Klimawandelanpassungskonzept „Zukunft Linz“ und Aktionsprogrammvorschlag sowie Resolution an die Unternehmensgruppe Linz
I 1 · Ausschussantrag · 15. Sitzung
Ausschuss:Ausschuss für Klima, Stadtgrün, Frauen und Bildung
Ergebnis:angenommen
Zusammenfassung
KI GeneriertBeschlossen wurde das Klimawandelanpassungskonzept „Zukunft Linz“ als Leitlinie für die städtische Anpassung an die Folgen der Klimakrise. Das Konzept stützt sich auf eine breite Erarbeitung mit Geschäftsbereichen, Bürgerinnen und Bürgern sowie Expertinnen und Experten und wird durch ein erstes Aktionsprogramm mit 30 Maßnahmen konkretisiert. Im Mittelpunkt stehen Hitzeschutz, Entsiegelung, Begrünung, Trinkbrunnen, klimaresiliente Gebäude, Monitoring, Mobilität und die Anpassung von Bebauungs- und Freiraumplanung. Die Stadt Linz bekennt sich außerdem zur aktiven Mitwirkung der Unternehmensgruppe Linz und zur Nutzung bestehender Förderinstrumente; der SPÖ-Abänderungsantrag zu Grün- und Freiraumkonzept sowie Bebauungsplänen wurde angenommen, der Zusatzantrag zu Zeit- und Kostenplänen abgelehnt.
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Kollegen und Kolleginnen, ich habe mich in der Vorbereitung intensiv mit diesem Papier auseinandergesetzt und ich muss sagen, diese Grundlagenarbeit ist sicher hervorragend gelungen. Mir ist besonders aufgefallen, dass die Folgen des Klimawandels natürlich auch eine soziale Frage sind. Wenn man zum Beispiel diese Risikokarte Hitze anschaut, sieht man, dass besonders Menschen mit geringem Einkommen in Gegenden wohnen, die in Zukunft besonders stark von Hitze betroffen sein werden. Das hat verschiedene Gründe, oft sind es Gebiete mit mangelnder Begrünung und diese Menschen werden sich keine Klimaanlage leisten können. Sie können auch nicht schnell aus der Stadt hinaus. Deswegen ist es für mich ganz wichtig, dass diese Maßnahmen hier möglichst schnell umgesetzt werden und alles in Gang kommt. Die Maßnahmen sind sehr gut gesetzt, sie dürfen aber jetzt nicht durch die Stadtpolitik, vor allem in Verkehrsfragen und in der Stadtplanung, konterkariert werden. Es wäre sehr wichtig, endlich Einsicht zu zeigen und abzukehren. Am Ende unserer heutigen Sitzung haben wir noch einen Dringlichkeitsantrag zum Ausstieg aus dem Westring. Wenn man dem Klimaanpassungskonzept zustimmt, kommt man eigentlich auch nicht darum herum dem Dringlichkeitsantrag zuzustimmen. Danke schön.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir freuen uns, dass mit dem Klimawandelanpassungskonzept eine fundierte, wissenschaftlich erarbeitete Datengrundlage vorliegt. Jetzt wissen alle - auch die, die es nie wirklich wissen wollten - woran wir sind: Die Menschen in Linz sind vom Klimawandel betroffen und werden in Zukunft noch mehr darunter leiden. Wir müssen ab sofort an allen Stellschrauben drehen, um Linz stadtklimatisch zu ertüchtigen. Wir wissen auch, wo wir eingreifen müssen, um insbesondere Kinder und alte Menschen vor gesundheitlichen Schäden durch Hitze zu bewahren. Wie Frau Kollegin Grünn schon ausgeführt hat, wissen wir jetzt auch, wo finanziell schlechter gestellte Menschen besonders unter dem Klimawandel zu leiden haben und noch mehr leiden werden. Gehen wir es an, wir stimmen dem Antrag, dem Abänderungsantrag und dem Zusatzantrag zu.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Damen und Herren, wir fordern die einzelne Abstimmung dieser 30 Punkte des Aktionsprogrammsvorschlages und werden uns bei den Punkten 5, 6, 10, 15, 16, 21, 22 und 23 enthalten. Danke schön.