Initiative für mehr Holz beim Bauen - Antrag und Resolution

J 10 · Fraktionsantrag · 29. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

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Gefordert wird eine stärkere Verankerung von Holz und anderen nachhaltigen Baustoffen im Linzer Bauen. Künftige Änderungen von Bebauungsplänen sollen Vorgaben zur bevorzugten Verwendung von Holz enthalten, und bei städtischen Neubauten, insbesondere bei Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, soll Holz vermehrt eingesetzt werden, sofern dies technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar ist. Begründet wird dies mit Klimaschutz, geringerer grauer Energie und regionaler Wertschöpfung; zugleich wird das Land Oberösterreich aufgefordert, Holzbau über Baurecht und Wohnbauförderung stärker zu unterstützen. Die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget gedeckt werden. Der Vorstoß wurde im Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt; die Zuweisung an den Ausschuss fand ebenfalls keine Mehrheit.

Schlagwörter (10):holzbaunachhaltiges bauenklimaschutzgraue energiebebauungsplänestädtische neubautenbildungsbautenwohnbauförderungbaurechtregionale wertschöpfung
AntragstextEinblendenAusblenden
Danke Herr Bürgermeister, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zusehende, Holz ist ein nachhaltiger, klimafreundlicher Baustoff mit großer regionaler Wertschöpfung. In Zeiten der Klimakrise braucht es zukunftsfähige und ressourcenschonende Lösungen, gerade im Bauwesen, Stichwort graue Energie. Deshalb fordern wir in diesem Antrag und in den Resolutionen eine entsprechende Initiative der Stadt, die Folgendes vorsieht: 1. In Bebauungsplänen sollen entsprechende Vorgaben für Holzbau verankert werden. 2. Nachhaltige Baustoffe, insbesondere Holz, sollen in Linz bei städtischen Neubauten verstärkt eingesetzt werden. 3. Das Land Oberösterreich soll durch Anpassungen im Baurecht und in der Wohnbauförderung den Holzbau gezielt fördern. So kann Linz ökologische Verantwortung übernehmen und eine Vorreiterrolle beim nachhaltigen Bauen einnehmen. Ich freue mich auf die Diskussion und hoffe auf Zustimmung. Danke.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe folgenden Antrag und Resolutionen: 1. Der für Raumplanung und städtebauliche Entwicklung zuständige Bürgermeister Prammer wird ersucht, bei zukünftigen Änderungen von Bebauungsplänen entsprechende Festlegungen zur bevorzugten Verwendung nachhaltiger Baustoffe – insbesondere von Holz – vorzusehen. 2. Resolution: Bei sämtlichen städtischen Neubauvorhaben – beispielsweise von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen – die durch die Immobilien Linz GmbH (ILG) abgewickelt werden, soll vermehrt Holz als Baustoff zum Einsatz kommen, sofern dies technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar ist. 3. Resolution: Der Gemeinderat von Linz fordert das Land Oberösterreich auf, entsprechende rechtliche Regelungen zu schaffen, um den Holzbau in Neubauten zu fördern. Dies könnte durch Anpassungen im Baurecht und der Wohnbauförderung erfolgen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.¹
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Danke Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, als Fraktion erkennen wir die Relevanz des Themas ausdrücklich an. Nachhaltiges Bauen, der gezielte Einsatz ökologischer Baustoffe wie Holz oder die Förderung regionaler Wertschöpfung sind zentrale Anliegen unserer Zeit. Dennoch werden wir uns bei diesem Antrag enthalten. Ich möchte unsere Beweggründe für die Enthaltung in drei Punkten darlegen: 1. Die Stadt Linz hat mit dem Klimaneutralitätskonzept, das im Vorjahr beschlossen wurde, bereits einen umfassenden strategischen Rahmen vorgelegt. Darin ist in Maßnahme 25 explizit schon festgehalten, dass bei Bauvorhaben CO₂-optimierte Bauweisen wie Holz- und Hybridbau und kreislauffähige Bauprodukte verstärkt zum Einsatz kommen sollen. Es geht hier nicht nur um einzelne Materialien, sondern auch um die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von Bauprodukten und deren Beitrag zur CO₂-Reduktion. Der eingeschlagene Weg ist also klar, strategisch fundiert und somit in Umsetzung. 2. Bauen mit Holz ist in der Immobilien Linz GmbH beziehungsweise in der Stadt Linz bereits seit vielen Jahren ein wichtiges Element in der Realisierung von Bauprojekten. Der Baustoff Holz wird nämlich dort eingesetzt, wo er technisch, wirtschaftlich und gestalterisch sinnvoll ist. Zahlreiche Projekte wie der Kindergarten in der solarCity oder Aufstockungen wie in der Hertzstraße oder bei der Dorfhalleschule sind konkrete Projekte für den erfolgreichen Einsatz von Holz- und Hybridbauweisen. Dabei erfolgt die Materialwahl stets in Abstimmung mit Architekt*innen und Expert*innen, immer unter der Prämisse der Sinnhaftigkeit im jeweiligen Projekt. 3. Eine Festlegung ist raumordnungsrechtlich grundsätzlich möglich, doch in der Praxis wäre das mit erheblichem Aufwand verbunden. In jedem Bebauungsplan müsste im Einzelfall geprüft werden, ob, wie und in welchem Umfang Holz als Baustoff festgelegt werden kann. Zielführender wäre daher eine übergeordnete flächendeckende Regelung, etwa über eine Novellierung der Oberösterreichischen Bautechnikverordnung. Genau hier schließt sich der Kreis zur EU-Ebene. Im Mai 2024 ist die EU-Richtlinie für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in Kraft getreten. Sie sieht schon bereits vor, dass ab 2030 alle Neubauten emissionsfrei sein müssen, also keinerlei Emissionen aus fossilen Brennstoffen verursachen dürfen. Das heißt, diese Vorgaben müssen auf Landesebene - konkret durch die Oberösterreichische Bautechnikverordnung - bis spätestens nächstes Jahr ins Landesrecht überführt werden. Das wird die Rahmenbedingungen für klimafreundliches Bauen umfassend verändern, verbindlich und überregional. Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass wir die Zielsetzung des Antrages teilen. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen sind jedoch bereits in Umsetzung, beziehungsweise künftige gesetzliche Vorgaben. Deshalb sehen wir zum jetzigen Zeitpunkt durch diesen Antrag in der vorliegenden Form keinen zusätzlichen Mehrwert und werden uns daher enthalten. Danke.

