Kühlung und Hitzeschutz für Pflegeheime

L 17 · Fraktionsantrag · 16. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

KI Generiert

Gefordert wird eine rasche Kühlung und Beschattung in Linzer Langzeitpflegeeinrichtungen für Seniorinnen und Senioren, um Bewohnerinnen und Bewohner vor gesundheitlichen Schäden durch Hitze zu schützen. Begründet wird das mit der besonderen Gefährdung älterer Menschen durch Hitzewellen, Tropennächte, Dehydrierung und die erschwerten Möglichkeiten der Pflege, für ausreichende Abkühlung und Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Zusätzlich sollen die fachliche Beratung und die Kosten der Maßnahmen bei der Budgeterstellung berücksichtigt werden, weil die Häuser diese Ausgaben nicht selbst tragen können. Der Vorschlag wurde abgelehnt; mehrere Fraktionen enthielten sich, während auf das bestehende Klimawandelanpassungskonzept und bereits laufende Investitionen verwiesen wurde.

Schlagwörter (10):hitzeschutzpflegeheimeseniorenbetreuungkühlungbeschattungklimawandelanpassunggesundheitsschutzbudgetlangzeitpflegetropennächte
AntragstextEinblendenAusblenden
„Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich möchte ihnen jetzt aus meinem Alltag in Seniorenpflegeeinrichtungen in der Stadt Linz und auch woanders erzählen. Jedes Jahr im Mai haben wir Plakate gestaltet auf denen stand: ‚Viel trinken! Auf das Trinken nicht vergessen!‘ Wir haben das gemacht, weil wir gewusst haben, dass die erste Hitzewelle kommt und damit auch die Problematik der Dehydrierung unserer alten Bewohnerinnen und Bewohner. Warum ist Hitze überhaupt so gefährlich für alte Menschen? Man liest es immer wieder, aber man weiß gar nicht, warum das eigentlich so dramatisch ist. Komplexe medizinische Erklärungen erspare ich Ihnen an dieser Stelle, soviel sei aber gesagt, ältere Menschen nehmen Hitze nicht mehr so deutlich wahr und sie haben ein herabgesetztes Durstgefühl oder verlieren dieses komplett. Hitze und zu wenig trinken, bewirken unter anderem folgende Symptome: Harnwegsinfekte nehmen zu, weil der Mensch zu wenig Harn produziert und Keime nicht mehr aus der Harnblase ausgeschwemmt werden. Die Nieren werden geschädigt, weil sie zu wenig mit Blut durchspült werden. Die Viskosität des Blutes nimmt zu und es kommt zu einer Minderdurchblutung auch im Hirn. Die Folge ist Benommenheit oder gar Bewusstlosigkeit und eine Demenz verschärft sich zum Beispiel auch. Sogar das Schlaganfallrisiko ist erhöht, wenn Menschen zu wenig Flüssigkeit bekommen. Obwohl wir Pflegepersonen die Awareness haben, dass wir die Bewohner*innen zum Trinken anregen müssen bzw. sie unterstützen müssen, sind unsere Möglichkeiten oftmals sehr beschränkt. Alte Menschen haben oftmals Schluckstörungen oder können Flüssigkeiten nur mehr schluckweise und langsam oder auch nur künstlich eingedickt zu sich nehmen, um sich nicht zu verschlucken. Oftmals ist es notwendig, dass wir Infusionen über Nadeln im subkutanen Fettgewebe am Bauch verabreichen. Aber alte Menschen haben oft kaum mehr subkutanes Fettgewebe, welches Flüssigkeit aufnehmen kann. Viel zu oft müssen wir Menschen wegen den Folgen der Hitze in Krankenhäuser schicken. Das ist aber nicht alles was im Sommer mit der steigenden Anzahl von Hitzetagen schwierig wird. Wir mussten wegen der Hitze auch Medikamente, die bei Zimmertemperatur gelagert werden können, in einen Kühlschrank räumen, weil die Zimmertemperatur oft tagelang über 30 Grad gelegen ist. Wir haben uns redlich bemüht, die Hitze untertags