Raus aus Kohle, Öl und Gas: Globalen Vertrag für Ausstieg unterstützen

H 5 · Fraktionsantrag · 38. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Berichterstatter:

Ergebnis:ausschuss verwiesen

Zusammenfassung

KI Generiert

Beschlossen werden sollte der Beitritt der Stadt Linz zur „Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty Initiative“, die einen verbindlichen globalen Vertrag für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie gegen die Ausbreitung fossiler Brennstoffe anstrebt. Begründet wurde dies mit der Klimakrise, der bereits in Linz verfolgten Klimaneutralitäts- und Anpassungsstrategie sowie der internationalen Vernetzung von Städten. Als weitere Argumente wurden die Abhängigkeit von fossilen Importen, stabile Strompreise und die Bedeutung für einen innovativen Wirtschaftsstandort genannt. Die Initiative soll als ergänzender, nicht konkurrierender Beitrag zu lokalen Klimaschutzmaßnahmen verstanden werden. Die Zuweisung an den Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Finanzen wurde mehrheitlich angenommen.

Schlagwörter (10):klimaschutzfossilausstiegkohleölgasklimaneutralitätklimaanpassunginternationales netzwerkwirtschaftsstandortenergieabhängigkeit
AntragstextEinblendenAusblenden
„Danke Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, ich muss auch noch einmal auf dich zurückkommen, lieber Zeljko Malesevic. Es ist schon interessant, dass du zu wissen scheinst, woher wir unsere Informationen haben bzw. wie sich unsere Zugänge zur Erstellung von Anträgen gestalten. Eines möchte ich festhalten - vielleicht kannst du das aus einer anderen Perspektive teilen. Netzwerke sind sehr wichtig. Sie bilden die Grundlage von Politik. Sie bilden die Grundlage für Handeln und in weiterer Folge für wirksames Handeln. In manchen Dingen gibt es auch die Notwendigkeit, sich international zu vernetzen - nicht nur im kleineren, kommunalen Bereich. Der Impuls dafür geht auch oft von Kommunen aus. Es gibt vielerlei Netzwerke, in denen sich Kommunen vernetzen. In diesem Fall geht es um Kohle, Öl und Gas. Ich glaube, dass sich sehr viele hier herinnen einig sind, dass wir einen Ausstieg brauchen, damit wir die Klimakrise - eine der größten Herausforderungen unserer Zeit - in den Griff bekommen. Wie wir wissen, gehen wir in Linz schon einen recht konsequenten Weg. Zum einen haben wir mit dem Klimaneutralitätskonzept, zum anderen mit dem Anpassungskonzept ‚Zukunft Linz‘ in der Vergangenheit gemeinsam im Gemeinderat schon die Weichen gestellt. Umso bitterer ist es zu sehen, dass etwa die jüngste Weltklimakonferenz, die Ende vergangenen Jahres in Belém abgehalten worden ist, genau daran gescheitert ist. Da hat man es nicht einmal geschafft, dass man den Ausstieg aus fossilen Energien in den Abschlusstext bringt. Das ist ein ziemliches Armutszeugnis. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Niederlande und Kolumbien geben sich nämlich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Bereits morgen, am 24. April, findet in Santa Marta in Kolumbien die erste internationale Konferenz für einen gerechten Übergang, weg von fossilen Brennstoffen, statt. 24 Länder, darunter auch Österreich, stehen schon hinter der sogenannten ‚Erklärung von Belém über den gerechten Übergang weg von fossilen Brennstoffen‘, die diese Konferenz begleitet. Parallel dazu arbeitet die sogenannte ‚Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty Initiative‘, um die es in diesem Antrag geht. Das ist ein Bündnis aus Zivilgesellschaft, Expert*innen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die an einem verbindlichen globalen Vertrag arbeiten, der das Pariser Abkommen ergänzen soll. Dabei sind die Ziele Schluss mit der Ausbreitung fossiler Brennstoffe sowie ein gerechter Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Es geht auch darum, niemanden zurückzulassen - keinen Arbeitnehmer, keine Arbeitnehmerin, keine Gemeinschaft und kein Land. Durchaus prominente Städte, wie Paris, Toronto, Lima und Kalkutta sind bereits dabei. Aus unserer Sicht gehört Linz auch in diese Reihe. Es passt zu dem, was wir in diesem Haus beschlossen haben. Es wäre ein starkes Signal, dass wir diesen Weg nicht nur innerhalb unserer Stadtgrenzen mitgehen, sondern uns auch international vernetzen. 71 Der Blick auf die Entwicklungen im Nahen Osten zeigt ja, wie verletzlich wir durch unsere Abhängigkeit von fossilen Importen sind. Der Ausstieg ist längst nicht nur eine klimapolitische Frage. Es ist auch eine Frage unserer Unabhängigkeit, eine Frage stabiler Strompreise und eines innovativen Wirtschaftsstandorts. Ich ersuche Sie daher im Namen der Grünen-Fraktion zur Zustimmung zum Beitritt der Stadt Linz zur ‚Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty Initiative‘. Vielen Dank.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: „Bürgermeister Dietmar Prammer wird ersucht, den Beitritt der Stadt Linz zur „Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty Initiative“ zu erklären, die dafür notwendigen Formalitäten abzuwickeln und den Gemeinderat anschließend davon zu informieren. Die Bedeckung der Kosten soll durch Umschichtung im Rahmen des Budgets erfolgen bzw. in kommenden Voranschlägen berücksichtigt werden.“
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Vielen Dank Herr Bürgermeister, werte Kolleginnen und Kollegen, lieber Helge Langer, vielen Dank für den Antrag und die Initiative. Wie du bereits gesagt hast, haben wir im Gemeinderat ja schon umfassende Grundlagen geschaffen. Wir machen Linz im Sinne des Klimawandelanpassungsgesetzes sowohl fit für Veränderungen, die uns aufgrund der Klimakrise drohen, entwickeln aber auch eine Strategie, um Linz zu einer ‚klimaneutralen Industriestadt 2040‘ zu machen. Das heißt, den Charakter der Industriestadt und auch die damit verbundene Wertschöpfung - Arbeitsplätze, Lebensqualität -, die aufgrund des industriellen Charakters der Stadt passiert, an die klimatischen Herausforderungen und Gegebenheiten anzupassen. So weit stimme ich dir völlig zu. Du erzählst - ich habe das auch recherchiert -, dass die Initiative gerade an einem Vertragswerk, an konkreteren Maßnahmen und so weiter, arbeitet. Darum halte ich es für eine sehr gute Gelegenheit, die dann vielleicht schon vorliegenden Texte oder weitere Informationen dazu, mit unseren Konzepten in eine Form von Abstimmung zu bringen. Somit können wir in Einklang gehen, damit nichts Gegenläufiges beschlossen wird. Wir können vielleicht auch Ideen, die von dort stammen, zur Anpassung und Adaptierung unserer Konzepte verwenden. Ich beantrage die Zuweisung in den Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Finanzen, um dort die von mir gerade vorgeschlagenen Dinge zu diskutieren. Das werdet ihr dann im Ausschuss auch selbstständig entscheiden und diskutieren können. Vielen Dank.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, es ist prinzipiell gut, wenn man nach alternativen Energieträgern sucht. Wir als Industriestadt Linz müssen nur auch der Tatsache ins Auge blicken, dass unsere Industrie nicht von heute auf morgen auf diese fossilen Energieträger verzichten kann. Ich halte es für gefährlich, diese Energieträger komplett auszuschließen, da wir sie auch als Ergänzung brauchen werden. 72 Es ist ganz ähnlich wie beim Autoverkehr. Da kann es auch nicht sein, dass wir alles auf Elektromobilität setzen. Das halte ich genauso für einen Fehler. Der Mix wird es ausmachen. Kollege Malesevic hat die internationalen Initiativen schon angesprochen. Ich sehe die Kernkompetenz des Gemeinderates eher darin, dass wir uns um unsere eigene Bevölkerung kümmern. In dieser Initiative wird angesprochen, indigene Bevölkerungsgruppen zu schützen. Das ist kein Fehler. Wir sind auch dafür, Bevölkerungsgruppen zu schützen - unsere eigene Bevölkerung, die auf Arbeitsplätze in der Industriestadt Linz angewiesen ist. Deshalb werden wir dem Antrag nicht zustimmen, es gibt eine Gegenstimme von uns.

