Nur Ja heißt Ja-Prinzip rasch umsetzen - Resolution

K 17 · Fraktionsantrag · 37. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird die Verankerung des Prinzips „Nur Ja heißt Ja“ im österreichischen Sexualstrafrecht. Sexuelle Handlungen sollen nur dann als einvernehmlich gelten, wenn eine freiwillige, informierte und eindeutig erklärte Zustimmung aller Beteiligten vorliegt. Begründet wird dies mit einer bestehenden Rechtslücke und dem Ziel, Betroffene besser zu schützen und Täter-Opfer-Umkehr zu vermeiden. Die Stadt Linz ersucht dazu die Bundesministerin für Justiz, die Umsetzung in die Wege zu leiten. Die Resolution wurde mehrheitlich angenommen; die FPÖ enthielt sich.

Schlagwörter (9):sexualstrafrechtnur ja heißt jazustimmungsexualisierte gewaltopferschutztäter-opfer-umkehrfrauenrechtejustizgleichstellung
AntragstextEinblendenAusblenden
Auch dieser Antrag liegt mir besonders am Herzen. Es geht wieder um Gewalt - speziell um sexuelle Gewalt - und um ein Grundprinzip, das eigentlich selbstverständlich sein müsste. Trotzdem ist es nicht in unserer Rechtsordnung verankert. Das ist das Prinzip des Einvernehmens - das Prinzip ‚Nur Ja heißt Ja‘. Wenn Menschen lustvoll Sex miteinander haben, dann sollte ganz klar sein, dass das nur funktioniert, wenn diese Personen im Einvernehmen handeln und sich darüber im Klaren sind, dass es dieses Einvernehmen gibt. Man sollte meinen, dass das selbstverständlich ist, aber unsere Rechtsordnung erkennt das so nicht an. Für die von sexueller Gewalt betroffenen Opfer bringt das massive Probleme mit sich. Durch die fehlende Verankerung des Prinzips in der Verfassung müssen Opfer nachweisen, dass sie laut und deutlich ‚Nein‘ gesagt und sich erkennbar gewehrt haben. Wenn immer wieder nachgefragt wird, kann das natürlich zu Retraumatisierungen führen. Wenn man traumatisiert wird, kommt es durch das sogenannte ‚Freezing‘ zu einer Schockstarre. Das heißt, man wird aufgrund des gefährlichen, traumatischen Erlebnisses handlungsunfähig. Das ist psychologisch eine ganz normale und gängige Reaktion. Das führt oft dazu, dass Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen oder Opfer von Gewaltverbrechen sind, nicht wirklich nachweisen können, dass sie sich ausreichend gewehrt haben. Damit muss Schluss sein. Vor allem, weil - selbst wenn behutsam nachgefragt wird - es nicht sein kann, dass man das immer wieder erklären muss. Noch viel schlimmer ist, dass sich betroffene Frauen selbst diese Fragen stellen und sich selbst die Schuld geben, ob sie vielleicht nicht laut und deutlich genug gesagt haben, dass sie nicht möchten oder warum sie sich nicht stärker gewehrt haben. Das darf nicht mehr passieren. Das muss aufhören. Darum ist es notwendig, dass es hier zu einem Paradigmenwechsel kommt. Unsere Rechtsordnung muss klarstellen, dass nur ‚Ja‘ auch ‚Ja‘ bedeutet. Daher stellen wir diesen Antrag. Ich bitte Sie, dieses Ansinnen zu unterstützen, damit wir in unserer Rechtsordnung diesen Schritt machen können und das Strafrecht diesbezüglich weiterentwickelt werden kann. Das ‚Nur Ja heißt Ja-Prinzip‘ gehört im Sinne des Opferschutzes verankert. Dankeschön. (Beifall)
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe folgende Resolution: „Der Gemeinderat der Stadt Linz ersucht die Bundesministerin für Justiz, die Verankerung des Prinzips ‚Nur Ja heißt Ja‘ im österreichischen Sexualstrafrecht in die Wege zu leiten. Sexuelle Handlungen sollen nur dann als einvernehmlich gelten, wenn eine freiwillige, informierte und eindeutig zum Ausdruck gebrachte Zustimmung aller Beteiligten vorliegt.“ Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen bzw. in kommenden Voranschlägen berücksichtigt werden.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, jede dritte Frau erlebt in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. Das zeigt deutlich, dass der Handlungsbedarf enorm ist. Es ist längst überfällig, dass wir hier endlich handeln. Das ‚Nur Ja heißt Ja-Prinzip‘ setzt genau dort an, wo das aktuelle Recht eine Lücke hat. Eine Lücke, die wir so nicht länger akzeptieren dürfen, denn derzeit gilt zu oft nicht das klare ‚Ja‘, sondern es wird gegen den Willen und ohne eindeutige Zustimmung entschieden. Genau das dürfen wir nicht länger hinnehmen. Hier geht es nicht um Ideologie, sondern um den bestmöglichen Schutz für Betroffene. Als Sozialdemokratie ist für uns klar, dass Selbstbestimmung über den eigenen Körper immer im Zentrum stehen muss. Unsere SPÖ-Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner wollte dieses Thema bereits in den ‚Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen 2025-2029‘ aufnehmen. Leider, wirklich leider, konnte keine Einigung mit der ÖVP erzielt werden. Umso wichtiger ist es, dass wir als Gemeinderat ein starkes gemeinsames Signal aus Linz senden. Ein Signal für Respekt, ein Signal für Schutz und ein Signal für ein klares Verständnis von Zustimmung. Denn eines ist klar: Diese Lücke in unserem Gesetz ist nicht akzeptabel und gehört endlich geschlossen. Wir werden zustimmen. Danke.

