Mehr Autonomie für Statutarstädte - Beschluss einer Resolution
D 1 · Ausschussantrag · 4. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz
Ausschuss:Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Verfassung
Ergebnis:angenommen
Zusammenfassung
KI GeneriertGefordert wird eine Novelle des Bundes-Verfassungsgesetzes, damit Statutarstädte ihr Stadtstatut und ihre Arbeitsweise stärker selbst bestimmen können. Hintergrund ist, dass frühere Versuche zur Änderung der Stadtstatute in Oberösterreich nicht umgesetzt wurden und Linz gemeinsam mit anderen Statutarstädten mehr Selbstbestimmungsrechte einfordert. Befürwortet wird die Idee als Stärkung kommunaler Autonomie, während zugleich auf verfassungsrechtliche Hürden, Zuständigkeitsfragen und die Notwendigkeit von Minderheitenrechten hingewiesen wird. Die Resolution an die Bundesregierung wurde angenommen, obwohl mehrere Fraktionen sich der Stimme enthielten.
AntragstextEinblendenAusblenden
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Wortmeldungen (7)EinblendenAusblenden
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, es ist mir ein Anliegen zu sagen, dass ich oder wir ausnahmsweise Ihrer Meinung sind. Zwischenruf Bürgermeister Luger: „Das ist ein Wahnsinn! Und das schon im Jänner!“ Gemeinderat Potočnik weiter: Das ist wirklich eine wichtige Sache. Ich hoffe doch, und ich gehe auch davon aus, dass das einstimmig sein wird. Wenn wir hier als Gemeinderäte sitzen und zumindest anständig entschädigt werden - sagen wir es einmal so -, dann sollte das doch auch im Interesse aller hier sein, dass dieser Antrag durchgeht und wir einen Schritt weiterkommen. Wir ‚kiefeln‘ an diesem Thema schon seit Jahren herum. Ich hoffe doch, dass die ÖVP und die FPÖ und alle anderen hier mitstimmen, damit wir das Statut und unsere Regeln selbst aufstellen können.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Lorenz, ich würde jetzt gerne auch sagen, dass wir dieses Mal einer Meinung sind. Herr Bürgermeister, ich muss dem nur voranstellen, dass wir gerne eingebunden gewesen wären, gerade weil es so eine schwierige, verfassungsrechtliche Materie ist. Der Antrag wurde uns im Ausschuss kurzfristig vorgesetzt. In der Zwischenzeit war es nicht möglich, die offenen Fragen miteinander durchzugehen. Wir sehen einige Abgrenzungsproblematiken auch zu Zuständigkeiten. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, uns heute der Stimme zu enthalten, auch wenn wir uns im Prinzip einer Diskussion nicht verwehren bzw. auch verstehen, dass sich dieses Gremium hier damit beschäftigt und ein Statut vorlegen möchte. Die Intention verstehen wir. Wir hätten uns gewünscht, dass man uns einbindet, damit wir unsere Fragen vorher stellen können. Weil die Fragen noch offen sind, müssen wir uns heute der Stimme enthalten.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, auch die freiheitliche Fraktion wird sich bei der konkreten Resolution der Stimme enthalten. Das Thema ist für uns in seiner Komplexität in dieser relativ kurzen Zeit - wie schon der Vorredner gesagt hat - nicht vollständig durchdiskutierbar gewesen. Dinge, hinter denen wir nicht vollkommen stehen, müssen wir die Zustimmung versagen. Danke schön.
Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, auch wir haben den Antrag intensiv diskutiert. Ich kann die Intention des Herrn Bürgermeisters sehr gut nachvollziehen. In der letzten Periode haben wir die Erfahrung gemacht, dass es nicht möglich war, eine im Gemeinderat beschlossene Resolution im Landtag letztendlich durchzubringen. Für uns ist der Föderalismus das Problem ist. Man muss schon ganz ehrlich sagen, dass es in Oberösterreich auf Landesebene vor allem die ÖVP gewesen ist, die bei solchen Angelegenheiten oft gerne eine Blockadepolitik betreibt. Wenn jetzt alle Statutarstädte quasi selbst bestimmen können, was sie tun, dann sehe ich auch die Problematik, dass es einen unglaublichen Wildwuchs gibt. Das hat auch damit zu tun, dass dann die Statute je nach Kräfteverhältnisse ganz unterschiedlich ausschauen. Ich denke, man sollte schon noch ein bisschen genauer überlegen, wie man trotzdem zu einer gewissen Einheitlichkeit kommt. Ein Statut sollte so etwas wie ein Schutz für die Minderheiten, die in einem Gemeinderat sind, sein. Herr Bürgermeister, du hast offen die Absicht ausgesprochen, dass du zum Beispiel daran denkst, den Gemeinderat von den Sitzen her zu verkleinern. Das kann ich als Angehörige einer kleinen Fraktion nicht so positiv sehen. Ich denke, Demokratie lebt auch von der Vielfalt der Mitglieder eines Gemeinderates. Wie das dann im Statut geregelt werden kann, ist eine Frage. Wir werden uns jetzt beim vorliegenden Antrag der Stimme enthalten, weil uns das noch zu unausgegoren ist. Es ist uns natürlich bewusst, dass in dieser Thematik sehr viel Stillstand herrscht. Aber so, wie der Antrag jetzt vorliegt, glaube ich, ist es noch zu bald, um dem zustimmen zu können. Danke.
Ich kann einige bereits geäußerte Bedenken durchaus teilen. Ich glaube auch, dass es tatsächlich problematisch ist, wenn im Endausbau, jede Stadt in Österreich, die mehr als 20.000 EinwohnerInnen hat, ihre eigenen Regeln definiert. Ich bin auch nicht mit allen Vorschlägen zu 100 Prozent d’accord. Ich bin auch keine Befürworterin, den Gemeinderat zu verkleinern oder auch den Stadtsenat zu verändern. Ich bin der Überzeugung, dass es, wenn man darüber nachdenkt - schon damit einhergehen muss, dass man gleichzeitig andere Minderheitenrechte stärkt und so weiter. Ich glaube, dass man darüber im Detail schon noch viel diskutieren muss, aber die Grundidee vertreten auch wir. Wir halten es schon auch für gescheit, dass Statutarstädte mit einer bestimmten Größe mehr Selbstbestimmungsrechte haben. Nachdem das eine Resolution an den Bund ist, wo mit Zweidrittelmehrheit ein Verfassungsgesetz geändert werden muss, sehen wir das eher als Anstoß eines Diskussionsprozesses. Das ist aus unserer Sicht sehr gescheit und darum werden wir den Antrag unterstützen.
Bei diesem Antrag kam mein kleiner Anarchist in mir ein bisschen durch. Ich finde das im Grunde ganz gut. Ein bisschen Strukturpluralismus auf der niedrigsten Ebene ist, glaube ich, nicht schlecht. Insofern werden wir dem Antrag zustimmen. Es gibt aber natürlich ganz viele Punkte, die dann im Detail quasi ausgehandelt werden müssen, die noch voll offen sind. Aber wir stimmen der Grundintention zu. Die andere Frage ist, ob das Ganze etwas bringt, aber schauen wir einmal.
Es ist wirklich ein beeindruckender Tag: Lob von Herrn Potočnik, Unterstützung von der Anarcho-Szene. Was mir hier in den letzten zehn Minuten widerfahren ist, hätte ich mir in der Früh noch nicht gedacht. Ich möchte mich bei all denjenigen die diesen Antrag mittragen, herzlich für Ihre Unterstützung bedanken. Es ist tatsächlich, völlig unwidersprochen, dass das eine ziemlich komplexe Materie ist. Es muss aber in einer liberalen Demokratie möglich sein, dass Einheiten, wie Statutarstädte, mehr Selbstbestimmungsrecht bekommen. Darum geht es im Grunde. Die Erfolgsaussichten bezüglich Veränderungen der österreichischen Bundesverfassung, scheinen tatsächlich überschaubar zu sein. Wenn Sie sich an den großen Verfassungskonvent erinnern, den es vor wenigen Jahren gegeben hat, dann wissen Sie, dass außer Material für das Archiv wirklich gar nichts übriggeblieben ist. Vielleicht ist aber auch die Zeit noch nicht reif, nach vielen Jahren einmal wirkliche Verfassungsänderungen durchzuführen. Danke für die Zustimmung.
Abstimmungsergebnis
Ergebnis: angenommen
Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Fraktionen von ÖVP (11), FPÖ (7) und KPÖ (2) mit Stimmenmehrheit angenommen.