Linzer Klima-Uhr: Live unser Treibhausgas-Budget messen und anzeigen

P 7 · Fraktionsantrag · 22. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wurde ein professionelles Emissionsmonitoring für das städtische Treibhausgasbudget von Linz bis 2040. Die laufenden Auswirkungen von Projekten und Maßnahmen sollen erfasst, gemessen und in die Bilanz eingerechnet werden, damit die Stadt ihre Reduktionspfade zur Klimaneutralität nachvollziehen kann. Als sichtbare Form der Darstellung war eine Linzer Klima- oder CO2-Uhr vorgesehen, die den Fortschritt möglichst in Echtzeit und als Countdown für die Bevölkerung zeigt. Begründet wurde dies mit dem Bedarf an Messbarkeit, Bewusstseinsarbeit und laufender Kontrolle der Klimaziele. Die Finanzierung sollte durch Umschichtung im Budget erfolgen, der Vorstoß wurde mehrstimmig abgelehnt.

Schlagwörter (9):klimaneutralitättreibhausgasbudgetemissionsmonitoringklima-uhrco2-anzeigebewusstseinsarbeitklimaschutzstadtklimabudgetumschichtung
AntragstextEinblendenAusblenden
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen, ein Themenwechsel steht uns bevor. Es geht ums Klima und darum Bewusstseinsmaßnahmen zu setzen, wie beispielweise die Treibhausgase zu messen. In der letzten Gemeinderatssitzung hat Linz das Klimaneutralitätskonzept beschlossen. Damit will unsere Stadt bis 2040 klimaneutral sein und so auch den entsprechenden Beitrag für Österreich, die Europäische Union und die ganze Welt leisten. Das ist ambitioniert und braucht sehr viele Maßnahmen, aber auch Messbarkeit. Entscheidend für die angestrebte Klimaneutralität sind das bis 2040 zur Verfügung stehende Treibhausgasbudget sowie die eingeschlagenen Reduktionspfade. Das klingt jetzt alles furchtbar kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. Das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz hat das für die ganze Welt und für Österreich untersucht und auch auf Linz errechnet. Da kommen 70 Teratonnen Treibhausgasbudget bis 2040 heraus. Genauso wichtig wie das Treibhausgasbudget und die Reduktionspfade ist ein Emissionsmonitoring. Dieses ermöglicht es der Stadt, dem Magistrat, der Unternehmensgruppe, der Industrie und der Bevölkerung, sprich allen, die da in irgendeiner Form mithelfen müssen, zu sehen, wo wir uns im Hinblick auf unsere Ziele bis 2040 wirklich befinden. Ähnlich einem Trainingsprogramm für einen Marathon - alle, die das schon einmal gelaufen sind, wissen wie das ist – man läuft und misst man und schaut, wo man hinkommt. Man fängt nicht einfach so an und in drei Monaten rennt man einen Marathon. Hier geht es eigentlich darum, uns selbst zu messen, anzuspornen und zu kontrollieren. Nicht erst 2040, dann ist es zu spät. Es ist in Wirklichkeit schon auch in ein paar Jahren zu spät. Die ersten Jahre sind besonders wichtig, um diese Reduktionspfade einzuschlagen. Daher sollten wir auch ab jetzt messen, jährlich, vierteljährlich oder am besten täglich, was natürlich nicht leicht ist. Jeder größere Schritt, jedes Bauprojekt, jedes Straßenprojekt, jede Verbesserung, alles, was wir tun, schlägt sich in unserem Treibhausgasbudget nieder. Das muss gemessen und in diese große Bilanz eingetragen werden. Egal ob negativ oder positiv, es muss in diese Bilanz hineinkommen und in unser Budget der Treibhausgase einfließen. Dann könnten wir unmittelbar sehen, ob wir die nötigen jährlichen Reduktionsraten von sechs Prozent produktionsbasiert und zwölf Prozent bei den konsumbasierten Emissionen erreichen. Diese Emissionsbilanzen bedürfen vieler Öffentlichkeits- und Bewusstseinsarbeit. Darum geht es in diesem Antrag. Alle handelnden Akteure, auch die Bevölkerung, das sind die konsumbasierten Emissionen, sollten möglichst rasch sensibilisiert und motiviert werden, um ihren Beitrag zu leisten. Eine Idee, das Treibhausgas-(THG)-Budget und die laufenden Bemühungen sichtbar zu machen, ist eine Linzer Klima- oder CO2-Uhr. Das kann jetzt alles Mögliche sein, das könnte auf den Infoscreens in der Straßenbahn zu sehen sein, das könnte eine Handy App sein und könnte auf dem Rathaus hängen, usw. Wichtig ist, dass es Ansporn und Warnung zugleich ist. Ich bitte hier um Zustimmung.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Bürgermeister (Klimastabstelle) und die für Klimaangelegenheiten zuständige Stadträtin mögen dafür sorgen, dass Linz ein professionelles Emissionsmonitoring für das städtische Treibhausgasbudget erhält. In Hinblick auf die angestrebte Klimaneutralität im Jahr 2040 sollen dadurch alle wesentlichen (positiven wie negativen) Auswirkungen und Projekte erfasst, gemessen und in das gesamte Treibhausgas-Budget bis 2040 eingerechnet werden. Das laufende Ergebnis soll möglichst in Echtzeit und als Countdown in Form einer Linzer Klima-Uhr für die gesamte Bevölkerung sicht- und erlebbar gemacht werden. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Vielen Dank, Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn ich kurz die letzte Gemeinderatssitzung Revue passieren lasse, dann haben wir bereits mit dem Beschluss des Klimaneutralitätskonzeptes eine Umsetzung eines professionellen Treibhausgasbudgets bzw. Monitoring für die Stadt Linz beschlossen. Zu finden auf Seite 76 des Klimaneutralitätskonzeptes, Maßnahme eins von 52. Dieses soll auch der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Zur Erinnerung, hier hat sich die LinzPlus-Gemeinderatsfraktion enthalten. Einer Klima-Uhr können wir leider nichts Positives abgewinnen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es einerseits schwierig ist, Daten zu bekommen und diese auch gut zu verarbeiten und andererseits ist es noch schwieriger diese auch in Echtzeit liefern zu können. Eine Klima-Uhr, die veranschaulicht, wieviel CO2 weltweit in die Atmosphäre abgegeben wurde oder abgegeben wird, macht aus Gründen der Awareness global sicher Sinn. Auf städtischer Ebene können wir diese Qualität, Daten in Echtzeit zu liefern, nicht sichern. Unsere Fraktion wird sich deshalb bei diesem Antrag enthalten wird.