Danke Herr Bürgermeister, lieber Michael Roth-Schmida, wir finden den Antrag wichtig und gut, würden ihn sehr gerne zuweisen und ihm im Ausschuss Zeit geben. Wir sehen es ebenso, wie Merima Zukan das gesagt hat, und können nicht sofort zustimmen. Für einen Beschluss bräuchte es noch Klärung. Die Themen Holz und Bauen sind tatsächlich sehr komplex und auch erstaunlich im Wandel. Der Holzbau hat sich allein in den letzten zehn Jahren in den Techniken und in der Anwendung rapide geändert. Er ist ein sehr innovativer Bereich, es ist sehr viel Forschung drin und er wird laufend weiterentwickelt. Gerade in Österreich sind wir da wirklich an der Spitze, weltweit. Die Kreuzlagenholz (KLH)-Platten zum Beispiel - das sind diese dicken Dreischichtplatten - sind in Österreich entwickelt und auch patentiert worden. Blockiert werden Entwicklungen durch veraltete Normen, durch Lobbying für andere Materialien - mineralische Baustoffe, Beton, bei Stahl ist es etwas weniger - und durch Förderrichtlinien, die de facto Innovationsbremser sind. Grundsätzlich ist auch festzustellen, dass Holz nicht immer der richtige Baustoff ist. Merima Zukan hat es schon gesagt. Man muss ziemlich genau wissen, wo man es verwendet, oft sind Mischbauweisen am besten. Es ist vielleicht ein bisschen ein romantischer Gedanke, wenn man vom schönen Holzhaus träumt, aber das ist in den seltensten Fällen das wirklich Sinnvollste. Es wäre zwar puristisch, aber in der Regel sind auch das Mischbauweisen. Teilweise ist es sogar so, dass man das Holz dann gar nicht sieht oder wahrnimmt, es aber trotzdem Sinn macht. Beim Schallschutz hat Holz eine Schwäche, da es zu leicht ist. Da braucht es Masse. Das heißt, da macht Holz überhaupt keinen Sinn oder nur als Verbundmaterial mit Beton und anderen Stoffen. Holz ist super und es sollte bei öffentlichen Bauvorhaben mehr zum Einsatz kommen. Aktuell ist das im geförderten Wohnbau allerdings kaum möglich, das muss man auch dazusagen. Ich habe vor ein paar Monaten einen Antrag in diese Richtung gestellt, dass wir da eine Revolution brauchen. Es spielen auch die Genossenschaften mit, die den Holzbau eigentlich gar nicht so wirklich wollen. Sie haben das Wissen nicht und wollen es auch nicht wirklich. Sie bleiben eher bei dem, wie sie es immer machen, bei den mineralischen Baustoffen, und wollen so weitermachen. Tatsächlich birgt der Holzbau – wie ich vorhin schon gesagt habe – echte Probleme. Gerade im Wohnbau, wie zum Beispiel beim Schallschutz, wo es Masse braucht, erfordert es besondere Lösungen und oft Mischkonzepte. Helfen würde es auch, bei den Normen anzusetzen, die wieder runtergeschraubt gehören, da sie überzüchtet sind. Das kann aber weder die Stadt noch das Land, da die ÖNORMEN in der Bundeszuständigkeit liegen. Bei öffentlichen Bauten fällt vor allem in Oberösterreich das Holz meist dem Sparstift zum Opfer. Das ist jetzt in meinen Augen aber nicht wirklich ein Linzer Thema, wenn mit falschen Kosten tabellen agiert wird. Es gibt auch in Oberösterreich sehr viel Wissen und gute Vereinigungen wie „Holzcluster“. Sollten wir das im Ausschuss besprechen, sollten wir diese unbedingt zu Rate ziehen, da sie wirklich den Durchblick haben. Noch ein zweiter Punkt, der mir sehr wichtig ist. Die Motivation ist die Nachhaltigkeit. Wir träumen nicht vom Holz, weil es so schön ist, sondern von der Nachhaltigkeit im Bauwesen. Diese ist gar nicht so sehr eine Frage des Materials. Der Hebel liegt eigentlich woanders. Einerseits bei der Mobilität, aber vor allen Dingen bei der Sanierung. Nachhaltig zu sein bedeutet vor allem, langlebige Häuser zu bauen, die halten und im Grundriss und in der ganzen Struktur robust sind. Da bringe ich immer gern das Beispiel des Gründerzeithauses. Diese Häuser sind 120 bis 140 Jahre alt, funktionieren immer noch und man kann sie sehr gut umbauen. Das ist ein toller Maßstab, aber auch Häuser aus den Fünfziger-, Sechziger, Siebzigerjahren sind sehr robust und sehr vielseitig. Ich glaube, der größte Hebel ist die Robustheit des Bauens und die Sanierung des Bestandes, was schon 70 Prozent der Bauleistung ausmacht. Im Neubau sind so viele Ressourcen und Energie gebunden, dass das eigentlich fast immer falsch ist. Selbst wenn man alles aus Holz macht und alles super ökologisch ist. Da freut sich zwar die Industrie, aber im Sinne der Nachhaltigkeit, des Ressourcenschonens und der Allgemeinheit liegt man damit fast immer falsch. Wir geben eine Zustimmung zur Zuweisung, denn es wäre super, wenn wir das besprechen. Eine direkte Zustimmung widerspricht unserem Wissen.

