Finanzielle Verantwortung wahren. Unser Stadtbudget vor weiteren Kostenexplosionen der A26 schützen

J 12 · Fraktionsantrag · 29. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Die Finanzierung der A26 und ein möglicher Ausstieg der Stadt Linz aus dem bestehenden Finanzierungsvertrag standen im Mittelpunkt. Begründet wurde dies mit der angespannten wirtschaftlichen und budgetären Lage, möglichen weiteren Kostensteigerungen durch geopolitische und makroökonomische Entwicklungen sowie mit baulichen Risiken im Bereich der Ziegeleistraße und des gespannten Grundwassers. Als Argument wurde angeführt, dass die Stadt keine Bundesautobahn mitfinanzieren und ihre Mittel für kommunale Kernaufgaben sichern solle. Der Gemeinderat lehnte den Vorstoß mehrheitlich ab.

Schlagwörter (10):a26westringstadtbudgetfinanzierungsvertragkostensteigerunginfrastrukturfinanzierungverkehrspolitiktunnelbaugrundwasserkommunale kernaufgaben
AntragstextEinblendenAusblenden
Sehr geehrte Damen und Herren, das Thema der A26 und die damit einhergehenden Kosten für die Stadt Linz sind nichts Neues. Neu ist aber die wirtschaftliche und somit auch budgetäre und vor allem geopolitische Lage, in der wir uns im Jahr 2025 als Stadt Linz befinden. Nach der Wien-Wahl wird der Finanzminister einen Sparkurs einläuten. Die wirtschaftliche Aussicht ist mau, insbesondere im industriell geprägten Oberösterreich. Zudem gibt es geopolitische Umbrüche, Konflikte und Risiken, wie wir sie - zumindest in meiner Lebenszeit - noch nie gesehen haben. Das bedeutet, der Wohlstandskuchen und somit auch der Steuerkuchen wird kleiner werden. Wenn der Kuchen schrumpft, dann wird um jedes Stück härter gestritten werden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Michi Roth-Schmida und bei Helge Langer für das gemeinsame Einbringen bedanken. Unserer Ansicht nach ist es ganz wichtig, dass wir eine verantwortungsvolle Priorisierung treffen, um unser Stadtbudget zu schützen und um auch in Zukunft die kommunalen Kernaufgaben gut erledigen zu können. Warum glaube ich, dass es wahrscheinlich ist, dass es zu weiteren Kostensteigerungen kommt? Es hat bereits jetzt massive freiwillige Finanzierungen der A26 vonseiten der Stadt Linz gegeben, obwohl das eigentlich Aufgabe der ASFINAG ist. Die antragstellenden Fraktionen haben das immer als Fehler bezeichnet und werden das auch weiter tun. Gerade in Zeiten knapper werdender Mittel ist es ganz besonders entscheidend, größere finanzielle Risiken frühzeitig zu erkennen. Die A26 schlägt jetzt schon riesige Löcher in unser Stadtbudget. Es sprechen mehrere Faktoren dafür, dass wir mit weiteren Kostensteigerungen rechnen müssen. Ich möchte zwei zentrale Themenfelder hervorheben, warum wir zu dieser Einschätzung kommen. Das erste Themenfeld beinhaltet im Wesentlichen geopolitische und makroökonomische Gründe, also exogene Schocks, die zu Preisexplosionen für Rohstoffe und zu energieintensiven Infrastrukturprojekten führen können. Relativ fix ist, dass die 500 Milliarden Euro schwere deutsche Infrastrukturoffensive die Nachfrage nach Bauarbeiter*innen, Zement, Baustellen, Baumaschinen und all diesen relevanten Gütern massiv anheizen wird. Das Gleiche gilt für die Rüstungsbemühungen, die momentan von vielen verschiedenen europäischen Ländern vorangetrieben werden. Ein wesentlich spekulativerer Punkt ist, dass wir auf einem geopolitischen Pulverfass sitzen. Ich glaube, das ist unbestreitbar so. Es braucht nur irgendwo zu krachen beginnen. Solche Ereignisse können Lieferketten, Energiepreise und all diese relevanten Dinge massiv verzerren. Wir haben das bei der Pandemie oder beim Krieg von Russland gegen die Ukraine gesehen, dass es dann sehr schnell zu massiven Kostensteigerungen bei Infrastrukturprojekten wie der A26 kommen kann. Angesichts dessen, dass dieses Projekt noch eine so lange Bauzeit hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass eines dieser Ereignisse schlagend werden wird. In mehr oder weniger naher Zukunft werden wir darüber entscheiden müssen, ob wir weitere Kostensteigerungen mittragen werden. 96 Das zweite Themenfeld ist, dass es aus baulichen Gründen ebenso zu Kostensteigerungen kommen könnte. Die geologische Beschaffenheit im Bereich der Ziegeleistraße, insbesondere das sogenannte gespannte Grundwasser, stellt eine erhebliche Herausforderung für den Tunnelbau dar. Bereits beim Bau des Wissensturms hat sich damals gezeigt, dass Bauarbeiten im Untergrund dieser Stadtregion aufgrund der geologischen Gegebenheiten besonders anspruchsvoll sind. Meines Wissens wurde bisher noch keine Ausschreibung für den Tunnelbau gemacht, das stellt die grundsätzliche Fortsetzung der Bauarbeiten, wofür das Jahr 2026 avisiert worden ist, infrage. Aber ich muss auch sagen, dass ich keinen Einblick in die ASFINAG habe. Wir als antragstellende Fraktionen wollen unser Stadtbudget schützen, um unsere Fähigkeit zu erhalten, die kommunalen Kernaufgaben gut zu erledigen. Darum fordern wir, dass - sofern es zu weiteren Kostenexplosionen im Zusammenhang mit der A26 kommt - die Stadt Linz aus dieser Finanzierungsbeteiligung aussteigt und weitere Kostensteigerungen nicht mehr mitträgt. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung und bin schon gespannt auf die Wortmeldungen.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat der Stadt Linz bekennt sich dazu, Kostensteigerungen im Zusammenhang mit der Errichtung der A26 nicht mehr mitzutragen und diese zum Anlass zu nehmen, aus dem bestehenden Finanzierungsvertrag zwischen ASFINAG, Land Oberösterreich und der Stadt Linz, auszusteigen. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, werte Kolleginnen und Kollegen, danke an dich. Clemens Brandstetter, und an alle anderen für das gemeinsame Einbringen dieses Antrags. Clemens, du hast es den Punkt gebracht, dass es ganz konkret um die finanzielle Verantwortung der Stadt Linz geht. Egal ob man dieses Projekt als verkehrstechnisch oder ökologisch als Katastrophe, als überholt oder als kontraproduktiv sieht – der zentrale Punkt ist, dass wir es nicht als Aufgabe der Stadt Linz sehen, Bundesautobahnen zu finanzieren. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass wir gerade bei diesem Projekt ziemlich wahrscheinlich unkalkulierbare Mehrkosten haben werden, die wir uns weder leisten können noch wollen. Unsere Stadt braucht ihre finanziellen Ressourcen für nachhaltige und zukunftsorientierte Verkehrsprojekte und natürlich auch für sozialen Wohnbau, Klimaschutz und andere zentrale kommunale Aufgaben. Ich bitte daher auch noch einmal um Unterstützung für diesen Antrag, um unsere finanziellen Spielräume zu bewahren und sinnvoller nutzen zu können. Danke.

