Wasserstoff Strategie nach deutschem Vorbild umsetzen- Resolution

I 15 · Fraktionsantrag · 7. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

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Gefordert wird eine rasche Wasserstoff-Strategie nach deutschem Vorbild mit finanziellen Förderungen für Wasserstoff-Projekte in Österreich, besonders in Linz. Begründet wird dies mit der hohen CO₂-Belastung des Industriestandorts Linz, dem Bedarf an der Dekarbonisierung der Industrie und dem Hinweis, dass Österreich im Unterschied zu Deutschland, Schweden und Frankreich keine einheitliche Strategie habe. Als Argumente werden die bereits verabschiedete deutsche Wasserstoffstrategie, klarere Förder- und CO₂-Regelungen sowie die Gefahr genannt, technologisch gegenüber den europäischen Konkurrenzländern zurückzufallen. Kritisch angemerkt wurde, dass Wasserstoff nur als grüner Wasserstoff sinnvoll sei, dass der Ausbau erneuerbarer Energien mitgedacht werden müsse und dass öffentliche Förderungen nicht allein der Wirtschaft zugutekommen sollten. Die Resolution wurde angenommen; die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget bedeckt werden.

Schlagwörter (10):wasserstoffstrategiegrüner wasserstoffdekarbonisierungindustrielinzklimaschutzerneuerbare energienförderungenco2-reduktionenergiewende
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Bürgermeister Luger berichtet über den von der SPÖ-Gemeinderatsfraktion eingebrachten Antrag # 15 Wasserstoff Strategie nach deutschem Vorbild umsetzen- Resolution und führt aus: Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sind als Industriestadt, in Wirklichkeit als ‚das Industriezentrum Österreichs‘ ganz besonders gefordert, unsere derzeit sehr stark CO₂ emmitierende Industrie umzustellen. Fakt ist, dass 15 Prozent der österreichweiten CO₂ Emissionen am Industriestandort Linz produziert werden. Die positive Nachricht ist, dass bereits viele Unternehmen in der Lage sind, namentlich die Voestalpine, weitgehend dekarbonisiert Stahl zu erzeugen. Diese gute Nachricht hat eine Downside, denn dieser Öko-Stahl ist absolut nicht marktfähig und es bedarf vor allem noch weiterer Schritte, über die wir heute noch hören werden, um diese Technologie tatsächlich in die Masse zu bringen. Insgesamt fehlen jedoch in Österreich im Gegensatz zu Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland, Schweden und Frankreich, eine einheitliche Wasserstoffstrategie. Das ist deshalb schmerzlich, weil das genau jene Länder sind, die in der Industrieproduktion in Europa die Betriebe unserer Hauptkonkurrenz beherbergen. Es war die inzwischen vorletzte Bundesdeutsche Regierung, die von der Christlich Demokratischen Union (CDU) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) geführte Regierung, die eine nationale Wasserstoffstrategie, bereits im Jahr 2020, verabschiedet hat. Mit ganz klarem Ziel, nämlich Grünen Wasserstoff als Hauptträgerenergieform zu etablieren. In Deutschland wird in den nächsten Jahren die Förderung von Innovationen für nachhaltige Wasserstofflösungen und die Schaffung der notwendigen energiepolitischen und regulatorischen Rahmenbedingungen vorbereitet. In Deutschland gibt es beispielsweise bei der CO₂-Bepreisung viel klarere Regelungen als bei uns. Am meisten schmerzt, wenn man nach Deutschland blickt und weiß, dass dort nur für drei Einzelprojekte ein Fördervolumen von 740 Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurde, mit dem klaren Ziel, dass Deutschland die führende Nation in Europa in der Wasserstofftechnologie werden sollte. Wenn man das mit Österreich vergleicht, geht es nicht darum, dass wir nicht einmal Produktionskapazitäten haben, sondern das Problem in Österreich ist, dass es keine Unternehmen gibt, die in der Lage sind, die Technologien zu liefern, beispielsweise jene Maschinen, die man für die unterschiedlichen Produktionsschritte in der Wasserstoffproduktion benötigt. Wenn man vergleicht, dass in Österreich medial abgefeierte aber inhaltlich wirklich nicht hilfreiche 40 Millionen Euro Förderung für die Entwicklung der Elektrolyse, im Gegensatz zum deutschen Projekt, zur Verfügung gestellt werden, dann sieht man die Dimensionen. Man sieht, welche Gefahr wir besonders in Linz als Top-Industriezentrum laufen, technologisch den Anschluss zu verlieren. Deshalb haben wir diesen Antrag gestellt, dass die Österreichische Bundesregierung dringend gebeten wird, die schon seit mehr als einem Jahr angekündigte Wasserstoffstrategie und die damit zusammenhängenden Projektmaßnahmen und Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, damit wir in die Gänge kommen und sich nicht Woche für Woche der Abstand zu unseren Hauptkonkurrenzländern in Skandinavien und Mitteleuropa fortsetzt. Der Gemeinderat beschließt folgende Resolution: „Die Österreichische Bundesregierung wird ersucht, raschest eine Wasserstoff-Strategie nach deutschem Vorbild zu entwickeln und umzusetzen. Diese muss die Bereitstellung von finanziellen Förderungen enthalten, um führenden Wasserstoff-Projekten in Österreich, insbesondere in der Industriestadt Linz, die Weiterentwicklung ihrer Wasserstoff-Technologien zu ermöglichen. Die Bedeckung eventuell anfallender Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.“ Ich ersuche um Zustimmung.
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Die Österreichische Bundesregierung wird ersucht, raschest eine Wasserstoff-Strategie nach deutschem Vorbild zu entwickeln und umzusetzen. Diese muss die Bereitstellung von finanziellen Förderungen enthalten, um führenden Wasserstoff-Projekten in Österreich, insbesondere in der Industriestadt Linz, die Weiterentwicklung ihrer Wasserstoff-Technologien zu ermöglichen. Die Bedeckung eventuell anfallender Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen.
Wortmeldungen (3)EinblendenAusblenden

