Milliardenprojekt ‚Westring‘ - Jetzt aus nicht gedeckelter Finanzierungsvereinbarung aussteigen

M · Dringlichkeitsantrag · 15. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:abgelehnt

Zusammenfassung

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Gefordert wurde der Ausstieg der Stadt Linz aus der nicht gedeckelten Finanzierungsvereinbarung für den Westring. Begründet wurde dies mit stark gestiegenen Kosten, die statt ursprünglich 25 Millionen Euro inzwischen auf rund 60 Millionen Euro geschätzt werden und wegen der fehlenden Deckelung weiter steigen könnten. Zusätzlich wurden die jahrelangen Verzögerungen und die erst für 2035 erwartete Verkehrsfreigabe als Argument gegen eine weitere Mitfinanzierung angeführt. Das gesparte Geld sollte nach dem Vorschlag in den Ausbau des Linzer öffentlichen Verkehrs fließen. Der Gemeinderat lehnte den Vorstoß mit Stimmenmehrheit ab; SPÖ, ÖVP, FPÖ und NEOS enthielten sich.

Schlagwörter (10):westringfinanzierungsvereinbarungkostensteigerungausstiegsklauselöffentlicher verkehrmobilitätautobahnprojektbudgetumschichtungverkehrsentlastungstadtentwicklung
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Gemeinderat Potočnik berichtet über den von den Gemeinderatsfraktionen der Die Grünen, KPÖ, LinzPlus und Gemeinderat Brandstetter, WANDEL eingebrachten DRINGLICHKEITSANTRAG betreffend ‚Milliardenprojekt ‚Westring‘ - Jetzt aus nicht gedeckelter Finanzierungsvereinbarung aussteigen und führt aus: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, das ist ein Vier-Parteien-Antrag, ich möchte fast sagen, eine Allianz der Vernunft in Sachen Westring, wo wir mit diesem Projekt sehenden Auges in den Berg hinein oder gegen die Wand fahren. Die Kosten für den Westring explodieren bzw. werden explodieren. Die Konsequenzen daraus sind für die Stadt Linz und die Linzer Bevölkerung verheerend. Statt ursprünglich 25 Millionen Euro – das war der Anteil bei Vertragsunterzeichnung - sind es nun geschätzte 60 Millionen Euro. Da der städtische Anteil in der Finanzierungsvereinbarung jedoch nicht gedeckelt ist, das wissen wir alle, kann sich sogar diese horrende Summe noch erhöhen. Davon gehen wir auch aus, weil man gesehen hat, wie sich die Kosten insgesamt in den letzten zehn bis 15 Jahren entwickelt haben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es da auch nach oben hin noch weitergeht. Dieses Geld fehlt, das ist der springende Punkt, es fehlt bereits jetzt und wird bei einer weiteren Beteiligung der Stadt am Westring auch in Zukunft bitter fehlen. Es wird in allen Kernaufgaben der Stadt, aber natürlich insbesondere im Bereich der Mobilität, des ÖVs, des ÖPNVs, wo hohe und dringende Investitionen anstehen, fehlen. Herr Bürgermeister, in Ihrer Beantwortung, der Anfrage zum Vertrag des Westrings vom 24. Mai, das war in der letzten Gemeinderatssitzung, haben Sie bestätigt, dass es eine Ausstiegsklausel gibt und ein Ausstieg bereits bei einer Kostenüberschreitung von zehn Prozent vertraglich möglich ist. Diese zehn Prozent sind schon lange erreicht, ein Ausstieg ist also mehr als naheliegend und rechtlich schon seit Jahren möglich. Die ‚plötzliche‘ Kostenüberschreitung der aktuellen Schätzungen beträgt ein Vielfaches dieser zehn Prozent. Je nach verwendeten Zahlen liegen die Mehrkosten zwischen 60 und 140 Prozent. Es kann also nicht einfach verharmlosend von einer Kostenüberschreitung, schon gar nicht von ‚in den sauren Apfel beißen‘ gesprochen werden. Vielmehr handelt es sich um einen neuen, mehr als doppelt so hohen Finanzierungsbedarf im zweistelligen Millionenbereich. Auch die angekündigten jahrelangen Verzögerungen und die um drei Jahre verspätete Verkehrsfreigabe im Jahr 2035 machen aus dem Westring ein immer sinnloseres Projekt. Eine erhoffte Entlastung der Innenstadt würde also erst in zwölf Jahren, wenn es überhaupt dazu kommt, Wirkung erzielen. So lange kann Linz und insbesondere die Bewohner*innen der Innenstadt jedoch nicht warten. Linz ist daher regelrecht verpflichtet, die Situation radikal neu zu bewerten und die katastrophale finanzielle Entwicklung dieses Autobahnprojekts zu nutzen, um die mobilitätspolitischen Leitlinien neu zu denken. Jetzt ist der Moment, dieses Projekt mit den neu gesteckten Zielen (unter anderem der Klimahauptstadt, der Stadtentwicklung der Post City, der Lebensstadt) der letzten Jahre abzugleichen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Daher sind wir als Antragsteller*innen der festen Überzeugung, dass die Stadt die sinnvolle, vertraglich festgehaltene Ausstiegsklausel dringend nutzen und so den Westring nicht weiter mitfinanzieren soll. Wir fordern Sie als Bürgermeister daher auf, den Ausstieg aus dem Vertrag vorzubereiten und zu diesem Zweck mit der ASFINAG in Verhandlung zu treten. Daher fordern die Gemeinderatsfraktionen von Die Grünen, KPÖ, LinzPlus und Gemeinderat Brandstetter, WANDEL folgenden Antrag: Der Gemeinderat beschließe: ‚Der Bürgermeister möge rasch und entschlossen die vereinbarte Ausstiegsklausel der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt, Land und ASFINAG nutzen und dahingehend mit der ASFINAG in Gespräche treten. Das so gesparte Geld möge in den weiteren Ausbau des Linzer Öffentlichen Verkehrs investiert werden. Etwaige Kosten können durch Umschichtungen im Budget gedeckt werden.‘ Ich bitte hier um dringende Zustimmung." (Beifall)
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‚Der Bürgermeister möge rasch und entschlossen die vereinbarte Ausstiegsklausel der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt, Land und ASFINAG nutzen und dahingehend mit der ASFINAG in Gespräche treten. Das so gesparte Geld möge in den weiteren Ausbau des Linzer Öffentlichen Verkehrs investiert werden. Etwaige Kosten können durch Umschichtungen im Budget gedeckt werden.‘
Wortmeldungen (2)EinblendenAusblenden