Danke Frau Vizebürgermeisterin, ich möchte mich nur kurz zu Wort melden. Wir unterstützen den Antrag natürlich. Danke Clemens Brandstetter, dass du da so hartnäckig 97 dranbleibst, obwohl die Situation hoffnungslos erscheint. Es ist ganz wichtig, es einzubringen, ausführlich zu beschreiben und zu recherchieren, um immer wieder zu dokumentieren und klarzumachen, was für eine verrückte Entwicklung da im Gange ist, die gestoppt gehört. Ich möchte noch zwei Dinge ergänzen. Das eine ist – das hat Helge Langer schon gesagt –, wie kontraproduktiv dieses Projekt ist. Es ist de facto ein falscher Anreiz und schadet unserem Wirtschaftsstandort. Es führt noch mehr Autos in noch kürzerer Zeit in das ‚Gefäß Stadt‘, das ja schon voll ist. Diese versprochene Verkehrsberuhigung wird nie stattfinden. Der Stau wird nur verlagert und in Zukunft im Tunnel und beim Bahnhof auftreten. Das ist de facto ein vollkommen falscher Zugang. Wir bräuchten öffentlichen Verkehr (ÖV), Park & Ride und Radschnellwege. Dazu haben wir heute auch noch einen Antrag auf der Tagesordnung. Ich möchte noch einen letzten Punkt anmerken. Wer sich aufmerksam mit Infrastrukturprojekten und insgesamt den öffentlichen Kassen in Österreich beschäftigt, wird immer wieder lesen und hören, dass wir schon jetzt mit der Infrastruktur am Limit sind. Das heißt, wir haben schon jetzt zu viel Infrastruktur, wie Tunnels, Brücken und Straßen, die uns bereits an den Rand der Finanzierbarkeit bringt. Dieser Tunnel, wenn er denn je gebaut wird, wird spätestens in 10 bis 15 Jahren schon wieder einen großen Sanierungsbedarf haben. Das Problem mit diesen Infrastrukturprojekten ist, dass sie riesige gefräßige Monster sind. Es hört nicht mehr auf. Wir haben gerade den Mona-Lisa-Tunnel um etwa 10 Millionen saniert. Das hört einfach nicht auf und wird immer mehr. Alleine der Strom, nur damit der Tunnel beleuchtet ist, kostet mehrere Millionen Euro pro Jahr. Das ist verrückt. Insofern gibt es eine volle Zustimmung von unserer Seite und danke Clemens, dass du so hartnäckig dranbleibst.

