehnte sollte dieser Schaden für die Linzer*innen, die umliegenden Stadtviertel und die Öffentlichkeit aber sogar mit 15.840.000 Euro Baumverlust 75.811.200 Euro Verlust Kühlleistung 7.200.000 Euro Bodenverlust 98.851.200 Euro beziffert werden. C) Angemessener Schadenersatz für die Linzer*innen Das bedeutet, dass die Stadt bei Vertragsunterzeichnung (der nicht gedeckelten fünfprozentigen Kostenbeteiligung) sehr schlecht verhandelt hat und sich entweder des ökologischen und stadtklimatischen Schadens nicht bewusst war oder diesen enormen Schaden bewusst ignoriert hat. Doch wir schreiben das Jahr 2025: Linz will Klimahauptstadt werden, gibt viel Geld für Strategien und Klimamaßnahmen aus, will bis 2040 sogar klimaneutral werden. Es gibt neue Erkenntnisse und ein neues Bewusstsein. Daher ist eine ökologische und monetäre Bewertung des Schadens, den die A26 und insbesondere die Autobahnkreuzung im Bereich Ziegeleipark und Bergschlösslpark verursacht, dringend notwendig. Nur so kann es einen Schadensersatz und eine echte Kompensation geben, die für die Linzer*innen, die angrenzenden Stadtviertel und die Allgemeinheit relevant, wirksam und spürbar ist. Genau das strebt dieser Antrag an. Zuerst soll durch ein befähigtes, externes Forschungsinstitut aus dem deutschen Sprachraum eine monetäre Schadenserhebung erfolgen. Diese dient dann dazu, entsprechenden Schadensersatz durch die Verursacherin, die ASFINAG, zu schaffen. So könnten mit einer adäquaten Schadenssumme im weiteren Umfeld ganz konkret neue Parks auf angekauften Grundstücken errichtet oder neue Bäume nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt werden. Übersichtslageplan der Autobahnkreuzung, Tunnelein- und -ausfahrten, Tunneltrassen sowie Straßenverlegungen im Bereich Ziegeleipark und Bergschlösslpark. Quelle ASFINAG: https://asfinagv8.azureedge.net/media/p2pnw3hl/201209_uebersichtslageplan_k.pdf https://media.asfinag.at/media/p2pnw3hl/201209_uebersichtslageplan_k.pdf Weitere Links: PLUS-Blog März 2021: https://www.linzplus.at/post/volkswirtschaftliche-bewertung-großer-bäume PLUS-Blog Juni 2023: https://www.linzplus.at/post/was-ist-ein-stadtbaum-wert Wissenschaftler berechnen Kühlleistung eines Baumes: https://www.br.de/nachrichten/wissen/klimawandel-bringt-mehr-hitze-die-stadt-braucht-mehr-baeume,UPOPKW8 Ich bitte hier um Zustimmung. Und ich bitte jene, die sich das noch nicht angeschaut haben, das zu tun, denn in ein paar Monaten wird man die Baumstümpfe nicht mehr sehen. Es ist ein Desaster.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Bürgermeister möge sich gemeinsam mit dem gesamten Stadtsenat dafür einsetzen, dass der durch die A26 im Bereich des Bergschlösslparks und Ziegeleiparks entstandene Schaden durch ein geeignetes und externes Forschungsinstitut monetär bewertet wird. Weiters möge sich der Bürgermeister - ebenfalls gemeinsam mit dem Stadtsenat - dafür einsetzen, dass diese Schadensbewertung zu einem angemessenen (den Erkenntnissen der Linzer Stadtklimaforschung, sowie dem Ziel der Klimaneutralität entsprechend) Schadensersatz durch die ASFINAG führt. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Wenn man jetzt in die Ziegeleistraße, in den Bergschlösslpark oder in den Kudlichpark geht, dann ist das tatsächlich ein Desaster. Es ist unglaublich arg und man möchte weinen, wenn man sieht, was innerhalb von einer Woche passiert ist. Ich fasse das noch einmal zusammen. Es sind jetzt rund 240 Bäume gefällt worden, was bei Weitem nicht alle Bäume sind, die gefällt worden sind. Das sind nur die, von denen wir wissen, weil die Stadt die Pflege dieser Bäume innegehabt hat. Mittlerweile gehören diese Grundstücke großteils der ASFINAG, beziehungsweise wurde dieser ein Verfügungsrecht über diese Grundstücke eingeräumt. Damit wir das noch einmal zusammenfassen, beschlossen haben das SPÖ, ÖVP und FPÖ gemeinsam. Das ist der Grund, warum es jetzt möglich ist, dass die ASFINAG diese Bäume einfach für eine Autobahn fällt, die durch die Stadt geht und die Stadt ein Stück weit zerstört. Sie schneidet den einen Stadtteil vom anderen Stadtteil komplett ab. Man kann sich das auch auf den Renderings der ASFINAG anschauen. Die sind natürlich schön gezeichnet. Da sind alle Bäume, die jetzt gefällt worden sind, noch drinnen und weitergewachsen, als wenn nichts wäre. Trotzdem sieht man, wie zerstörerisch dieses Projekt ist. Der totale Wahnsinn - der Gipfel der Unvernunft - ist aus meiner Sicht, dass die Stadt nicht aufschreit und sich gegen dieses Projekt wehrt, sondern die Grundstücke erstens zur Verfügung stellt und zu dieser Autobahn zweitens auch noch etwas dazuzahlt. Selbst wenn man glaubt, dass diese Autobahn gescheit ist - was ich nicht tue und was, glaube ich, mittlerweile die meisten Menschen nicht tun - ist eines auch klar: Wenn der Tunnel gebaut ist, stehen die Autos vor dem Tunnel Bindermichl, der jetzt schon überfüllt ist, und kommen halt auf diesem Weg in die Stadt rein. Das wird genau gar nichts bringen und kein Problem lösen. Es macht nur die Stadt kaputt, es wird lauter, die Luft wird schlechter und die Belastung für die Menschen wird größer. Auf dem Weg dorthin sind noch wertvolle Bäume umgeschnitten und unwiederbringlicher Grünraum zerstört worden. Und wir zahlen da auch noch mit. 70 Millionen Euro zahlt die Stadt Linz in den nächsten Jahren für Autobahnprojekte, die unsere Stadt kaputtmachen. Das ist doch der Gipfel der Unvernunft. Wie gesagt, selbst wenn man glaubt, dass das gescheit ist, sind wir nicht dafür zuständig. Für den Bau von Autobahnen ist nicht die Stadt zuständig, sondern der Bund. Wir übernehmen für eine Autobahn - die unsere Stadt ruiniert - Kosten, die der Bund zu tragen hätte. Es kann doch nicht sein, dass man angesichts von Spardruck immer noch solche Sachen macht. Wir werden diesem Antrag zustimmen, weil ich den Ansatz grundsätzlich interessant finde. Ich glaube aber nicht, dass es rechtlich besonders vielversprechend ist, dass man jetzt von denen, die zuerst der ASFINAG die Grundstücke verkauft und zur Verfügung gestellt haben, verlangt, die ASFINAG auf Schadensersatz zu verklagen, da diese auf mittlerweile eigenen Grundstücken Bäume gefällt hat. Aber den Ansatz, dass man auch monetär bewertet, wie hoch der dort tatsächlich entstandene Schaden ist, halte ich schon für sehr vielversprechend. Doch die Ersteinschätzung der Klimatologie wissen wir mittlerweile, dass es durch das Fällen dieser Bäume und durch das zusätzliche Versiegeln von Boden zu einer deutlichen Erwärmung kommen wird, die wir bis ins Volksgartenviertel spüren werden. Wir nehmen auf der einen Seite wirklich viel Geld in die Hand und es ist viel Arbeit und viel Hirnschmalz erforderlich, damit wir die Auswirkungen der Klimakrise in den Griff bekommen und wieder verbessern. Auf der anderen Seite lassen wir solche Projekte nicht nur zu, sondern finanzieren auch noch mit. Das ist wirklich verrückt. Ich finde, man sollte alles unternehmen, um dem Einhalt zu gebieten. Dankeschön.