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir ersuchen auch um getrennte Abstimmung. Mit dem Aktionsprogramm zum Klimawandelanpassungskonzept wurden dem Gemeinderat 30 konkrete Umsetzungsaktionen zur Beschlussfassung vorgelegt, allerdings ohne Zeit- und Kostenpläne. Der Gemeinderat sollte als oberster Auftraggeber und als Kontrollorgan auch darüber informiert werden, in welchen Zeiträumen und mit welchem finanziellen und personellen Aufwand eine Umsetzung, in welchem Maß, realistischerweise erwartet werden kann. Wir stellen daher folgenden Zusatzantrag: Der Gemeinderat beschließe als Punkt 6: „Der Gemeinderat soll noch heuer über die angestrebten Zeit- und Kostenpläne des Aktionsprogrammes informiert werden. Im Konkreten soll mit der Vorlage des Voranschlages auch ein Bericht erfolgen, welche finanziellen und personellen Ressourcen zur Umsetzung der einzelnen Maßnahmen des Aktionsprogrammes im jeweiligen Jahr und soweit möglich auch in der mittelfristigen Finanzplanung enthalten sind.“ Bei Punkt 2.6 ‚Überarbeitung und Anwendung der 10-Punkte-Checkliste für Hochhäuser‘ möchten wir uns enthalten. Diese Checkliste ist ein zahnloses Instrument ohne rechtliche Bindung. Es braucht zuerst einen verpflichtenden Hochhausplan, der durch einen Gemeinderatsbeschluss auch rechtlich bindend ist. Wir werden uns auch bei Punkt 2.15 ‚Radwegenetz laut Risikokarte Hitze‘ enthalten. Das Radwegenetz in Linz wird nicht laut Risikokarte Hitze, sondern nach der Radfahrstrategie bearbeitet. Diese Strategie zielt auf ein Radwegenetz für das ganze Jahr ab, das auch für ganz Linz Sinn macht. Die letzte Enthaltung gibt es von uns bei Punkt 2.23 ‚Einholung naturschutzökologischer Gutachten bei Planungsvorhaben‘. Es gibt ein strenges Naturschutzgesetz und es gibt einen Grünflächenplan der bei Bauvorhaben einzuhalten ist. Die zusätzliche Einholung von Expertisen und Gutachten verteuern und verkomplizieren jedes Verfahren.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werter Gemeinderat, als SPÖ-Fraktion werden wir dem Klimawandelanpassungskonzept vollinhaltlich zustimmen. Wir begrüßen diese Initiative auch und ich bedanke mich hier im Saal für die Zusammenarbeit im Vorfeld. Auch wenn es letzte Woche manchmal nicht ganz so friktionsfrei gelaufen ist, das Ergebnis zählt und das ist ein gutes. Zu zwei Punkten des Aktionsprogrammes haben wir einen Abänderungsantrag eingebracht, der Ihnen zugegangen ist. Im ‚Zukunft Linz – Aktionsprogramm‘ (wie auch in der Auflistung ‚Aktionsprogramm‘ – Vorschläge S. 2/25) sollen die Punkte 12 ‚Berücksichtigung des städtischen Grünflächenplanes 2015‘ sowie 25 ‚Aktualisierung von älteren Bebauungsplänen in Gebieten mit Kaltluftabflüssen‘ wie folgt abgeändert werden: Der Gemeinderat beschließe: ‚12. Berücksichtigung des Klimaanpassungskonzepts im gesamtstädtischen Grün- und Freiraumkonzept Umsetzung Abteilung Stadtplanung Anwendung Abteilung Stadtplanung Im Rahmen der anstehenden, grundlegenden Überprüfung des Örtlichen Entwicklungskonzepts (ÖEK) soll ein neues Grün- und Freiraumkonzept für Linz erarbeitet werden, das den aktuellen Anforderungen entspricht. Dieses Konzept soll qualitative und quantitative Ziele für die Entwicklung der Grün- und Freiflächenentwicklung festlegen und in diesem Zusammenhang auch die Ziele des Klimaanpassungskonzepts soweit wie möglich und sinnvoll berücksichtigen.‘ ‚25. Aktualisierung von älteren Bebauungsplänen in Gebieten mit Kaltluftabflüssen Umsetzung Abteilung Stadtplanung Abstimmung mit Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt Die Abteilung Stadtplanung (StP) wird beauftragt darzustellen, welche Bebauungspläne laut Linzer Stadtklimaanalyse sich in Kaltluftabflussgebieten befinden, und in Abstimmung mit der Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt (SKU) zu prüfen, inwieweit eine Überarbeitung von Bebauungsplan-Festlegungen erforderlich ist. Sofern erforderlich, sollen diese Bebauungspläne sukzessive überarbeitet werden. Dabei sind die städtebaulichen Ziele und jene des Klimaanpassungskonzepts gleichermaßen zu beachten. Bereits bewilligte Bauvorhaben sind bei der Überarbeitung der Bebauungspläne zu berücksichtigen.