Danke Frau Vizebürgermeisterin, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Besucherinnen, Herr Bürgermeister, wir sehen den Einsatz von Wasserstoff als Alternative zu fossilen Energieträgern nicht ganz so unkritisch. Mir kommt vor, das ist wie mit den E-Autos, die jetzt die alten Verbrenner-Autos ersetzen sollen, nämlich eins zu eins, ohne grundsätzlich etwas an der Art und Weise wie Mobilität ausschaut, verändern zu wollen. Wer sich ein wenig mit dem Themen Energiewende und Klimaschutz beschäftigt, weiß, dass fachlich anerkannt ist, dass wir in erster Linie den Energieverbrauch senken und die nötige Energie, die wir erzeugen, möglichst effizient erzeugen, müssen. Es ist leider so, dass die Wasserstoffnutzung diesen Effizienzzielen diametral entgegensteht. Wir haben massive Umwandlungsverluste, wir haben niedrige Wirkungsgrade, das ist bei dieser Energieform leider so. Zweitens, Sie haben das leider gar nicht erwähnt, wobei sie das wahrscheinlich meinen, es geht um Grünen Wasserstoff. Wenn wir überhaupt Wasserstoff nutzen und die Wasserstoffnutzung weiter vorantreiben, dann ausschließlich nur Grünen Wasserstoff, Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbaren Energie produziert worden ist. Dann kann man grundsätzlich nichts dagegen haben, ich sage dann noch etwas dazu. Im Antrag steht das nicht so deutlich, da steht nur etwas von Grünem Wasserstoff, aber ich nehme an, dass das so gemeint ist. Ich weiß auch nicht, was in der deutschen Strategie steht, aber man müsste es schon zu einer klaren Bedingung oder Voraussetzung machen, dass es um diesen Wasserstoff geht. Nicht, dass das dann mit irgendwelchen synthetischen und fossilen Energieformen erzeugt worden ist. 373 Außerdem muss man noch festhalten, dass wir natürlich noch viel mehr erneuerbare Energie brauchen, wir müssen diese Energieformen massiv ausbauen. Wir haben das Problem, dass wir jetzt schon danach trachten müssen für die Energieerzeugung von kalorischen Kraftwerken und Gaskraftwerken wegzukommen. Es ist jetzt schon eine riesige Herausforderung die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das Thema ist, dass man nicht schaut, dass der Energieverbrauch in erster Linie gesenkt wird, sondern man rechnet damit, dass der Energieverbrauch und der Stromverbrauch mit der Digitalisierung usw. und mit noch anderen Faktoren, noch wachsen wird. Ein dritter Punkt, glaube ich, der in Diskussion noch viel zu kurz kommt, ist, wenn der Wasserstoffeinsatz schon so stark öffentlich gefördert wird und wenn diese ganzen Elektrolyseanlagen, die man braucht um den Wasserstoff zu produzieren, in erster Linie von der Allgemeinheit bezahlt werden soll, dann müsste es zumindest so sein, dass die Allgemeinheit, die Öffentlichkeit, dann anteilig an der Produktion beteiligt wird. Es nicht so kann sein, dass wir Milliarden Geschenke an die Wirtschaft, an die großen Konzerne machen, die sich diesen technologischen Umstieg durch Steuergelder bezahlen lassen. Das wäre mein Fazit an der ganzen Diskussion. Ich finde, oder wir als KPÖ finden, dass eine reine technologische Herangehensweise an das Thema zu kurz greift und uns beim Klimaschutz nicht weiterbringt. Vielmehr brauchen wir eine kritische Debatte darüber, wie man Wasserstoff einsetzt, wie die Rahmenbedingungen ausschauen sollten und in welchen Bereichen der Industrie z. B. der Wasserstoff sinnvoll eingesetzt werden kann. Für uns, als KPÖ, ist eine sozialökologische Transformation der Industrie, einfach mehr als nur der Austausch und der Einsatz einer neuen Technologie. Wir werden uns deshalb hier und auch beim nächsten Antrag, der die Umsetzung bezüglich Stahlproduktion noch etwas konkreter macht, wo es um die Dekarbonisierung der Stahlproduktion geht, enthalten. Wir denken, wir brauchen mehr als nur einen Technologiewandel, wir brauchen einen sozialökologischen Wandel des Lebens, der Industrie und der Produktion und da braucht es viel mehr. Danke.

