Anfrage von Gemeinderat Mag. Redlhammer an Bürgermeister Luger betreffend „Energieversorgung der Stadt Linz“

2 · Anfrage · 9. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Fragesteller:
Gerichtet an:

Status:Beantwortet

Zusammenfassung

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Die Energieversorgung der Stadt Linz und die erwarteten Mehrkosten durch die stark gestiegenen Strompreise stehen im Mittelpunkt. Begründet wird das Informationsbedürfnis mit knappen Energieressourcen, hoher Inflation und der Frage, wie die Versorgung durch die Linz AG Energie, insbesondere bei Fernwärme und Gas, abgesichert ist. Genannt werden hohe Füllstände bei den Gasspeichern, zusätzliche Vorräte an Erdöl sowie Biomasse und Holz, um auch im Krisenfall die Versorgung für Haushalte, Betriebe und Teile der Fernwärme aufrechtzuerhalten. Für die Unternehmensgruppe der Stadt Linz werden die Auswirkungen auf Stromverbrauch und Budget 2023 angesprochen, ebenso die Bereiche Brucknerhaus, Design Center, Flughafen, Museen und TipsArena. Als Sparmaßnahmen werden reduzierte Effektbeleuchtung, eine Raumtemperatur von 19 Grad in Verwaltungsgebäuden sowie Einschränkungen bei der Beleuchtung in Rathäusern genannt; Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Spitäler sind ausgenommen.

