Reform des Beirats für Stadtgestaltung

K 9 · Fraktionsantrag · 20. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

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Der Beirat für Stadtgestaltung soll reformiert werden, damit er klarer, transparenter und fachlich wirksamer arbeitet. Begründet wird dies mit wiederholter Unterbesetzung, einer als zu niedrig empfundenen Entschädigung, nicht begutachteten oder unzureichend umgesetzten Projekten sowie dem Wunsch nach mehr öffentlicher Nachvollziehbarkeit. Demgegenüber wurde auf die langjährige Arbeit des Gremiums, die bereits erfolgte Aufnahme einer Freiraumplanung und auf bestehende Regeln zur Vertraulichkeit verwiesen. Der zuständige Stadtrat sollte eine Änderung der Geschäftsordnung und eine bessere finanzielle Ausstattung vorschlagen, die Kosten wären durch Umschichtungen im Budget deckbar. Der Gemeinderat lehnte den Vorstoß mehrstimmig ab.

Schlagwörter (10):stadtgestaltunggestaltungsbeiratarchitekturqualitätstadtplanungtransparenzgeschäftsordnunghonorierungunterbesetzungbaukulturbudgetumschichtung
AntragstextEinblendenAusblenden
Danke, diesmal geht es um den Beirat für Stadtgestaltung oder Gestaltungsbeirat. Dieser ist bewährt, er hat 25 Jahre durchaus verlässlich gearbeitet. Ich bin ein Fan des Gestaltungsbeirats, aber er ist etwas in die Jahre gekommen. Wie sich gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren gezeigt hat, funktioniert er nämlich nicht ganz so, wie er könnte. Es gibt z. B. stadtplanerisch relevante Projekte - ich spare es mir, Beispiele zu nennen - die im Beirat behandelt hätten werden müssen, die nicht begutachtet wurden. Andere Projekte haben zwar den Beirat durchlaufen, aber entziehen sie sich der Kontrolle bzw. werden die vereinbarten Qualitäten nicht umgesetzt. Zudem war das Gremium in den vergangenen zwei Jahren chronisch unterbesetzt. Es ist nur selten der Fall, dass es mit vier Personen voll besetzt ist. Wir hatten teilweise nur mehr zwei Personen im Beirat, das ist schon unangenehm. Es hat verschiedene Gründe, die beleuchtet gehören. Das liegt z. B. an der Geschäftsordnung. Es liegt aber auch an einer - und das ist der nächste Punkt - Unterdotierung des Beirats. Einige potenzielle Mitglieder - ich weiß es zumindest von einer Person – haben nicht zugesagt, weil die Bezahlung zu gering ist. Das verwundert auch nicht, weil - ich kann nicht ganz genau sagen wieviel, aber - 700, 800 Euro pro Tag als Tagessatz zu gering ist. Es gibt hier gute Vergleichswerte von Jurysitzungen, sowohl von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) oder der Austrian Real Estate (ARE), als auch von normalen Wettbewerbsjurysitzungen. Dort liegt das Honorar eher beim Doppelten. Wenn wir qualitativ besser werden wollen und gut ausgebildete erfahrene Leute für diesen Beirat wollen, dann müssen wir hier, glaube ich, auch tiefer in die Tasche greifen und den Gestaltungsbeirat besser dotieren. In meinen Augen gibt es auch noch ein Transparenzthema. Der Beirat arbeitet momentan - zumindest für die breite Öffentlichkeit - eher hinter verschlossenen Türen. Das ist komisch, weil die Medien auch da sind und teilweise berichten, die Öffentlichkeit aber teilweise nicht zuhören kann. In Salzburg - nur um ein Beispiel zu nennen - gibt es öffentliche Sitzungen. Das klingt für uns unglaublich, aber dort kann sozusagen jeder bei den Beiratssitzungen zuhören. Warum denn nicht! In der Beratung geht das nicht, denn die Beratung braucht tatsächlich die Verschwiegenheit, die Vertraulichkeit, sonst kann man nicht in Ruhe sprechen. Das heißt, all das erfordert meines, oder unseres Erachtens, eine Art Relaunch, eine Überarbeitung, eine Art Reform des Beirates und darum geht es in diesem Antrag. Ich bitte um Zustimmung im Sinne der Baukultur und einer Verbesserung unserer Architekturqualität und auch des Städtebaus in Linz.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Beirat für Stadtgestaltung möge reformiert, klarer und transparenter, gestaltet werden. Der zuständige Stadtrat für Stadtplanung möge in diesem Sinne einen Vorschlag für eine Änderung und Verbesserung der Geschäftsordnung des Beirats für Stadtgestaltung dem Ausschuss unterbreiten und zur Diskussion stellen. Dazu gehört auch eine bessere finanzielle Ausstattung des Gremiums. Etwaige Kosten können durch Umschichtungen im Budget gedeckt werden.
Wortmeldungen (5)EinblendenAusblenden

Danke, wir können diesem Antrag eigentlich sehr viel abgewinnen. Ich glaube auch, dass der Gestaltungsbeirat nach 25 Jahren evaluiert gehört und eventuell auch überarbeitet werden sollte. Wie schon angesprochen waren die Unterbesetzungen in den letzten Beiratssitzungen teilweise sehr eklatant. Das gipfelte darin, dass beim letzten Beirat, soviel ich weiß, auf Grund von Krankheit und der Tatsache, dass eine Person nicht besetzt war, nur mehr ein reguläres Mitglied da war. Für so wichtige Projekte, wie das Projekt in der Seilerstätte/Langgasse, das begutachtet werden musste, wird die Verantwortung für eine Person einfach schon zu groß. Ich denke, es sollte möglich sein, Ersatzmitglieder hineinzubringen, dass zumindest immer drei reguläre Mitglieder beim Beirat dabei sind. Damit sollte eine bessere Diskussion für beide Seiten zustande gebracht werden können und auch gegenüber dem Bauwerber eine bessere Qualität geliefert werden können.

