Ausarbeitung eines Hitzenotfallplans für die Stadt Linz sowie Kreditübertragung aus dem Klimafonds in Höhe von 100.240 Euro

G 4 · Stadtsenatsantrag · 22. Sitzung

Berichterstatter:

Ergebnis:angenommen

Zusammenfassung

KI Generiert

Beschlossen wurde die Ausarbeitung eines Hitzenotfallplans für Linz als Maßnahme des Klimawandelanpassungskonzepts. Der Plan soll besonders gefährdete Gruppen, Hitze-Hotspots, kühle Räume, Trinkbrunnen und weitere Schutzmaßnahmen erfassen, damit im Akutfall rasch koordinierte Abläufe greifen. Begründet wird das Vorhaben mit zunehmenden Hitzebelastungen, Tropennächten und dem Schutz von Gesundheit, Grünraum und Frischluftschneisen. Für das Projekt wird eine Kreditübertragung von 100.240 Euro aus dem Klimafonds genehmigt; konkrete Verträge bleiben den zuständigen Organen vorbehalten. Der Beschluss wurde mehrstimmig angenommen.

Schlagwörter (10):hitzenotfallplanhitzeschutzklimaanpassungklimafondsgesundheitsschutztropennächtetrinkbrunnenkühlräumegrünraumfrischluftschneisen
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Hier geht es um die Ausarbeitung eines Hitzenotfallplanes für die Stadt Linz. Hintergrund dafür ist, dass wir bestimmte Folgen der Klimakrise nicht mehr abwenden können. Ich habe es heute schon einmal gesagt, dass auch in der Stadt Linz, wie in vielen anderen Städten, die Hitze das Hauptproblem ist. Wir haben daher, vor ungefähr einem Jahr, einstimmig das Klimawandelanpassungskonzept beschlossen. Dazu haben wir auch gleich 30 Maßnahmen, wie wir dieses Konzept umsetzen wollen, mehrheitlich beschlossen. Eine dieser Maßnahmen und zwar die erste, die in diesem Maßnahmenpaket verankert ist, ist dieser Hitzenotfallplan. Heute liegt das Konzept zur weiteren Entwicklung und zur Beschlussfassung auf dem Tisch. Ich freue mich sehr darüber, weil ich glaube, dass das ein wichtiger Meilenstein ist. Bei anderen Umweltereignissen, wie dem Hochwasser, haben wir einen derartigen Notfallplan seit vielen Jahren. Wenn ein Hochwasserfall eintritt, passieren quasi auf Knopfdruck die notwendigen Abläufe und Maßnahmen schon ganz selbstverständlich. So muss man sich auch den Hitzenotfallplan vorstellen. Es soll konkret herausgearbeitet werden, wo besonders schützenswerte Personen leben, wo viele kranke Menschen sind oder wo viele junge Menschen sind, die unter Hitze besonders leiden. Dass das notwendig ist, hat uns das letzte Jahr besonders deutlich vor Augen geführt. Ich möchte das anhand der Tropennächte skizzieren, weil dazu aktuell gerade eine Studie herausgekommen ist. Diese bezieht sich auf Daten aus Deutschland über einen Zeitraum von 15 Jahren. Es wurde festgestellt, dass es in Tropennächten um sieben Prozent mehr Schlaganfälle gibt als in regulären Nächten. Diese Tropennächte sind Nächte, wo die Temperatur nicht unter 20 Grad abkühlt. Das ist für gesunde Menschen sehr anstrengend, weil