Danke Frau Vizebürgerin, von unserer Seite, von meiner Seite, möchte ich zuerst Clemens Brandstetter für die Berichterstattung, für das Einbringen und für die Initiative danken. Ich muss jetzt ein paar Worte zur Linzer Sozialdemokratie verlieren, bei aller Freundschaft. Ihr Linzer Sozialdemokraten hättet es wirklich in der Hand. Ihr könntet nicht nur großen finanziellen Schaden von der Stadt abwenden, sondern euch endlich von einem unsagbar rückschrittlichen, in vielerlei Hinsicht falschen und schädlichen Projekt distanzieren und es vielleicht sogar verhindern. Leider steht die Sozialdemokratie unter dem neuen Bürgermeister wieder auf der falschen Seite der Geschichte und ist noch immer für diesen Westring. Es ist schon gesagt worden, wie verrückt das eigentlich ist. Das alles wird uns noch Schaden bringen. Trotzdem ist die Sozialdemokratie dabei. Es liegt auf der Hand und müsste euch eigentlich zu denken geben: Irgendetwas kann nicht stimmen, wenn die größten Befürworter*innen des Projekts die FPÖ und die Wirtschaft sind. Wenn man wirklich für soziale Gerechtigkeit ist – und für mich bedeutet das auch mobile Gerechtigkeit –, sollte man nicht nur für sündteure automobile Infrastrukturen stimmen. Man sollte sich endlich einmal entscheiden und nicht wieder das Falsche tun. Wie gesagt, sollte der Westring jemals gebaut werden, wird viel auf uns zukommen und es wird der Stadt einiges kosten. Wenn wir uns nicht davon verabschieden, können wir einiges, was 98 viel, viel wichtiger wäre, nicht mehr machen. Es ist schade, liebe Sozialdemokratie, dass ihr noch nicht so weit seid, danke.

Sehr geehrte Damen und Herren, danke für die Wortmeldungen, danke an Helge Langer, der festgehalten hat, dass es Aufgabe des Bundes ist, die Autobahnen zu finanzieren. Ich finde, dass wir uns dadurch selbst Handlungsspielraum nehmen. Lorenz Potocnik, dir möchte ich für deine bestärkenden Worte danken. Seit die Brücke eröffnet wurde, ist, glaube ich, bei der Zählstelle in Puchenau ein rund zehnprozentiges Plus zu verzeichnen. Das Argument, dass neue Straßen verkehrsinduzierend sind, wird hier wieder bestätigt. Lieber Michi Roth-Schmida, du hast mir sozusagen die Überleitung zur sozialdemokratischen Verkehrspolitik gemacht. Es gibt in Linz den einen oder anderen, der die Idee der Sozialdemokratie eigentlich recht gut findet, aber mit der gelebten Praxis schon ein bisschen fremdelt. Ich glaube, das ist in der Verkehrspolitik ganz stark zu sehen. Insofern würde ich schon anregen, die Position zu ändern. Ich möchte an dieser Stelle auch noch danke an alle sagen, die keine Wortmeldung gemacht haben. Das Schweigen ist extrem laut. Die Prämisse und das Versprechen dieses Projektes sind, die Innenstadt entlasten zu können. Kurz vor seiner Angelobung hat der Verkehrsstadtrat in einem Interview erwähnt, dass wir durch die Eröffnung der Donautalbrücke die Rudolfstraße und die Nibelungenbrücke entlasten können. Ich erwähne das, weil ihm ganz offensichtlich damals schon bekannt war – zweieinhalb Jahre bevor die Brücke dann tatsächlich eröffnet worden ist –, dass dieses Projekt hohe Priorität hat und der Zeithorizont komplett klar ist. Haben wir irgendwelche Vorbereitungen gesehen, damit diese versprochenen Entlastungen tatsächlich auch eingelöst werden? Wir haben nichts gesehen. Ich glaube, das belegt sehr gut, dass es einfach überhaupt keinen Sinn hat, dass wir als Stadt Linz diese Infrastruktur mitzahlen, wenn am Ende des Tages für uns überhaupt nichts herausschaut. In diesem Sinne kann ich nur sagen, dass ich enttäuscht bin, dass dieser Antrag keine Mehrheit findet. Wir werden sicher nicht das letzte Mal über dieses Thema reden. Danke an jene, die zustimmen.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt. Enthaltung: SPÖ (21), ÖVP (11), NEOS (2) Gegenstimme: FPÖ (9)