Schlagwörter (10):energieversorgungfernwärmegasversorgungstromkostenbudget 2023versorgungssicherheitenergiesparenklimatisierungöffentliche gebäudelinz ag
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„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, gerade in Zeiten knapper Energieressourcen und hoher Inflation braucht es volle Transparenz über die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der städtischen Energieversorgung und die zu erwartenden Budgeterhöhungen 2023 in diesem Bereich. Mit der folgenden Anfrage soll daher ein Überblick über die Energieversorgung der Stadt erlangt werden. Es wird daher folgende Anfrage gestellt: 1. Welche Maßnahmen wurden bisher getroffen, um die Energieversorgung durch die Linz AG Energie sicherzustellen? 2. Welche Maßnahmen werden getroffen bzw. sind in Vorbereitung, um die Energieversorgung durch die Linz AG Energie sicherzustellen, insbesondere die Versorgung durch Fernwärme in Linz? 3. Kosten: Die dramatische Erhöhung der Stromkosten wird massiven Einfluss auf die Budgets 2023 der Unternehmensgruppe der Stadt Linz (UGL) haben. 4. Wie hoch ist der gesamte Stromverbrauch der Unternehmensgruppe der Stadt Linz Holding GmbH (UGL) 2022 und mit welchen Kosten wird bis Jahresende gerechnet. 5. Wie hoch sind die zusätzlich zu erwartenden Stromkosten für die UGL auf Basis des derzeitigen Stromverbrauches und Kilowattstundenpreises für 2023? 6. Stromverbrauch in Kilowattstunden und Kosten im Vergleich 2022 zu 2023 (Prognose) für folgende Bereiche a) Brucknerhaus b) Design Center c) Flughafen Linz d) Museen der Stadt Linz e) Tipps Arena Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.“
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„Es handelt sich um insgesamt sechs Fragen. Zwei Fragen sind in diesem Gremium, dem Gemeinderat, zulässig. Ich möchte allerdings versuchen, über diese zwei Fragen hinaus 538 einige Informationen über die derzeitige Situation zu geben, auch wenn ich das nicht müsste, da es nicht im eigenen Wirkungsbereich liegt. Ich glaube aber, dass es vermutlich ganz gut ist zu wissen, wie es derzeit mit der Versorgung aussieht. Zu 1.: Seitens der Stadt gibt es hier nur beschränkte Möglichkeiten, nachdem unsere Linz AG ein eigenständiges Unternehmen ist und auch selbstständig die Energieversorgung organisiert. Wir haben aber bereits seit dem Sommer dieses Jahres den Linzer Krisenstab, der sowohl in der Covid-Pandemie als auch bei der Krise mit den ukrainischen Flüchtlingen eine exzellente Arbeit geleistet hat. Wir haben diesen Krisenstab, aus koordinatorischer Sicht, auch mit dem Thema der Energieversorgung beauftragt. Bei den Sitzungen des Krisenstabes ist auch der Leiter der Energieversorgung und die zuständige Geschäftsführung regelmäßig anwesend und wir werden hier auch immer wieder über die aktuelle Versorgungslage unterrichtet. Weil es in unserer Stadt und überhaupt in Österreich eine große Verunsicherung bezüglich der Energieversorgung gibt und viele Menschen Angst haben, nicht nur wegen der Entwicklung der Preise, sondern überhaupt wegen der generellen Versorgungssituation, ist es mir wichtig zu sagen, dass die Versorgungssicherheit in Linz absolut gewährleistet ist. Ich kann das auch mit Zahlen untermauern: Derzeit ist es so, dass wir am letzten Freitag bei unseren Gasspeicherkapazitäten bereits 91 Prozent befüllt haben, das natürlich bei laufendem Betrieb. Aufgrund der getätigten Geschäfte, die wir zum Teil auch während des Wochenendes abgewickelt haben, liegen wir mit Anfang Oktober auf 94 Prozent. Unsere Einkäufer im Energiesektor, in der Energieabteilung der Linz AG, werden diesen Anteil nicht nur halten, sondern versuchen, wenn es nur irgendwie geht – 100 Prozent ist unwahrscheinlich –, aber an die 98 Prozent zu bringen. Nicht technisch formuliert, sind wir selbst für den Fall, dass kein Kubikmeter Gas mehr nach Linz oder Österreich käme, für private Haushalte und gewerbliche Unternehmen, Linzer Betriebe – mit Ausnahme der Industrie, die hängen an eigenen Versorgungssystemen – die im Versorgungsgebiet der Linz AG sind und das ist ja nicht nur Linz, sondern wir versorgen darüberhinausgehend auch die Umlandgemeinden – mit Verlaub flapsig gesagt, das halbe Mühlviertel – bis Ende März bis Mitte April, je nach Gasverbrauch 100 Prozent abgesichert sind. Derzeit fließen nach wie vor Gasmengen, sodass nicht davon auszugehen ist, dass es hier zu Problemen kommt. Wer weiß, was nach diesem Zeitraum geschieht, möge sich bei anderen Institutionen und nicht nur bei mir melden. Mit der Glaskugel ist man hier nicht sehr weit gekommen, die Märkte sind volatil und die politische Entwicklung ist nicht vorhersehbar. Zumindest können wir aber unsere Bevölkerung sagen, wie lange wir safe sind. Ich kann Sie auch darüber informieren, dass wir uns – soweit das technisch möglich ist – auch mit Erdöl und Erdöl schwer eingedeckt haben. Falls das totale Horrorszenario eintritt, dass wir unsere Gaslieferungen, die wir jetzt haben, nicht nutzen dürfen – die Bundesregierung könnte auch entscheiden uns Gas wegzunehmen –, dann hätten wir für 50 Tage so viel Erdöl, um zumindest einen Mindestteil der Fernwärme und damit auch der Stromerzeugung, wie wir wissen, aufrecht zu erhalten. Besser schaut es sogar noch bei Biomasse und Holz aus. Ich bin meinen Mitarbeitern in der Linz AG besonders dankbar, denn wir haben hier derzeit Holzmengen für den Verbrauch von ca. vier Monaten, auch das ist in Biomassekraftwerken einsetzbar. Hier sind wir ebenfalls – das sage ich ohne Übertreibung – eindeutig besser abgesichert als viele andere Landesversorger und viele andere Städte. 