Wahlbeteiligung steigern - Linzer Stadtdemokratie stärken

T 11 · Fraktionsantrag · 27. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird ein Linzer Maßnahmenpaket zur deutlichen Steigerung der Wahlbeteiligung bis zu den Wahlen 2027. Begründet wird das mit dem anhaltenden Rückgang der Beteiligung, dem Vertrauensverlust in die Politik, Informationsdefiziten bei jungen und mehrsprachigen Wahlberechtigten sowie fehlender Kenntnis über Zuständigkeiten und Entscheidungswege der Stadt. Zusätzlich soll untersucht und offengelegt werden, warum bei der Bürgermeisterwahl 2025 ein großer Teil der Wahlberechtigten keine amtliche Wahlinformation erhalten hat. Die Stadt Linz soll dazu mit externen Expertinnen die Ursachen analysieren und auf dieser Basis konkrete Maßnahmen entwickeln; die Kosten sollen durch Umschichtung im Budget bedeckt werden. Die Zuweisung wurde mehrheitlich angenommen.

Schlagwörter (10):wahlbeteiligungstadtdemokratiedemokratiebildungwahlinformationwahlrechtbürgerbeteiligungvertrauensverlustwahlorganisationkommunalwahlbudgetumschichtung
AntragstextEinblendenAusblenden
Danke Dietmar, sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Antrag war schon einmal vor zwei oder zweieinhalb Jahren hier im Haus. Ich habe ihn ein bisschen überarbeitet und möchte ihn jetzt in Ruhe vorlesen. Die Wahlbeteiligung in Linz sinkt von Mal zu Mal dramatisch. Das ist höchst alarmierend, schwächt die Ergebnisse und unsere Demokratie. Das erfordert unseres Erachtens eine ernsthafte Auseinandersetzung und Maßnahmen, um eine positive Entwicklung zu ermöglichen. Bei den Gemeinderatswahlen 2021 und den Bürgermeister*innenwahlen im Januar, war diese so gering wie noch nie. Das ist historisch, das geht nach unten. Im September 2021 hat nur jede*jeder zweite Linzer*in mitbestimmt, wie die Sitze im Linzer Gemeinderat verteilt werden. Im heurigen Januar haben 87.000 Menschen - mit fast 60 Prozent die ‚größte Wähler*innengruppe‘ - trotz intensiver Berichterstattung und enormem Aufwand der Kandidaten, darauf verzichtet, zu wählen. Es ist mir wichtig, das zu sagen, da es sehr viel Berichterstattung gab. Es gab auch sehr viel Information, aber eben nur jeweils von den Parteien. Gründe dafür gibt es sicher viele. Ich zähle hier ein paar auf. Diese reichen unserer Erfahrung nach - da meine ich dutzende, wenn nicht hunderte Gespräche auf der Straße - von einer Politikverdrossenheit und einem Vertrauensverlust in die Politik im Allgemeinen bis zu den Tausenden von Linzer*innen aus EU-Ländern, die von ihrem Wahlrecht nichts wissen oder keinen sprachlichen Zugang zu unserer Lokalpolitik finden. Das ist der europäische Gedanke, der mir, oder uns, hier sehr wichtig ist. Auch haben viele junge Wähler*innen den Eindruck, mit ihrer Stimme nichts ändern zu können. Sie lesen kaum klassische Printmedien und bekommen von der laufenden Arbeit des Gemeinderats und der Berichterstattung darüber leider zu wenig mit. Geschätzt ein Drittel der Wähler*innen - auch das entspricht unserer Erfahrung - haben sich vollständig in ihre private Blase zurückgezogen. Sie haben keine Kenntnis, wofür die Stadt zuständig ist, oder wie in Linz die Entscheidungen fallen. Um die Teilhabe zu erhöhen und unsere Stadtdemokratie zu stärken - ich denke, das wollen wir alle hier im Haus - muss auch die Wahlbeteiligung wieder verbessert werden. Dazu sollte der Gemeinderat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit externen Expert*innen einsetzen, die die geringe Wahlbeteiligung in Linz analysiert und in Folge ein auf Linz zugeschnittenes Maßnahmenpaket entwickelt. Aus unserer Sicht gibt es ganz viele Möglichkeiten und viele mehr, die wir gar nicht kennen. Das reicht von Wahlcontainern, die in der Stadt verteilt sind, bis hin zu Wahllokalen die schon ein, zwei oder drei Wochen davor geöffnet sind. Ich habe das zweimal gesehen, einmal vor Kurzem in Rotterdam und einmal in Norwegen, in Oslo. Da war das auch so. Über Wochen gab es diese Container, wo die Leute wählen konnten. Und es gibt andere Möglichkeiten, die ich jetzt hier nicht aufzähle. Ich komme zum Antrag und bitte hier um Zustimmung. Ich merke gleich an, dass wir den Zusatzantrag von der ÖVP sehr positiv sehen und dem zustimmen.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Die Stadt Linz möge in Zusammenarbeit mit externen Expert*innen die geringe Wahlbeteiligung untersuchen und in Hinblick auf die Wahlen im Jahr 2027 ein breites Linzer Maßnahmenpaket entwickeln. Dadurch soll die Wahlbeteiligung wieder deutlich steigen und so auch unsere Stadtdemokratie gestärkt werden. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen. Es sollen dabei auch die Gründe untersucht und offengelegt werden, warum bei der Bürgermeister-Wahl 2025 ein großer Teil der Wahlberechtigten keine amtliche Wahlinformation erhalten hat.
Wortmeldungen (6)EinblendenAusblenden