‘ In Punkt 12 war ursprünglich vorgesehen, den städtischen Grünflächenplan 2015 zu berücksichtigen. Nachdem wir aber ohnehin für die Vorbereitung des örtlichen Entwicklungskonzeptes ein neues Grün- und Freiraumkonzept erarbeiten wollen und müssen, glauben wir, dass das die bessere, weil aktuellere Vorgangsweise ist. Der Punkt 25 hätte ursprünglich vorgesehen, dass generell prioritär ältere Bebauungspläne in Kaltluftabflüssen überarbeitet werden sollen. Das haben wir umformuliert, dass wir als Stadtplanung gemeinsam mit der Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt prüfen, bei welchen es wirklich notwendig ist. Diese gehen wir dann an. So gesehen, ersuche im um Zustimmung zu diesem Abänderungsantrag. Dem Zusatzantrag der ÖVP werden wir nicht zustimmen, wir werden uns hier als SPÖ-Fraktion enthalten, ansonsten werden wir allen Punkten zustimmen.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Stadträtin Schobesberger: Ja, wir haben einen Klimawandel, wir haben seit Millionen von Jahren – seitdem die Erde besteht - einen Klimawandel und der wird weitergehen. Ich halte die Klimawandelanpassung für dringend notwendig. Speziell für Herrn Stadtrat Prammer bzw. die SPÖ-Fraktion, für die ÖVP-Fraktion und auch die FPÖ-Fraktion: Sie haben im Jänner der Flächenwidmung Mengerstraße, trotz massiver Bedenken der Umweltschutzorganisationen, zugestimmt. Ich finde das ein bisschen bedenklich, wenn Sie heute der Klimawandelanpassung eine Zustimmung erteilen. Ich halte es für dringend notwendig und ich werde auf jeden Fall zustimmen und ich bitte das auch für zukünftige Projekte zu überdenken. Danke.
Vielen Dank, von unserer Seite auch ein Dankeschön an Frau Stadträtin Schobesberger und an ihr Team für dieses Papier. Ich darf festhalten, dass es international auch keinen Vergleich zu scheuen braucht. Wir arbeiten intensiv mit dem Klimakoordinator am Sustainability-Report gemeinsam mit den United Cities. Wir können natürlich über die einzelnen Punkte abstimmen, wir werden aber grundsätzlich allem zustimmen. Es ist eine sehr, sehr gute Initiative, die natürlich noch vieler, vieler Arbeit bedarf. Auch im Gemeinderat werden noch vielen Projekten zustimmen müssen, aber ich bedanke mich für diese tolle Arbeit.
Ich bin jetzt fast ein bisschen gerührt, ich glaube, uns gelingt jetzt tatsächlich ein Meilenstein. Wenn ich mich jetzt nicht ganz verhört habe, ist das Klimawandelanpassungskonzept an sich eine einstimmige Beschlussfassung. Wir haben auch eine überwiegende Mehrheit für sämtliche Punkte im Aktionsprogramm. Dafür ein großes Dankeschön von meiner Seite. Ganz kurz möchte ich noch auf ein paar Punkte eingehen, die gesagt worden sind. Ich möchte vor allem noch einmal erklären, was es mit dieser Risikokarte Hitze auf sich hat, weil es da offenbar auch bei der ÖVP ein Missverständnis gibt. Diese Hitzekarte ist der Versuch, die Erkenntnisse, die wir aus unserer Stadtklimaanalyse und der Planungshinweiskarte und den Ergebnissen aus diesen wissenschaftlichen Projekten haben und dem was an der Stadtklimaanalyse herausgekommen ist, mit dem zu koppelt, was Frau Gemeinderätin Grünn schon gesagt hat. Der Klimawandel und seine Folgen sind in erster Linie, vor allem auch was die Auswirkungen betrifft, eine soziale Fragestellung. Wir haben die Situation, dass diejenigen, die den Klimawandel verursachen, meistens nicht diejenigen sind, die unter dem Klimawandel am meisten zu leiden haben. Die Leute, die in kleinen Wohnungen im dicht verbauten Gebiet ohne Balkon bzw. Garten wohnen, sind meistens nicht die, die mit dem SUV an den Attersee oder ins Mühlviertel auf Sommerfrische fahren, um die heißen Wochenenden und den Sommer dort zu verbringen. Das heißt, es