Danke Herr Bürgermeister, wir als KPÖ unterstützen diesen Antrag. Wir finden, es ist eine gute Idee, um wirklich aufzuzeigen, ob sich Linz auf dem richtigen Weg befindet. Letztendlich geht es darum, dass den vielen Worten und Papieren mit den schönen Absichten endlich die richtigen Daten folgen, wir stimmen zu.

Vielen Dank, Herr Bürgermeister, ich schließe mich der Kollegin von der SPÖ weitgehend an, um noch einmal zu sagen, dass ein Emissionsmonitoring an sich ganz, ganz wesentlich ist. Da sind wir hundertprozentig dabei. Wir sind aber ebenfalls skeptisch, diese Information über eine Klima-Uhr darzustellen, wie du, Merima Zukan, schon angeführt hast. Ich möchte nur ergänzen, dass mit diesem Thema eine gewisse Komplexität einher geht. Eine Uhr reduziert dieses Thema schon sehr auf eine einzige Zahl. Wenn man die notwendigen Handlungsbedarfe darstellen will, dann ist das aus unserer Sicht zu vereinfacht. Ich weise auch noch einmal auf die bestehenden Maßnahmen aus dem Klimaneutralitätskonzept hin. Das Projekt ‚Linz mit Ambitio3xn‘ baut ein professionelles Treibhausgasmonitoring auf, das auf produktionsbasierten Emissionen fokussiert und nach dem Global Protocol for Cities erhoben wird. Das Monitoring erfolgt sowohl gesamtstädtisch als auch auf Bezirksebene. Zusätzlich ist es, wie auch schon erwähnt, natürlich eine Frage der Ressourcen. Wie bereits gesagt, würde es einerseits den Rahmen des bestehenden Projektes übersteigen und erhebliche zusätzliche Ressourcen beanspruchen, wenn man wirklich eine umfassende Bewertung, wie im Antrag gefordert, vornehmen wollen würde. Darüber hinaus ist ein quartals- oder tagesaktuelles Monitoring, wie du, Lorenz Potocnik, das beantragst, technisch kurzfristig nicht machbar. Viele Daten sind nur jährlich verfügbar und die Stadt Linz ist auf eine Datenbereitstellung von übergeordneten Stellen angewiesen. Aus diesen Gründen enthalten wir uns bei diesem Antrag hier ebenfalls.

Danke, Herr Bürgermeister, auf ein, zwei Punkte gehe ich ein. Merima Zukan, du sagst, es ist schwierig Daten zu bekommen und gleichzeitig sagst du, es wird ein Emissionsmonitoring geben. Wie soll das Emissionsmonitoring funktionieren, wenn es keine Daten gibt? Die Daten gibt es ja in irgendeiner Form. Genau das Gleiche trifft auf dich zu, Helge Langer. Du sagst, es ist kompliziert und die Ressourcen fehlen, aber es soll das Emissionsmonitoring geben. Dann sagst du, dass man das gar nicht auf eine Zahl reduzieren kann. Aber diese eine Zahl gibt es ja schon längst. Das sind diese 70 Teratonnen, die habe nicht ich erfunden, die hat das Wegener Center beziehungsweise die Klimastabstelle genannt. Irgendwie kann ich es nicht ganz nachvollziehen. Das klingt für mich wie eine Ausrede. Ich weiß schon, dass sich die Politik sehr, sehr ungern messen lässt. Ich würde sogar noch weitergehen und sagen: Die Politik scheut das Messen, wie der Teufel das Weihwasser. Das ist klar. Nur, wenn wir es ernst meinen mit der Klimaneutralität, dann müssen wir uns auch messen lassen, alle mitnehmen, kontrollieren und uns anspornen. Anders wird es nicht gehen. Ich bitte um Zustimmung.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrstimmig abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), Die Grünen (9), FPÖ (9), NEOS (2), MFG (1), WANDEL