man einfach nicht mehr erholsam schläft und für kranke Menschen sogar gefährlich. Wir hatten in der Stadt Linz im letzten Jahr eine unterschiedliche Anzahl an Tropennächten im Norden und im Süden von Linz. Dort wo die Kühlung und Durchlüftung der Stadt funktioniert, hatten wir jeweils fünf Tropennächte. In der Innenstadt, die dicht verbaut ist und wo diese Kühlung nicht funktioniert, beispielsweise bei der Herz-Jesu-Kirche und bei der Messstelle bei der Otto-Glöckel-Schule hatten wir 19 Tropennächte. Das heißt, wir haben dringenden Handlungsbedarf in mehrfacher Hinsicht. Zum einen, wenn es um den Schutz des Grüns geht. Ich bin jetzt wieder beim Thema Grüngürtel. Aus meiner Sicht ist es ein zentraler Moment, dass wir dieses Grün schützen. Wir dürfen uns einfach nicht mehr erlauben, hier mögliche Verschlechterungen für die Wohnbevölkerung in Kauf zu nehmen. Auf der anderen Seite müssen wir dort, wo wir negative Folgen nicht mehr abwenden können, wo wir schon eine verschärfte Situation haben, Maßnahmen ergreifen, um das abzufedern. Insgesamt geht es bei diesen Hitzenotfallplan darum, dass wir, wie schon gesagt, dieses Notfallsystem im Akutfall auf Knopfdruck haben. Alle Beteiligten sollen wissen, was zu tun ist. Es sollten alle informiert werden, die informiert werden müssen. Es geht aber noch um andere Maßnahmen, nämlich zum Beispiel um die Entwicklung eines Plans, einer Karte, wo man ablesen kann, wo kühle Räume und Orte sind, wo Trinkbrunnen sind, usw. Natürlich geht es darüber hinaus auch noch darum, im Zuge dieses Prozesses, bei dem sich Bürger*innen und Stakeholder*innen einbringen können, herauszufinden, was es vor Ort noch braucht. Braucht es eine stärkere, bessere Kennzeichnung von bestimmten Orten, wo man sich ausruhen kann oder die Kennzeichnung von Trinkbrunnen zum Beispiel und bestimmte andere Dinge? Aus meiner Sicht ist das auch schon sehr fundiert vorbereitet. Es ist recherchiert worden, was andere Städte haben. Ich halte es für unglaublich wichtig, dass wir uns jetzt dieser Arbeit widmen und diesen Hitzenotfallplan weiterentwickeln. Ich ersuche daher um Zustimmung.
BeschlussformelEinblendenAusblenden
Der Gemeinderat beschließe: 1. Zum Zweck der Durchführung des in der Amtsvorlage samt Beilagen beschriebenen Projekts ‚Hitzenotfallplan für Linz‘ wird eine Kreditübertragung in Höhe von 100.240 Euro von der FiPos 1.775100 (Kapitaltransfers an Unternehmen), Haushaltsprogramm 04002 (Klimafonds) im Fonds 522000 (Klimafonds) auf die FiPos 1.728000 (Entgelte für sonstige Leistungen) im Fonds 522000 (Klimafonds) genehmigt. Die Verrechnung der Kosten in Höhe von 100.240 Euro inklusive USt erfolgt auf den entsprechenden FiPos im Fonds 522000 (Klimafonds). 2. Der Abschluss konkreter Verträge ist dem jeweils nach den Wertgrenzen des StL 1992 zuständigen Organ vorbehalten.
Wortmeldungen (4)EinblendenAusblenden