Vielen Dank Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich verstehe vollinhaltlich die Frustration, die aus dieser nicht fortschreitenden Diskussion und der Klimakonferenz entsteht. Insofern ist mir auch klar, dass der Antrag dazu nicht nur im Einklang mit der Emotion, sondern auch mit den Bestrebungen steht. Allerdings ist diese Initiative für uns nicht der richtige Pfad. Warum? Weil diese ‚Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty Initiative‘ ein formelles Verhandlungsmandat innerhalb oder außerhalb der Vereinten Nationen (UN) anstrebt. Das ist für uns nicht gescheit, weil die Vereinten Nationen die Institution sind, die dafür sorgt, über Grenzen hinweg, später auf nationaler Ebene, eine Umsetzung zu ermöglichen. Mir ist schon klar, dass momentan auch global gesehen sehr viele Widerstände zu sehen und zu spüren sind. Wir wissen alle, dass es sogar 180-Grad-Drehungen gibt, da brauchen wir nicht in die Details gehen. Ich wäre nicht froh - und ich glaube, auch ihr nicht -, wenn wir die UN aushöhlen und durch andere Zusammenschlüsse ersetzen würden. Ich glaube sogar, dass wir gerade jetzt die UN stärken müssen und dafür sorgen müssen, dass sie in internationalen Fragen die Bedeutung behält, die sie eigentlich braucht, damit wir auf einer übernationalen Ebene Diskussionen führen können. Ich denke auch, dass Städte da nicht die richtigen Ansprechpartnerinnen sind. Zumindest habe ich auf dieser Webseite nicht wirklich etwas dazu gefunden. Warum? Weil internationale Verträge auf nationaler Ebene diskutiert werden und nicht über Städte. Wir könnten also höchstens ein symbolisches Zeichen setzen, indem wir beitreten, wie es andere auch machen. Wenn die SPÖ das im Ausschuss weiter diskutieren möchte, ist das auch in Ordnung. Wir werden uns trotz allem der Stimme enthalten. Wir glauben nicht, dass wir als Stadt hier für uns einen größeren Mehrwert generieren können. Wir sollen und können dagegen beschlossene Klimastrategien und Maßnahmenprogramme, die wir auf städtischer Ebene haben, konsequent weiterverfolgen und umsetzen. Dadurch sollten der personelle Aufwand und die dementsprechenden Kapazitäten ausreichend gebunden sein. Wir stehen also eher für lokal wirksamen Klimaschutz. Nach meiner persönlichen Meinung unterschreibe ich sogar deine Ausführungen dazu, aus Öl und Gas weitestgehend auszusteigen. Mir ist schon klar, dass Wirtschaft und Industrie dort noch sehr stark gebunden sind. Das steht auf einem anderen Blatt und wird auch auf einer anderen Ebene diskutiert. 73 Aber wir wollen uns nicht internationalen Zusatzinitiativen anschließen, die unklare Auswirkungen haben. Die Initiative hat einen Fünf-Schritte-Plan entwickelt und ich glaube, sie steht noch immer bei Punkt eins, wenn überhaupt. Ich denke der Ansatz ‚if you build it, they will come‘ ist nicht das, was in diesem Zusammenhang erfolgreich sein wird. Denn es kommen dann nur diejenigen, die auch willens sind und sich auch verpflichten wollen. Das heißt also, man kann solche Beschlüsse fassen. Wie bringt man aber danach ohne Vereinte Nationen die größeren Verursacher*innen dazu, die es auch braucht, um einen Schritt nach vorn zu gehen? Ich möchte nicht behaupten, dass es nicht in Ordnung wäre. Aber wir werden uns aus all diesen Überlegungen der Stimme enthalten.

