Anfrage von Gemeinderat Reder an Bürgermeister Prammer betreffend ‚Burschenarbeit und Prävention problematischer Männlichkeitsbilder in Linz‘

1 · Anfrage · 38. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Fragesteller:
Gerichtet an:

Status:Beantwortet

Zusammenfassung

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Die Stadt Linz beschreibt mehrere Zuständigkeiten und Förderungen im Bereich Burschenarbeit, geschlechtersensible Jugendarbeit, Gewaltprävention und Medienkompetenz. Genannt werden unter anderem Projekte wie „Heldinnen der Veränderung“, „Schule zeigt Haltung“, die Männerberatung Linz, „Zukunft und Integrität“ sowie die Kampagne „#sagwas - Mann spricht’s an“, die sich mit problematischen Männlichkeitsbildern, Gewalt gegen Frauen und digitaler Sensibilisierung befassen. Als Begründung werden Unsicherheiten junger Männer, der Einfluss sozialer Medien und die Prävention von Gewalt, Radikalisierung und sozialem Rückzug angeführt. Die Stadt verweist auf Kooperationen mit Schulen, Jugendarbeit, Beratungsstellen und externen Trägern sowie auf Reichweiten und Förderbeträge der einzelnen Angebote. Insgesamt wird ein breites Netz aus Bildungs-, Sozial-, Gesundheits- und Präventionsmaßnahmen dargestellt.