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir hinterfragen nicht die Sinnhaftigkeit des Hitzenotfallplanes - im Gegenteil - unsere Fraktion hat bereits im Juli 2022 dringend Sofortmaßnahmen gegen die Hitze gefordert. Es blieb aber nicht nur bei leeren Forderungen, sondern wir hatten auch konkrete Vorschläge. In der Zwischenzeit sind zwei Jahre ins Land gegangen und es ist nicht sehr viel passiert. Uns geht es schlicht und ergreifend zu langsam. Mich verwundert in diesem Zusammenhang auch, dass unser Antrag zu einer besseren Kennzeichnung der Trinkbrunnen unter dem Tagesordnungspunkt P 4 von der Grünen-Gemeinderatsfraktion eine Enthaltung bekommt. Dies ganz besonders deswegen, weil Sie, Frau Schobesberger, explizit erwähnen, dass das eine wichtige Maßnahme ist. Wie gesagt, wir werden uns enthalten, da es uns schlicht und einfach zu langsam gegangen ist. Wir haben schon vor zwei Jahren Vorschläge gemacht.

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrte Kolleg*innen, sehr geehrte Frau Stadträtin Schobesberger. Ich wiederhole, was ich in den Ausschusssitzungen immer wieder vorgebracht habe und was ich in Form von Anträgen in den Gemeinderat eingebracht habe. Wir beschließen Papier um Papier und kommen nicht ins Tun, alles geht schleppend und quälend langsam voran. Es gibt nichts Konkretes. Wir dürfen nicht zulassen, dass man uns in Bezug auf die Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen Fahrlässigkeit nachsagen kann. Jeden Sommer leiden und sterben insbesondere alte und auch obdachlose Menschen an Dehydrierung, weil ihr Organismus die Hitze nicht mehr aushält. Wir wissen schon lange, was zu tun ist und wie wir die Gesundheit und das Leben dieser Bürgerinnen und Bürger schützen können. Es müssten schon längst bei allen Seniorenpflegeeinrichtungen der Stadt Linz Sonnenschutzeinrichtungen montiert und in Betrieb sein. Und es müssten für obdachlose Menschen schon längst kühle Quartiere bereit sein. Ich bitte Sie als Pflegeperson, jetzt noch einmal dringend, schon für diesen Sommer Sofortmaßnahmen für diese beiden Menschengruppen umzusetzen. Denn der Schutz dieser Menschen duldet keinen Aufschub.

Danke schön Frau Vizebürgermeister, uns ist natürlich bewusst, dass wir in Linz einige Hitze-Hotspots haben, besonders im Bereich der Innenstadt. Dort trifft es dann leider auch oftmals die Menschen, die die Hitze am wenigsten vertragen, wie Kleinkinder in Betreuung, Bewohner der Altenheime, kranke Menschen in Spitälern und so weiter. Wir Freiheitliche vertrauen aber dem Personal in diesen Einrichtungen. Wir sind uns sicher, dass sie auch wie bislang ihr Bestes geben und alles, was in ihrer Macht steht tun, um diese Menschen durch die Hitzewelle zu bringen. Weiters vertrauen wir auch auf den Hausverstand der Linzer und bezweifeln stark, dass diese einen Hitzenotfallplan benötigen, beziehungsweise, dass dieser ihnen auch tatsächlich hilft. 100.000 Euro für Bewusstseinsbildung, Schulungen und Co. finden wir fehlplatziert und würden diese lieber in tatsächlich wirksame Bereiche investieren. Liest man sich die Gesamtkosten laut Projektantrag durch, dann taucht dieser Satz auf: ‚Allerdings sollen die Kostenschätzungen beziehungsweise -anfragen zum Hitzewarnsystem mit Website und Kommunikationsberatung und die Dienstleistungen der Wettervorhersagen erneut abgeklärt werden, da diese in der aktuellen Darstellung als deutlich zu niedrig angesehen werden.‘ Sprich, es bleibt vermutlich nicht bei den 100.000 Euro. Wir werden uns enthalten. Danke schön.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir stimmen diesem Antrag zu. Zum einen, da ein Hitzenotfallplan, wie von Frau Stadträtin Schobesberger ausgeführt, ein sehr wichtiger Baustein für eine resiliente Stadt und Gesellschaft, insbesondere natürlich für ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ist. Ich finde, ehrlich gesagt, auch den Projektvorschlag an sich sehr gut. Wie auch Frau Stadträtin Schobesberger gesagt hat, hat es aber natürlich einen schalen Beigeschmack, wenn gleichzeitig zur Diskussion steht, dass wir große Flächen an Grünland umwidmen und damit klimarelevante Frischluft- und Kaltluftschneisen zerstören. Dazu werden wir aber sicher später auch noch Näheres hören. Ich finde die Haltung der ÖVP hier etwas eigentümlich. Sich zu beklagen, dass man nicht schnell genug etwas voranbringt und wenn es so weit ist, dass etwas Sinnvolles getan wird, sich ohne wirkliche Begründung zu enthalten, das ist für mich nicht vorne, sondern eher hinten. So viel nur dazu.

Abstimmungsergebnis

Ergebnis: angenommen

Der Antrag wird mehrstimmig angenommen. Enthaltung: ÖVP (11), FPÖ (9), MFG (1), LinzPlus (2)