auszusperren, indem die Fenster geschlossen wurden und, so vorhanden, Jalousien heruntergezogen wurden. Wir haben vor dem Nachtdienst die Flugwettervorhersage kontaktiert, weil wir genau wissen wollten, ab wann die Gewitter in der Nacht eintreffen würden. Abends beim Durchgehen haben wir die Fenster aufgemacht, um kühlere Luft in die Räume strömen zu lassen und wenn das Gewitter angezogen ist, sind wir durch das ganze Haus gelaufen und haben 200 Fenster zugemacht. Nach dem Gewitter haben wir die Fenster aufgemacht. Mit der zunehmenden Anzahl von Tropennächten wird es oftmals ...(Klingel)“ Zwischenruf Vizebürgermeisterin Hörzing: „Frau Gemeinderätin Pühringer, ich mache jetzt einen Ruf zur Sache. Sie haben einen völlig richtigen Exkurs über alle möglichen Themen, die nicht ganz ursächlich mit dem Antrag im Detail zusammenhängen. Ich darf Sie ersuchen, sich wirklich auf die Antragsformulierung, den Inhalt und diese Intentionen zu beschränken, bitte.“ Gemeinderätin Pühringer weiter: „Ich möchte einfach nur darstellen, warum mein Antrag wichtig ist und warum mir das, was ich im Antrag bitte, zu beschließen, wichtig ist. Und ich glaube, dass das nicht jedem bewusst ist, weil immer wieder Anträge, die für die alten Menschen wichtig sind, abgelehnt werden. Oder es wird abgetan, ich würde mich da vielleicht nur ein bisschen wichtigmachen, oder die Seniorenzentren Linz schlecht dastehen lassen, das ist überhaupt nicht wahr. Deshalb möchte ich ...“ Zwischenruf Vizebürgermeisterin Hörzing: „Frau Gemeinderätin Pühringer, jetzt lasse ich aber nicht zu, dass Sie die Kompetenzen der Mitglieder dieses Gemeinderates auch noch abwerten.“ Gemeinderätin Pühringer weiter: „Nein, gar nicht, aber medizinisch...“ Zwischenruf Vizebürgermeisterin Hörzing: „Ich glaube, dass Sie vieles wissen und sich über vieles erkundigen.“ Gemeinderätin Pühringer weiter: „Aber medizinisches Fachwissen glaube ich, ist hier doch nicht so ausführlich vorhanden. Gut, also ich gehe dann auf die Situation des Pflegepersonals nicht mehr näher ein, das nämlich auch unter der Hitze dort leidet. Ich komme zu der Forderung, die im Antrag steht. Die Linzer Seniorenpflegeeinrichtungen brauchen jetzt eine kompetente Beratung, welche Maßnahmen sinnvoll zu ergreifen sind, um die Temperaturen in den Innenräumen zu senken, wenn wieder Hitzewellen und Tropennächte kommen. Dazu braucht es dann auch ein Budget, um die Maßnahmen umzusetzen, weil die Seniorenpflegeeinrichtungen diese Kosten nie und nimmer selbst stemmen können. In diesem Zusammenhang stellt die LinzPlus-Gemeinderatsfraktion folgenden Antrag:
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: „Die für Senior*innenbetreuung zuständige Stadträtin Karin Hörzing möge die Verantwortlichen aus allen Langzeitpflege-Einrichtungen für Senior*innen in Linz unterstützen, um möglichst rasch Maßnahmen zur Kühlung und Beschattung in den jeweiligen Einrichtungen und deren Umfeld zu eruieren und diese auch umzusetzen. So sollen die besonders gefährdeten Bewohner*innen der Heime vor gesundheitlichen Schäden durch Hitze geschützt werden.“ Weiters möge die für Finanzen zuständige Stadträtin Tina Blöchl die Kosten dieser Maßnahmen (aber auch der fachlichen Beratung) bei der Erstellung des kommenden Budgets bereits berücksichtigen. Die Häuser können das aus ihren laufenden Budgets nicht stemmen. Eine Sonderfinanzierung der Stadt ist daher nötig. Etwaige Kosten können durch Umschichtungen im Budget gedeckt werden.
Wortmeldungen (3)EinblendenAusblenden