Danke Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Vorredner*innen haben schon sehr viel Wesentliches gesagt. Es geht uns auch so, dass wir die Initiative grundsätzlich sehr begrüßen, da es um nachhaltiges Bauen und den verstärkten Einsatz von regionalem Holz als Baustoff geht. Klimaschutz und regionale Wertschöpfung sind hier die zentralen Punkte und entsprechen damit den Grundsätzen einer sozial gerechten und nachhaltigen Stadtentwicklung. Aber wie schon gesagt wurde, bereitet die konkrete Umsetzung vermutlich Schwierigkeiten, nachdem Holz als Baustoff nicht universell einsetzbar ist und sich auch nicht für jedes Bauvorhaben eignet. Auch wenn man sich zum Ziel setzen kann, möglichst nachhaltig zu bauen, ist es insbesondere im geförderten Wohnbau oft so, dass man eine ausschließliche oder überwiegende Verwendung von Holz oft schwer kalkulieren und umsetzen kann, aufgrund technischer oder vor allem wirtschaftlicher Faktoren. Was wir sicher nicht wollen, ist, leistbaren Wohnraum einzuschränken. Wir unterstützen aber grundsätzlich die Ziele des Antrags und die Zuweisung. Wir plädieren dafür, Expert*innenmeinungen einzuholen und zu diskutieren, wie wir zu einer praxisnahen Herangehensweise kommen, bei der nachhaltige Baumaterialien – insbesondere und einschließlich Holz – gefördert werden können. Ich beantrage damit die Zuweisung zum Ausschuss für Planung, Liegenschaften und Verfassung. Danke.

Danke für diese sehr interessanten und profunden Ausführungen. Uns war klar, dass es nicht ganz widerspruchsfrei ist und es einiges zu beachten gibt. Natürlich wäre es wichtig, das im Ausschuss zu besprechen und noch mehr Informationen zu bekommen. Uns ist es vor allem darum gegangen, auch im Bau – wie in vielen anderen Feldern – eine Wende einzuleiten um ressourcenschonender und nachhaltiger zu werden. Das war der Ansatz. Es wurde auch das Klimaneutralitätskonzept der Stadt Linz erwähnt. Ich finde es gut, sehe es aber zum Beispiel in Bebauungsplänen und in Bauvorhaben noch nicht nachhaltig umgesetzt. Da geht noch viel mehr. Es wurde erwähnt, dass es zum Teil eine Kostenfrage ist, mit Traditionen zusammenhängt und sich Wohnbaugenossenschaften damit schwertun. Da muss man vielleicht auch ein bisschen Bewusstseinsarbeit leisten. Das wäre alles in diesem Antrag drinnen. Ich würde mich freuen, wenn wir im Ausschuss weiter darüber reden könnten. Danke.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Planung, Liegenschaften und Verfassung wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), ÖVP (11), FPÖ (9) Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), ÖVP (11), Die Grünen (8), FPÖ (9) NEOS (2), ehem. MFG (2), LinzPlus (2)