Danke, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sie rennen bei mir offene Türen ein. Ich möchte das Thema Energie nicht verkomplizieren, Kollege Mag. Schmida hat sicherlich in vielen Punkten recht, ich stimme ihm in Vielem zu. Aber die Energie der Zukunft ist aus meiner Sicht der Wasserstoff und nicht der Grüne Strom. Wie erzeugen wir den Strom? Über Photovoltaik, über Windräder? Wenn man schaut, was das an Kupfer, Kobalt und Lithium braucht. Strom ist nicht speicherbar oder nur sehr schwierig speicherbar, aber aus Strom kann man sehr wohl Wasserstoff erzeugen. Ich glaube, dass das die Zukunft sein wird und sein muss, dass wir auf Wasserstoff setzen. Wenn Österreich sehr stark in den Bereich Wasserstoff investiert, ist das auch für die Volkswirtschaft interessant. Wenn wir nur Strom erzeugen, prognostiziere ich eine Inflationsrate von 15 Prozent, weil überall Kupfer drinnen ist, in jedem Rasierapparat, in jeder Küchenmaschine, überall ist Kupfer drinnen. Wenn man sich vorstellt, wie die Kupfermenge steigt, dann versteht man, dass das einen Rattenschwanz an Entwicklungen und Kostensteigerungen zur Folge hat, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Dazu gibt es einen Artikel im Spiegel vom Oktober des letzten Jahres. Insofern kann ich das nur sehr, sehr begrüßen. Danke.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich kann den Äußerungen des Herrn Mag. Schmida einiges abgewinnen, würde mich aber gerne in eine andere Richtung äußern und zwar möchte ich der SPÖ wieder einmal Mut zusprechen, dass sie doch auch wieder einmal Anträge im eigenen Wirkungsbereich macht. Ich würde sagen, pro Antrag im eigenen 374 Wirkungsbereich zum Thema Klimapolitik eine Resolution, das wäre ein Verhältnis, das mir sehr gut gefallen würde. Auf der anderen Seite ist auch nicht so relevant was mir gefällt. Wir werden uns aber bei diesem und auch beim nächsten Antrag auf jeden Fall enthalten.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: angenommen

Der Antrag wird bei Stimmenthaltungen der Fraktionen von KPÖ (2), LinzPlus (2), und Gemeinderat Brandstetter, WANDEL, mit Stimmenmehrheit angenommen.