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, liebe Renate, ja das ist ein Thema, das einerseits sehr ernst zu nehmen ist und andererseits - natürlich, wie wir wissen - an die Auswirkungen des Klimawandels gekoppelt ist. Unter anderem aus diesem Grund haben wir im Juni des heutigen Jahres das Klimawandelanpassungskonzept ‚Zukunft Linz‘ mit einem sehr konkreten Aktionsprogramm beschlossen, das verschiedene Maßnahmen enthält. Eine dieser Maßnahmen, nämlich die Maßnahme 9 nennt sich ‚Ermittlung thermisch belasteter Krabbelstuben, Kindergärten, Horte, Schulen und Seniorenzentren sowie die Entwicklung eines Maßnahmenplans zur Sanierung‘. Genau da geht es um Umsetzungsaktionen, in der sowohl die Immobilien Linz GmbH, als auch die Seniorenzentren Linz GmbH ersucht werden, im Stadtgebiet öffentliche Gebäude zu identifizieren, die Defizite in klimaresilienter bzw. klimawandelangepasster Bauweise aufweisen. Daraus folgend soll für diese Gebäude und deren Freibereiche ein Plan zur Sanierung erarbeitet werden. Das heißt, es ist Beschlusslage, dass Maßnahmen in diesem Bereich einzuleiten sind. Und nachdem wir diesen Beschluss natürlich ernst nehmen, ist aus unserer Sicht auch die Absicht dieses Antrags erfüllt. Aus dieser Sicht enthalten wir uns bei diesem Antrag.

Ich darf mich auch auf dieses Anpassungskonzept ‚Zukunft Linz‘ beziehen, das ganz wesentlich und wichtig ist. Aber ich darf auch darüber informieren, dass das Thema Hitzeschutz einerseits für die Bewohner*innen und andererseits natürlich auch für die Beschäftigten, nicht erst mit dieser Beschlussfassung im Gemeinderat bei den Geschäftsführungen der Seniorenzentren, sondern schon lange, Thema ist. Insofern gibt es auch immer wieder die entsprechenden Beschlüsse in den Wirtschaftsplänen, Investitionen vorzusehen, um Verbesserungen und Maßnahmen treffen zu können. Das passiert jetzt nicht erst ab dieser Beschlussfassung, sondern schon im Vorfeld, das ist also eine Aufgabe, die bereits erfüllt ist und deswegen wird sich auch die SPÖ bei diesem Antrag enthalten.

Danke schön für die Wortmeldungen, ich verstehe die Grünen nicht ganz, wenn sie die Dringlichkeit, dass wir die Seniorenzentren klimaertüchtigen, nicht verstehen. Frau Mag.ª Schobesberger hat vorher selbst gesagt, dass es ständig heißer wird. Für den menschlichen Körper ist das gesundheitsbelastend und gefährlich. Sie hat sogar bei der Herz-Jesu-Kirche einen Hotspot identifiziert, wo z. B. der Sonnenhof Lenaupark in der Nähe ist. Es geht darum, die Heime jetzt in den Fokus zu nehmen. Kindergärten, Schulen und Horte sind natürlich auch belastet, jedenfalls einige von denen. Aber dort ist wenigstens im Sommer ein bisschen weniger Betrieb, wohingegen die alten Leute in den Heimen nie hinauskommen und immer belastet sind. Ich weiß, dass das alles ganz lang dauert, weil ich im Seniorenzentrum Hillinger in Urfahr gearbeitet habe. Dort ist vor sieben Jahren schon, von einem umsichtigen Heimleiter, die Idee geboren worden, dass man eine Außenbeschattung macht, weil das Heim sehr hitzebelastet ist. Ich habe erfahren, dass jetzt ein Budget vorhanden ist und jetzt die Planung losgeht, um dort eine Beschattung zu machen. Insofern bitte ich noch einmal um Zustimmung.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Fraktionen von SPÖ (22), Die Grünen (8), FPÖ (9), NEOS (2), Gemeinderat Dipl.-Ing. Dr. Obermayr von MFG, KPÖ (2) und Gemeinderat Brandstetter, WANDEL mit Stimmenmehrheit abgelehnt.