Vielen Dank, wir sind der Meinung, dass es jetzt nicht viel bringt, ein neues Gesetz zu schaffen, da es schon viele harte Gesetze gibt. Leider scheitert es an der Umsetzung, sie auch wirklich hart durchzuziehen. Der Strafrahmen wäre da, wird aber durch mildernde Umstände und Freisprüche nicht ausgeschöpft. Der Gesetzesrahmen wäre vorhanden. Wir werden uns enthalten.

Uns und mir ist das Thema besonders wichtig. Deswegen werden wir als Linzer Volkspartei heute zustimmen. Durch diesen Passus wird die Verantwortung auf den*die Täter*in übertragen und das Opfer geschützt. Ich finde, das ist ganz, ganz wichtig. Denn dieses ‚Nein-Sagen‘ ist manchmal echt schwierig. Weil man in eine Schockstarre verfällt. Weil man Angst hat. Weil man Scham hat. Weil es überraschend auftritt. Das Schlimmste daran ist, dass sich die Betroffenen rechtfertigen müssen. Durch diesen rechtlichen Passus wird das übertragen. 14 Länder haben ihn schon. Wir hinken da etwas hinterher. Deshalb stimmen wir heute zu.

Danke, vorweg auch Danke für die avisierte breite Zustimmung. Ich muss noch ein paar Sätze an die FPÖ verlieren. Frau Gemeinderätin Tichler, das ist ja gerade das Problem, dass es das Gesetz nicht macht. Wie schon von verschiedenen Seiten gesagt wurde, haben wir das Problem, dass wir durch die aktuelle Rechtslage in sehr vielen Fällen eine Täter-Opfer-Umkehr erleben. 141 Dadurch muss sich das Opfer erklären und rechtfertigen. Am allerschlimmsten daran finde ich, dass sich Opfer selbst die Frage stellen, was sie falsch gemacht haben, was ihr Fehler war, was ihre Schuld war, warum das passiert ist. Das muss sich ändern. Damit sich das ändern kann, müssen wir die Vorzeichen in unserem Strafrecht ändern und nicht mehr Täter*innen, sondern Opfer schützen. Ich ersuche Sie, geben Sie sich einen Ruck und stimmen auch Sie zu.

Abstimmungsergebnis

Beta

Ergebnis: angenommen

Der Antrag wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: FPÖ (9)