Lesbarkeit amtlicher Texte verbessern

L 7 · Fraktionsantrag · 16. Sitzung

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wurde, amtliche Texte der Stadt Linz ohne Gender-Stern, Gender-Gap, Gender-Doppelpunkt und Binnen-I zu verfassen. Begründet wurde dies mit der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit für breite Bevölkerungsgruppen sowie mit der Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung. Kritisiert wurde, dass der vorgeschriebene Schreibstil im Magistrat viele Menschen verwirre und insbesondere Personen mit geringer Lese- und Schreibfähigkeit sowie Zugewanderte benachteilige. Die finanzielle Bedeckung sollte über Budgetumschichtungen oder künftige Mittel erfolgen. Der Antrag wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt.

Schlagwörter (9):amtssprachelesbarkeitgendernrechtschreibungsprachpolitikintegrationbarrierefreiheitverwaltungbudget
AntragstextEinblendenAusblenden
Gemeinderätin Haginger berichtet über den von der FPÖ-Gemeinderatsfraktion eingebrachten Antrag ## L 7 Lesbarkeit amtlicher Texte verbessern und führt aus: „Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, liebe Kollegen und Kolleginnen, Jahr für Jahr wird die deutsche Sprache durch die Einführung neuer Sprachkonstruktionen erschwert. Diese Konstruktionen sollen angeblich einen Beitrag zur Gleichberechtigung von Mann und Frau leisten. Tatsächlich wird aber insbesondere die Lesbarkeit amtlicher Texte durch die Verwendung von ‚Gender-Stern‘, ‚Gender-Gap‘ oder ‚Gender-Doppelpunkt‘ wesentlich erschwert ohne einen echten Beitrag zur Gleichstellung zu leisten. Der im Magistrat vorgeschriebene Schreibstil ist für viele Linzer schlicht verwirrend und wird außerdem von weiten Teilen der Bevölkerung nicht angewendet. Es gilt dabei auch zu bedenken, dass die geschriebene deutsche Sprache nicht nur von Schülerinnen und Schülern zu erlernen ist. Es gibt in unserer Gesellschaft auch Erwachsene mit verminderter Lese- und Schreibfähigkeit, die enorme Schwierigkeiten haben, auch nur einfache Texte zu lesen und zu schreiben. Diese Bevölkerungsgruppe wird durch einen aus vermeintlich politischer Korrektheit angewandten Sprachgebrauch mit Sonderzeichen diskriminiert. Dazu kommt auch die Tatsache, dass die sogenannte gendergerechte Sprache zugewanderten Mitbürgern das Erlernen und Anwenden der deutschen Sprache und Grammatik erschwert. Damit wird auch eine erfolgreiche Integration in die österreichische Gesellschaft verhindert. In diesem Zusammenhang stellt die Linzer FPÖ-Gemeinderatsfraktion folgenden Antrag: Der Gemeinderat beschließe: „Die Magistratsdirektorin soll durch eine Dienstanweisung sicherstellen, dass beim Verfassen amtlicher Texte gemäß der Empfehlung des Rates für die deutsche Rechtschreibung auf die Verwendung von ‚Gender-Stern‘, ‚Gender-Gap‘, ‚Gender-Doppelpunkt‘ und ‚Binnen-I‘ verzichtet wird. Auf diese Weise wird die Lesbarkeit und Verständlichkeit amtlicher Texte verbessert, ohne die Gleichstellung von Frauen und Männern zu vernachlässigen. Die finanzielle Bedeckung soll durch Umschichtungen im Budget bzw. entsprechend vorgesehene Mittel in den kommenden Budgets sichergestellt werden. Ich ersuche um Zustimmung.“
BeschlussformelEinblendenAusblenden
„Die Magistratsdirektorin soll durch eine Dienstanweisung sicherstellen, dass beim Verfassen amtlicher Texte gemäß der Empfehlung des Rates für die deutsche Rechtschreibung auf die Verwendung von ‚Gender-Stern‘, ‚Gender-Gap‘, ‚Gender-Doppelpunkt‘ und ‚Binnen-I‘ verzichtet wird. Auf diese Weise wird die Lesbarkeit und Verständlichkeit amtlicher Texte verbessert, ohne die Gleichstellung von Frauen und Männern zu vernachlässigen. Die finanzielle Bedeckung soll durch Umschichtungen im Budget bzw. entsprechend vorgesehene Mittel in den kommenden Budgets sichergestellt werden. Ich ersuche um Zustimmung.“
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Vielen herzlichen Dank Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren, hinter diesem unscheinbaren Titel ‚Lesbarkeit amtlicher Texte verbessern‘ versteckt sich der Versuch die Genderdebatte auch in den Linzer Gemeinderat zu tragen. Bei aller Diskussion um das Gendern ist unsere Haltung hier ganz klar, diese Debatte ist ein populistisches Scheingefecht und wir enthalten uns daher.