Schlagwörter (10):burschenarbeitgeschlechtersensible jugendarbeitgewaltpräventionmedienkompetenzmännlichkeitsbilderjugendarbeitschulkooperationmännerberatungradikalisierungkampagne
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„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, die Lebensrealitäten vieler junger Männer sind zunehmend von Unsicherheiten in Bezug auf Rollenbilder, gesellschaftliche Erwartungen und persönliche Zukunftsperspektiven geprägt. Parallel dazu gewinnen digitale Räume und soziale Medien weiter an Bedeutung. In diesem Zusammenhang gewinnen auch sogenannte ‚manosphere‘-Milieus an Bedeutung, also lose Netzwerke von Online-Communities, Influencer*innen und Plattformen, in denen problematische Vorstellungen von Männlichkeit verbreitet werden. Diese reichen von antifeministischen Positionen bis hin zur Normalisierung von Frauenfeindlichkeit, Abwertung von Gleichstellungspolitik oder der Verharmlosung von Gewalt. Internationale wie nationale Studien sowie Praxisberichte aus der Jugendarbeit zeigen, dass qualitätsvolle Burschenarbeit, gendersensible Pädagogik, Medienkompetenzvermittlung sowie niederschwellige Beratungsangebote einen wesentlichen Beitrag zur Prävention von Gewalt, Radikalisierung und sozialem Rückzug leisten können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Rolle die Stadt Linz im Bereich der Burschenarbeit und der Prävention problematischer Männlichkeitsnormen einnimmt und welche Angebote, Strukturen und Ressourcen in Linz aktuell bestehen. Daher bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Welche Stellen bzw. Abteilungen der Stadt Linz beschäftigen sich aktuell mit den Themen Burschenarbeit, geschlechtersensible Jugendarbeit, Gewaltprävention und Medienkompetenz in Bezug auf junge Männer? 2. Welche Projekte, Initiativen oder Träger*innen werden bzw. wurden in diesen Bereichen seit 2021 durch die Stadt Linz gefördert? Bitte um Aufschlüsselung nach Projektname, Zielgruppe, Fördersumme und Laufzeit. 3. Inwiefern erfolgt eine Zusammenarbeit mit Schulen, außerschulischer Jugendarbeit oder externen Träger*innenorganisationen in diesem Themenfeld? 4. Welche Angebote in Linz thematisieren explizit problematische Inhalte und Dynamiken in sozialen Medien (zum Beispiel TikTok, Instagram, YouTube) im Zusammenhang mit Männlichkeitsbildern? 5. Wie viele junge Männer wurden durch diese Angebote in den letzten Jahren erreicht? Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren und Altersgruppen. Danke für die Beantwortung der Fragen.“
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„Zu 1.: In der Stadt Linz befassen sich mehrere Geschäftsbereiche und Abteilungen mit diesen Themen. Dazu zählen insbesondere der Geschäftsbereich Büro Stadtregierung Linz, in dem unter anderem das Integrationsbüro sowie die Abteilung Wirtschaft und Innovation angesiedelt sind. Das Integrationsbüro arbeitet seit 2025 gezielt zu Burschenarbeit, geschlechtersensibler Jugendarbeit und Gewaltprävention, insbesondere im Rahmen von Projekten wie ‚Held*innen der Veränderung‘ des Vereins für Männer- und Geschlechterthemen und des Vereins für Sozial- und Gemeinwesenprojekte (VSG) sowie in Abstimmung mit der Männerberatung der Volkshilfe Linz. Die Abteilung Wirtschaft und Innovation befasst sich nicht ausschließlich mit jungen Männern, greift jedoch in Beteiligungsformaten wie ‚Create your City‘ sowie in Bildungsangeboten, zum Beispiel ‚hello world‘, ‚Labor der Zuversicht‘ oder ‚Digitaler Elternabend‘, Themen wie Genderstereotype, Medienkompetenz und Gewaltprävention auf. Der Geschäftsbereich Personal und Zentrale Services integriert Themen wie Diversität, soziale Kompetenz und respektvollen Umgang zwischen den Geschlechtern in die Lehrlingsausbildung. Das Frauenbüro setzt Schwerpunkte in Bewusstseinsbildung und Gewaltprävention durch Kampagnen. Der Geschäftsbereich Kinder- und Jugendhilfe (KJH) setzt einen starken Fokus auf gendergerechte Jugendarbeit, Gewaltprävention und soziale Kompetenzen, insbesondere über den Verein ‚Jugend und Freizeit‘, sowie spezialisierte Projekte. Der Geschäftsbereich Kinder- und Jugendservices (KJS) arbeitet im Bereich Gewaltprävention unter anderem in sozialpädagogischen Einrichtungen, Kindergärten, Horten und im Familienzentrum Pichling. Auch der Geschäftsbereich Gesundheit und Sport (GS) greift das Thema im Rahmen einzelner Projekte auf. Zu 2.: Das Integrationsbüro förderte und fördert ‚Held*innen der Veränderung‘ im Jahr 2025 zur Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler, vor allem im Bereich der Mittelschulen. Das Projekt lief von März bis Dezember 2025 und wurde mit 38.000 Euro gefördert. Das Nachfolgeprojekt mit dem Titel ‚Schule zeigt Haltung‘ wird im heurigen Jahr mit 10.000 Euro gefördert. Die ‚Männerberatung Linz‘ der Volkshilfe hat als Zielgruppe Männer und männliche Jugendliche ab 16 Jahren mit Migrationserfahrung. Die Pilotphase von September bis Dezember 2025 wurde mit einer Summe von 4.900 Euro gefördert. Im heurigen Jahr beträgt die Förderung 10.000 Euro. Die Abteilung Wirtschaft und Innovation förderte unter anderem einmalig ‚Allerlei Väter‘ mit einer Fördersumme von 3.333 Euro im Rahmen des Projekts ‚50.000 Euro für 4030 Linz‘ und ‚Hobby Lobby Linz‘ mit einer Fördersumme von 40.000 Euro mit der Zielgruppe Kinder und Jugendliche. Der Geschäftsbereich