Anfrage von Gemeinderat Ing. Casny an Vizebürgermeisterin Hörzing

1 · Anfrage · 4. Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz

Fragesteller:
Gerichtet an:

Status:Beantwortet

Zusammenfassung

KI Generiert

Einsamkeit im Alter und die städtischen Angebote dagegen stehen im Mittelpunkt. Behandelt werden die erreichten Zielgruppen von SPALLER.MICHL und Club Aktiv, die Ausweitung auf weitere Stadtteile sowie die Frage, wie auch schwer erreichbare ältere Menschen besser angesprochen werden können. Genannt werden aufsuchende Hilfen, Nachbarschaftshilfen, Seniorenzentren als Netzwerkzentren, Community Nurses, Essen auf Rädern, Schlüsselpersonen und kirchliche Kontakte. Auch digitale Formate wie Smartphone-Schulungen und die Smartphone-Tage mit 1200 Teilnehmenden werden als Ergänzung zu persönlichen Beziehungen beschrieben. Für die Arbeitsgruppe liegen noch keine Quick-Wins vor; als nächster Schritt soll eine stadtteilbezogene Angebots- und Netzwerkkarte erstellt werden.

Schlagwörter (10):einsamkeit im alterseniorenarbeitsozialberatungaufsuchende hilfennachbarschaftshilfecommunity nursesdigitale angebotestadtteilarbeitgesundheitsförderungsozialprogramm
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„Einsamkeit im Alter ist nicht nur seit der Corona-Pandemie ein bestimmendes Thema in der Lebensrealität vieler älterer Menschen. Einsamkeit erhöht das Risiko körperlich und/oder psychisch zu erkranken. Depression, Antriebslosigkeit und der Verlust von Lebensmut werden durch Einsamkeit verstärkt. In der Realität hat jede und jeder Betroffene eine eigene Lebensgeschichte, einen anderen sozialen Hintergrund und eine andere Persönlichkeit. Es erscheint deshalb besonders wichtig die Heterogenität einzelner Lebensbiografien bei der Entwicklung passender Angebote zu berücksichtigen. Erfreulicherweise wurde im September 2021 eine Arbeitsgruppe zum Thema ,Einsamkeit im Alter‘ gestartet um den Erfolg bestehender Angebote zu evaluieren und neue Ideen zu sammeln. In diesem Zusammenhang darf ich um Beantwortung folgender Fragen ersuchen: 1. Welche Zielgruppen werden mit den bestehenden Angeboten wie Club Aktiv oder SPALLER.MICHL erreicht? a) Welche Zielgruppen konnten bisher nicht erreicht werden? b) Wie viele Seniorinnen und Senioren wurden bisher mit dem Projekt SPALLER.MICHL erreicht? c.) Wie kann sichergestellt werden, dass niemand übersehen wird? 2. Ab wann soll das Projekt SPALLER.MICHL auf andere Stadtteile ausgeweitet werden? 3. Frauen sind nach dem Verlust des Partners vergleichsweise stärker betroffen als Männer - gibt es Angebote welche sich speziell oder insbesondere an Frauen richten? 4. Welche aufsuchenden bzw. zugehenden Angebote werden von Seiten der Stadt gefördert/angedacht? 5. Werden Schlüsselpersonen genutzt um Kontakt zu einsamen Menschen herzustellen und passende Angebote zu vermitteln wie bspw. Ärzte, Apotheker oder Seelsorger? a) Wird in diesem Zusammenhang mit Pfarrgemeinden bzw. anderen kirchlichen Institutionen zusammengearbeitet bzw. ist eine Zusammenarbeit angedacht? 6. Welche digitalen Angebote zur Begegnung der Alterseinsamkeit gibt es seitens der Stadt Linz? a) Wie wurden die Smartphone-Tage der Stadt Linz angenommen (Anzahl Teilnehmer)? b) Digitale Angebote bergen auch immer ein gewisses Exklusionsrisiko, wie wird diesem begegnet? 7. Gibt es bereits Zwischenergebnisse oder ,Quick-Wins‘ aus der Arbeitsgruppe, die rasch umgesetzt werden können? 8. Was ist der konkrete weitere Zeitplan der Arbeitsgruppe und wie sehen die nächsten Schritte aus?“
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Dazu Vizebürgermeisterin Hörzing: Zu 1. und 1.a): Zielgruppe des Projekts SPALLER.MICHL waren die BewohnerInnen 60 Plus am Spallerhof, Bindermichl und im Keferfeld-Oed sowie die bereits in diesem Gebiet ansässigen Organisationen bzw. Initiativen. Club Aktiv hat dieselbe Zielgruppe, allerdings für ganz Linz und diese Zielgruppen werden auch erreicht. 1.b) Im Projektzeitraum wurden 1805 Menschen, genau 1449 BewohnerInnen über 60 Jahre, 86 Kinder und 270 Erwachsene erreicht. Zusätzlich wurden 74 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der Zielgruppe Politik und Verwaltung der Stadt Linz etc. über die Aktivitäten erreicht. 1.c) Rund 30 Einrichtungen in den Stadtteilen wurden mit freiwilligem Engagement auf die Gesundheit von älteren Menschen sensibilisiert. Natürlich hat die Corona Pandemie die Kontaktaufnahmen in der Projektlaufzeit 2019 bis 2021 leider erschwert. Beim Projekt SPALLER.MICHL war die Zielsetzung, Kontakte mit Seniorinnen und Senioren aufzunehmen, sowie Angebote zu setzen, aber alles auf Basis der Freiwilligkeit. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass mit derartigen Initiativen kaum alle Personen der Zielgruppe erreicht werden können. Beispielsweise gibt es auch Seniorinnen und Senioren, die aus den unterschiedlichsten Gründen keine Kontaktaufnahme wünschen. Zu 2.: Wie bekannt ist, wurde das Projekt SPALLER.MICHL zum Großteil vom Fond ,Gesundes Österreich‘ finanziert. Aktuell finanziert die Stadt Linz noch bis Ende März 2022 den Verein ,dieziwi‘ fünf Stunden pro Woche, um die geknüpften Kontakte aufrechtzuerhalten und die soziale Infrastruktur abzusichern. Mit März 2022 sollen voraussichtlich neue Förderprogramme des Fonds ,Gesundes Österreich‘ erscheinen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist abzuwarten, welche neuen Projekte zu welchen Förderbedingungen eingereicht werden können. Sollte dann nicht unmittelbar an das Projekt SPALLER.MICHL angeschlossen werden können, ist vorgesehen, das Projekt zu evaluieren und gegebenenfalls weiterzuentwickeln, um ähnliche Projekte in weiteren Stadtteilen anzubieten. Zu 3.: Ich gebe zu, bei dieser Frage habe ich lange überlegt, weil ich die Interpretation nicht teile, dass Frauen vom Verlust des Partners stärker betroffen sind, als möglicherweise Männer, wenn sie ihre Frauen verlieren. Ich habe aber dann die Frage für mich und auch folgerichtig uminterpretiert, dass Frauen, nachdem sie eine höhere Lebenserwartung haben, eher von Einsamkeit betroffen sein können, als Männer, insofern beantworte ich die Frage jetzt auch so. Dazu gibt es auch eine wissenschaftliche Grundlage. Ich möchte aber sagen, dass sich die Stadt Linz umfassend zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen bekennt und es keine speziellen Angebote, weder für die eine noch für die andere Gruppe, gibt. Zu 4.: Die Sozialberatungsstellen Kompass sind Ansprechstellen für Beratungen in allen Lebenslagen. Im neuen Sozialprogramm finden sich im Speziellen für die ältere Generation Überlegungen, um bei wesentlichen Bruchlinien verstärkt den Kontakt zu suchen und Unterstützung und Hilfe anzubieten. Besonders die Gemeinwesenarbeit hat auch den Auftrag, aufsuchende Arbeit zu leisten. Aus diesem Grund ist der mobilen Stadtteilarbeit im neuen Linzer Sozialprogramm auch ein Schwerpunkt gewidmet. Die Nachbarschaftshilfen, die sich besonders während der Corona-Pandemie etabliert haben, sind ein guter Ansatz, um weitere aufsuchende Angebote auszubauen. Ebenfalls im Linzer Sozialprogramm verankert, ist der Ausbau der Seniorenzentren zu Netzwerkzentren im Stadtteil. Darüber hinaus hat sich die Stadt Linz auch für das Pilotprojekt ,Community Nurses’ beworben. Ein zentrales Element der Aufgaben dieser ,Community Nurses’ stellt der präventive Hausbesuch für Menschen ab 75. Lebensjahr dar. In diesem Zusammenhang darf auch auf die wichtige Aktion ,Essen auf Rädern‘ nicht vergessen werden, wo ehrenamtliche MitarbeiterInnen nicht nur die tägliche Versorgung ins Haus bringen, sondern sich auch immer Zeit für einen kurzen Austausch nehmen und so Abwechslung in den Alltag von älteren Menschen bringen. Weiters gehören auch alle weiteren Angebote der Mobilen Hilfe und Betreuung dazu. Zu 5. und 5.a): Natürlich stehen die Sozialberatungsstellen Kompass und die Gemeinwesenarbeit der Stadtteilzentren in regelmäßigem Kontakt zu unterschiedlichen Personen und Einrichtungen, die Schlüsselpositionen einnehmen. Dies gilt natürlich auch für die Pfarrgemeinden und kirchlichen Institutionen als wichtige Akteuren in den Stadtteilen. Auch ich persönlich suche hier den regelmäßigen Austausch. Zu 6.: In den Stadtteilzentren gibt es Smartphone-Schulungen, die älteren Personen neue Arten der Kommunikation ermöglichen. Außerdem haben die Stadtteilzentren bewusst über Facebook ältere Menschen angesprochen, in dem sie Geschichten mit Personen im Stadtteil geteilt haben. Zu 6.a): Die Smartphone-Tage als Angebot des Innovationshauptplatzes wurden von 1200 Personen genutzt. Zu 6.b): Digitale Angebote werden kleinräumig in einem überschaubaren Wirkungsbereich angeboten, damit auch ein individuelles Eingehen möglich ist. Zudem können diese immer nur eine Ergänzung zu persönlichen Beziehungen darstellen. Es ist daher kein Ziel, persönliche Angebote durch digitale zu ersetzen. Zu 7.: Derzeit liegen noch keine ,Quick-Wins‘ vor, das ist aber der aktuell pandemiebedingt, sehr eingeschränkten Situation geschuldet. Zu 8.: Die Arbeitsgruppe steht erst am Anfang. Im nächsten Schritt ist angedacht, dass die bestehenden Angebote in Form einer stadtteilbezogener Angebots- und Netzwerkskarte erhoben werden, um von Beginn an auch Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Das Sozialressort und das Gesundheitsressort sind darüber hinaus in das Projekt ,Altern in unserer Mitte‘ des Netzwerkes ,Gesunde Städte‘ eingebunden. Neben Linz sind es auch die Städte Tulln, Graz und Wörgl, die an diesem Projekt beteiligt sind. Ich erwarte mir aus diesem Projekt und dessen professioneller Begleitung auch fundierte Kenntnisse zu vielen der genannten Fragestellungen. Soviel zu meiner Anfragebeantwortung.“