539 Ich glaube wir können, was die Versorgungssicherheit betrifft, zumindest in diesem Winter der Bevölkerung glaubhaft die Ängste nehmen. Die Preisentwicklung ist etwas, das weder von einer Linz AG noch von einer Stadt regelbar ist, da ist der Bund gefordert. Bei manchen Themen, wie zum Beispiel der Gaspreisbildung insgesamt, ist bekanntlich die Europäische Union verantwortlich. Ich habe damit versucht, auch die Fragen 3, 4, 5, 6 darzustellen und zu bearbeiten. Es war auch eine Frage, wie derzeit die Versorgungsentwicklung in den einzelnen Unternehmen, wie im Brucknerhaus, Design Center, Flughafen, Museen, TipsArena ist. Für all das gilt das Gesagte, das sind alles Unternehmen, die im Versorgungsgebiet der Linz AG liegen und die damit auch zu diesen Energiemengen einen Zugang haben. Zu 2.: Ich habe mich vorher schon darauf konzentriert, darzustellen, welche Maßnahmen wir eingeleitet haben, wie es mit der Gasversorgung aussieht, das ist natürlich alles unter dieser Frage zu sehen. Ich möchte aber hier auch noch darüber informieren, dass wir nicht nur im Einkauf tätig sind, sondern auch Maßnahmen gesetzt haben, um Energie zu sparen. Mit Verlaub, Sie werden keine Tipps von mir bekommen, dass Sie beim Spaghetti-Kochen einen Kochdeckel verwenden sollten, das wird nicht sehr versorgungsrelevant sein. Es ist auch bei uns so, dass bestimmte Maßnahmen des Energiesparens auf der kommunalen Ebene, nicht immer diese Mengen an Ersparnis bringen, die wir uns wünschen. Im Folgenden ein paar Maßnahmen, die zeigen, dass wir schon auch einen Beitrag leisten, der aber absolut nichts, schon gar nicht am Ende des Tages dazu beitragen kann, wenn sich die Lage zuspitzt, denn dann sprechen wir über Mengen, die kein Mensch einsparen kann. Aber, was haben wir gemacht? Wir haben die Effektbeleuchtung reduziert, wo wir pro Jahr so um die 75.000 Kilowattstunden verbraucht haben. Nur mit diesen Maßnahmen sparen wir 25.000 Kilowattstunden ein, 75.000 minus 25.000, das sind glaube ich ein Drittel und das ist in Ordnung. Dabei haben wir versucht einen Kompromiss zu finden, zwischen gänzlichem Abschalten und dem Formen von so ein bisschen einer psychologischen Geisterstadt und einem Beleuchten quasi rund um die Uhr oder 16 bis 18 Stunden im Winter. Wir schalten die Effektbeleuchtung jetzt bei Dämmerungsbeginn ein, dieser ändert sich immer etwas, jetzt ist es etwas später und im Dezember früher und fix ist, dass um 23 Uhr abgeschaltet wird und in den Morgenstunden nicht mehr aufgedreht wird. Das ergibt diese Reduktion um ein Drittel. Ein Punkt, den Sie heute auch in den Medien lesen konnten, wo Bürgermeister*innen unterschiedliche Meinungen vertreten - ist die Anweisung, die wir auch im Haus haben, die auch die Frau Magistratsdirektorin gegeben hat, dass wir in den Verwaltungsgebäuden die Zimmertemperatur auf 19 Grad abstellen. Das ist mit mir akkordiert und ich stehe auch 100-prozentig dazu. Es gibt Kolleg*innen, die meinen 20 Grad wären passend, die anderen 21 Grad und es gibt welche, die geben Tipps, Pullover zu tragen. In dieser relevanten Frage, ob man bei 19 Grad erkranken könnte oder nicht, wurde sogar der Arbeitsmedizinische Dienst befasst. Ich glaube, dass man auch hier ein vernünftiges Augenmaß behalten sollte und ich betrachte diese Sparmaßnahme als zumutbar. Wir haben explizit auch unsere Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen und selbstverständlich die Pflegeeinrichtungen ausgenommen. Bei anderen Rechtsträgern sind beispielsweise natürlich auch Spitäler ausgenommen. Wo wir auch zu sparen versuchen, soweit es möglich ist, ist die Beleuchtung in unseren Rathäusern. Hier ist es aber so, dass die Gangbeleuchtung aus Sicherheitsgründen zwischen 5 Uhr morgens und 20 Uhr am Abend eingeschaltet bleibt. Das hängt auch mit den Dienstzeiten der Mitarbeiter*innen zusammen, die dann nicht mit einer Taschenlampe im Neuen Rathaus herumlaufen sollten, wenn sie schon einmal auch wirklich länger arbeiten. 540 Soweit meine bisherige Beantwortung und zu dem, was ich in diesem Rahmen berichten kann. Ich möchte nochmals unterstreichen, dass wir für diese Heizperiode safe sind, wie man das so schön sagt. Das wiegt aber auch uns nicht in irgendeiner selbstzufriedenen Ruhe, weil keiner weiß, wie es im Frühjahr mit der Versorgungslage weitergeht.“