Danke Herr Bürgermeister, danke für eure Diskussion, für euren Input. Lieber Michael Rosenmayr, ich sehe natürlich deine und eure Perspektive, kann sie auch in manchen Dingen teilen. Ich bin aber überzeugt davon, dass Bestrebungen, die man auf diesen Ebenen betreibt, nicht in Konkurrenz zu lokalen Bestrebungen und Maßnahmen erfolgen, die wir durch unsere Grundsatzprogramme beschlossen haben. Das sind komplementäre Maßnahmen, von denen wir alle lernen können. Diesen Austausch, den auch Georg Hubmann gemeint hat, sollte man ermöglichen, um schlussendlich zu einem Vertragswerk zu kommen. Wie du richtig angesprochen hast, ist es erst in Ausarbeitung. In der jetzigen Phase geht es darum, das Netzwerk aufzubauen, alle Player ins Netzwerk zu holen und im gegenseitigen Austausch zu lernen. Warum Städte mitmachen, liegt, glaube ich, auf der Hand. Ballungsräume sind besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen, aber natürlich auch ländliche Regionen. Es gibt verschiedene Ansätze und Zugangsweisen, wie man einerseits Klimaschutz aktiv machen und andererseits Klimawandelanpassung vorantreiben kann. Ich glaube, wir würden sehr gut davon leben können, wenn wir die Erfahrungen aus verschiedenen Kontinenten sammeln. In Summe sind wir jedenfalls zu dem Schluss gekommen, dass es eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit wäre. Damit wäre der Beitritt zu diesem internationalen Netzwerk auch sehr gut für einen Antrag geeignet. Lieber Peter Stumptner, was unsere lokale Wirtschaft oder die Linzer und Linzerinnen betrifft, ist auch ein konkreter Zusammenhang da. Es geht um den Wirtschaftsstandort, es geht beispielsweise um die voestalpine, die Milliarden Euro in grünen Stahl investiert, weil sie weiß, dass das unter anderem ein Teil der Zukunft ist. Deshalb hängt der Wirtschaftsstandort auch davon ab, dass die Dekarbonisierung bei uns gelingt. Das heißt, wer in dieser Sache beim Wirtschaftsstandort bremst, löst Unsicherheit aus, statt etwas zu verbessern. In Summe sind wir überzeugt davon und ersuchen alle, dieser Initiative beizutreten. Danke.

Abstimmungsergebnis

Beta
Ergebnis:ausschuss verwiesen· 56 von 61 anwesend

Die Zuweisung des Antrages an den Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Finanzen wird mehrheitlich angenommen. Enthaltung: ÖVP (10), ehem. MFG (2) Gegenstimme: FPÖ (8)

Einzelstimmen anzeigen (56)
Nicht anwesend · 5
Ute KlitschFPÖentschuldigt
Julia MandlmayrGRÜNEentschuldigt
Lucia Straßer-Kreisel MA MEdGRÜNEkam 17:54
Mag.a Helena ZieglerÖVPkam 17:25
Florian KopplerSPÖentschuldigt