Lieber Lorenz, in diesem Fall hast du einen Antrag von uns aus dem Jahr 2017 aufgegriffen. Wir sehen auch nach wie vor Potenzial in einer Reform des Beirats für Stadtgestaltung, um den Herausforderungen aus städteplanerischer Sicht, vor denen wir stehen, bestmöglich zu begegnen. Wir unterstützen diesen Antrag, den Beirat für Stadtgestaltung insbesondere transparenter und nachvollziehbarer zu machen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Kolleginnen und Kollegen des Linzer Gemeinderats, der Beirat für Stadtgestaltung und seine Mitglieder leisten seit über 25 Jahren eine hervorragende Arbeit für das Ortsbild, das Aussehen und auch das Ansehen der Stadt Linz. Das zeigt auch die hohe Qualität der, auch in den letzten Jahren immer wieder freigegebenen und weitergebrachten, Projekte. Ich sehe daher aktuell keine Notwendigkeit, Änderungen bei der Besetzung oder bei der Aufwandsentschädigung vorzunehmen. Ich möchte das noch kurz erläutern: Zum einen haben wir auch eine*n Freiraumplaner*in in dieses Gremium aufgenommen, weil die Begutachtung des Grünraumes, auch bei den einzelnen Projekten, eine immer höhere Bedeutung bekommt. Das ist auch der Stadt Linz ist das wichtig. Soweit ich mich erinnern kann, haben wir auch heute im Stadtsenat - um 08:01 Uhr wahrscheinlich oder 08:02 Uhr - die Aufwandsentschädigungen für die Mitglieder des Beirats für Stadtgestaltung und auch der Planungsvisite einstimmig beschlossen. Mir ist auch klar, dass diese Aufwandsentschädigung mit einem Tagessatz von 910 Euro, bei dem wir derzeit liegen, natürlich nicht mit den Marktpreisen eines Architekten oder einer Architektin mithalten kann. Wir haben in diesem Gremium österreichweit und international tätige, renommierte Architekt*innen. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass diese Aufwandsentschädigung nur ein Teil der gesamten Entschädigung sein kann. Es gibt auch so etwas wie eine immaterielle Entschädigung, nämlich das Renommee als Teil des Linzer Gestaltungsbeirats tätig sein zu können und das im Lebenslauf darlegen zu können. Was die Transparenz oder den Vorwurf der mangelnden Transparenz betrifft, haben wir hier ganz klare Regeln. Die Medien sind dabei und die Vertreter*innen der Fraktionen sind dabei. Ich verhehle aber nicht, dass wir hier in Zukunft sicher Diskussionen haben werden. Ich habe das im November, bei der Beantwortung einer Anfrage von Gemeinderat Potocnik zur Langgasse, ebenfalls schon erwähnt und angekündigt. Wir werden uns - nicht zuletzt auf Grund des neuen Informationsfreiheitsgesetzes - das ja offensichtlich bald einmal kommen wird - sowieso ansehen müssen, welche Ergebnisse und Informationen des Gestaltungsbeirats, aber auch darüber hinaus andere Gutachten und Informationen, die in der Stadt Linz anfallen, wann und wie veröffentlicht werden. Natürlich werden auch hier immer die Interessen Dritter, vor allem jene der Architekt*innen und auch der Bauwerber*innen zu beachten sein, das heißt, aktuell sehe ich hier keinen Bedarf, Änderungen vorzunehmen.

Ich sehe sehr großen Bedarf, ich bin seit acht Jahren in fast jeder Sitzung - ich glaube mit Ausnahme einer - gewesen und sehe den Bedarf so, wie ich es gerade beschrieben habe. Es ist aber egal, ob das heute beschlossen wird oder nicht, Hauptsache, es passieren Änderungen. Dietmar noch eine kurze Replik wegen Renommee und ‚immateriell‘. Alle Mitglieder der letzten acht Jahre haben das nicht nötig. Es sind arrivierte internationale Architekt*innen aus Deutschland, der Schweiz, aus dem deutschsprachigen Raum. Sie machen uns hier eher ein Geschenk, wenn sie mitmachen, als umgekehrt.

Sehr nett, ein Geschenk, 910 Euro Tagessatz. Das ist möglicherweise, wenn man ein bisschen - Herr Kollege, das war das Schlusswort. Abgesehen davon gibt es dafür auch Kostenersätze.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrstimmig abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), FPÖ (9), NEOS (1), MFG (1)