Danke Frau Vizebürgermeister, (Zwischenruf, Heiterkeit) - Herr Bürgermeister, Frau Bürgermeister - es gibt seit etwa der Jahrtausendwende einige Gesellschaften, z. B. die Gesellschaft für Deutsche Sprache, einen Verein für Deutsche Sprache, eine Stiftung für Deutsche Sprache, ein Haus der Deutschen Sprache usw. die sich alle die Wahrung der deutschen Sprache auf die Fahnen geheftet haben. Jetzt kann man natürlich das Gendern positiv oder negativ finden. Ich muss grundsätzlich sagen, ich finde, dass die weibliche Form grundsätzlich positiv ist. Ich würde vorziehen, die weibliche Form vor der männlichen Form zu nennen, aber bitte nicht gendern. Das Gendern ist eine absolute Verhunzung der deutschen Sprache. Ich kann dem Antrag der FPÖ in diesem Fall nur zustimmen, weil es einfach ein Wahnsinn ist - auch zum Lesen. Man kann sich auch die Nachrichten nicht mehr ansehen usw. Das ist der eine Aspekt. Ein anderer Aspekt ist der, dass man sich fragt, wozu es die Sternchensprache eigentlich gibt? Ich empfinde das als ein Vehikel zu einer gesellschaftlichen Veränderung. Warum fällt mir da Edward Bernays mit seiner ‚Propaganda‘ ein, der vor ungefähr 100 Jahren die Frauen in einer Demonstration rauchen hat lassen, um dort eine wesentliche Veränderung zu erreichen? Ich sehe da durchaus eine gewisse Parallele und auch eine Propaganda. Um sich vor Augen zu führen, wozu die Gendersprache wirklich gut ist, empfehle ich die Vorträge von Gabriele Kuby ‚Propaganda - im Meer der Lügen nicht ertrinken‘ oder den Vortrag von Ernst Wolff, den er am 20. August beim Forum ‚Wachstum - Erde - Frieden - Freiheit‘ in Davos gehalten hat. Wozu führt die Gendersprache und ist das wirklich gewollt? Das möchte ich zu bedenken geben. Danke.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleg*innen, jahrhundertelang kämpfen wir Frauen bereits dafür, in unserer Gesellschaft Gleichberechtigung zu erlangen. Durch diese Sprache findet Gleichstellung Ausdruck und Wertschät 523 zung. Nun über eine Einschränkung oder gar Verbote dieses Ausdrucks der Gleichberechtigung zu diskutieren, finde ich - insbesondere als Obfrau der Frauen der ÖVP Linz - unangebracht und falsch. Zudem empfinden wir den Zeitpunkt, um eine Debatte über die korrekte oder weniger korrekte Form des Genderns zu führen, in Zeiten einer massiven Teuerung und sich verstärkenden Wirtschaftskrise, als äußerst unpassend. Die Menschen in Linz haben derzeit andere Probleme und aus diesem Grund enthalten wir uns. Wir Frauen müssen zusammenhalten.

Danke schön, nur ganz kurz zur ÖVP, zur Frauenbeauftragten. Es ist ganz interessant, dass die Landeshauptfrau in Niederösterreich das ganz anders sieht, die doch auch von der ÖVP ist. Aber trotzdem ein Dankeschön.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Fraktionen von SPÖ (22), ÖVP (11), Die Grünen (8), NEOS (2) und LinzPlus (2) sowie bei Gegenstimme von Gemeinderätin Schachner von MFG, KPÖ (2) und Gemeinderat Brandstetter, WANDEL mit Stimmenmehrheit abgelehnt.