Anfrage von Gemeinderätin Haginger an den geschäftsführenden Vizebürgermeister Prammer betreffend 'Coding Ausbildung für Asylwerber um über 100.000 Euro - Was ist der Mehrwert für die Linzer Steuerzahler?'

4 · Anfrage · 27. Sitzung

Fragesteller:
Gerichtet an:

Status:Beantwortet

Zusammenfassung

KI Generiert

Im Mittelpunkt steht das Pilotprojekt „Code.Fusion“, mit dem zehn Asylwerbende in einer sechsmonatigen Programmierausbildung auf den IT-Arbeitsmarkt vorbereitet wurden. Das Projekt wurde nach einer Analyse der Halloween-Krawalle 2022 als Arbeitsmarkt- und Integrationsmaßnahme entwickelt, um Beschäftigung zu schaffen und die Teilnehmenden besser in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben zu integrieren. Alle zehn Teilnehmenden schlossen die Ausbildung mit dem Zertifikat „Junior Developerin“ ab; ein Teilnehmer fand bereits eine IT-Anstellung in Wien, die übrigen befinden sich im Bewerbungsprozess. Die Gesamtkosten für die Stadt Linz betragen 110.275 Euro, davon 24.000 Euro externe Beraterkosten; beauftragt wurde per Direktvergabe ein Unternehmensberater. Weitere ähnlich gelagerte Projekte sind derzeit nicht geplant, und als zusätzlicher Nutzen wird die Stärkung des Standorts Linz sowie eine mögliche spätere Finanzierung durch die Wirtschaft genannt.