Unser Zusatzantrag ist eine Ergänzung relativ pragmatischer Natur. Wenn ich die Wahlbeteiligung grundsätzlich erhöhen möchte, muss ich die Effizienz der Informationsstruktur überprüfen. Vor der Nationalratswahl wurden die Wahlsprengel geändert. Es kamen schon damals ‚Irrläufer‘ in die Wahllokale und gerade Ältere haben sich dann nicht mehr weiter bemüht. Wir haben viele Ältere zu dieser Zeit animiert, Wahlkarten zu verwenden. An ihnen ist die Veränderung des zuständigen Wahlsprengels vorübergegangen und dadurch gab es in den Wahllokalen wieder ‚Irrläufer‘. Wenn es zum Beispiel an dem Tag geschneit hat, wollten diese Wähler*innen dann nicht noch ein anderes Wahllokal aufsuchen. Außerdem ist mir dann in Gesprächen von Senior*innen, die sehr zuverlässige Wähler*innen sind, gesagt worden, dass sie überhaupt keine Wahlinformation bekommen haben. Das heißt, man sollte diese Infrastruktur jetzt überprüfen, ob und warum etwas passiert ist. Man sollte vielleicht auch schauen, ob das Layout dieser Wahlinformation nicht mehr Aufmerksamkeit erregen darf. Sie kommt sehr elegant und behördlich daher und wird von manchen – ich sage einmal Jungwähler*innen – übersehen. Es ist einfach ein unauffälliges, elegantes kleines Kärtchen, das niemand wirklich liest. Ich bitte auch, Veränderungen etwas deutlicher zu machen, weil Senior*innen es gewohnt sind – das weiß ich von meiner jahrzehntelangern Beisitzer*innentätigkeit – in ein bestimmtes Wahllokal zu gehen. Vielleicht haben sie das beim nächsten Mal wieder vergessen. Ich ersuche um Aufklärung, ob Strukturen ausgenutzt wurden oder fehlgelaufen sind. Vielleicht kann man auch das Layout überarbeiten. Danke. Bitte um Zustimmung.

Sehr geehrte Damen und Herren, natürlich ist die Wahlbeteiligung ein wichtiges Element der Demokratie, aber wir sollten auch nicht ganz schlechtreden, was in Linz passiert. Wir haben bei der Stichwahl eine höhere Wahlbeteiligung gehabt als beim letzten Wahlgang Luger/Baier. Es waren 40 Prozent der Wähler bei der Stichwahl. Das ist nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass bei der EU-Wahl, in der Hälfte der Länder in Europa keine 40 Prozent hingehen. Also so schlecht kann das alles nicht gewesen sein. Trotz allem ist es vernünftig, wenn man über diese Problematiken redet. Daher möchte ich den Antrag stellen, dass wir diesen Antrag, mitsamt dem Zusatzantrag der ÖVP, in den Verfassungsausschuss zur weiteren Beratung geben. Dankeschön.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich habe einen Vorschlag für eine Zuweisung zum Ausschuss für Wirtschaft und Innovation. Es geht um innovative Themen, man sich hier noch einmal anschauen, wie die Wahlinformation gestaltet wurde. Es scheiden sich die Geister, was jung oder alt anspricht. Es waren QR-Codes auf den Wahlinformationen und es ist auch im Neuen Rathaus einiges passiert. Dort konnte man sich schon vorher Wahlkarten zu günstigen Zeiten abholen. Es hat Online-Informationen der Stadt Linz gegeben, auch über Social-Media und Infoscreens. Herr Bürgermeister hat bereits angesprochen, dass es unser aller Interesse ist, auch jene anzusprechen, die nicht gewählt haben und dass wir diese Gruppen natürlich auch bedienen sollen. Deswegen schlage ich die Zuweisung zu meinem Ausschuss Wirtschaft und Innovation vor, weil ich die Themen Demokratiebildung und -arbeit in unserer Zuständigkeit sehe. Ich bitte um Zustimmung für die Zuweisung.

Vielen herzlichen Dank, lieber Lorenz Potocnik, das ist ein sehr guter Antrag. Es ist ein Hygieneprozess, den jede Partei zu verantworten hat. Er betrifft die Außenwirkung der Politik und wie wir selbst miteinander umgehen. Du hast heute schon einen ersten Schritt dazu gemacht und dich intensiv mit mir auseinandergesetzt. Ich denke, das ist ein sehr guter Schritt. Wir nehmen uns auch selbst an der Nase. Es ist uns zum Beispiel nicht gelungen, 40 Prozent unserer Wähler*innen zu mobilisieren. Das heißt, ich freue mich auf eine Diskussion im Ausschuss und stimme der Zuweisung zu. Danke.

Ich möchte dich nicht unterbrechen, weil du das Schlusswort hast, aber vielleicht kann sich trotzdem noch Gemeinderat Wolfgang Grabmayr dazwischen quetschen.

Ich ziehe den Antrag auf Zuweisung in den Verfassungsausschuss zurück.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: angenommen

Die Zuweisung des Antrages inklusive Zusatzantrag an den Ausschuss für Wirtschaft und Innovation wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: Gemeinderat DI Dr. Obermayr/MFG