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist glaube ich, für all diejenigen die dieses Projekt unterstützen, tatsächlich eine ernsthafte Situation, weil es sich hier um den Einsatz von Steuergeld handelt. Das ist uns allen auch bewusst. Fakt ist, dass die Plausibilisierung, die die ASFINAG vorgenommen hat, nämlich, dass diese Kostenerhöhungen tatsächlich auf mehrere Faktoren zurückzuführen sind. Das sind einerseits die Preisentwicklungen in den letzten beiden Jahren, andererseits haben sich jedoch natürlich auch die Verfahrensverzögerungen in der Abrechnung in höheren Preisen, selbst in Zeiten als ein niedrigeres Zinsniveau gewesen ist, niedergeschlagen. Es sind auch Maßnahmen gebaut worden, die im ursprünglichen Plan nicht inkludiert waren und inzwischen ist auch der Anteil für die zukünftigen Baumaßnahmen für Unvorhergesehenes auf 20 Prozent erhöht worden, primär für Tunnelbauweisen. Derzeit prüfen das Land Oberösterreich und die Stadt Linz mit den eigenen Expert*innen die Details. Ich sage jedoch, mit dem was mir bislang berichtet worden ist, das ist noch kein Endbericht, ist davon auszugehen, dass diese Kostenerhöhungen nicht durch Schlamperei, nicht durch Fehlentscheidungen, auch nicht durch falsche Maßnahmen des Baumanagements entstanden sind, sondern nachvollziehbar und plausibel sind. Wenn sich das auch in der Detailprüfung weiter festigen wird, sehe ich persönlich keinen Grund aus diesem Projekt auszusteigen, denn wir haben hier unterschiedliche inhaltliche Positionen. Und ich sehe keinen Grund, die inhaltliche Position zu ändern. Hier werden 40.000 Linzer*innen in Urfahr, in der Innenstadt, entlang der Westtangente vom Durchzugsverkehr befreit werden. Wir haben die Möglichkeit auch den Durchzugsverkehr durch Linz, besonders auch in den beiden Einbahnästen in der Innenstadt, neu zu gestalten. Ich sehe viele Vorteile. Sie haben immer Ihre Argumente, dass jede Straße Verkehr anzieht und deshalb alles immer mehr wird. Das ist Ihre Meinung und es macht auch sehr wenig Sinn sich hier stereotype Positionen immer wieder gegenseitig zu deklamieren. Ich verzichte deshalb auf weitere Detailerklärungen meinerseits, aber meine Fraktion wird sich bei diesem Antrag der Stimme enthalten.

Eigentlich hat niemand behauptet, dass das wegen Schlampereien oder irgendwelchen Fehlentscheidungen ist. Egal wie es zu diesen Mehrkosten kommt, das ist fast schon irrelevant, es ist einfach explodiert. 140 Prozent Kostensteigerung sind 14-mal so viel, wie für die Ausstiegsklausel im Vertrag steht. Ich denke, diese Ausstiegsklausel wurde nicht zum Spaß in den Vertrag aufgenommen, sondern aus gutem Grund und aus vernünftigen Gründen. Diese Allianz aus Kleinparteien, die offenbar vernünftiger sind als die großen - ich kann das nicht anders sagen - plädiert deswegen dafür, hier dringend auszusteigen. Das ist ein Projekt, wo spätestens jetzt eigentlich alle erkennen müssen, dass es uns in jeder Hinsicht schadet. Es schadet dem Wirtschaftsstandort und ist einfach wirklich zerstörerisch. Michael Schmida hat heute diesen Widerspruch schon aufgezeigt. Wir haben heute einen Meilenstein, einen großen Antrag - so waren die Begriffe -, dieses Klimaanpassungskonzept beschlossen - einstimmig, oder fast, ja einstimmig. Mit diesem Westring machen wir alle diese Bemühungen mit einem Schlag wieder zunichte. Im Gegenteil, wir machen es noch schlimmer. Da passen die grundlegenden Dinge so überhaupt nicht zusammen, dass es wirklich weh tut. Insofern kann ich es nur noch einmal sagen - es ist jetzt für alle ersichtlich was für ein Irrsinn dieses Projekt ist -, dass jetzt, spätestens jetzt der Moment ist, aus diesem Projekt, das wirtschaftlich verrückt ist, ökonomisch verrückt ist und verkehrstechnisch verrückt ist, auszusteigen.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: abgelehnt

Der Antrag wird bei Stimmhaltung der Fraktionen von SPÖ (20), ÖVP (10), FPÖ (9) und NEOS (2) mit Stimmenmehrheit abgelehnt.