Schlagwörter (10):asylwerberprogrammierausbildungit-fachkräftearbeitsmarktintegrationpilotprojektintegrationstadt linzberatungsleistungenprojektkostenwirtschaftsförderung
FragetextEinblendenAusblenden
„Sehr geehrter Herr geschäftsführender Vizebürgermeister! In der Gemeinderatssitzung vom 13. Dezember 2023 wurde auf Antrag des Ausschusses für Wirtschaft, Innovation und Verfassung das Projekt ‚Code.Fusion‘ mehrstimmig angenommen. Ziel des Projekts war es, Asylwerbern in Zusammenarbeit mit ‚Coders.Bay‘ und dem Berufsförderungsinstitut, um über 100.000 Euro eine Programmierausbildung zukommen zu lassen. Das Projekt schlug hohe Wellen, da von mehreren Seiten die hohen Kosten, der erwartete Nutzen, sowie die wirtschaftlichen Folgeeffekte des Projekts in Zweifel gezogen wurden. Um einen Überblick über den derzeit feststellbaren Erfolg dieses Projekts, sowie dessen Verlauf und künftige Pläne zu erhalten, ersuche ich um Beantwortung folgender Anfrage: 1. Wie verlief das Projekt seit der Annahme durch den Gemeinderat? 2. Wann wurde das Projekt beendet? 3. Sofern das Projekt noch nicht beendet wurde: Wann ist der derzeit geplante Abschluss? 4. Sofern das Projekt abgeschlossen wurde: Wie viele der Teilnehmer fanden seither auf Basis dieser Ausbildung eine IT-bezogene Anstellung? 5. Was ist der bis dato feststellbare Mehrwert der Linzer Steuerzahler aus diesem Projekt? 6. Was ist der künftig erwartete Mehrwert für die Linzer aus diesem Projekt? 7. Wie hoch belaufen sich bis dato die tatsächlichen Kosten für dieses Projekt? 8. Wie hoch waren die externen Beraterkosten für die Entwicklung bzw. weitere Abwicklung dieses Projekts? 9. Wer wurde jeweils dafür beauftragt? 10. Sind derzeit weitere ähnlich gelagerte Projekte geplant? Wenn ja, bitte um Details dazu. 11. Sehen Sie die Kosten für den Steuerzahler in einem adäquaten Verhältnis zum derzeit feststellbaren Nutzen? Ich danke für die Beantwortung der Fragen!“
AntwortEinblendenAusblenden
Bevor ich auf die konkreten Fragestellungen eingehe, möchte ich einleitend darlegen, dass diese Initiative - die stets als Pilotprojekt angedacht war - auf Basis einer Analyse nach den bekannten Halloween-Krawallen 2022 ins Leben gerufen wurde. In der Analyse waren die Landespolizeidirektion, Hilfsorganisationen im Bereich der Betreuung von Flüchtlingen (das Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Volkshilfe) und Expert*innen des Arbeitsmarkts involviert. Zusammenfassend wurde damals festgehalten, dass es sich bei den Beteiligten der Krawalle primär um junge Männer handelte. Einer der Gründe für die Gewalttendenzen ist oftmals die lange Beschäftigungslosigkeit dieser Personengruppe. Es wurde die Empfehlung ausgesprochen, neben allgemeinen Integrationsmaßnahmen - wie Deutschkursen - auch für Beschäftigung zu sorgen. 30 Nach Analyse der Fähigkeiten beziehungsweise des Bildungsniveaus, stellte sich dann heraus, dass es hier um eine Personengruppe geht, die über „Skills“ für den vom Fachkräftemangel betroffenen Informationstechnik (IT)-Bereich verfügt. Vor diesem Hintergrund wurde das Pilotprojekt „Code.Fusion“ als Arbeitsmarkt- und Integrationsprojekt konzipiert. Ziel war es, dass nach der Pilotierung die Kosten der Fortsetzung durch die Wirtschaft übernommen werden, die diese Fachkräfte sucht. Daran wird weiterhin durch den Ausbildungsbetrieb „Coders.Bay“ gemeinsam mit dem Berufsförderungsinstitut (BFI) gearbeitet. Ich komme nun zu den Fragen. Zu 1.: Im Herbst 2023 wurden in einem mehrstufigen Prozess zehn Asylwerbende, also drei Frauen und sieben Männer, für die sechsmonatige Ausbildung von Jänner bis Juni 2024 ausgewählt. Alle zehn Teilnehmer*innen haben die Ausbildung abgeschlossen und das Zertifikat „Junior Developer*in“ erhalten. In dieser Phase mussten sie auch ihre Deutschkenntnisse verbessern. Zu 2.: Die Ausbildung endete mit dem Projektabschluss am 25. Juni 2024. Zu 3.: Ich habe schon erwähnt, das Projekt wurde bereits beendet. Zu 4.: Die allgemeine wirtschaftliche Lage erschwert derzeit die Arbeitsmarktintegration der Absolvent*innen von „Coders.Bay“. Generell bestehen jedoch noch mehrere Initiativen, um die Teilnehmer*innen mit potenziellen Arbeitgeber*innen zu vernetzen. Ein Teilnehmer hat in Wien eine Anstellung und somit auch ein Visum erhalten. Die restlichen Teilnehmenden stehen im laufenden Bewerbungsprozess, unter anderem auch in einer zweiten Interviewrunde. Eine Teilnehmerin entschied sich, die Abendmatura anzuschließen, um ab Frühjahr 2025 eine Lehrausbildung im IT-Bereich anzustreben. Zu 5.: Dieses Projekt war, und das habe ich schon eingangs erwähnt, grundsätzlich als Pilotprojekt konzipiert, um festzustellen, ob Asylwerbende, als mögliche zukünftige Leistungsträger*innen, best- und schnellstmöglich fit für einen Bereich gemacht und dadurch besser in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Österreich integriert werden können. Das Pilotprojekt diente auch dazu, um gemeinsam mit der Wirtschaft festzustellen, ob diese Vorgangsweise ohne öffentliche Mittel skalierbar sein könnte. Zu 6.: Aufgrund der Attraktivierung des Standorts Linz wird die Basis für internationale Neuansiedlungen von Industrie- und IT-Unternehmen gelegt, die dringend für die digitale Transformation benötigt werden. Start-ups erhalten die Möglichkeit, passendes Personal für deren Wachstum zu finden. Das Pilotprojekt diente dazu, dass die Wirtschaft bei besserer wirtschaftlicher Lage davon profitieren kann und dann selbst die Ausbildungskosten trägt. Zu 7.: Die Gesamtkosten für die Stadt Linz belaufen sich auf 110.275 Euro. Zu 8.: Die externen Berater*innenkosten für dieses Projekt belaufen sich auf insgesamt 24.000 Euro und ich verweise hier auf den Stadtsenatsbeschluss vom 13.12.2023. Zu 9.: Wie im Stadtsenat am 13.12.2023 beschlossen, wurde mittels Direktvergabe Gerhard Strasser, Unternehmensberater, aufgrund seiner langjährigen Erfahrung am Arbeitsmarkt, beauftragt. 31 Zu 10.: Nein, derzeit sind seitens der Stadt Linz keine ähnlich gelagerten Projekte geplant. Zu 11.: Ja, das finde ich, denn der Mehrwert dieser Initiative wurde mittlerweile auch auf Bundesebene erkannt. ‚Coders.Bay‘ hat eine Förderzusage vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Call ‚Erwachsenenbildung 2025‘ erhalten. Das heißt, das Projekt kann durch die Finanzierung des Bundes nun auch unabhängig von der wirtschaftlichen Situation weitergeführt werden.