ist vor allen für die Menschen, die im dicht verbauten Gebiet wohnen und die oft nicht die Möglichkeit haben ‚es sich zu richten‘, wichtig, dass wir versuchen unsere Stadt zukunftsfähig zu machen und diese Klimawandelanpassungsmaßnahmen durchzuführen. Mag. Johannes Horak, PhD ist mit seinem Team tatsächlich etwas gelungen, was für viele andere Städte beispielgebend sein wird. In Kooperation mit der Stadtforschung hat er ein Modell entwickelt, wie man auf dieser Risikokarte Hitze auf einen Blick nicht nur sieht, wo die Hitzeentwicklung besonders dramatisch sein wird, sondern diese Karte bindet auch soziale Faktoren ein. Diese Karte gibt uns Auskunft darüber, in welchen Stadtteilen es besonders heiß wird und wo viele Menschen wohnen, die nicht innerhalb von fünf Gehminuten Parklandschaften oder andere Naherholungsflächen haben. Die Karte zeigt auf, wo viele Menschen wohnen und wo Menschen wohnen, die besonders unter der Hitze leiden, sprich viele ältere Menschen, wo Seniorenzentren und Kindergärten sind, wo Familien wohnen und so weiter. All das sagt diese Risikokarte Hitze aus. Daher ist auch der Vorschlag aus der städtischen Verkehrsplanung gekommen, den Ausbau des Radwegenetzes, prioritär in diesen besonders betroffenen Gebieten in Angriff zu nehmen. Wir können das - wenn ihr mit diesem Konzept fertig seid - so wie die Baumpflanzoffensive, nicht gleichzeitig im gesamten Stadtgebiet umsetzen. Daher der Vorschlag, das Ganze prioritär auch in diesen besonders betroffenen Gebieten in Angriff zu nehmen. Das zur Erklärung für alle. Nichtsdestotrotz – ich will jetzt gar nicht auf den wenigen Punkten herumreiten, die keine Zustimmung oder nicht von allen eine Zustimmung finden. Wir können heute echt stolz sein, dass wir diesen Beschluss fassen. Ich sage kurz etwas zum Zusatzantrag, dem wir nicht nähertreten werden. Wir haben uns ganz genau überlegt, wie wir diesen Antrag aufbauen. Es wurde ganz bewusst geschaut, welche Punkte umfasst sind. Es sind Punkte, die wirklich in alle Geschäftsbereiche der Stadt Linz hineingreifen, auch in sämtliche politische Zuständigkeiten. Daher haben wir im Vorfeld versucht, das möglichst breit abzustimmen. Wir haben daher auch keine konkreten Vorgaben. Es wäre schon ein massiver Eingriff in die Zuständigkeiten der jeweiligen Referent*innen, wenn man auch noch im Detail Vorgaben macht, was Geld und Zeit betrifft. Man muss den jeweiligen Referent*innen schon ein bisschen einen Handlungsspielraum geben. Aus meiner Sicht gibt es auch ein hohes Vertrauen, dass wir das ernsthaft umsetzen. Ein Vorschlag steht aber sehr wohl in diesem Konzept, nämlich konkret unter Punkt 2.11 ‚Steuerung und Monitoring‘. Es ist trotzdem schon ein Vorschlag enthalten, damit wir einen Überblick behalten, welche Maßnahmen schon umgesetzt sind bzw. wie weit die Umsetzung ist. Ich ersuche daher, den ursprünglichen Antrag so wie er ist, mit den Abänderungen, die Kollege Prammer eingebracht hat, zu beschließen. Ich glaube, dass wir da wirklich umfassend dabei sind. Ich würde es zum Beispiel als Überforderung an Kollegen Hajart finden, wenn wir jetzt sagen, du musst uns heuer bis Jahresende genau sagen, wie du diese Maßnahmen in deinem Ressort, mit wieviel Geld in den nächsten fünf Jahren umsetzen willst. Ich glaube, das ist nicht wirklich bei allen Punkten möglich und auch nicht sinnvoll. Wir werden daher dem Zusatzantrag nicht nähertreten. Aber noch einmal vielen, vielen Dank an alle, die dieses Papier mit so viel Engagement und Einsatz zustande gebracht haben, es ist ein Meilenstein für die Klimaarbeit der Stadt Linz.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Fraktionen von ÖVP (9) bei den Punkten 2.6, 2.15, 2.23 und FPÖ (9) bei den Punkten 2.5, 2.6, 2.10, 2.15, 2.16, 2.21, 2.22, 2.23 mit Stimmenmehrheit angenommen.