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Kolleginnen und Kollegen, ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, um im Namen der KPÖ-Fraktion noch einmal deutlich auszuschließen, was vergangene Woche in Linz passiert ist. Es fällt mittlerweile schwer, dafür noch passende Worte zu finden, so offensichtlich falsch, so zerstörerisch und so aus der Zeit gefallen ist dieses Autobahnprojekt. Es ist auch evident, welche massiven Schäden die A26 für unsere Stadt mit sich bringen wird. Danke Lorenz Potocnik für die Nachberechnungen und die Betrachtungen. Nach der Donautalbrücke haben wir mit den Rodungen dieser Bäume erneut einen Vorgeschmack darauf bekommen. Ich möchte betonen, dass wir uns als KPÖ Linz bewusst solidarisch mit den Aktivistinnen und Aktivisten erklären, die vor Ort Zivilcourage geleistet und gezeigt haben, und sich dieser Unvernunft entgegengestellt haben. Ihr Einsatz für Umweltschutz, Lebensqualität und eine moderne Verkehrspolitik verdient höchsten Respekt. Wir finden, dass es wirklich ein politisches Armutszeugnis ist, dass trotz klarer wissenschaftlicher Erkenntnisse und breiter gesellschaftlicher Bedenken weiterhin stur – auch in diesem Haus – an der A26 festgehalten wird. Im konkreten Fall trägt auch die Stadtpolitik Verantwortung. Selbst der bescheidene Vorschlag, die Fällungen zumindest zeitlich nach hinten zu verschieben, um solche für das Stadtgebiet wichtigen Bäume möglichst lange zu erhalten, wurde im vergangenen Gemeinderat abgelehnt. Wir stimmen dem Antrag zu, so traurig die ganze Angelegenheit auch ist.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, wenn wir über die A26 diskutieren, sind immer Emotionen da. Es ist aber trotzdem ein lange geplantes Projekt und es gibt rechtskräftige Bescheide und eine abgeschlossene Umweltverträglichkeitsprüfung. Alle Maßnahmen, die passieren, erfolgen in Abstimmung mit Expertinnen und Experten. Es sind vor allen Dingen auch umfassende Ausgleichsmaßnahmen, wie Neupflanzungen, Wiederbepflanzungen et cetera, vertraglich zugesichert. Daher werden wir uns bei diesem Antrag enthalten. Danke.

Danke, Eva Schobesberger, du hast gesagt, du bezweifelst den rechtlichen Hebel. Ich bezweifle ihn nicht. Erstens laufen solche Umweltklagen international schon erfolgreich. Das heißt, wenn es die Stadt nicht macht, wird es vielleicht die Zivilgesellschaft machen. Zweitens gibt es die fünfprozentige Beteiligung der Stadt Linz. Da gibt es eine Ausstiegsklausel, welche wir schon längst hätten ziehen können. Bei zehn bis 15 Prozent Preissteigerung gibt es schon die Ausstiegsoption. Das heißt, ich fordere zusätzlich noch eine ganz einfache Sache: Entweder wir verhandeln diesen Schadensersatz oder wir steigen aus dieser Kostenverpflichtung aus. Das hängt unmittelbar miteinander zusammen. Denn momentan – das habe ich schon gesagt – zahlen wir doppelt, wie die Idioten. Es ist wirklich verrückt, wie wir uns hier über den Tisch ziehen lassen. Wir zahlen 60 Millionen Euro – 70 Millionen Euro hast du gesagt, Eva – und dann zahlen wir noch meine errechneten rund 98 Millionen Euro. Das ist knapp bemessen. Das heißt, in Summe zahlen wir einen irren Betrag für dieses Projekt und der Gewinn ist de facto nicht existent. Selbst wenn die Sandgasse, die Hopfengasse, die Rudolfstraße oder die Nibelungenbrücke ein bisschen entlastet werden, kommt der Stau jetzt von der anderen Seite. Spätestens im Tunnel Bindermichl und Tunnel Niedernhart steckt das Ganze wieder. Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn. Ich würde dich, Dietmar Prammer, als Bürgermeister wirklich bitten, dass du diesen Ball hier aufnimmst und versuchst, das Beste für die Stadt herauszuholen. Ich bitte dich wirklich darum.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (20), ÖVP (9), FPÖ (9)