KJH fördert vor allem den Verein ‚Jugend und Freizeit‘, also den laufenden Betrieb von Jugendzentren, Streetwork und so weiter. Dieser wird seit der Gründung im Jahr 1989/1990 von der Stadt Linz gefördert. Die Fördersumme betrug vergangenes Jahr 3.216.293 Euro. Als Zielgruppe wurden 9.626 junge Menschen erreicht, darunter 61,2 % Burschen. Das Projekt ‚Zukunft und Integrität‘ (Z.In) - das ist eine Arbeit mit delinquenten Jugendlichen mit dem Fokus auf Gewaltprävention - wird seit dem Jahr 2020 gefördert. Vergangenes Jahr betrug die Fördersumme 37.012,80 Euro. 10 Der Geschäftsbereich GS meldet zurück, dass das Projekt ‚MUP - Männerberatung und Prävention‘ der Volkshilfe vergangenes Jahr mit dem Gesundheitspreis ausgezeichnet wurde, der mit einem Preisgeld von 1.200 Euro dotiert war. Das Projekt ‚Entwickle dein ICH und wachse im WIR‘ wurde ebenfalls im Rahmen des Gesundheitspreises mit 1.000 Euro gefördert. Diese Initiative kommt von ‚Mission Mann OG‘. Die Kampagne ‚#sagwas - Mann spricht’s an‘ hatte eine Fördersumme in Höhe von 3.900 Euro. Diese Kampagne, die wir gemeinsam mit dem Sozialministerium geführt haben, hatte eine Laufzeit von 11. Dezember 2025 bis 31. Jänner 2026. Ziel ist es, Männer zu ermutigen, aktiv einzuschreiten, wenn sie Gewalt gegen Frauen beobachten, sowie Verantwortung zu übernehmen. Zu 3.: Das Integrationsbüro arbeitet eng mit der Bildungsdirektion Oberösterreich zusammen. Projekte werden direkt an Schulen umgesetzt - 2025 waren es fünf Schulen, 2026 erfolgt eine Ausweitung auf neun Schulen. Externe Partner*innen sind unter anderem der ‚Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark‘ sowie der ‚Verein für Sozial- und Gemeinwesenprojekte‘. Die Abteilung Wirtschaft und Innovation kooperiert mit Schulen im Rahmen von Workshops, wie ‚Create your City‘ oder Workshops der Digitaluniversität IT:U. Zusätzlich besteht im Netzwerk der ‚MINT Region Oberösterreich Zentral‘ eine Zusammenarbeit zwischen Bildung und Wirtschaft. Der Geschäftsbereich KJH verfügt über ein dichtes Kooperationsnetzwerk, unter anderem mit Polizei, Jugendzentren, Justiz sowie Beratungsstellen, und arbeitet eng mit Schulen über Schulsozialarbeit zusammen. Der Geschäftsbereich KJS kooperiert insbesondere über das Familienzentrum Pichling mit Schulsozialarbeit, dem Verein ‚Neustart‘, Gewaltschutzzentrum sowie weiteren Fachstellen. Von Mitarbeiter*innen des Familienzentrums werden auch gewaltpräventive Workshops in Schulen und Horten angeboten. Auch im Rahmen von Kampagnen des Frauenbüros ist eine Sensibilisierung an Schulen und Jugendeinrichtungen vorgesehen. Zu 4.: Das Integrationsbüro behandelt diese Themen konkret in den Projekten ‚Held*innen der Veränderung‘ und ‚Schule zeigt Haltung‘ etwa durch Reflexion von Männlichkeitsbildern (Projekt ‚Real Man‘) und das Konzept der ‚Caring Masculinity‘. Die Abteilung Wirtschaft und Innovation greift Medienkompetenz unter anderem in Formaten wie ‚hello world Toolkit‘ sowie in Kooperation mit ‚Saferinternet.at‘ auf. Der Geschäftsbereich KJH behandelt problematische Inhalte niederschwellig in Jugendzentren sowie im Rahmen digitaler Kontakte und pädagogischer Arbeit. 2025 gab es 11.668 Onlinekontakte mit 3.484 verschiedenen jungen Menschen durch den Verein ‚Jugend und Freizeit‘. Der Geschäftsbereich GS setzt in Linz die ‚#sagwas - Mann spricht’s an‘-Kampagne seit dem Gemeinderatsbeschluss von 2024 um. Von Dezember 2025 bis Jänner 2026 gab es eine crossmediale Bewerbung über digitale und analoge Kanäle, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Weitere Bereiche, zum Beispiel das Frauenbüro, thematisieren Gewalt und Geschlechterrollen eher im Rahmen allgemeiner Sensibilisierungskampagnen. 11 Zu 5.: Das Integrationsbüro berichtet, dass 2025 über das Projekt ‚Held*innen der Veränderung‘ mehr als 100 männliche Schüler zwischen zehn und 15 Jahren erreicht wurden. Ab 2026 wird mit diesem Projekt durch den Ausbau eine deutliche Steigerung erwartet. Die Männerberatung Linz erwartet heuer eine Reichweite von bis zu 50 Männern ab 16 Jahren. Die Abteilung Wirtschaft und Innovation meldet, dass ‚hello world‘ 2024 374 Teilnehmende hatte, davon 161 Burschen. 2025 waren es 244 Teilnehmer*innen, es gab aber keine Geschlechtertrennung in der Aufzeichnung. Das ‚Labor der Zuversicht‘ hatte 2024 77 Teilnehmende, davon 37 Burschen. 2025 waren es 91 Teilnehmende, auch hier gab es keine Geschlechtertrennung. ‚Create your City‘ hatte bisher insgesamt mehr als 1.100 jugendliche Teilnehmer*innen, aber auch hier gibt es keine Geschlechterdaten. Der Geschäftsbereich KJH meldet, dass 2025 durch den Verein ‚Jugend und Freizeit‘ 9.626 junge Menschen erreicht wurden, davon 61,2 % Burschen. Es gab durch den Verein ‚Jugend und Freizeit‘ 11.668 Online-Kontakte mit 3.484 Jugendlichen. Das Projekt ‚Zukunft und Integrität‘ (Z.In) hatte circa 110 neue Kontakte, davon überwiegend junge Männer. Der Geschäftsbereich GS meldet zurück, dass mit der Kampagne ‚#sagwas - Mann spricht’s an‘ mehr Männer als Frauen, nämlich 56 zu 42 %, erreicht wurden. Insgesamt wurden 911.000 Personen, davon 510.384 Männer, mit der Anzeige des städtischen Geschäftsbereichs Kommunikation und Marketing (KOMM) in Zusammenarbeit mit GS erreicht. Es wurde eine breite Altersstreuung erzielt, mit Schwerpunkten in den Altersgruppen 25 bis 34 sowie 35 bis 44 Jahre.“